Bergbau in Isenburg
Bendorf Umgebung
Dieser Aufsatz ist zuerst erschienen in: Heimat-Jahrbuch 1982 Des Landkreises Neuwied Bergbau in Isenburg Von Karlheinz Schönberger † (Gründungsmitglied der GGH) Isenburg hat eine besondere geographische Lage, das stark zertalt im Achsenkreuz von Sayn-, Iser- und Ommelsbach liegt. Zwischen dem tiefsten Punkt dieser Region (125 m - Hauptstraße 42) und der höchsten Erhebung (314 m - Iserkopf) liegt eine Höhendifferenz von 189 m. Setzt man diese Zahlen in Relation zu einer Katasterfläche von nur rund 400 ha, so laßt sich ersehen, daß für eine ausgedehnte und hohe gewinnbringende land- und forstwirtschaftliche Nutzung schlechte strukturelle Bedingungen gegeben sind. Dafür war aber der Ort lange Zeit Mittelpunkt eines regen Bergbaubetriebes, wobei eine ganze Reihe Eisenerz- und Dachschieferbergwerke betrieben wurden. Da es sich hierbei um die Gewinnung von Bodenschätzen handelt, soll auch der Bimsabbau, der dank einer ergiebigen und weiträumigen Ablagerung nach dem zweiten Weltkrieg für die Gemeinde einen außerordentlichen Aufschwung brachte, der Vollständigkeit halber hier kurz angemerkt werden. Die ausgebeuteten Flächen dieses erdgeschichtlich viel jüngeren Bodenschatzes, der ja bekanntlich dem vulkanischen Ausbruch des Laacher Sees um 9000 v. Chr. entstammt, wurden nach kurzer Zeit rekultiviert und der waldbaulichen Nutzung zurückgegeben. Eisenerze Die ältesten Bergwerke, in denen braun- und spateisensteinhaltiges Erz im Tage- und Stollenbau gefördert wurde, lagen in unmittelbarer Nähe der Grenze zwischen Heimbach-Weis und Isenburg. Während die Gruben "Benignus", "Emma" und Ludwig II" in der Gemarkung Heimbach-Weis lagen, befinden sich in der angrenzenden Dorfflur von Isenburg die Grube "Ludwig I" und "Hausenborn", die am 1. April 1855 von den Isenburgern Peter Wiegel, Simon Schmengler und Wilhelm Becker gemutet wurde und als erste Bergbautätigkeit nachgewiesen ist. Die Ausbeutungsrechte wechselten aber sehr häufig den Besitzer. Als letzter Betreiber wird 1899/1900 Louis Schramm aus Wiesbaden genannt. Während man in der ersten Zeit das Erz durch eine Rutsche ins Tal gelangen ließ, wurde später durch den Ingenieur Ernst Franke eine Bremsberganlage konstruiert, die den bergpolizeilichen Vorschriften entsprach und die geförderten Eisensteine in einem Trichter aufnahm, aus dem die Lohnfuhrwerke gefüllt wurden, um das Material zur Mülhofener Hütte zu bringen. Mauerreste eines kleinen Hauses stehen heute noch unterhalb der Kirchenruine Hausenborn, wo das Hausenborner Floß am Stollenende aus dem Fels quillt und dann seinen Weg ins Tal zum Saynbach nimmt. Wie man den spärlichen bergbaulichen Aufzeichnungen entnehmen kann, gab es auch innerhalb der gemeindlichen Gemarkung eine Grube "Carolus", in der durch die Isenburger Carl und Wilhelm Görgens neben Eisenerzen noch Schwefelkies gewonnen wurde. Im Distrikt "Ginsterthal" lag eine weitere Eisensteingrube mit der Bezeichnung "Mit Gott 29", die von 1856 bis 1865 mit Unterbrechungen betrieben wurde. Schiefer Von weitaus größerer Bedeutung als das Eisenerzvorkommen war der Bergbau auf Dachschiefer. In und unmittelbar bei Isenburg waren die Dachschiefergruben "Bertha", "Constantin", "Henriette", " Iserthal" und "Marianne" verliehen und im vorigen Jahrhundert lange Zeit im Tage- und Stollenbau betrieben worden. Am nachhaltigsten war der Abbau im Schieferbergwerk Iserthal mit einer 18 m starken Schieferschicht, wo bei sich der Schiefer durch eine besonders gute Qualität, d.h. durch ebenflächige Spaltbarkeit, Festigkeit und ein gleichmäßig dichtes, feinkörniges Gefüge auszeichnete. Dieses bedeutende Dachschiefervorkommen wurde von Wilhelm Görgens am 28. März 1861 vorschriftsmäßig unter dem Namen "Iserthal" gemutet. Wie aus der am 31. Mai des gleichen Jahres ausgestellten Verleihungsurkunde des Fürstlich Wiedischen Bergamtes zu entnehmen ist, wurde das Bergeigentum des Bergwerkes Isertahl mit einer Fundgrube zu 54 Lachter und einem Maß zu 42 Lachter Länge nebst einer Vierung von 21 Lachter ins Hangende und 21 Lachter in Liegende (1 Lachter = 2.0924 m) zur Gewinnung des darin vorkommenden Dachschiefers nach Vorschrift der Nassauischen Bergordnung vom Jahr 1559 verliehen. In den ersten Jahren waren hier 5 Grubenarbeiter beschäftigt, von denen etwa 40- 75 Reiß (1 Reiß = 2,40 stehender Meter Schiefer)
Dachschiefer je Quartal abgebaut wurden. Im Jahre 1873 betrug der durchschnittliche Schichtlohn für die achtstündige Schicht 12 Silbergroschen. Auch die Rechte an der Grube Isertahl wechselten mehrmals den Besitzer. Nach dem Tode von Wilhelm Görgens am 15. September 1890 wurde das Bergwerk am 5. Juni 1891 auf den Namen a) des Carl Görgens zu Isenburg b) des Wilhelm Görgens zu Isenburg c) der Ehefrau des Heinrich Birkenbeil, Katharina geb. Görgens zu Heimbach-Weis d) der Ehefrau des Hermann Kohnz, Maria, geb. Görgens zu Isenburg zu je 1/4 Anteil übertragen. Am 17. November 1892 wurde die Grube an die Firma Heiligenstadt in Hannover abgetreten, die sie am 7. Januar 1899 für 10.000 Mark an die Eheleute Wilhelm Görgens in Isenburg wieder veräußerten. Am 11. Oktober 1920 erfolgte letztmalig ein Verkauf an die Firma Karl Hermann in Remscheid, die aber bereits 1922 die Grube stillegten. Als ein weiteres, bedeutsames Schiefervorkommen muß das ausgangs Isenburgs nordöstlich an der Straße nach Kleinmaischeid gelegene Bergwerk "Constantin" gesehen werden, das am 7. Juni 1864 dem Constantin Königs zu Düsseldorf und dem Mathias Böhr zu Engers verliehen wurde. Wie man einer Aufstellung des damaligen Obersteigers Keil entnehmen kann, waren im Jahre 1872 - 9 Arbeiter beschäftigt, die aus Isenburg und den umliegenden Dörfern kamen und durchschnittlich 34 Familienangehörige zu ernähren hatten. Letzter Betreiber der Grube war bis zum Jahr 1877 Louis Baus aus Berlin. Die Ausbeute in dem der Grube Iserthal auf der anderen Bachseite gegenüberliegenden "Barbara- Stollen", der Grube "Bertha" im Saynbachsberg, der Grube "Henriette" im Ommelsberg und der Grube "Marianne" im Distrikt "Nasse Schleife", die alle im vorigen Jahrhundert betrieben wurden, war wesentlich geringer. Die schroffen Felshänge unmittelbar neben der Grube Isertal. Links: unbrauchbares Schiefermaterial Überall in den schroffen Felshängen des Sayn-, Iser- und Ommelsbachtales fraßen sich die Stollen ins Bergesinnere. Obwohl die bergbaulichen Erfolge sehr u n t e r s c h i e d l i c h e Ergebnisse zeigten, waren die Menschen damals hier von einem regelrechten "Bergfieber" befallen, bis der Bergbau, der über Jahrzehnte geblüht hat, zum Erliegen kam. Als der letzte Weltkrieg sich seinem Ende näherte, erlangten einige Stollen wieder eine besondere Aktualität. Da der Ort unter starkem Beschuß stand, suchte die Bevölkerung hier Schutz. Tage und Wochen verbrachten die Menschen bei flackerndem Kerzenlicht tief unter der Erde, wo sie trotz einer nur provisorischen Lagerstätte mit dem notwendigsten Hab und Gut ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit fanden. Wie man dem Pressedienst der Landesregierung, Jg. 34, Nr. 196, vom 28. Oktober 1980 entnehmen kann, entwickeln sich alte Bergwerke zu touristischen Attraktionen Auch in Isenburg sollte man Überlegungen anstellen, wenigstens die leicht erreichbare Bergwerksanlage "Constantin" an der B 413 durch Zuweisung einer neuen Funktion zu einem "Schaubergwerk" für interessierte Besucher zugänglich zu machen. Für den neu aus der Taufe gehobenen Verkehrs- und Verschönerungsverein, als auch für die Gemeindeverwaltung bietet sich hier eine dankbare Aufgabe, den seit vielen Jahren stark rückläufigen Fremdenverkehr wieder etwas anzukurbeln. Der historische Charakter, die Gunst der Lage und das Attribut landschaftlicher Schönheit reichen heute allein nicht mehr aus. Man sollte ernsthaft prüfen, ob man dem ohnehin sehr spärlichen Freizeitangebot für den Fremdenverkehr nicht neue Impulse geben soll, zumal sich eine solche Maßnahme geradezu anbietet, die mit geringem Kostenaufwand zu realisieren wäre und in den Augen der Landesregierung als eine kommunale "Fremdenverkehrsinfrastrukturanlage" gesehen wird, für die Zuschüsse gegeben werden, um das Angebot für Urlauber zu erweitern. Durch die Öffnung der Stollen, die vor vielen Jahren aufgrund einer Verfügung des Bergamtes geschlossen werden mußten, hätte man auch gleichzeitig wieder eine Überwinterungsmöglichkeit für die Fledermäuse geschaffen. Diese nützlich und selten gewordenen Tiere, die man früher zu Hunderten in den Gruben kopfabwärts hängend sehen konnte, sind schließlich die einzigen zum regelrechten Fliegen befähigten Säugetiere, mit deren Schutz man bei dieser Gelegenheit auch einen kleinen Beitrag zur Erhaltung des biologischen Gleichgewichts in einer schon stark gestörten Umwelt leisten könnte.
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