Sayn - eine Apostelstadt
Sayn
Die Verehrung der Armreliquie des Apostel Simon dazu eine Erläuterung zum Simonsbrunnen und das Pilgerbüchlein des Sayner Priors Godefrid Geller aus dem Jahre 1741 von Dieter Kittlauß Hintergrund dieses heimatgeschichtlichen Beitrags. Vor zwei Jahren gab mir W. Kutsche die Kopie eines Sayner Pilgerbüchleins aus dem Jahre 1741 mit einem Hinweis, ich solle mir das einmal anschauen, ohne dass ich diesem dann besondere Beachtung schenkte. Im vorigen Jahr schaute ich mir den Text - mehr zufällig - genauer an und wurde stutzig: Wenn die erzählte Geschichte von dem Apostelarm, einer Reliquie des Apostel Simons, und seiner jahrhundertealten kultischen Verehrung in Sayn stimmte, war Sayn eine der so genannten deutschen Apostelstädte. Auf einmal sah ich das Reliquiar in der Sayner Abteikirche, das mir bekannt war, mit anderen Augen an. Dann wies mich W. Kutsche auf einen Bericht in der Rheinzeitung aus dem Jahre 1927 (Anm.: 1) hin, in dem Einzelheiten der Sayner Reliquienverehrung berichtet wurden. Angeregt durch eine Kunstausstellung in Köln im Jahre 1972, bei der das ausgestellte Sayner Apostelreliquiar die besondere Aufmerksamkeit der internationalen Kunstwelt erregte, hatte W. Kutsche den Artikel in die Webseite der GGH eingestellt und durch einen Hinweis auf die Ausstellung ergänzt. Weitere Informationen fand ich dann in dem Buch "Die Prämonstratenserabtei" von Franz Hermann Kemp und in dessen von Dietrich Schabow überarbeiteter und aktualisierter Neuauflage.(Anm.: 2) Es kann keinen Zweifel geben, dass Sayn als Apostelstadt gelten kann und dieser Aspekt ein wichtiger Teil der Bendorfer Geschichte ist. Geschichtlicher Hintergrund der Simonswallfahrten Es spricht sehr viel dafür, dass sich die Simonsreliquie seit Beginn des 13. Jahrhunderts in der Sayner Abtei befindet. 1742 erhielt sie durch eine Koblenzer Werkstatt den jetzigen Schrein als Reliquiar (Anm.: 3). Godefrid erzählt in seinem Pilgerbüchlein die Geschichte von dem armenischen Bischof und dem listigen Propst Bruno sehr anschaulich. Nach Kemp ging die Überlieferung auf den Bericht eines Prälaten aus dem Jahre 1258 zurück. Die zeitlich parallele Entwicklung des Mathias -Kultes in Trier rät allerdings zur Vorsicht hinsichtlich der Historizität der Details Gesamtansicht des "Simonsbrunnens" Schon sehr frühzeitig verbreitete sich der Ruf der in Sayn verwahrten Simons-Reliquie im ganzen Rheinland. Zu der Verehrung der Armreliquie kamen Berichte über die Heilkraft des Wassers eines nahe bei der Abteikirche gelegenen Brunnens, in dem die Reliquie während des 30jährigen Krieges versteckt war. Sayn wurde zu einem weit über die Grenzen Bendorfs bekannten Wallfahrtsort. Aufgrund der großen Zahl der Wallfahrer wurde die Reliquie nicht nur am 4. Sonntag nach Ostern, sondern auch die Woche danach (Oktav) und am nächsten, also dem 5. Sonntag nach Ostern öffentlich zur Verehrung ausgestellt. In einer Handschrift des Benediktinerpriors Johannes Butzbach im Kloster Laach vom Jahre 1509 ist von 22000 Pilgern die Rede, die sich am Sonntag auf dem Platz vor der Kirche versammelten‚ um die Festpredigt des berühmten Franziskanerpaters Jasperus zu hören.(Anm.: 4) Die Römische Kirche gab dem Wallfahrtsort Sayn die offizielle Anerkennung. Mehrere Päpste verliehen denjenigen, welche an den genannten Sonntagen von der ersten Vesper des Vorabends bis zum Sonnenuntergang am Tage selbst die Kirche besuchten, vollkommenen Ablass(Anm.: 5). Erst nach der Aufhebung der Abtei durch die Säkularisation(Anm.: 6) liefen die Wallfahrten aus. Da damals Reliquien wenig beachtet blieben(Anm.: 7), ist auch das Armreliquiar des Apostel Simons erhalten geblieben. Kemp vermutetet, dass es zwischenzeitlich in der Steinfelder Mutterabtei aufbewahrt wurde und so wieder in den Besitz der (neu gegründeten) Pfarrei Sayn zurück kam. Das jahrhundertealte religiöse Brauchtum der Apostelwallfahrt ist jedoch in Bendorf weithin aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Anmerkungen: 1 Autor unbekannt 2 Kemp Franz Hermann, Die Prämonstratenserabtei Sayn, Bendorf - Sayn 1977 S. 28ff ; Abtei Sayn, Franz Hermann Kemp (3. Auflage) bearbeitet und ergänzt von Dietrich Schabow mit Beiträgen von Bruno Krings und Johannes Meier, Bendorf - Sayn 2002, 3 Es wurden unterschiedliche Behälter für die Reliquien entwickelt, oft mit hohem künstlerischem und materiellem Aufwand.: einfache Behälter, kleine Truhen, Monstranzen - z.T. mit Sichtfenstern. 4 so Kemp. 5 Nach der mittelalterlichen Theologie hatte der Papst die Möglichkeit, bei Verrichtung bestimmter Bußwerke einen Nachlass der so genannten zeitlichen Sündenstrafen zu gewähren. 6 Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die geistlichen Landesherrschaften aufgehoben und enteignet. Durch einen Reichsdeputationshauptschluss wurde die Rechtsgrundlage geschaffen. 7 Erstaunlicherweise waren bei dem Verkauf des Kircheneigentums die sacralen Kunstgegenstände weniger begehrt. Geschichtlicher Hintergrund des Pilgerbüchleins: 1698 wurde Engelbert Coldendal mit 30 Jahren zum Abt gewählt. Der Chronist gibt ihm das Prädikat "plenus meritis" (reich an Verdiensten). In den 23 Jahren seiner Verantwortung als Abt, erhielt die Abtei Sayn eine neue Blütezeit. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Abtei wurden normalisiert und die Kirche erhielt neben einer neuen Orgel eine reichhaltige barocke Ausstattung. Dazu zählten zwei Seitenaltäre und ein auch ein Hochaltar. Franz Hermann Kemp gibt Details wieder. Die beiden großflächigen Bilder kamen von dem Kölner Maler Meermann, die Schnitzereien und Holzarbeiten wurden durch den Kölner Meister Johann Bruell ausgeführt. Der Hochaltar hatte auf jeder Seite drei mit Ranken und Blüten verzierte Säulen, darüber die Figuren der Apostel Johannes und Simon. 1831 wurde der Altar abgebrochen, da er dem damaligen modischen Geschmack nicht mehr entsprach. Zu den wenigen erhaltenen Barockausstattungen der Abteikirche gehören allerdings die beiden 148 cm großen Apostelfiguren. Sie wurden durch die Firma Port in Münstermaifeld restauriert. Die Simonsfigur befindet sich heute in der Seitenkapelle. Eine besondere Rolle bei der wirtschaftlichen Gesundung der Abtei spielte auch die Wiederbelebung der Simonswallfahrten. Die Päpste Innocenz XII. und Klemens XI. gewährten allen, die zwischen dem 4. und dem 5. Sonntag nach Ostern die Abtei besuchten und den Apostel Simon durch diese Wallfahrt verehrten, einen vollkommenen Ablass. Der Nachfolger Coldendals, Abt Adolph Dahmen, starb schon nach dreijähriger Tätigkeit. Der nächste Abt, Joseph Kappenstein, erhielt 1722 die Benediktion (Abtweihe). Von ihm berichtet die Chronik, dass er den Konvent sehr autoritär geführt habe. 1733 wurde er geisteskrank. Da der Sayner Abt aber auf Lebenszeit gewählt wurde, musste von der Mutterabtei Steinfeld (Anm.: 8) ein Provisorium geschaffen werden. Der Steinfelder Abt, Pater Abba Steinhewer, übernahm deshalb die Oberaufsicht und übertrug dem Sayner Konventualen (> Priestermönch) Godefrido Geller als Prior die Geschäftsführung der Abtei und als Pfarrer die Seelsorge, zu der die Abtei verpflichtet war. (Anm.: 9) Godefrid versuchte, den Wallfahrtsbetrieb zum "wundertätigen Armb des Heiligen Apostels Simonis" zu intensivieren. Deswegen verfasste er ein Pilgerbuch, in dem er die Herkunftsgeschichte der Apostelreliquie erzählt. Außerdem berichtet er von 33 (Anm.: 10) wunderbaren Heilungen und bietet Gebetstexte für Andachten und persönliche Gebete. In einem Anhang wird auf die anderen Reliquien der Abtei, eine Kreuzreliquie und eine Reliquie des als heilig verehrten Prämonstratenserpriesters Hermann Joseph (s.u.) verwiesen. Zum Schluss werden einige persönliche Gebete angeboten. Dem Pilgerbuch ist ein lateinisch verfasster Brief an den Steinfelder Abt vorangestellt. (Seite 1) (Seite 2) Anmerkung: 8) Die Klöster waren durch ein Netzwerk miteinander verbunden. Die Sayner Abtei wurde von Mönchen der Abtei Steinfeld gegründet und unterstand der Aufsichtspflicht des Steinfelder Abtes. 9 Kemp Franz Hermann, Die Prämonstratenserabtei Sayn, Bendorf - Sayn 1977 S. 28ff 10) Die Zahl 33 war eine heilige Zahl im Hinblick auf die 33 Lebensjahre Jesu. Die Gestalt des Apostel Simon und dessen Verehrung: Der Evangelist Markus beginnt sein Evangelium mit einer sehr dramatischen Szene: Jesus begegnet dem wortgewaltigen Asketen Johannes und lässt sich von ihm taufen. Für Markus öffnet sich damit der Himmel, denn nun geht Jesus den Weg, zu dem er gerufen wird. Nach den Wüstentagen beginnt Jesus seine Missionstätigkeit in Gallilä, seiner Heimat, und sammelt um sich Männer und Frauen, die ihn ständig oder sporadisch begleiten. Eine besondere Bedeutung haben 12 Männer, die gewissermaßen als Repräsentanten des (schon lange zugrunde gegangenen) Zwölf - Stämme - Volkes Israel auftreten sollen. In dieser Liste finden wir an vorletzter Stelle den "Simon Kannanäus" (Mk 3,14 ff), den später auch der Evangelist Matthäus in seine Apostelliste übernimmt. Das zugrunde liegende hebräische Wort "qaná" bedeutet leidenschaftlich. Offensichtlich war der Apostel Simon ein Choleriker und vielleicht auch politisch radikal, denn der Evangelist Lukas verändert den Namen in "Simon, der ein Zelot genannt wurde." (Lk 6, 13 ff). (Die Zeloten waren Freiheitskämpfer gegen die römische Besatzungsmacht.) Später übernimmt Lukas diese Beschreibung in seine Apostelgeschichte (Apg. 1,12 ff). In der Folgezeit, als man diese Zusammenhänge nicht mehr verstand, entstand durch das Wort "Kannanäus" die Legende, dass Simon der Bräutigam der Hochzeit zu Kana gewesen sei, die uns der Evangelist Johannes überliefert (Joh. 2,1 ff). Nach einer zweiten biblischen Überlieferung nennt der Evangelist Matthäus unter den Geschwistern Jesu auch als dessen Brüder "Simon und Judas". Dass der Apostel Simon ein Bruder Jesu war, ist also durchaus historisch belegt. Als die "Geschichte von der Jungfrauengeburt" zum Glaubensgut der christlichen Kirche wurde, entstand für die Geschwister Jesu eine andere Deutung: die Heilige Sippe. Danach waren die in den Evangelien genannten Geschwister Jesu die Kinder des Kleopas, des Bruders von Josef, also Vettern Jesu. Nach einer anderen Deutung waren sie Kinder Josefs aus erster Ehe, also Stiefbrüder Jesu. In der frühen christlichen Theologie wurden noch andere Geschichten erwähnt. So berichtet der Kirchenlehrer Origines, dass Simon der zweite Emmausjünger gewesen sei (Lk 24,13ff). Nach einer anderen Überlieferung wurde Simon nach dem Tode seines Bruders Jakobus der Leiter der Jerusalemer Altgemeinde und soll anschließend in Ägypten missionarisch gewirkt haben. Dann sei er mit seinem Bruder Taddäus nach Persien gegangen und hätten dort das Martyrium erlitten. Zur kultischen Verehrung: Am 28. Oktober wird nach dem Kalender der Lateinischen Kirche der beiden Apostelbrüder gedacht. Das Fest ist zuerst in Gallien nachweisbar und wurde schon im Martyrologium Hieronymianum (Matryrerkalendarium aus dem 6. Jahrhundert) erwähnt. Unter der Herrschaft von Kaiser Trajan soll Simon im hohem Alter von 100 oder 120 Jahren gekreuzigt worden sein. Nach der Legende wurde sein Leichnam anschließend zersägt (deshalb die Säge als Attribut), während Taddäus erschlagen wurde (als Attribut die Keule). Der Simonstag wurde oft mit dem Winteranfang verbunden. Dies geben auch Sprichwörter wieder: "Simon und Juda die zwei, führen oft Schnee herbei." "Simon und Judas fegen das Laub in die Gass." "Ist's an Judas hell und klar gibt's Regen erst ab Cäcilia (22.11.)." "Es wird nicht eher warm, bis gezeigt wird Simons Arm". In den orthodoxen Kalendern liegt das Fest der beiden Apostel im Frühjahr ( 27. April bzw. 10. Mai). Simon ist auch heute noch in vielen Ländern ein beliebter Name. Nach Schweizer Namensrecht gehört Simone zu den Vornamen, die das Geschlecht nicht eindeutig bestimmen, der Vorname Simone muss also mit einem anderen eindeutig weiblichen oder männlichen Vornamen kombiniert (z.B. Simone Pietro, Simone Erika) oder in einer eindeutig das Geschlecht bezeichnenden Form (Simon, Simona) gewählt werden. In Österreich gibt es Simon-Bruderschaften und den Simons-Markt. In Bayern existiert eine Simon- Wallfahrt in Pötzmes im Bistum Regensburg; sie beruht darauf, dass im Jahr 1590 ein Bauer an einer Straße ein hölzernes Bild erblickte, das seiner Ansicht nach den Apostel Simon darstellte. Daraufhin errichtete der Bauer an dieser Stelle eine Kapelle aus Holz und stellte das Bild dort auf. Zum Wallfahrtsort wurde das Kirchlein, nachdem eines Tages der Sohn vom Zimmermann des Ortes vom Baum gefallen und wie tot liegen geblieben war. Als der Vater dem Apostel Simon eine neue Kapelle versprach und auch baute, wurde der Junge wieder gesund. Im 17. Jh. wurde an der Stelle dann eine richtige Kirche errichtet. Die Verehrung der Apostel Judas Thaddäus und Simon war auch in Rom sehr verbreitet. Es wird berichtet, dass ihre Reliquien unter zwei besonderen Altären in der früheren vatikanischen Basilika im Mittelschiff ruhten. Bei den feierlichen Vigilien (> nächtlich begangene Vorfeiern zu den Festen) erfolgte bereits im 12. Jahrhundert zu den Reliquienstätten der Apostelbrüder eine eigene Prozession. Beim Neubau der vatikanischen Basilika wurden die Reliquien der beiden Apostel am 27. Dezember 1605 in einen neuen Altar übertragen. Der ganze südliche Querschiffarm des Petersdomes wurden den Aposteln Simon und Judas geweiht. Die Reliquien lagen jetzt unter dem mittleren der drei Altäre (zwischen dem Apostel - Thomas - Altar und dem Altar des hl. Papstes Leo IX.). Papst Paul V. gewährte allen Anwesenden bei dessen Weihe einen vollkommenen Ablass. Die dunkelroten Porphyrsäulen machen den Altar weithin kenntlich. 1963 erfolgte allerdings dessen Umwidmung auf den Hl. Josef ( Fest Josef der Arbeiter). Zwei Mosaiken erinnern noch an die Apostel. In Deutschland galten Hersfeld / Goslar und Bendorf - Sayn als wichtige Reliquienorte des Apostel Simon. 1040 machte der Abt der Hersfelder Abtei dem Kaiser Heinrich III. Reliquien der Apostel Simon und Taddäus zum Geschenk. Anlass war die Gründung des Kollegiatstiftes "St. Simon und Judas" der Goslaer Kaiserpfalz. Die Kirche wurde am 2. Juli 1051 durch Erzbischof Hermann von Köln den Geburtstagsheiligen Heinrichs III., Simon und Judas, geweiht Bis zur Säkularisation waren Goslar und Sayn damit wie Trier Apostelstädte.(Anm.: 11) Der Apostel Simon in der Kunst In den Darstellungen wechseln zunächst die Attribute. Auf einem Email aus Arbe, 12.Jhd. durchsticht ihn eine Lanze, am Dreikönigsschrein von 1200 (Kölner Dom) hält er eine Knüttel als Attribut, am Mareienschrein von 1335 (Aachener Münster, Schatzkammer) ein Schwert. Erst ein Glasfenster (Esslingen, Stadtkirche, St.Dionys) bringt um 1300 das Martyrium mit der Säge. Die von da an ständiges Attribut bleibt. Der Apostel Simon gilt als Patron der Färber, Gerber, Holzfäller und Lederarbeiter Anmerkung: 11) In Trier wird bis heute das Grab des Apostels Mathias verehrt. In der Apostelgeschichte erzählt der Evangelist Lukas die Wahl von Mathias als Nachfolgeapostel des Judas Iskariot. (Apg 1,15ff) Die Gebeine von Mathias wurden angeblich im 4. Jahrhundert im Auftrag der hl. Kaiserin Helena durch Bischof Agricius nach Trier überführt, doch liegen schriftliche Zeugnisse darüber erst aus dem 9. Jahrhundert vor. Ein Matthias-Kult entfaltete sich in Trier seit der Wiederauffindung der zeitweise verschollenen Reliquien um 1050 und wieder am 1.9.1127 und ihrer Übertragung in das Euchariusstift, das seither den Namen des Apostels trägt. Außerdem werden Matthias- Reliquien auch in S. Maria Maggiore in Rom und in S. Giustina in Pavia aufbewahrt. Kurze Erläuterung der christlichen Reliquienverehrung Reliquien (Lateinisch > Reste) sind im strengen Sinne Körperteile von Verstorbenen, in der Regel also Knochen, Haare und andere unverwesliche Teile. Davon zu unterscheiden sind die abgeleiteten Reliquien: Berührungsreliquien (Gegenstände wie Stoff oder Holz),
Gebrauchsreliquien (Gegenstände aus dem Besitz eines Heiligen) und Wunderreliquien (Gegenstände oder Bilder, denen zahlreiche Wunder nachgesagte werden. Religionsgeschichtlich hat der christliche Reliquienkult in der Ahnen- und Helden (Königs) - Verehrung seine Wurzeln. Aus der Steinzeit (5000 v.Chr.) ist durch Ausgrabungen belegt, dass die Verstorbenen direkt unter den Schlafplätzen beerdigt wurden. Auch heute spielt die Ahnenverehrung in der chinesischen Volksreligion und in vielen afrikanischen Stammesreligionen eine große Rolle. Noch im 19. Jahrhundert wurden in Europa Mumien zermahlen und als heilkräftiges Pulver eingenommen. Die Reliquienverehrung lässt sich bereits für die frühe Kirche nachweisen. Im Martyrium Policarpi aus dem 2. Jahrhundert heißt es: "So sammelten wir später seine Gebeine, die kostbarer sind als Edelsteine u. ansehnlicher als Gold, u. bestatteten sie irgendwo, u. es war geziemend". Durch die Verehrung der Reliquien - verbunden mit der Anrufung im Gebet - erhofften sich die gläubigen Menschen die Hilfe des Heiligen für die Lösung irdischer Probleme (Krankheit, Gefahr, Unglück). Die Begründung für die Reliquienverehrung lieferte die Ansicht, die Seele des Märtyrers im Himmel erhalte ihre Beziehung zum irdischen Körper aufrecht, denn dies sei der Körper, der sich bei der Auferstehung erneuern werde. Jetzt schon sei der irdische Körper mit himmlischer Kraft (dynamis, virtus) erfüllt. Die Beziehung des irdischen Leibes zur himmlischen Seele, so schlussfolgerte man, vermittle den frommen Besuchern der Reliquien die ihnen innewohnende heilige Kraft. Diese Auffassung galt zunächst für die Märtyrer, die Blutzeugen des Glaubens, nach der Konstantinischen Wende (312) auch für die Bekenner, die ihren Glauben durch ein heroisches, aber unblutiges Lebenszeugnis bewiesen hatten. Die Heiligen führten nach ihrem Tod eine Art von Doppelexistenz, im Himmel in ihrer Seele und auf Erden in ihren Reliquien. Viele Theologen lehrten sogar, dass die Heiligen in jedem ihrer irdischen Reste voll und ganz gegenwärtig seien. So wurden Ihre Gebeine eine Brücke zur triumphierenden Kirche im Himmel. Im Mittelalter nahm die Reliquienverehrung solche Ausmaße an, dass die Realpräsenz der Heiligen in ihren Gräbern und Reliquiaren zeitweise in Konkurrenz zur eucharistischen Realpräsenz (> Gegenwart Christi im eucharistischen Brot ) stand. "Es war ja eine ganz übliche mittelalterliche Praktik, in der Nähe des Grabes oder der Reliquien eines wunderwirkenden Heiligen zu übernachten; auch kettete man dort oft Besessene an. Die'Realpräsenz' (> im Sinne von Anwesenheit) des Heiligen in seinem Grab oder Reliquiar verlockte unzählige Gläubige zu Wallfahrten, um die Befreiung von ihrer Erkrankung zu erlangen." (Anm.: 12) Im Laufe des frühen Mittelalters bildeten sich auch gewisse Zuständigkeiten heraus. So wurde der heilige Florian zuständig für Feuersgefahren, der heilige Blasius für Halsprobleme und der Apostel Simon für Glieder- und Augenkrankheiten. Seit dem Mittelalter bildete sich sogar eine Wertskala für Reliquien heraus, sie sind eine Art zweiter Währung. Um wichtige Reliquien zu bekommen, scheute man sich auch nicht vor Raubzügen und Betrug. Es entwickelte sich ein schwunghafter Reliquienhandel und Reliquienfälschung wurde an vielen Orten kommerziell betrieben. Die Zertifikation von Reliquien wurde für die kirchlichen Behörden eine wichtige Einnahmequelle. Reliquienpartikel wurden in kostbarsten Reliquiaren aus Gold, Silber und anderen edlen Materialien aufbewahrt (> Reliquiare). Unter dem Altar einer jeden Kirche musste eine Reliquie des Heiligen vorhanden sein, dessen Namen die Kirche bzw. der Altar trug. In der Regel erhielt auch das Brustkreuz der Bischöfe und Äbte einen Reliquienpartikel. Eine besondere Bedeutung hatte der Todestag eines Heiligen, es war der "Geburtstag für den Himmel" (dies natalis). Besondere Anziehungskraft hatten die Stätten des Heiligen, wo er geboren wurde, lebte und starb. Von hier nahmen die Pilger Sekundärreliquien als Amulette mit nach Hause. 325 kam durch die Kaiserinmutter Helena ein Kreuz nach Konstantinopel, das als das Kreuz Christi verehrt wurde. Nach der Eroberung Konstantinopels 1204 während des 4. Kreuzzuges kamen viele Holzpartikel als Kreuzesreliquien nach Europa. Im Spätmittelalter war das "Heiltum" in Halle die größte Reliquiensammlung. Sie geht zurück auf den Magdeburger Erzbischofs Ernst von Sachsen (1476-1513) und den Kardinal Albrecht von Brandenburg (1513-1545). Albrecht ließ verschwenderisch gestaltete Reliquiare anfertigen. Sie legen Zeugnis ab vom handwerklichen Können der Goldschmiede, aber auch von der Prunksucht eines frühneuzeitlichen geistlichen Fürsten. Bekannt wurde das Hallesche Heiltum durch einen Briefwechsel zwischen dem Kardinal und Luther, in dem Luther das mit dem Heiltum verbundene Ablasswesen kritisierte. Die Reformatoren um Martin Luther waren bemüht, den Heiligenkult insgesamt auf seinen Kern (dankbare Erinnerung) zurückzuführen Luther sprach von dem "Abgott von Halle". Als 1541 die Reformation Halle erfasste, wurde die Sammlung aufgelöst und ging bis auf wenige Einzelstücke verloren. In den reformatorisch - calvinistischen Kirchen schaffte man die Bilder, Statuen und Reliquien grundsätzlich ab, um sich auf die Wortverkündigung zu konzentrieren. In der katholischen Kirche verteidigte das Konzil von Trient (16. Jahrhundert) zwar den Reliquienkult ebenso wie die Verehrung von Heiligen, versuchte aber auch die Missbräuche zu beseitigen. Das Konzil erklärte auch, dass es keine Pflicht zur Reliquienverehrung gäbe. Wohl in Abgrenzung zur Reformation, die Biibeltext, Predigt und Glaube in den Vordergrund rückte, betonte die katholische Kirche in Riten, Brauchtum und im Kirchenbaustil zielstrebig das Visuelle. So wird im Barock der Himmel auf die Erde geholt. In der heutigen katholischen Kirche wird der gewerbliche Handel mit Reliquien durch Canon 1190 verboten. Auch bedarf es der bischöflichen Genehmigung, Reliquien, die beim Kirchenvolk große Verehrung erfahren, an einen anderen Ort zu bringen. Deshalb gewann auch die Reliquienverehrung wieder an Bedeutung. Dass die Reliquienverehrung noch lebt, zeigte eine vatikanische Pressemitteilung vom November 2004. Während einer Messe im Petersdom ließ Papst Johannes Paul II die beim Kreuzzug geraubten Reliquien des hl. Gregor von Nazianz und des hl. Johannes Chrysostomos an den Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus zurückgeben. Aber auch die Zunahme der Wallfahrten ist ein Indiz. Allerdings darf die Echtheit vieler Reliquien nicht hinterfragt werden. In der Pfarrkirche St. Hildegard und St. Johannes d. T. in Eibingen in dem Rheingau wird der Schrein der Hildegard von Bingen mit Herz und Zunge (angeblich in unverwestem Zustand) aufbewahrt. Die Abteikirche von Coulomb in Frankreich behauptet den Besitz der Vorhaut des beschnittenen Jesusknaben. Trier verwahrt den Heiligen Rock, die ehemalige Benediktinerabtei Prüm in der Eifel die Sandalen Christ und Aachen die Windeln Jesu. Zu erwähnen ist hier auch die neuerliche Inszenierung eines Kultgeschehens um die Elisabeth - Armreliquie in Bendorf-Sayn durch die Fürstenfamilie zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Anmerkung: 12 Peter Dinzelbacher, Himmel, Hölle, Heilige - Visionen und Kunst im Mittelalter, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2002, S. 15f. Anmerkung zu den Wunderberichten des Pilgerbuches Wie schon zu Beginn erwähnt, erzählt Godefrid 33 Wundergeschichten, gewissermaßen als Werbung dafür, dass es sich lohnt, nach Sayn zu kommen. Dass man früher gerne zu Übertreibungen neigte und daher historische Informationen anschaulich erzählte, sollten wir jedoch mit Bescheidenheit beurteilen, da wir Menschen uns in dieser Hinsicht überhaupt nicht verändert haben. Zum anderen müssen wir bedenken: Die Medizin des 18. Jahrhunderts ist mit dem Stand heutiger medizinischer Versorgung in keiner Weise zu vergleichen. Für viele Krankheiten und Gebrechen gab es weder Heilung noch Hilfe. So war der Glaube an die wirksame Wunderkraft der Heiligen (und das war der tiefe Sinn der echten Reliquienverehrung) oft die einzige Möglichkeit, etwas gegen seine Krankheit zu tun. Selbst wenn man keinen Zugang zu solcher Sicht hat, kann man doch davon ausgehen, dass es im Menschen Kräfte zur Selbstheilung gibt. Wallfahrten und Reliquienverehrung können durchaus aus heutiger wissenschaftlicher Sicht als Stimulans der Selbstheilungskräfte betrachtet werden. Unsere Soldaten, die an den traditionellen Soldatenwallfahrten nach Lourdes (Anm.: 13) teilnehmen, kehren meistens tief beeindruckt zurück. Die vielen brennenden Kerzen vor den Marienbildern in den christlichen Kirchen geben ein sichtbares Zeugnis von der Sehnsucht und den Anliegen auch der Menschen von heute. Anmerkung: 13) Wallfahrtsort in Frankreich, wo von Erscheinungen der Jungfrau Maria berichtet wird, und wo auch heute viele Kranke auf wunderbare Heilung hoffen. Der Simonsbrunnen bei der Abteikirche zu Sayn Als sich gegen Ende des 12.Jahrhunderts die Grafenbrüder von Sayn, Heinrich II. und Eberhard II., "zur Rettung Ihrer Seelen", entschlossen ein Kloster "von Grund auf" zu stiften, war damit auch die Wahl des richtigen Standortes verbunden. Die zur Gründung des Kloster herbeigerufenen Brüder des Ordens der Prämonstratenser aus dem 1184 zur Abtei erhoben Klosters Steinfeld in der Eifel hatten für den vorgesehenen Bauplatz ihrer Ordensniederlassung bestimmte Vorgaben als Minimalvoraussetzung. Angelehnt an den "St.- Gallener Klosterplan" von 890 hatten sich im Laufe von 300 Jahren bewährte Grundregeln zum Bau eines Kloster entwickelt. Wie bei fast allen Klostergündungen der Prämonstratenser suchte man wohl die Stille eines Klosters aber auch die Nähe der Menschen, denn die Mönche des Prämonstratenserordens, hatten sich neben dem Klosterleben der Seelsorge ihrer Mitmenschen verschrieben. So wurde ein Platz im Tal des Brexbaches, oberhalb der Ortschaft Sayn und der Burg der Grafen von Sayn, ausgewählt. Hier waren alle Voraussetzungen für den dauerhaften Bestand eines Kloster gegeben. Neben dem ausreichend großem Grundstück, für den Bau einer Kirche und der Kloster- sowie von Wirtschaftsgebäuden, gab es in unmittelbarer Nähe den vorbeifließenden Brexbach als Wasserkraft für den Bau von Mühlen etc. Auch befand sich in unmittelbarer Nähe der Klosterkirche eine aus dem Berghang gespeiste, nie versiegende, Quelle. Diese Quelle versorgte das Kloster zu allen Zeiten mit klarem, frischen und gesundem Wasser. Bei dem Bau des Kloster wurde schon zur Bauzeit, oder genauer gesagt zur Zeit des Bau's des Westflügels des Kreuzganges, ähnlich dem St.-Gallener Klosterplan, im Kreuzgang-Innenhof, eine Brunnenstube für die Wasserversorgung des Klosters geplant und gebaut. Die Wasserzuführung zur Brunnenstube konnte leicht mittels einer Röhrenleitung (ca. 50 Meter) im natürlichem Gefälle erfolgen. Hier befindet sich auch heute (wieder) die restaurierte, aus dem Mittelalter stammende, Brunnenschale. Leider wurde der Wasserzufluß zum Brunnenhaus zu Ende des 19.Jahrhunderts unterbrochen. Das in der Abtei Sayn diese Brunnenstube von Anfang an geplant war, geht auch aus der baugeschichtlichen Tatsache hervor, daß, das feuersicher und außerhalb des eigentlichen Baukörpers der Abteigebäude, oberhalb der Brunnenstube gelegene, ebenfalls im St.- Galler Klosterplan so vorgesehene Scriptorium (Schreibstube, Bücherstube), als einheitlicher Baukörper bei dem Bau des westlichen Kreuzgangflügels erbaut wurde. Zur Ableitung und zur Vermeidung von Verunreinigungen des, für das Klosters benötigten Wassers, wurde die Quelle mit Steinplatten gefasst und abgedeckt. Lediglich das Überschuss-Wasser floss in einen zugänglichen, offenen Brunnen und danach zur Dachentwässerung der Kirche. Die große Wasser-Schüttung der Quelle, am Berghang oberhalb der Apsis der Abtei-Kirche und die natürliche übergroße Feuchtigkeit des Talgrundes, war für die Abteikirche schon immer ein Problem. Man hatte über die Jahrhunderte hinweg, bis in die Neuzeit hinein, mit Feuchtigkeitsschäden an der tiefer gelegenen Abtei-Kirche zu kämpfen. Wie aber kam es daß diese Quelle bzw. Brunnen ihren Namen Simonsbrunnen erhielt ? Seit man die Reliquie und den Schrein während des dreißigjährigen Krieges und anderer Notzeiten in dem Brunnen, was wohl eigentlich Quellfassung heißen soll, hinter dem Chor der Kirche verborgen hatte, war die Wunderkraft auch auf dessen Wasser übergegangen. Er heißt seither Simonsbrunnen. Godefrid Geller nimmt in mehreren seiner Wundergeschichten Bezug auf den Simonsbrunnen und das wunderwirkende Wasser. In der 9. Geschichte erzählt er von Agnes Hunsdorff aus Sayn, die unter einer Brustentzüngung litt. Nachdem ein mit dem Brunnenwasser getränktes Leinentuch längere Zeit auf beide Brüste gelegt wurde, öffneten sich die Geschwüre und sie wurde ganz gesund. In der 16. Geschichte wird berichtet, dass die Tochter des Johannes Hochß aus Koblenz unter einer Augenentzündung litt und durch Umschläge mit dem Brunnenwasser geheilt wurde. Nach der 19. Geschichte wurde der dreijährige und gehunfähige Sohn von Philipp und Susanne Bürresheim im Brunnen gewaschen und dadurch geheilt. Dieses Foto des Simonsbrunnen stammt aus dem Jahre 1950 Die frühere Gestalt des Brunnens ist nicht bekannt. Geller spricht in seinem Büchlein von einem Brunnen-Sarg, was wohl in unseren heutigem Sprachverständnis Brunnen-Trog oder Brunnen-Schale bedeuten soll. Heute ist der Platz mit dem Brunnen abermals umgestaltet worden; Die Quelle des Simonsbrunnens ist in einer geschlossenen, aus Schieferplatten gemauerten Brunnenkiste, dem Auge des Betrachters entzogen. 1983 wurde der Brunnen umgestaltet. Der Bildhauer Hans- Joachim Hippel aus Mayen hatte Entwurf und Fertigung des neuen Simonsbrunnen übernommen. Er benutzte als Material Basalt aus der Eifel . Die Finanzierung erfolgte durch eine Spendenaktion der E r m l ä n d e r Landsmannschaft und der ermländischen Katharinenschwestern. Am 4. September 1983 erfolgte die feierliche Einweihung bei einer Wallfahrt Das Jahr 1983 war bedeutsam durch das 400jährige Jubiläum der Katharinenschwestern und das Heilige Jahr. Der neue Simonsbrunnen ist aus grauem Eifelbasalt gefertigt. Oben die Skulptur des Apostel Simon. Die Auffangschale ist am Rand mit 4 Emblemen geschmückt: 1. Heiliges Jahr 1983 mit dem Symbol des siegreichen Lammes. Die Heiligen Jahre feiert die Römische Kirche seit 1300. Es handelt sich um eine Anlehnung an die jüdischen Jobel - Jahre, bei denen alle 50 Jahre ein allgemeiner Schulderlass erfolgte. Das Heilige Jahr diente vor allem dazu, größere Pilgergruppen nach Rom zu locken. Seit 1470 wird im Abstand von (ca.) 25 Jahren vom Papst ein Heiliges Jahr ausgerufen. 2. Kopfbild der Regina Protmann (Gründerin der ermländischen K a t h a r i n e n s c h w e s t e r n ) . Regina Protmann wurde 1552 in Braunsberg / Braniewo (poln.) geboren. Sie wurde 1999 durch Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen. Regina Protmann gilt als Wegbereiterin für die weiblichen Krankenpflegorden. 1571 wurde ihre religiöse Gruppe zum ersten Mal durch den zuständigen Bischof anerkannt. Dies war sehr erstaunlich, da das Tridentinische Konzil festgelegt hatte, dass Frauenorden nur als Klausurorden von der Katholischen Kirche anerkannt werden, also eingeschlossen in einem Kloster ohne direkten Kontakt zur Außenwelt. Demgegenüber hatte Regina Protmann die Pflege der Kranken und Sterbenden in deren Wohnungen (also in der Welt) als Ideal. Nach der frühchristlichen Heiligen, Katharina von Alexandrien, die Patronin der Braunsberger Pfarrkirche war, nannte sich die neue Bewegung Katharinenschwester. Regina Protmann starb 1613. Das Bild zeigt um das Porträt herum die Lebensdaten, die Brosche der Katharinenschwestern, die Kirche von Braunsberg und den Wahlspruch von Regina Protmann "Gott will es". 3. Das Bild zeigt die hl. Elisabeth mit den Rosen (Legende) und ihren Namen. Elisabeth lebte das franzis- kanische Armutsideal: persönliche Heiligung durch Armut und Nächstenliebe. Regina Protmann folgte ihren Spuren. 4. Das Bild weist auf eine Geschichte aus dem Alten Testament (1. Buch der Könige 1 Kön 17, 8 - 24). Danach half der Prophet Elias in Sarepta einer armen Witwe in ihrer Lebensnot durch eine wunderbare Vermehrung von Mehl und Öl sowie durch die Reanimation ihres Sohnes. Sarepta wurde in der christlichen Welt zum Symbol für tätige Nächstenliebe. Den Namen Sarepta trugen und tragen viele christliche Einrichtungen, darunter auch der Bethel - Bewegung und eine Stadt der Russlanddeutschen an der Wolga. Für Regina Protmann hatte der Name Sarepta eine tiefe Bedeutung. An der Seite die Gedächtnistafel für Franz Hermann Kemp, den bedeutenden Heimatforscher, der die erste neuzeitliche Darstellung der Geschichte der Abtei Sayn mit vielen Details erarbeitete.
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