Die Wallfahrt nach Sayn
Sayn
Dieser Bericht ist erschienen in: Bendorfer Zeitung vom: 14. Mai 1927 ohne Autor; neu bearbeitet für Internet: von W.Kutsche Die Abtei Sayn um 1640, noch mit dem ursprünglichen Vierungsturm Alljährlich am 4. Sonntag nach Ostern begeht die Gemeinde Sayn ihr Kirchweihfest. Die ü b e r g r o ß e Vergnügungssucht, die sich nach dem Kriege in Deutschland breit gemacht hat, birgt die Gefahr, daß sie den eigentlichen Zweck der Kirmes immer mehr in den Hintergrund zu drängen sucht. Es soll keinem die Kirmesfreude gekürzt oder genommen werden, aber es soll sich jeder bewußt sein, daß die Kirmes, die Kirchweihe, in erster Linie ein Kirchenfest ist und den Geburts- und Namenstag der Kirche bedeutet. Ein besonders hoher Tag ist dieser Kirchweihtag für die altehrwürdige Abteikirche von Sayn, die früher das Ziel Tausender von Pilger gewesen ist, die die hl. Reliquie in Gestalt des Armes des Apostel Simon, das kostbare Kleinod der Abteikirche verehrten und in frommen Gebet seine Hilfe anriefen, um sie von Krankheit und anderen Tücken der Zeit zu heilen und zu befreien. Die Entstehung der Wallfahrt nach Sayn stützt sich auf folgenden Hintergrund. Die Abtei Sayn nach eimem Gemälde aus dem 18. Jahrhundert Die Wallfahrt nach Sayn reicht zurück bis in den Anfang des 13. Jahrhunderts. Im Jahre 1201 gründete Graf Heinrich II. von Sayn "in Hoffnung ewiger Belohnung" die Prämonstratenserabtei Sayn und erbaute die heute noch bestehende Kirche, welche ohne Zweifel in ihren wesentlichen Bestandteilen aus jener Zeit herrührt. In dem folgenden Jahre 1202 wurde diese von dem Römischen Cardinal Guido, Bischof von Praeneste, in Gegenwart des Erzbischofs Johann des Ersten von Trier (1190 - 1212) und vieler anderer hoher Würdenträger consecrirt und dem gottesdienstlichen Gebrauch übergeben. Ein Bruder des Stifters, Graf Bruno von Sayn, war damals Probst in Bonn und wurde bald nachher, nämlich im Jahre 1205 Erzbischof in Köln. Um diese Zeit unternahm ein armenischer Bischof eine Wallfahrt nach Köln zur Verehrung der "Heiligen drei Könige". Dieser trug auf seiner Reise mitsich die Reliquie des Armes des hl. Apostels Simon, welcher nach dem Zeugnisse der Kirchenschriftsteller in Persien und Armenien das Evangelium verbreitet und dort den Märtyrertod erlitten hat. Bei seiner Heimreise schenkte er diese heilige Reliquie dem Erzbischof Bruno, welcher ihn so gastlich aufgenommen, und dieser wiederum vermachte sie der neuerbauten Kirche seines Bruders.
Simons-Schrein (1220 - 1230) Von da an kamen alljährlich aus näherer und weiterer Umgebung viele Pilger nach Sayn, um den hl. Apostel Simon zu verehren und seine Hilfe anzurufen, weil nach der hl. Schrift: "des Gerechten Gebet viel bei Gott vermag.....", und schon die Christen zur Zeit der Apostel, wie die Apostelgeschichte erzählt, die Schweißtücher und Gürtel des hl. Paulus den Kranken auflegten, um im Vertrauen auf seine Fürsprache Heilung für sie zu erlangen. Wegen der vielen wunderbaren Gebetserhörungen, welche sich ereigneten, vermehrte sich der Zulauf von Jahr zu Jahr. Wie aus einer Handschrift des Laacher Mönchs Butzbach vom Jahre 1509 zu ersehen ist, waren damals in Sayn an die 22000 Pilger, um die auf dem Platz vor der Kirche errichteten Kanzel versammelt‚ um die Festpredigt des berühmten Franziskanerpaters Jasperus zu hören. Im Laufe der Zeit wurden zuerst der vierte - und später auch noch der fünfte Sonntag nach Ostern als besondere Wallfahrtstage bestimmt, an welchen auch die hl. Reliquie zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wurde, und so ist es geblieben bis heute. Mehrere Päpste verliehen denjenigen, welche an den genannten Sonntagen von der ersten Vesper des Vorabends bis zum Sonnenuntergang am Tage selbst die Kirche besuchten, vollkommenen Ablaß. Simon-Schrein (1220 - 1230) (Giebelseite) Auch die früheren Landesherren, die Churfürsten von Trier, wallfahrteten nach Sayn, namentlich Franz-Ludwig von Pfalz-Neuburg (1716 - 1729) mit seinem Gefolge, um den hl. Apostel Simon um Befreiung von Krankheit anzurufen, und brachten zum Dank für die erhaltene Gnade reiche Geschenke dar. In den unruhigen Zeiten des 16. u. 17.Jahrhunderts verbarg man den heiligen Arm mit den von allen Kunstkennern bewunderten Reliquien-Schrein wiederholt in einem hinter der Kirche befindlichem Brunnen, um sie vor dem Raube durch die Schweden und Franzosen zu sichern. Dadurch erhielt dieser den Namen Simonsbrunnen, dem nicht umsonst besondere Heilkraft zugeschrieben wurde. Nach der Aufhebung der Abtei Sayn im Jahre 1803 nahm der Besuch der jährlichen Feste zwar ab, stieg aber wieder in den letzten Jahrzehnten, um die fromme Sitte der Voreltern neu zu beleben und Gott in seinen heiligen Diener zu ehren.
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