Das Pilgerbüchlein des Sayner Priors Godefrid Geller aus dem Jahre 1741
Sayn
Übertragen von Dieter Kittlauß = Teil des Beitrags: Sayn - eine Apostelstadt Der Text des Pilgerbuches: (Anm.: 1) Was die in Sayn zu sehenden heiligen Reliquien betrifft. Höre, was dort für Dinge geschehen sind, staune. Kurtze Beschreibung Des Mit noch vielen andern H.H. Reliquien zu Sayn in einer Abtey Praemontgratenser Ordens / Trierrischen Ertz-Bischthumbs auffbehaltenen Wunderthätigen Armbs Des Heiligen Apostels SIMONIS Und Erzehlung nur etlicher grossen Wohlthaten/ so gewisse ihn verehrende Persohnen vorhin/ und noch heut zu Tag Trostreich erfahren/ Sambt kleinen Neuen Tag-Zeiten/ und Litaney zu Ehren des H. Simon, und seines H. Armb In Druck gegeben von P. Godefrido Geller, Canonici, & EXempti Ordinis Praemontratensis Professo, Priore, und Pastore daselbst. Cum Permissu Superiorum. (Anm.: 2) Coblentz/ gedruckt bey Johann Frantz Krabben/ Hoff-Buchdrucker seel. Wittib, 1742 Dem überaus zu verehrenden, sehr berühmten und großherzigsten Herrn D. Jacob, dem gnädigsten Abt des oberen und unteren (Klosters) Ilbenstadt des canonischen und exempten Ordens der Prämonstratenser und Generalvisitator desselben weißen Ordens im hiesigen Raum etc. etc. Anmerkung: 1) Der text wurde computergerecht aufgearbeitet, so dass er jederzeit formatiert und auch gedruckt werden kann. Es war das Anliegen, Struktur und Sprache des Originaltextes möglichst getreu wieder zu geben. 2) In Druck gegeben von P(ater) Godefrid Geller, Kanoniker, Angehöriger des Exempten Prämontratenser - Ordens, Prior und Pfarrer daselbst. Mit Erlaubnis der Oberen Hochwürdigster, angesehenster und herrlichster Herr. Da die Verehrung des Hl. Simon, des größten Wundertäters von Sayn, durch das Vertrauen auf seinen heiligen Arm, zwar in der Vergangenheit durch die Frevel verschiedener Bösewichter beeinträchtigt und doch trotz aller Unruhen unverletzt geblieben, gerade in diesem Jahr wieder zu wachsen begann und nahezu ihre frühere Bedeutung wieder erlangt hat und als erneuert angesehen werden kann, erscheint es richtig, den Pilgern, die von überall hierher kommen, wenigstens einigen angesichts der Gebrechlichkeit, die übernatürliche Kraft Seines Armes, sowohl zum größeren Nutzen des Volkes, wie im Hinblick auf die geschuldete Verehrung unseres Heiligen Apostels, vorzustellen. Daher wollte ich ein Buch, das wie ersichtlich die Wunder Gottes und die Guttaten des Heiligen Simon erzählt, dem Druck übergeben. Aber es musste ein Mann gesucht werden, der sich für die Herausgabe dieses Werkes rechtmäßig empfiehlt. Ohne weiteres und kaum ohne daß eine Nachfrage erfolgte, hast Du mir Hochwürdigster Abt, vor allen gnädigst solche Ehre erwiesen. Vor einigen Jahren hast Du gesehen (als Du Deine Visitation hier gemäß deiner Aufsichtspflicht vor einigen Jahren durchgeführt hast, gewährtest du mir spezielle Zeichen Deines Wohlwollens und hast mich dir verpflichtet. Dabei warst du, wage ich zu sagen, nicht ohne Erstaunen über die ungeheure Frömmigkeit, so füge ich hin zu: nicht ohne Bewegung des Herzens, daß unser großer und unvergleichlicher Schatz (den Arm des Heiligen Simons kenne ich, trotz des Alters und der Armseligkeit des Ortes, unzerstört, mit Fleisch, Kochen und Adern versehen und beweglich),daß sich ein so großer und so unvergleichlicher Schatz an unserem armseligen Ort verbirgt und kein Buch über ihn zu sehen ist. Hier erneuere ich deinen Wunsch. Ich führe ihn heute aus, stelle ihn vor, daß er von allen Augen gesehen werden kann und zwar in deinem Namen. Der ganze Erdkreis, zu dem er einst geschickt wurde, möge vergrößern den Ruhm des Apostels Simon im großartigen Rest seines Armes. Du aber sollst immer erfahren mit allen deinen Untergebenen seine wunderbare Kraft. Das verspricht und erbittet Hochwürdigster, angesehenster und gnädigster Herr Dein überaus demütiger F. Godefridus Geller Prior und Pastor (Seite 5 )(Anm.: 3) Vorrede Man hat schon längst mit Verwunderung gesehen/ und sehet noch würcklich/ wie Jahr aus Jahr ein durchgehends schier täglich/ die Christen allenthalben/ auch von weiten örteren her/ in unser Abteyliches Gottes Hauß durch ihr Andacht fliegen/ besonders was in großer Zulauff des Volcks seye allhier den 4. und 5. Sonntag nach Ostern als hiesige Kirchweyhe. Zweiffels ohn nicht wegen einer ausserordentlichen eitelen/ sonsten auff den Kirchhmessen gewöhnlichen Ergätzlichkeit noch aus Vorwitz/ oder einen Spatzier-Gang heraus zu machen: dann ein besseres zeugen von ihnen die rewmüthige allhier ab gestattete Beichten/ die Eiffer- und Andacht volle Communione/ das grose inbrünstige Verlangen die H.Reliquien des Heil. Simonis (welche alsdann offentlich gezeigt (Seite 6 ) werden ) zu sehen/ des H. Apostols kräfftige Fürsprach/ und Hülff zu erhalten. Derowegen vermein ich ein schon längst von allen frommen Seelen sehr begehrtes/ verlangtes/ erwartetes Werck anzutretten/ da ich hiermit erzehle/ der Welt weiter kund thue/ und in Druck gehen lasse/ durch was für Weeg und Weiß der Armb des H. Apostels Simonis hierhin nach Sayn seye überbracht worden/ durch welche Zeichen und Wunderwerck Gott diesen beehren/ erklären/ und glorreich machen biß hiehin daselbst gewolt. Diese Wunderwerck aber all ohne Ausnahm auffzuzeichnen/ wäre wegen der Vielheit/ ja unzahlbahrkeit fast unmöglich. Jetzt noch biß auff heutige Stund vergehen kaum 14 Täg/ daß man/ nicht wunder höre/ welch er an Krancken/ Contracten/ und Preßhafften etc. gewürcket. Dieses ist mehr den draussen wohnenden Leuthen/ auch den rund herumb sich auffhaltenden Uncatholischen (welche oftt seine Hülff erfahren) als uns selbsten bekandt. Drumb will ich nur/ umb meinem gefasten Vorhaben nachzukommen/ aus tausenden etliche wenige herbey ziehen. Mein Intention und Meinung hierzu soll seyn alleinig die Stärckung/ und Bekräfftigung deren (Seite 7) Catholischen im Glauben/ in Verehrung deren Heiligen/ und ihrer Reliquien; die grösere Glory Gottes; die beständige Ehr des H. Simonis, welche bestmöglichst zu vermehren die Viele und Gröse der erwiesenen Wohlthaten uns gewiß verpflichtet. Man hat gehört von Heiligen/ welche/ da sie nicht recht wurden verehret/ sichtbarlich aus ihren Krufften zu einiger Zeit herausgegangen/ und sambt ihren Gebeinen niemahlen mehr allda erschienen. Also weiß man von 3 H. Jungfrawen aus der Gesellschaft Ursulae, und der 11000, deren Leiber viele Jahr zu Ollersleuben einem Closter in Thüringen auffbehalten/ so lang die Ehrerbietigkeit/ die auffrichtige fromme Verehrung daurete; da diese aber den Krebsgang hatte/ seynd wunderbahrlicher weiß diese Jungfrawen also gantz / wie im Leben heraus gangen/ haben das Closter verlassen/ und sich des Morgens zu Cöllen in der Kirch der H. Ursula eingefunden/ allwo sie noch biß auf den heutige Tag mit den anderen Reliqiuen verwahrt und verehret werden. Dieses kann man allda zu Cöllen klar sehen/ wo zum ewigen Gedenck Zeichen ihre Wiederkunfft mit allen Umbständen der Zeit so wohl/ als des Orts beschrieben und (Seite 8) abgemahlet. Der H. Nicolaus, als die Myrenser ihn nicht nach Gebühr verehreten/ hat von Myra sich nach Barrin überbringen lassen. Eben so ist der Armb des H. Laurentii Martyrs nach Löwen überbracht worden. Erschröcklich seynd diese Historien zu hören/ drumb haben unsere Vorfahrer sich wohl erinnerend der Heiligkeit Simonis, und der durch seine hohe Verdiensten erhaltenen Gnaden (umb desto danckbahrer/ Ehrerbietiger/ andächtiger zu seyn) seine Ehr nicht allein zu conserviren /(Anm.: 4) sonderen auch nach Vermögen zu promoviren allzeit gesucht auf viellerley Manier: unter anderen haben sie allzeit mit einer Chor-Kapp etc. oder Stola oder Superpelliceo (Anm.: 5) zum wenigsten angethan( und wie dann auch noch würcklich geschicht) nicht ehender/ als nach angezündeter Kerz/ Beicht/ Reu und Buß diese unsere H. Reliquien gezeigt. Sancta sancte tractanda (Anm.: 6): mit Heiligen Sachen muß man auch heilig umbgehen. In Ansehung und Erwegung dieses (damit ich auch/ wie die Ehrerbietig und Danckbarkeit erfordert/ verfahre) deinetwegen/ O Gott! Qui es mirabilis in Sanctis suis (Anm.: 7), der du zwar in allen deinen Heiligen wunderbahrlich bist/ doch allhier in dem H. Apostel (Seite 9) Simon am meisten deine Wunderthaten sehen lassest/ deinetwegen/ sage ich/ zu gröserer Erkanntnis deiner/ und deiner Heiligen/ sonsten wegen keiner anderen eitelen Ursach fange ich an/ theile dies Büchlein in 3 Capitulen ab. Im ersten (nach geschehener kurtzen Erklärung der Gelegenheit dieses Orths/ und Erbawung der Abtey umb das folgende besser zu verstehen) will ich die Histori, oder Geschicht/ wie der Heil. Armb hierhin gekommen/ erzehlen. Im 2.ten will ich getreu und auffrichtig etliche/ wundersame Begebenheiten an Tag geben/ welche vorhin und noch heutigen Tags bey Verehrung dieses H. Armbs sich haben zugetragen/ besonders/ welche ich von Kayserl Notario und Zeugen hab authentisch zu Papier setzen lassen. Im 3ten und letzten sollen gewisse newe Tag=Zeiten zu Ehren des H. Apostel Simonis, uod seines H. Armbs/ ein Litaney/ und zum Beschluß noch ein Gebett ihm zu ehren. Gebrauche dich nur/ O Christliche Seel! Dieser wenigen Zeilen zum Heyl deines Leibs/ und Nutzen deiner Seelen. (Seite 10) Ammerkungen: 3) Nach "Seite + Zahl" beginnt die entsprechende Seite in der Originalausgabe. 4) zu pflegen 5) Chorrock 6) Das Heilige muss heilig behandelt werden. 7) der wunderbar ist in seinen Heiligen Erstes Capitel Durch was Gelegenheit der Armb des H. Simonis nach Sayn in die Praemonstratenser Abtey kommen sey Sayn ist ein aus Mangel groser Handirung (Anm.: 8) nit viel berümbter/ im Chur-Trierrischen Unter- Ertz-Stiftt/ 2. Stund von Coblentz den Rhein herunter/ jenseit/ nemblich auff Seiten der Vestung Ehrenbreitstein eine halbe Stunden von dem Rhein zwischen 2 Waldtächigten Bergen gelegener Flecken. Den Nahmen Sayn/ zu Latein Sayna haben die Alte gelehnt von der allda fürbey fliessenden Bach/ welche schon längst ihn scheint gehabt zu haben. Hinter diesem Flecken einen Büchsenschuß ungefehr liegt ein Norbertiner oder Praemonstratenser Abtey/ welche eben desselben Namens mit dem Flecken/ und dem/ hineinwärts zu gehen/ lincker Hand auffm Berg liegenden alt verfallenen Schloß sich bedienet/ und umb so viel mehr die dem Geist des H. Norberti ( welcher dieses Heil. Canonischen weisen (Anm.: 9) Ordens Ertz-Vatter ist) ähnliche Situation zu haben sich im Herren (Seite 11) rühmet/ als mehr allda die denen Religiosen/ oder Ordens-Leuthen essentiale Einsamkeit/ und Stille mit der Seel-Sorg verknüpfft/ und vereinbahret werden kann. Diese Abtey haben Henricus und Everhardus Söhn des auf dedachtem Schloß residirenden Graffen von Sayn gebauet/ gestifftet/ mit Lebens-Mittelen gantz freygebig versehen. Guido Pränestiner Bischoff und Cardinal ( welcher war in Teutschland umb den Frieden des Römischen Reichs zu erneueren/ oder herzustellen/ von Pabst Innocentio III. abgeschickt/ hat die Stifftung bekräfftiget/ wie dan auch Ihro Päbstliche Heiligkeit selbst hernach gethan durch gewisse Bullas Johannes Chur-Trierischer Ertz Bischoff hat von Steinfeld einer in der Eyffel Cöllnischen Dioeces gelegener gleichen Ordens Abtey (welche drumb auch von uns als ein wertheste Geistl. Mutter erkennt und geehrt wird ) Canonicos beruffen / sie hierhin gesetzt/ und verthätiget. Henricus dieses Nahmens der 2.te Sayner Graff/ des Ersteren Sohn/ auch sonst Magnus der Große genant (dessen grosse Riesen-Statur noch in einer Bild-Säul in der Kirche zu sehen) hat die Fundation reichlich vermehrt/ kame also diese Abtey bald in einen guten (Seite 12) Stand/ welches daurete biß ans Jahr 1563 da sie durch gewaltthätige Händ des meisten Theil ihrer Schätz und Güter/ leyder Gottes! Wurde beraubt/ welche biß heran noch nicht wieder bekommen zu haben/ sie gnug in ihren Nöthen seuffzet. Dan Henricus dieses Namens der 3te /(Anm.: 10) und an den Stammen der lezte Sayner Graff fiele vom Catholischen Glauben ab/ wurde lutherisch/ nahme der Kirch/ und Abtey all ihre Kostbahrkeiten an Gold und Silber wiederrechtlich ab/ worunter benanntlich ein ad 1000. Goldgulden kostender Praelaten Staab/ 24 Kelch/ Monstrantz/ und Rauchfässer etc. waren/ zwackte ihr über 25000. Gulden ab/ die Güter wurden theils eingezogen/ theils verunterpfändet/ die weise (Anm.: 11) Ordens- Geistliche an andere örther verjagt/ ein Lutherischer dargesetzt/ mit welchem weil damahliger Abt Simon Hausman die jährliche Einkünfften zu theilen gezwungen wurde/ sturbe er vor Elend im Jahr 1599; sein Nachfolger Abt Laurentius Goer, nach vielen gleichmäßig überstandenen Verfolgungen/ stirbt zu Coblentz 1607. Diesem folgte nun Ab Gerardus Knoir, welcher im ersten Jahr seiner Erwöhlung das Glück hatte zu sehen/ (Seite 13) daß mit dem gestorbenen und begrabenen Graff Heinrich auch die Ketzerei begraben/ und seinem Abteylichen Gottes Hauß durch Lotharium Chur. Trierischen Ertz-Bischoff/ und Churfürst wiederumb ein neues Leben gegeben wurde.(Anm.: 12) Es hat also diese Verfolgung 44 Jahr lang gedauret/ die Pilgramen von Besuchung dieser Kirchen abgehalten/ mithin die Andacht/ und Veneration zum H. Armb des H. Apostels Simon sehr geschwächet. Kaum aber hatte die Abtey sich in etwas erhohlet, da muste sie erfahren/ was der Prophet Joel vorgesagt cap. 1.v.4. Residuum erucae comedit locusta (Anm.: 13) etc was die Raupen übrig liessen/ da frassen die Heuschrecken/ und was die Heuschrecken übrig liessen, das frassen die Käfer/ dan die im Jahr 1631 in der H Char-Woch eingefallene wütend und rasende Schweden haben alles/ was noch übrig geblieben/ verhergt/ verdorben/ unter und über sich gekehrt: kein Buch in der Bibliothek/ kein Teller in der Küchen/ kein Tropfen Wein im Keller/ kein Keid Korn aufm Speicher/ kein Heller in der Kist/ und nicht den geringsten Haußrath in der gantzen Abtey gelassen. Die Conventual Geistliche wurden alle vertrieben/ ein eintziger (Seite 14 ) bliebe noch verdeckt in Weltlichen Kleideren im Gewälds umb die Abtey herumb/ und sahe den Greul dieser Verwüstung mit Schmertz vollen Hertzen und weinenden Augen an. Bey diesem unverhofften feindlichen überfall wolt einer von den Geistlichen den grösten Schatz/ nemblich den H. Armb des H. Apostels Simon noch suchen zu erhalten/ konte selbigen aber nicht weiter bringen/ als in den hinter der Kirch ad 10. Schritt gelegenen Brunnen/ worin er ein Zeitlang gelegen/ und doch mit aller Menschen Verwunderung Miraculöser weis unverwesen geblieben/ eben darumb auch der Brunn Sanct Simons Brunnen genannt wird/ und das Wasser daraus noch heutigen Tags heilsamb ist/ wie solches Viele mit grosem ihrem Trost erfahren: welches auch leicht glaublich ist einem/ der act.5.(Anm.: 14) lieset/ daß der Schatten des H. Apostels Petri eines damahlen noch der Sünd fähigen Menschens die Krancke habe gesund gemacht/ warumb sollte dan nicht die Eintunckung und Ruhe des Armbs eines schon in der Glory Gottes herrlichen Apostels Simon diesem Brunnen ein gleiche Krafft hinterlassen haben können. Item wan nach Zeugnus des Römischen Marter-Buch (Seite 15 ) auff den 15. May jener auff der Insul Chio zu findende Brunnen/ in welchen der H. Isidorus Martyr geworffen worden/ die Krafft bekommen/ vielen Krancken die Gesundheit mitzutheilen/ was soll ich sagen von dem Brunnen/ in welchem ein Armb eines geliebten Jüngers Christi/ eines grossen Welt Apostels/ eines von jenen Zwölfen hat gelegen? Dieses sey hiervon gnug. Anmerkungen: 9) bezugnehmend auf das weiße Ordensgewand 10) Hier irrt der Autor. Die Übernahme der Lutherischen Ordnung erfolgte durch den Sayner Grafen Adolf. 11) bezugnehmend auf das weiße Ordensgewand. 12) Der Sayner Graf Heinrich IV. starb ohne legitime männliche Erben. Kurtrier sah das verliehene Lehensrecht als erloschen an und besetzte Ort und Abtei Sayn während der Beerdigung.in Hachenburg. Nach dem geltenden Recht wurde Sayn wieder ganz katholisch. In der Einschätzung der reformatorischen Zeit folgt Godefrid dem allgemein üblichen polemischen Klischee. 13) Wörtlich: Den Rest der Raupe fraß die Heuschrecke. 14) act 5 > actus 5 > Apostelgeschichte 5. Kapitel Nun gehe ich zu Sach. Im Jahr des Herrn 1204. zur Zeit Innocentii des Großen/ von diesem Nahmen des 3.ten Römischen Statthalters/ Joannis deren Trierischen / und Adolphi deren Cöllnischen Ertz-Bischoffs/ ist ein gewisser Bischoff aus Armenien gereiset/ umb die H. Leiber der H. 3.König in Cöllen zu besuchen (wie dan zu der Zeit/ nach Zeugnus Gelenii in sua Colonia Augusta, weit abgelegeneste König/ und Herrschafften/ nemblich aus Cyperen/ und Sicilien/ warumb auch nicht aus Armenien? dorthin gekommen seynd/ umb die Leiber der H. 3. König zu besuchen/ besonders da zu der Zeit Armenia Ertz Catholisch ware/ und dessen König Haymo Cron und Scepter niederlegend in den weisen Orden unsers H. Vatters (Seite 16) Norberti eingienge) gemelter Bischoff ist nach viel durchstrichenen Länderen auch in Teutschland kommen/ den Rhein herabgesetzt bis nach Weßelich/ einen am oberen Theil des Rheins gelegenen / 2. Meilen ober Cöllen entlegenen Dorff. Zur selben Zeit war um Cöllen herumb wegen des Römischen Reichs zwischen Otto dem Braunschweiger/ und Philippus dem Schwaben/ beyde hitzige Männer/ ein gewaltiger Krieg. Beyderseits giengen hin und wieder streiffende Partheyen aus. Ab dieser Gelegenheit ( wie gemeiniglich zu geschehen pflegt) haben sich viele gottlose Straßen Rauber erfreuet/ welche ohne Scheu/ ohne Forcht/ vermeinend jetzt sicher zu seyn/ die Vorbeyreisende Wandersleuth angriffen/ das ihrige ihnen desto leichter hinwegnahmen. Dieses hatte der Mann Gottes/ mehr gesagter Bischoff nicht vorgesehen/ fiele also etlichen Gewaffnetten (welche scharff ihm auff die Haut drangen) bald in die Händ. Ehe sie aber ihm noch auff dem Rucken waren/ wurffe er in aller Geschwind gantz heimlich unter eine auf dem Kirchhoff gemeldten Dorffs ungefehr stehenden Trag-Bütten den Armb de H Apostel Simons ( welchen er in ein rein sauber Tuch hatte (Seite 17) eingewickelt/ ganz mit Haut/ und Fleisch ausgenohmen den kleinen Finger/ aus seinem Vatterland/ wegen sonderlich gehabter Andacht zu dem H. Simon/ als seinen Reiß-Patron mit sich gebracht) laufft darauf fort. Dieses sahe ein Baur ( Herlius Bischoff war sein Vor und Zunahm) jener als ein armer Schluckert frolockte/ vermeinte/ es wäre baar Geld/ womit er wieder zu haußen anfangen könte/ nimbt es gleich mit Freuden hinweg; da er's aber beym Liecht besehen/ muste er sich in seiner Hoffnung betrogen finden; gedachte doch bey sich: weilen der Geistliche Herr es für seinen besten Schatz/ aus diesen Umbständen/ schiene gehalten zu haben/ müste etwas heiliges daran seyn. Gehet derowegen zum Hrn. Bruno Probsten zu Bonn (so nachgehens Ertzbischoff zu Cöllen worden) gibt diesem nach erzehlter Begebenheit/ was er gefunden/ welcher es mit Freuden angenohmen/ den Bauren wohl beschenckt/ zugleich mit Befehl/ niemand hiervon was zu sagen/ von sich gelassen. Die Räuber aber/ da sie den fremden Bischoff erloffen/ fingen ihn mit seinen Raißgefährden/ verwundeten alle/ nahmen ihnen die Pferd/ und was dergleichen Bagage mehr/ ab/ daß Leben allein (Seite 18) liessen sie ihm bewegt durch seine Unschuld/ und demüthiges Anhalten. Jene gewiß harte und schädliche Verfolgung hat zweifels ohn den Bischoff nicht wenig betrübt/ doch hat er aus Hoffnung sein (wie er vermeinte) heimlich hingelegtes Kleinod wieder zu bekommen/ die Schmertzen gelinder übertragen. Da Er aber diese Heil. Reliquien wieder zu nehmen kommen/ und nicht gefunden/ was Schmertz ihn überfallen/ kann sich ein jeder einbilden/ als es sich aussprechen lasset. All Fragen und Nachforschen war umbsonst/ wer seinen Schatz habe/ oder von jenem wisse/ konnte er nirgens innen werden. Voll dann der Betrübnus setzt er endlich sein angesetzte Raiß fort/ kommt nach Cöllen. Nachdem er da sich ein kurtze Zeit auffgehalten & die Leiber der H. 3. König verehret/ und sonst die andere H. örther besuchet/ macht er den Ruck- Marsch/ begibt sich wieder den Rhein hinauff gegen Bonn zu / gehet eben recht zum Hrn. Bruno dem Probsten/ nicht wissend/ daß dieser die Reliquien habe/ erzehlet ihm von seinem traurigen Zufall/ und am meisten von verlohrenen Reliquien. Dieser empfanget ihn gar höfflich/ und freundlich/ erzeigt ihm alle mögliche Liebs-Diensten/ (Seite 19) lasset durch einen Feldscheerer seine Wunden curiren/ halt ihn etliche Täg auff/ fragt unter anderem Gespräch nach/ was das dan für/ und von welchem Heiligen die Reliquien wären? dem der frembde Bischoff mit Seufzen geantwortet: ach! Es ist der Armb des H. Apostels Simon. Hierüber thate der Hr. Probst Bruno sich höchst innerlich erfreuen/ schweigt still/ braucht einen frommen Arglist/ zu größeren Ehr des H. Simonis, und Ruhm unserer Kirch/ für welche er/ und durch ihn die Göttliche Vorsichtigkeit denselben schon bestimmet hatte. Da es drauff und dran ware/ daß der offt gemelte frembde Bischoff in das Seinige zurück kehren/ und deshalben sich Raißfertig machte/ frachte der H. Propbst: ob es ihm dan erlaubt wäre selbe Reliqiuien zu haben/ und zu behalten/ wan er sie irgendwo könnte erfinden. Der gute Mann (den frembden Bischoff verstehe ich) verzweifflend an deren Erfindung/ sich wohl erinnerend der ihm geleisteten Gutthaten gibt zur Antwort: weilen er so grosse Güte gegen ihm erzeigt/ solche Ehr/ und Gefälligkeit ihm erwiesen/ wäre es ihm am allerliebsten/ daß er vielmehr/ als ein ander ab selbiger frohe würde. Auff Anhörung dieses (Seite 20) schenckte der Herr Probst dem fremden Bischoff Kleider/ Pferd/ 6.Marck Silber/ seinen Bedienten gibt er reichliches Trinck-Geld/ entlasset sie also wohl begabt (welches er recht im Stand ware zu thun/ dan er war ein berühmter/ wohlhabender/ mit vielen einträglichen Geistl. Praebenten (Anm.: 15) versehener Herr/ Propst ad Mariae Gradus zu Cöllen/ Probst zu Aachen/ Probst zu Sanct Castoren in Coblentz/ auch darbey Pastor zu Engers. Nach Abraiß nun des frembden Armenier Bischoffs hat der Herr Bruno die Reliquien seinem leiblichen Bruder, dem Hrn. Hinrico I. Graffen zu Sayn/ welcher mit seinem Bruder Everhardo, wie oben gedacht/ als Stiffter der Abtey im bauen hier erst begriffen ware/ geschenckt. Dieses geschahe auffm Schloß Blanckenberg/ allwo damahls der Graff Henricus sich auffhielte. Dahin seyend ihm die H. Reliquien gebracht worden, welche er mit unaussprechlicher Freud/ und Andacht zu sich genohmen/ einige Zeit sehr verständiglich in geheimb gehalten. Zwey Jahr aber hernach ließ der Herr Graff zu sich rufen den damahligen Abt Hermannum ersten Praelaten zu Sayn/ einen sehr geistreichen Mann/ dieser verfügte sich ohngesaumbt dahin/ (Seite 21) wurde bey Ankunfft über die maassen höfflich empfangen. Wohl sag ich: über die maassen/ dan es wurde ihm für seine Kirche auff ewig von beyden jetzt gemelten Graffen der H.Armbt geschenckt/ auff dasß/ gleich wie sie die Kirch mit zeitlichen Güteren versehen/ also auch mit geistlichen Schätzen völlig bereichen möchten. Diese Reliquien dan nahme der Abt mit Ehrerbietigkeit auf/ brachte sie zur Sayner Kirchen/ wo sie noch ein Zeitlang heimlich/ doch mit ohn Beehrung/ seynd verwahret worden/ biß daß das Gespräch von dem / wegen verlohrnen Heil. Sachen unglückseeligen Bischoff ein End hatte. Demnechst ware es Zeit/ das unter einem Metzen (Anm.: 16) gesetzte Liecht/ auff den Leuchter zu setzen/ damit es allen im Hauß leuchtete. Drum nach 6. Jahren/ da die Geistliche dieser Kirchen ausser Gefahr waren/ ihres Schatz beraubt zu werden/ haben sie den H. Armb erhoben/ und offentlich ausgesetzt/ sich wohl erinnerende der Frag des weisen Sirach am 41. Cap. am 17. Verß: Sapientia abscondita & thesaurus invisus, quae utilitas in utrisque? Weißheit/ die heimlich gehalten wird/ und ein verborgener Schatz/ was nutzen sie beyde? wenig/ oder gar nichts: was aber hergegen ein offentlich bekanter (Seite 22) Schatz für Nutzen schaffen könne/ lehret folgendes. Anmerkungen: 15) Einkünften 16) Schemel Zweyte Capitel Von den Wunderwercken des H. Simonis allhier. In dem gleich Anfangs die Verehrung des H. Simonis täglich sehr zunahme/ damit dieses desto andächtiger/ und ehrbarer geschähe/ weilen das Gesicht/ und Gehör meistens theils nach dem äusserlichen das Hertz bewegt/ und veränderet/ haben unsere erste Geistliche umb ein grössere Devotion, und Lieb in Christen zu erwecken, ein Kunstreiches doppeltes Kästlein machen lassen. Das Inwendige war von purem Silber/ und stellte rund herumb die Geheimnußen unserer Religion vor/ welches aber vor einigen Jahren des Nachts mit andern Sachen mehr ist gestohlen worden; das ausserliche/ welches noch bey Handen ist/ ist ein rechtes vielleicht weith/ und breit nit zu sehendes Meisterstuck von Filigran Arbeit/ das ist: ein mit zartisten den reinen Fädemen Garn an der Dünne/ gewiß doch mit der Geschmeidigkeit (Seite 23) gleichenden/ mit Silber in Züch und Laubwerck zum nettisten auffgeliedeten Tröt/ und besetzten guten Steinen über die maaßen schön ausgeziertes Werck. Dahero (welches nit zu verwunderen/ weilen die schwäre hierzu nothwendige Kösten das newe erst mit grosem Geld frisch erbaute Closter zu erlegen nicht im Stand war) wurden etliche (zweifels ohn aus Göttlicher Verordnung und Vorsichtigkeit/ auff daß die Verdiensten/ und großgültige Vorbitt des H. Simonis mehreren bekannt mögten werden) heraus geschickt sambt den Heil Reliquien umb Allmosen zu sammlen/ das angeschaffte doppelte Kästlein zu bezahlen; welche dann gleich über den Rhein gesetzt bey Andernach durchraiset alle die am Rhein liegende Flecken und Dörffer/ biß sie endlich kommen nach Hersele einem bey Bonn herumb liegenden Dorff/ wo sie zu einem ihnen wohl bekanten Hauß eingekehret/ und wohl beherbergt worden. Dieses Hauß hatte zu sehen das Erste Wunder. Nach genugsamer Leibs Erquickung begaben sie sich allda zur Ruhe; ehe sie aber schlaffen giengen haben sie einen Leuchter mit darauff brennender Kertzen auff ein unter die H. Reliquien gespreutetes (Seite 24) leinenes Tuch gesetzt/ des Nachts/ weiß nit wie/ fallt die Kertz vom Leuchter auff das Tuch/ brennt gantz allda aus ohn einige Verletzung des Tuchs. Des Morgens/ als man auffgestanden/ sahe man durch die hinterlassene Fuß - Stapfen Asch von der verbrennten Kertzen/ was geschehen. Man konnte sich nit gnugsam verwunderen. Alle schrieben dieses den Verdiensten des H. Simonis zu / lobten und glorreichten Gott. 2. Hiervondannen giengen nun die Geistliche weiter/ kamen bald auff einen nit weit von Hersele gelegenen Hoff/ Merien-Hove genennt/ allwo sie einkehrten/ und verblieben bey Gottsförchtigen Leuthen/ verrichteten da ein Weil ihr Geschäfft/ machten darauff wieder Abschied/ giengen mit den H. Reliquien weiter fort. Eben in dem Hauß war ein am Schienbein also lahmes Mägdlein/ daß nicht einmahl den Fuß umb zu gehen auff die Erd bringen konte. Nachdem dann die H. Reliquien schon etwas weit vom Hauß waren/ liesse es sich gereuen/ daß es nicht einmahl beym H. Simon umb die Gesundheit des Beins angestanden habe/ woruaff die Fraw im Hauß Zum Rath gabe/ daß das Mägdlein den wehen (Seite 25) Fuß auf den Orth/ wo die H. Reliquien gestanden/ sollte setzen/ welches da das Mägdlein voll Vertrauens auff die Verdiensten des H Apostels Simon gethan/ hats gleich denselben Augenblick die Gesundheit des Fuß dergestatten erhalten/ als wan ihm niemahl etwas am Fuß gefehlet / also daß es den Geistlichen/ so die H. Reliquien getragen/ nachgeloffen/ und mit unsäglicher Freud Gott/ und dem H. Apostel Danck gesagt. In Ansehung dieses hat die Verehrung deß H. Simonis ein großes Zunehmen bekommen. 3. Nachgehens als sie überall am Rhein herumb gewesen/ begeben sie sich in Westphalen hinein/ kommen nach wenigen Tägen in die Susatenser (Anm.: 17) Stadt. In dieser Stadt war ein Krämer mit Nahmen Wernerus Krebs: dieser hatte ein Töchterlein/ welches ( als die Unserige das Wort Gottes dem Volck allda in der Kirch vorstellten) unter dem allzu grossen und ungestümmelten Zulauff des Volcks zu dem durch Eintunckung der H. Reliquien gesegeneten Wasser/ unter den Leuthen erstickt/ und todt gefunden worden. Der Vatter entrüstet/ mischet Klagen/ und Spotten unter einander: hab ich dan (sagte er) keinen besseren Nutzen von (Seite 26) diesem Heiligen zu gewarten gehabt/ als daß er mir mein liebes Kind zum Todt bringe etc etc. diese Reden konnte der Himmel nicht länger anhören/ drumb liese er nicht lang darnach (O Erstaunens würdige Sach) durch die Vorbitt des H. Simonis das Kind wieder zum Leben aufferstehen. Der Schribend von dieser Hostori bezeugt/ daß/ als er aus Westphalen nach Sayn raisen wollen/ des Kinds Vatter selbsten ihme dieses Wunder mit allen Umständen erzehlet habe/ welches viele andere/ so all die Wahrheit mit Augen gesehene/ hätten bekräfftiget. 4. Hiemit kehreten unsere Geistliche mit den H. Reliquien wieder zurück nach Sayn. Der Ruff aber von dem H.Armb wurde weit und breit hingebracht; unter anderen auch zu den Ohren der Adligen Matron Frau Mechthildis Gräffin von Nassau/ welche mit großem Anhalten begehret/ daß man doch die H. Reliquien auff ihr Schloß Nassau bringen mögte. Da man nun ihr hierin willfahrte/ ware allda ein ohne Sprach/ ohne Verstand/ ohne Vernunfft für lauter Schmertzen kranck liegender Jung/ welcher halb todt ware/ doch dem Tod noch näher/ als dem Leben. Auff (Seite 27) Betten der Elteren und Befreunden brachte man die H. Reliquien zum Kranckenhauß legte diese über seine Brust/ und siehe: alsbald kommt er wieder zu sich/ erreicht seinen vorigen Verstand/ sein voriges Gesicht/ seine vorige Gesundheit. 5. Hier zu Sayn auffm Schloß ist ein/ zu selbiger Zeit/ als dieses auffgezeichnet worden/ vielen bekante/ auffrichtige/ fromme Person gewesen/ welche in Diensten ware beym Hrn Giselberto einem Officier/ diese hatte am Halß ein solchen Brand/ daß ihr die Sprach völlig vergangen. Man führt sie an den Altar/ mit dem Finger des H. Simonis rührt man an die Gurgel rund herumb an/ man gibt ihr von dem durch Eintunckung der H. Reliquien geheiligten Wasser zu trincken/ und Augenblicklich kommt ihr die Sprach/ daß sie hell deutlich redete/ und in diese Worte ausbrache: Erbarme dich meiner O H. Simon. Zeugen seyend gewesen der Herr Praelat, obbesagter Officier mit noch vielen anderen Glaubwürdigen. 6. Der Hochwürde Hr. Praelat von Syburg (Anm.: = Siegburg) Godefridus benambset/ ein ansehnlicher Mann ist auch einstens hier zu Sayn gewesen/ hat verlangt die H. Reliquien zu (Seite 28) sehen/ und zu verehren/ weiters begehrte er von dem H. Simons Wasser/ welches man ihme mit einem guten Kelch praesentirte. Diesen truncke er sehr begierig mit Verwunderung der anderen gantz aus. Man fragte die Ursach dessen? Worauff er antwortete: weilen ich augenscheinlich einsmahl die Gesundheit vom H. Simon erhalten / dann bin ich vorhin hier gewesen/ für lauter Seiten Schmertzen war ich schier todt; da ich aber den Orth der Schmerzen mit dem Heil. Wasser benetzet/ ist mir gleich/ als ich vor der Closter Pfort ware/ das Geschwültz meiner Seiten auffgegangen/ und der Schmertz gelindert worden/ wornach ich ein völlige Vertrauen zu den H. Reliiquiien gesetzt. 7. Zur Zeiten Henrici des 2. dieses Nahmens Graffen zu Sayn ist ein dem Graffen über das Seinige Hand zu haben/ und dessen Güter im Flor/ und Stand zu halten sehr Sorgfältiger getrewer Verwalter Hanno mit Nahmen gewesen: dieser wurde von Neid-Vögelen fälschlich verschreyt in gewissen Puncten. Obwohlen der Graff sein Herr ihm bißhero noch kein Leidt gethan dannoch weil er wuste sein suriöse/ bald Tyrannische Weiß zu verfahren/ hat er sich (Seite 29 ) dermassen betrübt in sich selbsten/ daß er völlig seiner Sinnen beraubt herumb/ und schier zu Schanden gienge. Sein Sohn aber Theodoricus, Kellner/ so dieses mit Betheuerung uns offt erzehlet/ hat ihn zu den H. Reliquien/ zum H. Wasser geführt/ und also gleich zum gesunden Verstand wiedergebracht. 8. Nach vielen Jahren darnach/ als Hano todt/ hat sein Sohn mit Nahmen Arnoldus, ein Pforten- Wächter des newen Schloß/ einen Jüngling gehabt/ welcher gantz rasend/ und unsinnig/ wie ein wildes Thier in den Wälderen/ und Bergen herumlieffe. Diesen hat man eben so zu den H. Reliquien gebracht/ auff deren Anrührung er nach getrunckenem Wasser seine 5. Sinn wieder völlig bekommen/ und die Dollheit verlassen. 9. Ist gewesen in unser Pfarr ein Kind/ mit Nahmenb Gerlacus/ den hat man zum Handlanger in der Küch die Schüsselen zu spülen/ die Speissen den Geistlichen an die Hand zu schaffen gebraucht. Dieser klagte an sich eine doch nicht Bettlägerige Kranckheit. Es geschicht darauff/ daß er des Abends am Feur sitzt/ und sich wärmet/ da wird er auff einmahl mit einem erschröcklichen (Seite 30) Geschwültz am gantzen leib angegriffen. Man meinte/ es wäre Rusta (Anm.: 18), der schwartze Aussatz/ voll wäre er geschwollenen Potzen/ (Anm.: 19) der Blassen/ also daß er lebendig zu brennen/ und von einander barsten zu müssen schiene. Unser vorbey gehende Geistliche sehen dieses nicht ohne Schröcken/ ruffen eines Ruffens (Anm.: 20): Lauff/ lauff hurtig zum H. Simonis, du armer Tropff/ begehr Wasser. Er kommt dem ihm gegebenen Rath in aller Eyl nach/ erlangt auch also wiederumb seine völlige Gersundheit/ welchen man nachgehends offt zum Zeugen des kräfftigen/ und Wunder-thätigen H. Armbs bey den Frembden gebraucht. Anmerckung Alles/ was ich vom ersten Capitul der Histori biß heran erzehlet/ ist aus unser uhralten Archiv entnohmen/ und also zu Papier gesetzt worden im Jahr 1258 zur Zeit Arnoldi Chur-Trierischen Ertz- Bischoffs (welcher auch selbig Jahr gestorben) innerhalb der Octav des H. Martini. Der Praemonstratenser Annalist Ludov. Car. Hugo Bischoff und Abt zu Stivapen (Anm.: 21) zeugt auch davon/ schreibend/ daß der H. Armb habe alsbald angefangen zu leuchten von (Seite 31) viele der Wunderen/ und bey allen Benachbahrten Völckern berühmbt zu werden. Tomo 2. Annal. Praem. f. 758.verbo: Sayna. (Anm.: 22) Der Welt berühmbte Trierische Jahrs Geschicht-Schreiber Masenius kommt in Erzehlung der Geschicht mit uns gantz überein/ von den beym H. Armb des Apostel Simons geschenenen Mairaculen aber redet er in genere, das ist: insgemein ( oder überhaupt also: Nachdeme der Großgütige Gott sich belieben lassen das kaum auffgerichtete Gottes-Hauß Sayn Praem. Ordens mit großem Schatz/ nehmblich des H. Apostels Simons Armb zu bereichen/ und in aller Augen/ ja gleichsam auff eine Schaubühn des gantzen Srtz-Stifftes zu setzen ( so seye unglaublich zu sagen/ wie von vielen Wunderwercken diese H. Reliquien alsbald geglantzet/ und bey den herum liegenden Völckeren überall herrlich zu werden angefangen haben. Tomo 2. Annal.Trev. Annum 1202. f.99. (Anm.: 23) Endlich findet sich auch in unser Archiv eine alte Schrifft ( worin damahliger Abt zu Sayn schreibt: es seye zu bedauren/ daß die denckwürdigste/ und zu Papier auffgezeichnete Mairaculen in den obbemelten langjahrigen Verfolgungen seyen verkommen. Das wenigstens die (Seite 32 ) Andacht/ Zulauff/ und Vertrauen des Volcks (welches ohn sonderbahre Wunderwerck nicht zu geschehen pflegt) vörzeiten müsse viel grösser gewesen seyn/ erhellet aus den noch gefundenen 4. alten Leuchteren/ deren jeder ad 8. Schuhe lang/ mit lauter grossen zu 20. 30. biß 40. und mehr Pfund schwären Kertzen dein zu stellen/ dienenden eissernen Spitzen/ oder Stachelen/ welche ohne Zweiffel durch ankommende Processionen werden besetzt worden seyn/ so aber nachgehens Zeit der mehr besagten Verfolgung nachgelassen. So viel von alten Zeiten. Anjetzo schreite ich zu unseren letzteren Jahren/ in welchen Wie Gnaden und Hülffreich dieser H. Armb des Apostels Simon noch würcklich seye/ hat erfahren. Erstlich Ihro Churfürstl. Durchl.Frantz Ludwig zu Trier/ welcher im Jahr 1728 an einem Schmertzvollen Armb erkrancket/ Curen/ Bäder/ und was zu erdencken gebraucht hat/ aber alles vergeblich/ da endlich der Schmertz unleydentlich würde/ sagten höchstdieselbe: ob dan kein Mensch mehr wär/ so helffen wolt/ oder könte. Sein damahliger Cammer-Diener Nahmens Greull antwortete/ daß er einstens von (Seite 33) gleichem wehen Armb durch Versprechung eines kleinen Opffers nach Sayn zu Ehren Sanct Simons Armb/ und Persöhnliche Besuchung alsbald befreyt worden sey. Ihre Churfürstl. Durchleucht liessen sich solches gefallen/ verlobten (Anm.: 24)sich zur Besuchung deren H. Reliquien/ so bald nur möglich. Sehet Wunder! Gleich darauf schlafen Höchst-Dieselbe ein/ erwachen ohne Schmertz/ finden sich im Stand/ also/ daß anderen Tags/ welcher war Mariä Heimsuchungs Tag/ selbsten in höchster Persohn nach Sayn gekommen/ die H. Reliquien besucht/ mit Anhörung 2. Heiliger Meeßen verehret/ und mit einem Opffer von 100. Rheinischen Gulden beehret/ auch hernechst von dem Wasser aus Sanct Simons Brunnen ad 14. Täg über Tisch getruncken haben Seynd also Ihro Churfürstl. Durchl. von ihrem Wehe entledigt worden/ und geblieben. Diese Geschicht ist so bekannt/ daß weiters kein Zeugnis bedarff. 2. Tit. Herr Hoffrath von Eyß in Coblentz/ welcher im Jahr 1732 nach allerhand umbsonst angewendeten Mittelen mit einem schmertzhafften Armb/ und 2. steiff eingekrümbten unbeweglichen Fingeren an der lincken Hand/ nach Sayn gekommen/ mit (Seite 34 ) Beicht/ Communion/ und Opfer den H. Armb verehret/ von Sayn aber ohne Schmertzen nach Haus gegangen/ und sein 2 Finger gleich den anderen wieder beweglich bekommen. Er selbst jetzo noch im Leben wird Jedermann danckbahrliche Zeugnis hiervon geben. 3. Tit.Madame Bohlen in Coblentz/ welche vor etwa 4.Jahren auff gethanes Versprechen eines gewissen Opffers von Silber/ und andächtige Anruffung des H. Simonis die Gnad gehabt hat/ von einem mercklichen Gewächs auff dem Augen Deckel/ welches in Auffthuung des Augs sie viel incomodirte/ (Anm.: 25) in einer Nacht befreyt zu werden/ daß sie nicht weiß/ wo es hinkommen/ dessen Sie ein jetzt noch lebende Zeugin ist. 4. Des Hauptmann Embdens auff der Vestung Ehrenbreitstein seine Ehefrau/ vorhin genant Eschenbrenners aus Bayeren gebürtig/ umb der unglaublichen Schmertzen/ welche ihr verursachte der rechte/ an mehr als einem Orth zerbrochene/ in etwa zwar/ doch nicht ohne hinterlassene incurable (Anm.: 26) Pein geheilte Armb/ durch die Verehrung des H Simons befreyt zu werden/ hat ein Gelübd gethan in einem hüsenden (Anm.: 27) Auffzug nach Sayn zu wallfahrten/ (Seite 35 ) und alldort ihre Zuflucht zu nehmen. Nach solchem Gelübd als sie nächstens vom Schlaff erwächte/ spürte sie nicht mehr so gross/ und gleich darauff gar keine Schmertzen. Ist derohalben Anno 1709. den 3. May hiehin barfüssig/ mit einem leinenen Rock allein angethan/ kommen/ hat ihr Versprechen treulich vollzogen. Welches alles sie selbst an eben selbigem Tag beym Gnädigen Herrn Joan. Philipp von Reiffenberg (der es mit eigner Hand bekräfftigt hinterlassen) erzehlt in Gegegnwart des Hrn. Joannis Georgii Roth Frühmesser zu Engers/ der Gnädigen Frau/ und ihrer Schwester Maria Barbara Fräulein von Hoheneck. 5. Just Füllens aus dem Ambt Daun ohnweit von Trier/ welcher im letzten Französichen Krieg Anno 1734. mit seinem Paß wegen alten Schaden am Bein nach dem Emser Baad (welchen ich selbst gelesen) wohl versehen kombt biß nach Gülls an der Mosel gleich ober Coblentz/ allwo ihm viel mehr nach Sayn zum Miraculösen Armb des H. Simons gerathen wurde/ er aber wenig achtete/ weil niemahl was davon gehört hatte. Des Morgens raiset er fort biß hinter Metternich nicht weit von dem (Seite 36) Grossen Heiligen Häußgen/ worein er/ von gähling (Anm.: 28) überkommenen Schmertzen und Krafftlosigkeit des Beins zur Erden niedergeworffen/ auff Händ und Füß gekrochen/ allda sein Elend betrachtet/ sich endlich erinneret des gegebenen Raths/ gelobt also ohn Verzug nach Sayn sich zu verfügen die H. Reliquien zu besuchen/ wan ihm nur der H. Simon wieder auf die Beine hülfe. Höret Wunder! augenblicklich stehet er auff/ gehet ohne Mühe nach Sayn/ und nach verrichteter Andacht nach Hauß/ ohn Stecken/ ohn Schmertzen/ Gott und dem H. Simon danckend. Zeugen dieses seynd nebst mir Hr. Kellner Cat(...)(Anm.: 29) Doetich, Hr. Gottfried Schmiedgen/ und all unser damahlige Geistliche. 6. Johan Fritz Kons von Hartenfels/ welcher im Jahr 1735. an allen Gliederen des gantzen Leibs Kranck/ und elendig gelegen/ auff eine von seiner Ehe Fraw für ihn versprochene Bittfahrt/ und Opfer nach Sayn/ wieder frisch und gesund worden ist. Lauth eines hierüber errichteten glaubwürdigen Attestats. 7. Die Jungfer Anna Margaretha des Johan Jacob Jächels Tochter von Rhein-Prohl/ welche Anno 1736. ad 6. Wochen an (Seite 37 ) Händ und Füß so contract und lahm gewesen/ daß gleich einem unmündigen Kind hat müssen getragen und regieret werden/ Geist- und natürliche Mittelen seynd vergeblich gebraucht worden; 8. Caspar Willwerth von Maller bey Coblentz/ welcher ein lange Zeit an Armben und Bein gantz contract gewesen; im Jahr 1735. verspricht sich nach Sayn/ und ein H. Meeß zu Ehren des H. Simons lesen zu lasen/ worauff er sein Gesundheit wiederumb dergestalt erlangt hat/ daß er seiner Arbeit wieder hat nachkommen können/ wie ich aus seinem Mund gehöret/ auch mit geschworner Zeugen Unterschrifft hab auffzeichnen lassen. 9. Des Philps Hunsdorffs Ehefraw Agnes von Sayn/ welche vor etlichen Jahren so wehe Brüst bekommen/ daß grausam anzusehen/ der kalte Brand stündlich beförchtet/ drumb für Kält/ und Netzt(Anm.: 30) sich zu hüten von jedermann gewarnet wurde/ sie (Seite 39) aber auf Sanct Simon vertrauend nimbt aus dessen Brunnen Wasser/ tuncket ein leinen Tuch hinein/ legts auff die beyde Brüst/ rufft Sanct Simon an. Siehe da: steiget zum ersten ein dicker Dampf auff/ wie ein Nebel, sie tuncket das Tuch nochmahl ein und legts auff/ aber da gingen 52. Löcher in beyden Brüsten auff/ und der faule Eyter spritzte wie aus einer Gieß heraus/ und ward also gesund. Ein gleiches hat erfahren 10. Anna Reuters von Coblentz/ welche ein so böß geschwoilene Brust gehabt/ daß sie selbe 10. Pfund schwär zu seyn vermeinte; auff ein Gelübt zu Ehren de H. Simon ist sie gleich wieder besser worden. Wie sie mir selbsten dies Jahr gesagt hat in Beyseyn Apolloniae Schirmerichs aus Coblentz/ welche ebenfals dieses Jahr im Jenner durch zuschwär auffgeladenen Last Holtz ein Ader auff der Brust gesprengt/ und dadurch Bluth gespiegen (Anm.: 31) hat. Weil sie nun vorzeiten mit einem Lahmen Bein einstens an Sanct Simons Altar gekniet/ den Heiligen angeruffen/ und nach einem solchen im Knie geschehenen Krach/ daß die bey ihr Kniende es gehört/ mit gerathem Bein ist auffgestanden; So hat sie wieder ihr (Seite 39) Zuflucht zu Sanct Simon genohmen/ sich nach Sayn verlobt/ da hat das Blut=speyen nachgelassen/ und all ihr Wehe auff der Brust sich verlohren 11. Maria Röltzers von Rüwer auffm Mayfeld/ welche in der Jugend so erlahmet, daß sie nicht hat gehen können/ verspricht alle Jahr ihres Lebens einmahl die H. Reliquien zu besuchen/ worauf sie wieder gerad worden/ und ware dieß Jahr das 32ste mahl hier zu Sayn. 12. Meister Caspar Müller/ Becker im Dahl gegen Coblentz/ welcher im Jahr 1739. einen ad 5. Wochen unbeweglichen Arm gehabt/ viele Hrn Doctoren daran gebraucht/ aber vergeblich: nach gethanem Gelübt nach Sayn wird augenblicklich wieder gut/ und brauchbar. Deßgleichen hat er und seine Fraw an ihrem Töchterlein das folgende Jahr 1740. wahrgenohmen/ welches 4. Tag lang ein ärmbgen hat als lebloß glatt hangen lassen/ so bald aber nur die Elteren das Kind nach Sayn versprochen/ ist das ärmbgen gut geworden 13. Meister Maßfelder von Monthabaur anjetzo Schneider in Coblentz/ dessen rechter Armb so krum sich verzogen hat/ daß im Mittel Gewerb am Ellenbogen die Faß=Aderen (Seite 40)wie ein Knopff sich haben erhobener zusammen gezogen/ kein Feldscheerer in Coblentz konnte ihm helffen. Gähling falt ihm ein der zu Sayn Wunder würckende H. Armb mit solchem eiffrigen Trieb/ wie er mir selbsten sagte/ daß den Augenblick sich anderst angekleidet/ nach Sayn gegangen/ den H. Armb verehrt/ und von der Stund an seye auch sein Armb völlig wieder guth. So geschehen im Jahre 1741. Von desgleichen wuste im selbigen Jahr 1741. den 7ten May zu sagen. 14. Der Frantz Bernard Backay aus Mayntz dermahlen gefreyter auff der Vestung Ehrenbreitstein unterm Tit. Herren Hauptmann von Rüssel/ seiner Profession (Anm.: 32) ein Schuhemacher/ so wegen des Mangelhafften rechten Armbs nicht mehr arbeiten konnte/ ließ als Ader/ und brauchte allerhand/ jedoch ohne Nutzen: aber nach gethanem Gelübt nach Sayn ist dieser Armb noch besser und stärcker worden/ als der andere/ wie ich aus seinem Mund selbst gehöret hab. 15. Getrud Dott von Maller hat im Jahr 1741. ihr Gesicht also verlohren/ daß sie keinen Menschen mehr hat erkennen können/ verspricht sich nach Sayn/ bekombt alsbald ihr Gesicht wieder/ wie zuvor. (Seite 41) 16. Joannis Hochß Töchterlein von Coblentz hatte durch die Pochen einen Flecken auffs Schwartze des Augs bekommen/ welcher mit nichts anderst/ als mit S. Simons Brunnen-Wasser gantz vertrieben worden. 17. Joannis Hirrmanns Sohn von Meyfeld hinter Bassenheim in Knechts Diensten verlühre sein Gesicht (Anm.: 33)dargestalt/ daß weder Pfluch/ (Anm.: 34) noch Karren mehr führen konte/ kombt nach Sayn/ wascht die Augen an S. Simons Brunnen/ erlangt sein voriges Gesicht wieder. den 31. Octobr. 1741. 18. Mattiae ölligs 3 jähriges Söhngen von Vallendar hatte noch nie auff ein Bein gestanden/ verlangte nach Sayn/ wurde hingetragen/ am Brunnen gewaschen/ hernechst begehrte das Kind von der Mutter Armb auff die Erd. Was geschahe? das Kind stund/ und gieng den Augenblick. Im Jahr 1740. 19. Philippi und Susannae Bürresheims 3. Jähriges Söhnlein von Polch/ welcher noch nie auff ein Fuß gestanden/ weniger gegangen/ wurde nach Sayn gebracht/ am Sanct Simons Brunnen gewaschen/ und nach Hauß getragen/ allwo er gleich Trapp auff und ab gegangen im Jahe 1740. (Seite 42) Desgleichen geschahe im Jahr 1741. 20. Jakcobs und Elisabeths Alwert 3. jährigen Söhnlein aus dem Kirspell (Anm.: 35)Heimbach so Lenden lahm/ und auch niemahlen gestanden/ noch gegangen/ die Elteren tragen ihn nach Sayn/ verrichten an statt des Kinds ihr Andacht/ waschen es am Brunnen/ wie sie nach Hauß kommen/ stehet und gehet das Kind/ wie ich selbst mit meinen Augen gesehen/ da es zur Danckbarkeit nochmahl wieder kame die H. Reliquien zu besuchen 21. In diesem Jahr 1742 den 29. April ist des Joannis Lücker/ und Annä Elisabethä 27. Jährige Tochter Catharina Lückers von Gladbach bey Rommersdorff/ so die 7. letztere Jahr auff Krücken gangen/ 3 Jahr im Baad gewesen/ von dasigen Hrn. Doctoren gantz verlohren bekommen/ zu Sayn bey den H. Reliquien so gerad worden/ daß ohne Stecken-Hülf nach Hauß gangen/ und nicht müth worden/ auch wieder gute Läst tragen kann. Eben dieses Jahr den 27. May war 22. Anna Maria Furmanns von Hirschenich oder Kirschenich bey MünsterMeyfeld hier zu Sayn/ mir sagend/ daß in 2. Jahren kein Speisen bey sich hätte behalten können/ sondern all obersich salva
venia (Anm.: 36) wieder von (Seite 43) sich geben müssen/ wodurch sie so vergangen/ und ausgezehrt seye/ daß schier den Weeg-Steuer nicht mehr gehabt hätte. Vor 14. Täg wär ihr von Sanct Simonis Brunnen Wasser zu trincken gegeben worden/ worauf sie ein Vertrauen gesetzt/ auch nicht vergebens/ dan von der Stund wäre sie vom Brechen frey blieben/ und hätte an Kräfften in der kurtzen Zeit so zugenohmen/ daß die 7. Stund weit zu Fuß hierhin gegangen seye. Ein nicht geringere Gnad hat erlanget in diesem Monath September jetzt laufenden Jahrs 23. Unserer Pfarr Sendscheffens Anton Brincks Ehefraw von Stromberg/ einem 3 Viertel Stund Berg aus liegenden Dorff welche an einem vom Ochsen zerschlagenenen Bein lang zu Bett gelegen/ hernach mit einem Stock lahm gegangen/ verfügt sich endlich mit gutem Vertrawen zu Sanct Simons Brunnen/ wascht das Bein/ gehet gerad heraus ohne Hülff des Stocks nach Hauß/ den hohen Berg hinaus/ des Nachmittags nochmahl aus Freud/ und Danckbahrkeit herunter/ auch wieder hinauff/ lobte Gott/ und den H Simon sambt seinem wunderthätigen Armb. NB. Allhier ist zu mercken/ daß die oben (Seite 44) von Num.9. biß heran benannte noch alle im Leben seynd/ und darumb lehaffte Zeugen abgeben können ihrer durch Vorbitt des H Apostels Simon erlangten grossen Gutthaten. Wie nicht weniger von folgenden/ deren vielleicht einige todt/ Zeugnus geben die darüber geführte Notariats. Instrumenta. Als 24. Von Niclas Goerg von Gondorfff an der Mosel/ welcher als ein Kind von 5. Jahren/ weil nimmer auff ein Bein hat stehen können/ ist von zwey Leuth nach Sayn getragen/ in den Sarg (Anm.: 37)des Brunuens eingetunckt/ und also bald stehend worden ist/ hernach zu Mertloch verheyratet/ im 37. Jahr seines Alters wird 14 Wochen durch hefftige Rück.schmertzen Bettlägerig/ und auff nochmahliges Versprechen nach Sayn auch wieder gesund. 25. Von Magdalena Dahm von Rhieden ohnweit Meyen/ von einem wehen Knie/ welches sie anderst nicht/ als mit Hand von einem Ort zu andern hat wenden und kehren können/ ist im Jahr 1738 befreyet worden nach gewissem gethanen Gelübt/ also daß innerhalb 3. Tagen ihre Arbeit hat nochkommen können. So dan 26. Von Catharina (Seite 45)) Maaß/ von Coberen an der Mosel gelegen/ ohngefehr 70 Jahr alt/ welche nach langer Kranckheit einen lahmen Armben bekommen/ und darzu noch blind worden ist/ daß in 3. Wochen lang nichts als nur das Schimmeren sehen können/ worauf ihr Zuflucht zum H. Simon nehmend/ thut eine groses Gelübd/ lasset sich nach Sayn leiten/ thut eine General- Beicht/ erlanget die Herstellung der Gesundheit an Armb und Augen/ dergestalt/ daß Weeg und Steeg/ auch andere Sachen sehen und erkennen können. Ein anderes 27. Von Philipp Welling im 58ten Jahr seines Alters von Bassenheim/ welcher an der Wassersucht so aufgeschwollen am ganzen Leib gelegen/ daß Hr. Chyrurgus Arnold zu Winningen ihme völlig verlohren gegeben/ seine Frau wegen 8. Kinder voller Betrübnus sucht Hülff beym H. Simon, lasset eine Heil. Meß zu Sayn lesen/ nimt S. Simons Brunnen mit/ er trinckt davon/ ruffet den H. Apostel an/ und wird also von seiner Wassersucht befreyet voriges Jahr 1741. Noch ein anderes 28. Der wohlgeborner Gnädiger Herr von Wentz zu Sayn/ hatte im Jahr 1735 einen Lutherischen Jäger mit Nahmen Sebastian Maynitzer/ dessen rechter Armb (Seite 46) gantz steiff wurde/ also daß keine Flind mehr anlegen konte/ mithin seine Jägerey darniederlage/ und dardurch gantz kleinmüthig wurde/ die gnädige Herrschaft rathet ihm seine Zuflucht zu S. Simon Armb zu nehmen/ wovon er ja selbst zu Sayn in den 2. Jahren da in Diensten gestanden/ so viel gehöret; er folgt dem Rath/ setzt ein Glauben und Hoffnung darauf/ spricht die gnädige Frau an/ von seinem Lohn zu thun nach ihrem Gutdüncken/ was die Catholische pflegten in solchen Anliegen zu thun/ weil er als Lutherisch in derley unerfahren wäre/ die Gnädige Fraw lasset in seinem Nahmen ein Heil. Meeß lesen/ und 3. Alb opferen. Was geschicht? Der armb wird alsbald völlig gangbahr/ und gesund/ wie zuvor/ er kombt dardurch zur Erkantnus/ sprechend: Nun sehe ich/ das betrogen bin in meiner Religion, in welcher man von dergleichen Wunder würckenden Hülff deren Heiligen nichst weiß etc. nun glaub ich an Gott/ und die Heilige allein wahre Catholische Kirch etc. mit einem Wort: er hat den Lutherischen Glauben verflucht/ und ist Catholisch worden/ worin ich selbsten ihn unterwiesen/ sein Beicht angehöret/ und also hat ihm der grosse Apostel Simon die (Seite 47) Gesundheit des Leibs und der Seelen mitgetheilet. Dieß ist ein Geschicht/ welche die obgedachte gnädige Herrschafft noch heute im Leben/ und gantze Sayner Pfarr attestiren kan. Jetzt eine neueres vom 15. Junii dieses Jahrs 1742 29. Just Eyffeler von Japenach ohngefehr 15. Jahr alt/ hat 2mahl ein Kniescheib entzwey gefallen/ das erstemahl ist er wohl/ das 2temahl so übel von einem anderen geheilet worden/ daß der erstere ihn in die Cur nicht mehr hat annehmen wollen/ konnte das Bein auch nur mit den Ziegen (Anm.: 38)über die Erd schleiffen/ verlobt (Anm.: 39)sich dahero nach Sayn/ kombt mit einer Krück so schwärmüthig/ daß man das rohe Fleisch ihm in den Händen sahe; nach verrrichteter Andacht/ und im Brunnen gewaschenen Bein/ hat er so viel Hülff erlanget/ daß mit völligem Fuß nicht allein die Erd betretten/ sondern auch ohne Krücken 12 biß 18. Schritt gehen konnte. Ein noch näheres vom 13. Julii 1742. 30. Elisabeth Sörgers von Mühlem in der Pfarr Cärlich gelegen ad 15 Jahr alt/ hat 6. gantzer Wochen in gleich=spitzigen Dörneren empfindlichst stechenden/ und aller Glieder des Leibs durchlauffenden (Seite 48) Schmerzen/ an Händ und Füßen so geschwollen und contract gelegen/ daß nicht mächtig ware/ sich von einer Seiten zu andern zu wenden. Ihre Eltern hatten zwar zu Winningen beym Herrn Medico Arnold Hülff gesucht/ dieser aber hat nichts/ weil kein Artzeney Mittel anschlagen würden/ ordiniren (Anm.: 40) wollen. Endlich wird ihr gerathen nach Sayn/ sie verlobt sich/ den H. Armb zu besuchen. Siehe! Das Übel hat sie gleich verlassen/ daß sie vorhin sich auffm Beth zu wenden Ohnvermögende (Anm.: 41) auffgestanden und gangen seye. Nachgehens hat sie ihr Gelübd auffschieben wollen/ da fingen aber die Bein an wieder scharff zu schwellen/ und continuierten/ biß sie sich des Abends entschlosse ihr Gelübd anderen Tags auszurichten/ an welchem sie dann ohn einiges Geschwätz auffstunde/ und nach Sayn gienge. Ich könte allhier mit Vor- und Zunahmen unterschiedliche nennen/ welche nach erhaltener Gesundheit ihr gethanes Gelübd auszurichten nachläßig worden seyend/ welche ich aber Ehren halber verschweige/ Solches ist auch nicht zu bewunderen/ dann GOtt ermahnet uns selbsten in Heil.Schrifft Deut.cap.23 sprechend: (Seite 49)wan du Gott deinem Herrn ein Gelübt gethan/ solst du nicht saumen solches zu entrichten. Item Eccl.5 Wan du Gott was versprochen/ saume nicht solches zu entrichten/ dan ein ungetrewe/ und närrische Versprechung misfallet Gott/ und es ist besser nichts versprechen/ als nach dem versprechen nichts ausrichten. Erfahren hat solches eine gewisse Fraw von Isenburg/ dessen Ehe.Mann auff der Flotz in Holland von einem Mit- Camerathen ( welcher nach versprochenem 1. Alb. (Anm.: 42)Nach Sayn zu Ehren Sanct Simonis Armb von Wehethumb seines Armbs wieder genesen) solches Opfer auszurichten empfangen/ übernohmen/ und seiner Frawen nach Sayn zu tragen übergeben/ welche das Petermengen (Anm.: 43) aber unbedachtsam ausgegeben/ und hernach vergessen. Der Mann von 2ten Raiß wiederkommend find sein Fraw am Armben schmertzlich kranck im Beth liegen; fragt/ wes Ursach? Wuste kein. Fragt wieder: hast du auch den Alb ausgerichtet nach Sayn? O Gott! Nein. Geschwind für dich noch eins darzu gelegt/ und dahin geschickt. Es geschicht: und sie stund auff von ihrem Wehe. Was meinest du nun günstiger Leser! Was für ein andere (Seite 50 ) Ursach dieses übels gewesen seye? schon gnug hiervon/ dan ich gedencke allhier nicht zu predigen/ sonderen der Weld kund zu thun/ was grosse Wohlthaten Gott durch seinen H. Apostel uns mittheile/ umb seine Ehr ( wie es der Will Gottes zu seyn scheinet) zu vermehren/ und dessen Heil. Armb glaubhaffter/ und glorreicher zu machen. Schreite dahero zur 31. Wohlthat/ so Maria Clara Buschin von Paffendorff oder Ehrenbreitstein den 18. Juli dieses Jahrs wargenohmen hat an ihrem Söhnlein Johannes/ welcher gleich anderen viel jüngeren Kindern nicht allein hat wollen gehen lehrnen; den nehmblichen Tag/ da sie sich vorgenohmen die H. Reliquien zu Sayn zu besuchen umb Besserung des Kinds/ habe es angefangen ohn einiges Halten die Stub auf-und abzugehen. Die 32. Haben Melchior Clor/ und sein Ehefrau zu Ranßbach auff dem Westerwald dieses Jahr erfahren an ihrem 3.Jährigen Söhnlein/ welches vorhin wohl gegangen/ hernach von selbsten gantz erlahmet/ und schon ad 6. Wochen gedauret/ verspricht das Kind endlich nach Sayn zum H. Simonis Armb. Da den Augenblick gieng das (Seite 51) Kind/ wie ich den 9. Julii selbst gesehen hab/ da sie ihr Gelübd ausgerichtet. Schließlich will ich es belassen bey der 33. ten/ aber gewiß nicht geringen Wohlthat/ welche vom H. Simon erhielte Herr Gerhard Schmid Bildhawer/ und Burger in der Stadt Boppard ad 50. Jahr seines Alters/ welcher 3. Jahr Gehörloß gewesen/ dergestalten jedoch/ daß mit dem lincken Ohr noch ein wenig gehöret. Als nun vorm Jahr dahier Geschäfften halber gewesen/ hat auch in diesem seinem Zustand sein Hülff zugleich beym H. Apostel Simon suchen wollen/ und dahero seinen mit Sanct Simons Brunnen-Wasser benetzten Finger in beyde Ohren gesteckt/ worauff so bald nach empfundenem Knall in den Ohren wiederumb gantz wohl gehöret/ daß mithin er es für ein Augenscheinlich Miracual (Anm.: 44) halten thäte. Laut Notariats errichteten Instruments und Zeugnus. Wie wohl ich nun dergleichen mehr allhier beybringen könte/ will ichs doch bey der durchs Alter Christi geheiligten 33ten Zahl lassen/ und dabey Jedermann zu betrachten überlassen/ ob man nicht Ursach habe mit H. David zu sagen: Mirabilis Deus in Sanctis suis, wunderbahrlich ist Gott in seinen Heiligen/ und sonderbahr in dem H. Apostel Simon, in Ansehung dessen H. Armb/ so in Sayn auffbehalten wird. Vermeine derohalben billig zu seyn/ den- selben best möglichst zu verehren/ und in- ständigst zu bitten/ daß er sein heilsame H. Hand/ und mächtigen Armb über uns/ und alles unsrige wieder alle Feind so Leibs/ als der Seelen Hülffreich austrecken/ darmit beschützen und beschirmen möge/ zu dessen Ziel und End gebe ich allen frommen des H. Simonis Liehaberen an Hand folgende neue kleine Tag-Zeiten. Anmerkungen: 17) Mögliche Deutung: Der arabische Reisende Ibn Rusta beschrieb im 9. Jahrhundert viele Krankheiten und auch die Hautkrankheiten. 18) Mögliche Deutung: Der arabische Reisende Ibn Rusta beschrieb im 9. Jahrhundert viele Krankheiten und auch die Hautkrankheiten 19) Geschwüre und Hautblasen 20) Ausrufer, Bekanntmacher 21) Ort ist z.Z. unbekannt 22) Band 2 der Annalen (Jahrbücher) der Prämonstratenser, Seite 778, Betrift Sayn 23) Band 2 der Annalen (Jahrbücher) des Erzbistums Trier, zum Jahre 1202, Seite 99 24) geloben, versprechen 25) beim Öffnen des Auges hinderte 26) unheilbarer Pein (Schmerzen) 27) Büßergewand (härendes Gewand; aus Nesseln oder Flachs = Leinen gewoben) 28) unversehens 29) In der Kopie nicht mehr lesbar 30) Nässe 31) Blut gespien, (gespuckt) 32) von Beruf 33) verlor sein Gesicht, (verlor die Sehkraft seiner Augen) 34) Pflug 35) Kirchspiel, Verband mehrerer Kirchengemeinden, Kirchen-Sprengel 36) mit Verlaub zu sagen, Beschönigung des Ausdrucks 37) mit den Zehen 38) Gelübte, geloben, versprechen 39) Brunnentrog, Brunnenschale 40) die Kranken-Behandlung weiterführen wollen 41) nicht imstande gewesenen 42) Albus = Weißpfennig = kleine Silbermünze 43) Petermännchen = kleine Silbermünze mit dem Abbild des Hl. Petrus 44) Wunder Vorbemerkung Zum besserem Verständnis des nachfolgenden Textes ist hier eine kurze Erläuterung eingefügt. Auf Benedikt von Nursia, den Gründer des Benediktiner - Ordens, geht das Prinzip "Ora et labora" (bete und arbeite) zurück. Danach war das tägliche Gebet in feste Zeiten eingeteilt: Matutin (Nachgebet) Laudes (Morgenlob) Prim ( erstes Tagesgebet) Terz (zweites Tagesgebet) Sext (drittes Tagesgebet) Non (viertes Tagesgebet) Vesper (Abendgebet) Komplet (Nachgebet). An diese Gebetszeiten lehnen sich die nachfolgenden Vorschläge an, ohne sich fest daran zu binden. Der Begriff "Zur Metten" meint die Zeit vor der Frühmesse. Im Text werden Abkürzungen gebraucht, die heutzutage nicht mehr selbstverständlich verstanden werden. V > Vorbeter R. >Responsorium = Antwort Antph. >Antphon = Antwortgesang Psal. > Psalm Drittes Capittel Neue kleine Tag-Zeiten Zu Ehren des H. Apostels Simonis Und dessen Wunderthätigen H. Armbs Zu Sayn Zur Metten V. Man wird von deinem grossen Nahmen/ und von deiner starcken Hand/ und von deinem ausgestreckten Armb an allen Enden hören. R. Amen. 3Reg.. 8.v.41. V. Herr eröffne meinen Mund. R. Zu loben deinen Nahmen. V. O Gott! mercke auff mir zu helffen/ R. Herr: eile mir zu helffen. Ehr sey dem Vater/ und dem Sohn/ und dem Heil. Geist etc. Amen. Alleluja. Zur Zeit Septuagintae, an Platz Alleluja (Anm.: ) Ehr sey dir o Herr/ König der ewigen Glory! (Seite 54 ) Lobgesang. Ueber Erd/ und Himmelen all/ Sanct Simonis Glory klingt. Ihm sey Lob/ Ehr/ und Freuden-Schall/ Billig man sein Tag Zeit singt. Du O Kirchen Fürst sey gegrüst/ Triumphire nach dem Krieg Weil der Teuffel hat eingebüst/ Jubilir auff deinen Sieg. Antiph. Lobet den Herren/ der Israel mitten aus Aegypten geführet hat mit mächtiger Hand/ und hoch erhobenen Armb/ dan seine Barmhertzigkeit wehret ewiglich. Psal. 135. V. Sein rechte Hand hat ihm Hülff gethan/ R. Und sein Heiliger Armb. Psal. 97.v.1. Gebett O Herr! Wir bitten dich/ schaue gnädig an unsere Schwachheit auff die Fürsprach deines H. Apostels Simonis, wende all übel Leibs und der Seelen/ so wir durch unser Schuld verdienen/ von uns barmhertziglich ab/ und verleihe/ daß alle/ welche bey dessen H. Armb Hülff suchen/ ein heilsame Würckung ihrer Bitt erlangen mögen. Durch Jesum Christum (55) unseren Herren/ der mit dir und dem H. Geist lebt etc. V. Herr! erhöre mein Gebett/ R. Und mein Geschrey komme zu dir. V. Last uns den Herren benedeyen. R. Gott sey Danck V. Die Seelen der abgestorbenen Christglaubigen ruhen durch die Barmhertzigkeit Gottes in Frieden. R. Amen. Zur Priem V. Man wird von deinem grossen Nahmen/ und von deiner starcken Hand/ und von deinem ausgestreckten Armb an allen Enden hören. R. Amen. V. O Gott! mercke auff mir zu helffen/ R. Herr! eile mir zuhelffen. Ehr sey dem Vatter etc. Alleluja. oder Ehr sey etc. wie oben. Lobgesang Wegen dir/ und deinem Glauben/ Wegen der festen Hoffnung/ Und der Lieb/ hört auff zu rauben Die Höll/ voller Verzweifflung Dein Lehr/ und Wundern zu bekehren Schier unzahlbahre Heyden. Christi Heerd mercklich vermehren DeinTodt/ und hartes Leyden. (Seite 56) Ant. Er unterweiset meine Händ zum streit/ und richtet meinen Armben zu/ wie einen ehrinen Bogen. 2.Reg. 22.v.35. V. Nach deinem grossen Armb. R. Nimm dir zum Eigenthumb die Kinder derjenigen/ so getödet seynd. Psal. 7.8.v.11. Gebett O Herr! wir bitten dich etc. wie oben/ und das übrige/ wie oben folgt Pag. 54. (Anm.: ) Zur Terz Man wird von dienem grossen Nahmen etc wie oben. Lob=Gesang In die Kirch nach Sayn wird gebracht Dein Armb aus Armenien; Zu Sayn viele gesund gemacht/ Wie vorhin in Persien. Er ist noch da unverwesen Mit Fleisch/ und Bein zu sehen/ Wie er allzeit sonst gewesen/ All Volck thut zu ihm gehen. Ant. Es geschahen aber durch die Händ der Apostelen viel Zeichen und Wunderthaten unter dem Volck. Act. 5.v.12. V. O Herr! sey des Morgens unser Armb R. Und unser Heil in Zeit der Trübsal. Isaiae 33.v.2. (Seite 56 ) Gebett O Herr! wir bitten etc. wie oben. 54 Zur Sext V. Man wird von deinem grossen Nahmen etc. V. O Gott merck auff mir zu helffen etc. Lob=Gesang O gerechter Welt Mit-Richter! Von dir hertzlich begehre Du eins der wahren Welt-Lichter! Mir dieses nit verwehre. Dein Wort schliest und bind die Himmel/ Das Schloß es auch aufflöset Von dem Sünd- und Welt-Getümmel; Mach daß ich sey erlöset. Ant. Sein Bogen ist auf den Starken gesetzt und die Bänd seiner Armben/ und seine Händ seyend aufgelöset durch die Hand des mächtigen Jacobs. Gen. 49.v.23. V. Groß Vermögen ist allzeit bey dir allein übrig. R. Und wer kan der Macht deines Armbs wiederstehen. Sap 11.v.22. Gebett O Herr! wir bitten dich etc. Pag 54 Zur Non V. Man wird von deinem Nahmen etc. (58) Lobgesang Auf dein Gebott/ ja nur dein Wort/ All Kranckheit sich verliehret. Der schwarze Teuffel packt sich fort Er keinen mehr verführet. Drumb flieh ich durchs Gebett zu dir/ Ach helffe mir doch in der Noth. Wende ab all Schwachheit von mir/ Mein Seel stärcke in dem Todt. Ant. Die Lehr ist dem Weisen/ wie ein guldenes Geschmuck/ und wie ein Armb-Gezierde. Eccli. 21.v.24. V. Setze mich/ wie ein Siegel/ auf dein Hertz/ R. Und wie ein Siegel auff dein Armb. Cant. 8.v.6. Gebett O Herr! wir bitten dich etc. Pag 54 Zur Vesper Man wird von deinem Nahmen etc. Lobgesang Wan Gott als Richter wird kommen Einstens an dem End der Weld/ Schaff daß ich sey bey den frommen zur seith/ auffm Josaphats Feld. Nicht laß zur lincken gerathen/ Bey die Böck nicht zehle mich. Daß ich nicht ewig muß braten Dieses bitt ich inniglich. Ant. Ich war wie ein Ernährer Ephraim/ ich truge sie auf meinem Armben. Of. 11.v.3. V. Er wird sie mit seiner rechten Hand bedecken/ R. Und wird sie mit seinem H. Armb beschirmen. Sap.5.v.7. Gebett O Herr! wir bitten dich etc. Pag 54. Zur Komplet. V. Man wird von deinem Nahmen etc. R. Bekehre uns/ O Gott unser Heyland: R Und wende von uns ab deinen Zorn. V. OGott! mercke auff mir zu helffen/ R. Herr: eile mir zu helffen. Ehr sey dem Vatter etc. Lobgesang Bey die Lämmer zu der Rechten/ Führ mich dein heiliger Armb. Am Gericht thu für mich fechten/ Meines Elends dich erbarm. Simonem, Jesu! schaue an/ durch sein Vorbitt nach dem Streitt/ Gib/ daß ich gelang droben an/ Seelig sey in Ewigkeit. Ant. Ernewe die Zeichen/ und verändere die Wunderthaten. Mach deine Hand herrlich und deinen Armb. Eccli.36.v.6.&.7. (Seite 60) V. Bitt für uns heiliger Apostel Simon. R. Auff daß wir würdig werden der Verheissungen Christi. Gebett O Herr! wir bitten ich etc. Pag 54. Anbefehlung. Diese Tag-Zeiten hab ich gebetten Sanct Simon! dir zu Ehren, Ich hoff/ am End wirst mich erretten Vom Feind/ und zu mir kehren. Litaney (s. Anm.:) Vom H.Apostel Simon, Kyrie eleison/ christe eleison/ Kyrie eleison. Christe höre uns/ Christe erhöre uns. Gott Vatter vom Himmel/ Erbarm dich unser/ Gott Sohn Erlöser der Welt/ Erbarm dich unser/ Gott heiliger Geist/ Erbarm dich unser/ H. Dreyfaltigkeit ein einiger Gott/ erbarm dich unser. H. Maria du Königin der Apostelen/ Bitt für uns/ (Seite 61) H. Simon Cananäe! Bitt für uns. --------Bitt für uns------ Du Eifferer der Göttlichen Ehr/ Du in Auslegung des Evangelii getrewer Apostel Christi/ Du grosser Wunderthäter so wohl in als nach dem Leben/ Du von Jesu viel geliebter Jünger/ Du von Gott in Aegypten/ und nachgehens in Persien geschickter Abgesander/ Du Bekehrer unzahlbahrer Heyden/ Du in den grausamsten Tormenten (Anm.: ) unüberwindlicher Held/ Du vortrefflichster Blut-Zeug/ Du einer unschätzbahren Cron im Himmel würdig erachteter Obsieger/ Du würcklich gecrönter Diener Gottes Du künfftiger Mit-Richter der zwölff Geschlechter Israel/ H. Simon, dessen H. Armb über die Krancke/ Betrübte/ und Betrangte Hülffreich noch heute sich ausstrecket. O du unser Fürsprecher und Patron/ In all unseren Nöthen/ Helff uns/ O H. Simon. In all unseren ängsten/ helff uns etc,/. In all unseren Kranckheiten Leibs/ und der Seelen/ helff uns/ O H. Simon. (Seite 62) In der Stund unseres Todts, helff uns/ O H. Simon. -------Helff uns/O H. Simon.------ Am Particular- und allgemeinen letzten Gericht/ Durch dein Heil Beruff/ und Auserwählung zum Apostolat/ Durch dein Apostolische Mühe und Arbeit/ Durch dein Eiffer/ Gehorsamb/ und andere Tugenden/ Durch deine vielfältigen Verfolgungen Peinen und Tormenten (Anm.: ) Durch deinen kostbahren/ glorreichen vor Christi Nahmen ausgestandenen Todt/ Deine Schutz Kinder/ Wir bitten dich/ erhöre uns. -----Wir bitten dich/ erhöre uns.----- Daß du von JEsu deinem Herrn/ und Meister Nachlassung unserer Sünden uns erhalten wollest/ Daß du Jesu und Mariä uns treulich empfehlen wollest/ Daß du allen dich anruffenden Krancken/ Contracten/ und Preßhaften/ wans ihrer Seel nützlich/ die Gesundheit verleyhen wollest/ Daß du die laue/ und kalte Christen durch deinen hitzigen Glöttlicher Liebvollen (Seite 63) Eiffer erwärmen/ und zur Andacht anzünden wollest. Daß du uns/ und die unserige von all böser Gelegenheit/ Gewohnheit/ und Gefahr Leibs/ und der Seelen mit deinem Heil. Armb zurückziehen/ und bewahren wollest/ Daß du unsere Häußer/ Feld und Güter mit deiner H. Hand seegnen/ und mit deinem H. Armb all Schaden davon abwenden wollest/ Daß du von unserem lieben Vatterland/ Krieg/ Hunger/ Pestilenz/ und alles übel durch deinen mächtigen Armb abkehren wollest/ Daß du unseren Hochwürdigst Gnädigsten Lands-Fürsten/ und seine Hochweise Räth/ und Stände mit deinem herrlichen Armb nach dem Hertzen Gottes regieren/ fristen/ und erhalten wollest/ Daß du der gantzen Clerisey/ (Anm.: ) sonderlich allen Seelen- Hirten einen wahren Seelen-Eiffer/ und ein Apostolisches Leben zu führen/ die Gnad von Christo dem Ober-Hirten erbitten wollest/ Daß du all Unglaubige/ und Irr- (Seite 64) gehende Schaaff zur Heerd Christi deines Herrens/ als ein getrewer Diener mit deinem H. Armb herbey führen wollest/ Daß du mit JEsu/ Maria/ und meinem H. Schutz Engel am End des Lebens mir beystehen/ und mit deinem Siegreichen Armb alle bösen Geister hinwegtreiben wollest/ Daß du alsdann meine Seel auff der unbekanten/ an sich selbst schröckbahren Raiß zur Ewigkeit begleiten/ trösten/ und mit deinem glorreichen Armb zur himmlischen Glory führen wollest/ Daß du allen abgestorbenen Christglaubigen Seelen die ewige Ruh bey Gott ausbetten wollest. H. Apostel Simon, wir bitten dich/ erhöre uns. O du Lamb Gottes/ welches du hinnimbst die Sünden der Welt/ verschone uns O Herr. O du Lamb Gottes/ welches du hinnimbst die Sünden der Welt/ Erhöre uns O Herr. O du Lamb Gottes/ welches du hinnimbst die Sünden der Welt/ Erbarme dich unser O Herr. (Seite 65) Christe höre uns. Christe erhöre uns. Herr erbarme dich unser/ Christe erbarm dich unser/ Herr erbarm dich unser. Vatter unser etc. V. Bitt für uns H. Apostel Simon, R. Auff daß wir würdig werden der Verheissungen Christi. Gebett O Herr! wir bitten dich etc. Pag 54. Schluß-Gebettlein Gebenedeyet sey Gott Vatter/ Sohn und heiliger Geist/ daß ich vor so vielen andern Menschen die grosse Gnad habe/ im wahren Glauben zu leben/ den Christus gelehret und seine heilig Aposteln geprediget haben/ meine Undanckbarkeit/ und alle meine Sünden die ich jemahlen begangen hab/ seyend mir von gantzem Hertzen leyd/ weil ich dich meinen GOtt und Herrn/ mein letztes Ziel und End/ meine höchstes und allerbestes Gut erzürnet hab/ ich begehre von dir/ O GOtt! Verzeyhung/ ich nehme mir vestiglich vor/ mit deiner Gand mein Leben zu besseren; ich bitte dich durch die Verdienste deines heiligen Apostels Simon/ be- (Seite 66) wahre/ befestige und vermehre in mir den wahren Glauben/ und gebe mir dein hülffreiche Gnad/ daß ich in selbigem Christlich leben und seelig sterben möge. O heiliger Apostel Simon/ dich und deine H. Reliquien grüsse ich/ und verehr/ ich lobe/ preise/ und dancke GOtt vor alle Gaben und Gnaden/ so er dir erzeiget hat/ ich erwehle dich zu meinem Patron und Vorsprecher bey GOtt/ jetzt und in der Stund meines Todts; deine Ehr will ich durch mich und die Meinige suchen zu befürderen/ und zu vermehren/ durch JEsum Christum unseren Herrn; bitte bey GOtt daß er mir gebe Verzeyhung meiner Sünden/ seine Gnad vor meinen Stand/ und vor mein Ambt; bitte mit Maria meiner Mutter/ meinem Heiligen Schutz-Engel/ und meinen H.H. Patronen/ daß mich GOtt erhören wolle in meinem Anliegen N.N. wan es mir seelig ist/ und daß er mir verleyhe Beständigkeit im Glauben/ seine und meines Nächsten Lieb/ Gedult in Creutz und Widerwärtigkeit/ Demuth/ Sanfftmuth/ Keuschheit/ standmäßige Tugenden/ und ein seeliges Ende/ bitte auch vor die Christ-Catholische Kirche/ vor Geistliche und Weltliche Obrigkeit/ (Seite 67) vor diejenige/ vor welche ich zu betten schuldig bin/ und vor die armen Seelen im Fegfeuer. Zu dir O Heiliger Apostel sage ich mit der weisen Syrach: *Hebe deine Hand auff/ erneuere die Zeichen/ wiederhole die Wunderthaten/ mache deine Hand herrlich/ und deinen Armb. Ich meyne: Hebe deine Hand auff/ segene daß Volck/ und deine Schutz-Kinder/ die dich zu Sayn verehren. Segene ihre Wohnungen/ Häuser/ Aecker/ Wiesen/ Weingärten/ und alles was sie von Gott besitzen; Erneuere die Zeichen/ und wiederhole die Wunderthaten/ die du bey Leb-Zeiten getahn hast/ als du deine Hand gelegt hast auff die Krancken und Preßhafften/ die da seynd gesund worden; wiederhole die Gnad/ die du den Glaubigen mitgetheilet hast/ als du deine Hand auff sie geleget hast/ und sie den heiligen Geist bekommen haben/ erhalte uns von Gott einen guten Geist. *Mache deine Hand herrlich (Seite 68) und deinen Armb zu Sayn durch deine Vorbitt bey GOtt/ und mannigfältige Gnaden vor Leib und Seel durch JEsum Christum unseren Herrn/ Amen. Vatter unser etc. Gegrüsset seyst etc. *Ecclesiastici Cap. 36.v.3.6.7. †Actor.5.y.12. Actor 8.v.17. Anmerkung: Die Litanei war früher eine sehr beliebte Gebetsform und wird in der katholischen Kirche noch heute praktiziert. Die Litanei beginnt immer mit der Anrufung Gottes. Auf die Anrufung des Vorbeters erfolgt die jeweilige Antwort des Volkes. Vollkommener Ablaß ( s. Anm.:) Ist zu Sayn zu verdienen auff folgenden Tägen den 4. und 5. Sonntag nach den Oster-Feyertagen. Den Montag nach Christi-Himmelfahrt. Den 16. Januar. Den 17. Januar. Den 3. Merz. Den 7. April/ wan aber dieser Tag fallet in die Oster-Woch/ so ist der Ablaß den Tag nach dieser Woch. Den 6. May. Den 15. Junii. Den 9. und 11. Julii und den nechsten Sonntag hernach. Den 13.15. und 28. August. Den 13. und 17. Novemb. Anmerkung: Die katholische Kirche unterscheidet zwischen Sündenverzeihung und Nachlass von Sündenstrafen. Die Kirche nimmt für sich das Recht in Anspruch, gegen bestimmte Auflagen (Spende, Gebet, Bußübung, gutes Werk, Wallfahrt) Sündenstrafen zu erlassen. Applauditur Saynae Exultant Veneti, jactant sibi tradita Marci Ossa. Etiam causam ( nemo negabit) habent, Exultasne minus meliora forte beata Sayna, minus jactas, quod tibi sorte datum? Discipulus Christi fuit is, sed Apostolus alter, Cujus Reliquias tu colis, atque tenes. Man spendet Sayn Beifall, es jubeln die Venezier und rühmen die ihnen übergebenen Gebeine des (heiligen) Markus. Sie haben auch (allen) Grund – niemand wird es leugnen –, jubelst du etwa weniger über Besseres, seliges Sayn, rühmst das weniger, was dir vom Schicksal gegeben wurde? Er [Markus] war (bloß) ein Jünger Christi, aber ein Apostel (war) der andere, dessen Reliquien du verehrst und besitzt.[1] Erklärung: Anm.: 1) Vermutlich im neunten Jahrhundert (nach den Legenda Aurea bereits 467) wurden die Markusreliquien von venezianischen Seefahrern in Alexandria geraubt und nach Venedig überführt, was in den Berichten von einigen Wundern begleitet wird. Bezüglich des Datums gibt es unterschiedliche Überlieferungen, aber venezianische Münzen mit dem Abbild von Markus und Berichte von Wallfahrten in der Mitte des 9. Jahrhunderts lassen annehmen, dass die Reliquien damals in Venedig waren. Dort baute man ihm zu Ehren die Vorläuferkirche des Markusdoms und später den Markusdom, und der geflügelte Markuslöwe wurde zum Staatswappen der Republik Venedig, Ausdruck ihres Selbstbewusstseins gegenüber Rom (Petrus), dem Frankenreich (Mantel des hl. Martin) und Byzanz (Andreas). (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Markus_Evangelist) FINIS (Seite 69) Kleiner Anhang Lehrend Was noch mehr für Heil. Reliquien das Abteyliche Gottes Hauß Sayn besitzt/ und wie diese kützlich zu verehren seyen. Nebst dem grossen Schatz des unoch unverwesenen/ durch Vielheit der Miraculen so berümbten heiligen Armbs des H. Apostel Simonis; und Neben 5 heiligen Leiber deren H. Jungferen und Martyren der Sanct Ursulä Gesellschafft/ so von dem Jungfräul. Closter der weisen (Anm.: ) Frawen genant in Cöllen unserer Kirch überschenckt worden/ besitzet dieselbe auch noch einige andere H. Reliquien/ worunter aber besonders Ein authentisches vom Hochwürd. Hrn. Official in Coblentz recognoscirtes/(Anm.: ) und zur öffentlichen Verehrung auszustellen approbirtes Particul (Anm.: )vom H. Creutz/ woran Christus JEsus unser Erlöser gestorben/ welches sie im Jahr 1740 erstlich von Rom bekommen hat. Dan auch noch Ein eben also approbirtes in ein Monstrantz sauber eingefast. authentisches (Seite 70) Particul vom H. Hermann Joseph unseres H. Praemontratenser Ordens/ Chor. Herren zu Steinfeld/ welcher ein Sohn aus Cölln im 12.ten Jahr seines Alters das Geistl. Ordens Kleid angelegt/ wegen seiner heiligen Einfalt/ Lebens Unschuld/ und Jungfrawlichen Reinigkeit die Gnad verdienet hat von der allerreinesten Jungfraw/ und Mutter Gottess Maria sehr offt heimgesucht/ in gröster Verträulichkeit angeredet/ zu ihrem 2.ten Bräutigam auff Erden auserkoren/ durch die bey sich habende H. Engelen mit ihr vermählet/ von ihr mit einem Trew-Ring beehret/ mit dem Nahmen Joseph (dan er sonsten nur allein Hermannus getaufft war) benambset/ und mit überreichung ihres allerheiligsten/ und lieben Sohns Jesulein in seine Armben erfreut/ und mit diesen Worten angeredet zu werden: Hermann Joseph! da nimm hin meinen liebsten Sohn JEsum/ und trage ihn/ gleich wie ihn meine erster Bräutigamb Joseph in Aegypten getragen hat/ auff daß du/ der du nun mit ihm einen Nahmen tragest/ auch mit ihm eine Bürde getragen habest. (Seite 71) Da wird er voll des Göttl. Trosts erfahren haben/ wie wahr seyen jene Wort Christi : Jugum meum suave est, et onus meum leve. mein Joch ist süß/ und meine Bürd ist leicht; Kaum ist ein Leben der Heiligen angenehmer zu lesen/ als dieses Heiligen; man lese nur den Ehrw. Patrem Ribadenira Soc.(Anm.: ) Jesu im dritten Bund am 7.ten Tag April. Dieser Heilige ist auch allezeit verehret/ angeruffen/ und gefunden worden zu seyn Ein sonderbahrer (Anm.: ) Patron deren Schwangeren und Kindbetherinnen/ Umb ein glückliche Geburth/ und die Gnad des heiligen Tauffs denen Kinderen zu erlangen/ gleich wie noch neulich im Jahr 1738. im October des Ehrsamen Bürgers Nicolai Schüllers seine Ehe-Fraw Anna Maria von Rhenß einem schier 2. Stund ober Coblentz am Rhein gelegenen Cöllnischen Städtlein mit Wunder erfahren hat. Die Sach hat sich folgender Gestalt zugetragen. Ich selbst komme ungefehr nach Rhenß/ und werd gewahr/ daß obgemelte Anna Maria Schüllers so erbärmlich in Kinds Nöthen liege,daß weder die Hebam/ weder die Mutter selbst/ weder sonst (Seite 72) jemand einiges Zeichen des Lebens an der Frucht spüren könte/ alle Kinds wehe blieben aus/ mit einem Wort: all Anwesenden gaben Fraw/ und Kind völlig verlohren/ und warteten all Augenblicks ihres Ends. Ich schickte alsbald durch dasige Fraw Wittib Schultheisin Höggs ein zum Glück noch bey mir habendes/ an die Reliquien des H. Hemann Joseph angerührtes Bild hin/ mit Erinnerung diesen lieben Heiligen in gutem Vertrawen anzuruffen. Was geschicht? dies Bild wird der Kindbetterin auff die Brust gelegt/ sie rufft nur den Heiligen an. Da höret Wunder! den Augenblick bekombt sie wehe/ wird so gleich von ihrer Bürth glücklich entbunden! das Kind von mir in dieser Noth getaufft/ lebt noch ein Stund hernach/ und stirbt glückseelig: die Mutter aber wurde wieder gesund/ und ich setzt mein vorhabende Raiß weiters fort/ Gott und dem H. Hermann Joseph danckend für die ertheilte grosse Gnad. Von dieser Geschicht hab ich ein von Hebbam/ und gnugsamen Zeugen unterschriebenes Notarial- Zeugnuß vorräthig; könte auch aus Coblentz/ und anderen benachbahrten Orthen mehre Hohen- und Niederen Stands-Weibs-Persohnen allhier beybringen/ (Seite 73 ) welche in ihren gefährlichen Kinds-Nöthen auf Anruffung dieses Heiligen augenscheinliche Hülff/ und glückliche Entbindung erlanget haben/ wan sie aus Schamhafftigkeit wegen der Umbständen nicht lieber im Druck verschwiegen seyn wollten. Aus bewegenden Ursachen/ und besondere Gnad des jetzigen Hochwürdigen Hrn Christiani Steinhewers Abten zu Steinfeld ( allwo der Heilige ruhet) Vicarii Generalis, St. Theologia Doctoris, & Almae Universitatis Colonientis p.t. Rectoris Magnifici & c. ist obged H. Particul unserer Kirchen qua Filiae im Jahr 1737 geschenckt/ und die Ehr dieses Heiligen dardurch viel vermehret worden. Nun dan Verehr das Heil Creutz. Mit einem Vatter unser etc. und Ave Maria. Ant. Durch das Zeichen des Heil. Creutzes befreue uns O Herr! von all unseren Feindes Leibs/ und der Seelen. V. Wir betten dich an O Christe Jesu/ und benedeyen dich. R. Weil du die Welt durch das Heil. Creutz erlöset hast. Gebett Sey bey uns O Herr unser Gott/ und theue diejenige/ so du mit der Ehr des (Seite 74) Heil. Crutzes erfreuest/ mit desselben Hülff ewig beschützen. Durch Christum unseren Herren Amen. Verehre den Heil. Hermann Joseph Mit einem Vatter unser und Ave Maria Ant. Ey du guter/ und getrewer Knecht/ gehe ein in die Freud deines Herrn. V. Bitt für uns O Heil. Hermann Joseph/ R. Damit uns Gott in aller Noth zu Hülff kommen wolle. Gebett O Gott! der du deinen trewen Diener den H. Hermann Joseph von Kindheit an schon allen menschlichen Trost verachten/ und zu dir in seinen Nöthen hast fliehen lassen; gib daß wir in allen Wiederwärtigen Zufällen bey dir unser Hülff verträulich suchen/ auch durch dessen Verdiensten und Vorbitt glücklich finden mögen. Durch Jesum Christum unseren Herren. Amen. Verehr die H. Ursulam/ und ihre H. Gesellschafft Mit einem Vatter unser und Ave Maria. Ant. Diese seyend/ welche nicht heurathen/ auch nicht werden geheuratet werden: sondern sie seynd/ wie die Engel Gottes im Himmel. (Seite 75 ) V. Glorreich ist Gott in seinen Heiligen. R. Wunderbahrlich in seiner Herrlichkeit. Gebett Wir bitten dich / O Herr! laß uns die Verdiensten und Vorbitt deiner heiligen Jungfrauen/ und Martyrin Ursulä und ihrer Gesellinnen zur Hülff kommen; und weil wir derenselben Gedächtnus andächtig verehren/ gib/ daß wir durch ihre Hülff von allem übel mögen befreuet werden. Durch Jesum Christum unseren Herren. Amen. Verehr die übrige Heilige insgesamt/ deren Reliquien in dieser Kirch seynd. Mit einem Vatter unser und Ave Maria. Ant. Lasset uns sambt allen Creaturen den Gott der Himmelen loben/ welcher diesen Orth mit so kostbahren Schätz gezieret hat. V. Erfreuet euch im Herren/ und frolocket ich Gerechten/ R. Und seyd glorreich alle recht von Hertzen. Gebett WIr bitten dich O Herr! sey uns gnädig durch die Verdiensten deiner Heiligen/ deren Reliquien in gegenwärtiger Kirch ruhen: auff daß wir durch ihre Fürbitt (Seite 76) von allen Wiederwärtigkeiten beschützet werden mögen. Durch Jesum Christum unseren Herren. Amen. Morgens-Meynung Gott/ alles/ was ich heut guts thun/ und wiederwärtiges leyden werde/ will ich in Vereinigung der Werck/ und Leyden deines Sohns/ der allerseeligsten Jungfrau Mariä und all deiner Heiligen heut thun/ leyden/ auch zu deiner/ und ihrer grösseren Ehr/ zu meinem/ und deren Meinigen zeitlichen und ewigen Heil/ entdlich zum Trost der armen Seelen in Fegfeur auffopfferen durch die Heil Händ Mariä. Laß dir mein Opfer gefallen. Meynung vor der H. Meß. Nimm auff O allerheiligste Dreyfaltigkeit ein einiger Gott das heiligste Opfer deines eingebohrenen Sohns Jesu Christi/ welches sambt allen heiligen Meesen/ so heut in der gantzen Welt gelesen werden/ ich unwürdiger durch die Händ des Priesters in Vereinigung des H. Opfers/ welches Christus selbst am letzten Abendmahl unblütig/ blütig aber am Altar (Seite 77 ) des Creutzes hat aufgeopffert/ mit tieffester Demuth dir aufopfere zu eben dieses deines Sohns Jesu Christi Meynung und seiner Kirchen: zur Erkantnus deiner höchsten Herrschafft gegen dich; zur Erweisung der dir gebührenden Ehr und Anbettung; zur Dancksagung dieser N. und jener Gnaden(allhier verlange nur all Gutes/ was du willst/ und Gott zu gefallen dir am nöthigsten zu seyn vermeynest) zu Verzeyhung meiner Sünden; zu Bekehrung der Sünder; und Trost der armen Seelen im Fegfeuer/ sonderlich deren N. und deren N Abends-Meynung. O JEesu! nimm all mein heutiges Thun/ und Lassen nach heut gemachtet Meynung gnädiglich auf/ und an: was an mir gemangelt/ ersetze durch die Vokkommenheit deiner Wercken/ und opffere meine also gereinigte Werck deinem himlischen Vatter auf für mich/ die Meinige/ und für die gantze Catholische Kirch. Ich dancke dir auch für alle heut/ und jemahls empfangene Gaben und Gnaden; bedaure hertzlich daß ich dir nicht danckbar gnug seyn kann; weil du nun willst/ daß ich zur nothwendigen (Seite 78) Nachts-Ruhe mich begeben soll/ damit ich dir dan Morgen desto besser möge dienen können/ lege ich mich in deinem H. Nahmen O Jesu schlaffen/ aber mein Hertz soll zu dir wachen/ und so offt ich ätheme / mein hertz/ und Pultz-Aderen schlagen werden/ so viel Stern am Himmel/ Funcken im Feuer/ Staublein in der Lufft/ Troppen Wasser im Meer/ Sand-Kornlein am Uffer des Meers/ so viel Million tausensmahl lobe/ benedeye/ und bette ich dich an an im Hochw. H. Sacrament des Altars/ bereue/ und verfluche alle meine Sünden; verspreche mich zu besseren/ und so zu leben/ damit ich möge erlangen das ewige Leben. Amen. Andachts-Übung Zu dem H. Schutz-Engel. Jährlich verehre sein Fest mit einer H. Beicht und Communion Wochentlich bestimme einen gewissen Tag/ zum Exempel den Dienstag/ zu dessen sonderbahren Verehrung; richte zu frühe dahin deine gute Meynung; hernach die Anhörung der H. Meß/ bette dabey die kleine Tag-Zeiten vom H. Schutzengel; oder wenigstens folgendes Gebett Sey gegrüßt O H. Schutzengel Gottes/ du mir von göttlicher Güte zugeeigneter edlester Schutz- Geist/ mein (79) Führer und getreuester Geleits- Mann/ mein Lehrer und Rathgeber/ mein Helffer und Beschirmer! Ich erfreue mich hertzlich/ und wünsche dir Glück/ von wegen der hohen Fürtrefflichkeit/ die dir Gott mitgetheilet/ und dich mit seiner Gnad begabet hat; in welcher du biß zur Erlangung der Seeligkeit beständig verharret bist. Ich dancke dem allmächtigen Gott demüthigst vor die Gutthaten/ welche er dir/ und durch dich/ auch mir erzeiget hat. Nebst Gott aber/ sage ich auch schuldigen Danck/ dir liebster Engel mein/ vor die unzahlbare Gutthaten/ welche er dir/ und durch dich/ auch mir erzeigt hat. Nebst Gott aber, sage ich auch schuldigen Danck/ dir liebster Engel mein/ vor die unzahlbare Gutthaten/ die du mir von Kindheit an/ biß auf diese Stund erwiesen; vor die mehr als Mütterliche Lieb und Sorgfalt/ mit welcher du mich bewahrest: wan ich schlaff/ so wachest du bey mir: bin ich traurig/ so tröstest du mich: bin ich schwach und zaghafft/ so stärckest du mich: in der Gefahr errettest du mich: und wie solte ich nicht vertrauen auf dich? dir dann/ O mein getreuester Freund und Beschützer/ befehle ich an/ heut und vor allzeit/ mein Leib und Seel/ mein Gedächtnuß/ Verstand und Willen/ alle meine Gemüths-Bewegungen und Begierden/ innerliche und äusserliche Sinn. Ich bitt dich demüthig/ du (Seite 80) wollest mich leiten und regieren/ abhalten vom Bösen/ antreiben zum Guten/ im Zweiffel erleuchten/ zu denen Versuchungen für mich streiten/ nach etwann begangenem Fehler zur Buß aufmuntern/ das von Gott dir anbefohlene Werck meines Heyls jederzeit beförderen; sonderlich aber wollest mir beystehen im letzten Todtskampf/ an welchem mein ewiges Heyl hangen thut; damit ich biß an End in Gottes Gnad verharren/ zu meinem letzten Ziel und End gelangen möge/ GOtt das höchste Gut / in dem Himmel samt dir ewig anzuschauen/ zu lieven/ zu loben und benedeyen in alle Ewigkeit/Amen. Täglich im Früh- und Abends-Gebett befehle dich dem H.Schutz-Engel an/ durch dieses kurtze Gebettlein Heiliger Schutz-Engel mein Laß mich dir anbefohlen seyn; Erleucht/ beschütz/ regiere mich; Zum Guten wollst anführen mich; Daß mein Hertz von Sünden frey Allzeit Gott gefällig sey. Ehr sey dem Vatter/ und dem Sohn/ und dem H. Geist/ als er war im Anfang/ jetzt und allzeit/ und zu ewigen Zeiten/ A M E N.
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