Amazonenteller im Stadtmuseum Bendorf
Sayn
Dieser Aufsatz ist erschienen in: Heimatbuch Kreis Mayen-Koblenz 2000 Amazonenteller im Stadtmuseum Bendorf von Barbara Kessler Prunkteller von 68 cm Durchmesser mit Darstellungen zum Amazonenkampf im Stadtmuseum Bendorf, Invnr.: 4.342. Amazonenteller im Stadtmuseum Bendorf (Ausschnitt) Genauer gesagt handelt es sich um die kupferne Negativform für einen Prunkteller aus der Sayner Hütte, die in die Zeit um 1825/35 datiert wird. Leider liegen dem Stadtmuseum Bendorf keine Angaben zum herstellenden Künstler und zur Funktion dieser Negativform (1) vor. Der Teller ist in drei Zonen gegliedert: einen etwa 6cm breiten, flachen Rand mit umlaufendem Blattrankenrelief, mit ,,eingeflochtenen" Blüten, Masken (Profil- und Frontalansicht), Echsen, schlangenartigen Ungeheuern und Eichhörnchen; eine etwa 19 cm breite, herausgewölbte Mittelzone mit flachreliefierter Darstellung des Kampfes der Amazonen gegen die Griechen. Die mit langem wallenden Haar dargestellten Amazonen sitzen teilweise zu Pferde und sind neben Pfeil und Bogen auch mit Lanzen, Kurzschwertern usw. bewaffnet. Die Griechen werden hier bärtig abgebildet. Sie tragen Helm und Schild als Schutzwaffen und das Schwert zum Kampf. Hauptrelief in der Mitte des Amazonentellers Das kreisförmige Hauptrelief im Zentrum (Durchmesser 15 cm) des Tellers, zeigt die besiegte Amazonenkönigin Penthesilea mit auf den Rücken gebundenen Händen auf Schilden sitzend. Im Hintergrund ist neben Lanzenspitzen, ein Helm eines erkennbar. Das zentrale Relief wird von einer schmalen Eierstableiste eingefaßt. In der Ilias erwähnt der alte Priamos einen Amazonenkampf, Penthesileia, Tochter des Ares (Sohn von Zeus und Hera) und Königin der Amazonen, stand nach dem Tod Hektors den Trojanern im Trojanischen Krieg bei. Sie bezwang zahlreiche griechische Helden und fiel schließlich im Zweikampf mit Achilles, der sich in die sterbende Penthesileia verliebte.
Details zu der Darstellung des Amazonenkampfes Amazonenkämpfe waren ein beliebtes Thema der Vasenmalerei (sog. Penthesileaschale / Mitte 5. Jh. v. Chr.) aber auch die berühmte ,,Bunte Halle" in Athen, die Geburtsstätte der stoischen Philosophie, wies entsprechenden Bildschmuck auf. Skulpturenfriese gleichen Inhalts aus dem Tempel von Bassai und vom Grabmal des Maussolos in Halikarmaß waren ins Britische- Museum gebracht worden. An Gemälden aus neuerer Zeit verdienen die Amazonenschlachten von Peter Paul Rubens (um 1620, München, Alte Pinakothek) und Anselm Feuerbach (1873, Städtische Kunstsammlung Nürnberg) Erwähnung. Details zur Darstellung des Amazonenkampfes Anm. 1) Bei der Herstellung von Kunstgußtellern bediente man sich eines Modells (Positivform), welches in Formsand gedrückt und anschließend ausgegossen wurde. Beim Eisenkunstguß war es nicht üblich eine Negativform aus Kupfer einzusetzen. Nach Angaben von T.Schröder; Kunstgießer in Bendorf, gehörte zu diesem Negativteller ein Gegenstück, also ein zweiter Negativteller, der die Rückseite für das zu gießende Positiv umfaßt. Es handelt sich also um eine zweiteilige Kupferform, in welcher wahrscheinlich Zinnteller gegossen wurden. Gußeisen oder Gips sind als Gießmaterialien auszuschließen, nur Zinn würde über bzw. auf Kupfer fließen können. Näheres zum Thema Kunstguß siehe: Der Eisenkunstguß der Sayner Hütte Eine besondere Bitte an die Besucher dieser Seite: Zur Aufhellung des kunsthistorischen Hintergrundes bitten wir alle Personen, die nähere Angaben zu dem hier vorgestellten Objekt machen können, um freundliche Mitteilung. Dabei sind von besonderem Interesse Kunstwerke aller Epochen mit Darstellungen vom Amazonenkampf. Barbara Kessler, Leiterin des Stadtmuseums Foto: Delef O. Mielke
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