Die Historiensäule im Bendorfer Stadtpark
Bendorf am Rhein
von Werner Kutsche Im Bendorfer Stadtpark wurde im Jahre 1983 eine s o g e n a n n t e " H i s t o r i e n s ä u l e " aufgestellt. Diese "Säule" ist aus einem einzigen Basaltblock gefertigt und ist ca. 7 Meter hoch. sie und wiegt ungefähr 25 to, das ist etwa das Gewicht von 25 Mittelklasse-Pkw's. Auf diesem fünfseitigen Stein hat der Steinbild- hauer oder Steinmetz Paul Milles aus Mayen in 25 Bildern, je nach der Zählweise, 21 Themen aus allen Stadt-teilen der Bendorfer Stadtgeschichte eingemeißelt. Die Errichtung der sogen. Historiensäule aus Mayener Basaltlava wurde 1983 durch eine Spende der Kreissparkasse Koblenz, zum 175 jährigem Bestehen der KSK , ermöglicht. Die ersten Schriftwechsel zur Errichtung der Säule begannen schon im Aug. 1979 durch Bürgermeister Karl Schön. Die Enthüllung erfolgte am 9.11.1983 durch Bürgermeister Dieter Trennheuser. Die Gesamtkosten betrugen 39.000 DM. Die Errichtung der Historiensäule wurde durch Sachspende der Fa. Theo Neutzling aus Bendorf, die den Transport der Säule durchführte, gesponsert. Die Basaltsäule ist Bruchrauh, d. h.: sie ist nach dem Brechen im Basalt- Steinbruch nicht n a c h g e a r b e i t e t worden. Sie besitzt fünf unregelmäßige Seitenflächen. Der Steinmetz, oder besser gesagt der Steinbildhauer, nutzte diese Flächen geschickt aus, um auf ihnen, in Größe und Form, die einzelnen Bilder anzuordnen. Je nach der Tageszeit treten die einzelnen Motive der Bildergeschichte, bedingt durch den Einfall des Sonnenlichtes, stärker hervor oder treten in den Hintergrund. Durch dieses Wechselspiel von Licht und Schatten geht ein besonderer Reiz beim Betrachten der Bildsäule aus. Bei einem Rundgang um die "Historiensäule" läßt sich so die Geschichte von Bendorf, mit seinen vier Stadtteilen, wie in einem Geschichtsbuch lesen. Darum könnte man anstatt: "Historiensäule" auch: "Geschichts-Säule" sagen. Nur Historiensäule klingt beeindruckender. Wenden wir uns aber nun den einzelnen Bildern auf der Säule zu und versuchen zu verstehen, was der Künstler mit ihnen ausdrücken wollte. Das Wappen der Stadt Bendorf Als erstes Motiv hat der Künstler unser Stadtwappen gewählt und beginnt damit den großen Bilder-Reigen durch unsere Stadtgeschichte. In der Sprache der Heraldiker würde die Beschreibung unseres Stadtwappens so klingen: "In Blau über kleinem, rotem Schild mit einem doppelschweifigen, herschauenden, blau bewehrten gold. Leopard (Wappen der Grf. von Sayn) wachsend der Hl. Medardus (Pfarrpatron) als Bischof mit goldumrandeter Mitra, in der Linken den abgewendeten gold. Stab, in der erhobenen Rechten ein rotes, goldbeschlagenes Buch. Wir aber sagen es ganz einfach: St. Medardus ist der Schutzheilige der katholischen Kirche in Bendorf. St. Medardus wurde 545 Bischof von Noyon, d. i. eine Stadt in Nordfrankreich, also im Reich der Franken. Er steht gewissermaßen sinnbildhaft über den Bendorfer Kirchen. (1) Die Apsis der evangelischen Kirche und der Kirchturm Das nächste Bild ist eine Abbildung der Apsis der evange- lischen Kirche mit dem Kirchturm der Stadt Bendorf. Die Apsis ist der einzig erhalten gebliebene Rest der ursprünglichen Bendorfer Kirche von 1204, die an Sylvester 1944 durch einen Bombentreffer zerstört wurde. Ursprünglich eine dem Hl.Medardus geweihte Kirche erhielt sie später, mit dem Neubau von 1204, auch Willibrod (=Klemens) als Patron der Bendorfer Christengemeinde. Während Klemens im Laufe des Mittelalters immer mehr in den Hintergrund geriet, trat Medardus beherrschend in den Vordergrund. Dort, wo jetzt die evangelische Kirche in Bendorf steht, war das erste Gotteshaus von Bendorf. In der Reformationszeit wurde diese Kirche evangelisch und die Katholiken erbauten sich neben dem Kirchturm eine neue Kirche. Den Namen des Hl. Medardus übertrugen sie auf die neue Kirche. Der Kirchturm mit dem Glocken-Geläute war nach der Reformation ein Zankapfel zwischen den beiden Konfessionen geworden um den es viel Streit gab. Er wurde schließlich, um diese Streitereien zu beenden, 1806 in den Besitz der Stadt Bendorf übertragen und diente fortan beiden Konfessionen.(2) "Bendorfer Lousjung" Unterhalb des Kirchenmotivs sieht man diese, auf den ersten Blick, etwas seltsam anmutende Figur. Es ist der "Bendorfer Lousjung". Abgebildet ist der zur Kultfigur im Bendorfer Karneval gewordene fresche Lausbube, der den Schalk im Nacken hat und jederzeit zu einem Schabernack bereit ist. Seit dem Jahre 1937, als er in der Karnevalszeit "geboren" wurde, ist er aus dem Bendorfer Fastnachtsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Er ist entstanden aus der Rivalität zweier "Fastnachts"-Vereine, wobei die altrenommierten - die Jungen als "Lousjungen" bezeichneten. Die aber nicht faul, erkoren daraufhin den "Bendorfer Lousjung" zum Motto ihrer Veranstaltungen und hatten damit einen Riesenerfolg. Er wurde seit dieser Zeit in Karnevalsschlagern besungen und bedichtet und in vielen "Büttenvorträgen" mußte er dazu herhalten, den "Großkopferten" den Spiegel vorzuhalten. Zwischenzeitlich hat er die höheren Weihen des rheinischen Karnevals erhalten - er wurde als Festabzeichen des "Festausschusses Bendorfer Karneval" in verschiedenen Vari ationen in Metall geprägt. (3) Eisenerz-Bergbau in Bendorf Dieses Motiv soll an den über Jahrhunderte hier in Bendorf betriebenen Bergbau erinnern. Seit Beginn unserer Zeitrechnung, von den Kelten angefangen über die Römer, bis in die Neuzeit hinein wurde in unserer Gemarkung, bezw. in unserer Umgebung - nach Bodenschätzen jeglicher Art gesucht. So ist auch in Bendorf auf der Vierwindenhöhe in vorgeschichtlicher Zeit Eisenerzabbau und Verhüttung nachgewiesen worden. Spuren von Bergbau und Eisenverhüttung finden sich - wie schon gesagt - aus allen Zeiten in unserer Heimat. Sie prägten aber seit dem 18. Jh. in besonderem Maße das Gesicht von Bendorf, Sayn und Mülhofen. (4) Kirmes in Bendorf In der Mitte der " H a u p t s e i t e " , (Ostseite) der Säule sind der Kirmesbaum und die E i e r k r o n e dargestellt. So wie hier abgebildet, ist die Eierkrone am Kirmesbaum das Symbol für frohe Kirchweihfeste in unserer Stadt Bendorf. Nicht ohne Grund hat der Bildhauer dieses Bild in Augenhöhe des Betrachters plaziert. Es zeigt die um den Kirmesbaum tanzende Jugend, so, wie es heute noch ist. Links vom Kirmesbaum ist die Musikkapelle gruppiert und rechts tanzt die Jugend unter der Eierkrone um den Kirmesbaum. Sogar die Kleinsten hat der Künstler nicht vergessen. Der Künstler hat diese Figuren so fein bearbeitet, daß man glaubt, Gesichter erkennen zu können. (5) Der Kirmesbaum ist traditionell der Mittelpunkt der Kirmes, die laut Duden, Band 7, "Herkunftswörterbuch" (Seite 326) vor allem im mitteldeutschen Raum in ländlichen Gemeinden als "Jahr-markt oder Volksfest" gefeiert wird. "Kirmes" geht dabei auf mittelhochdeutsch (12. bis 14. Jahrhun-dert) "kirmesse" zurück. das aus "kirchmesse" entstanden ist. Damit wird ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kirmes und Kirchweih = Weihe der örtlichen Kirche deutlich. In den frühen christlichen Jahrhunderten allerdings feierte man nicht nur den Jahrestag der Weihe der Kirche, sondern oft auch den der ersten dort gelesenen Messe oder des Kirchenpatrons. Nach dem Vorbild des Maibaums richtete man auch bei den Kir- messen einen Baum auf, unter oder um den getanzt wurde. Im südlichen Westerwald bis zur Lahn wurde bzw. wird der Baum mit ausgeblasenen Hühnereiern geschmückt, die an Fäden meist in Form von Kronen oder Hähnen aufgehängt wurden. Noch 1984/85 zählten Volkskundler im genannten Raum etwa 40 Ge-meinden, in denen die Tradition auf diese dekorative Art gepflegt wurde. Im nördlichen Westerwald wie in Eifel oder Hunsrück wur-de die Spitze des Kirmesbaumes, an der die Zweige (der Fichte oder Tanne) nicht abgetrennt waren, stattdessen mit bunten Bändern aus verschiedenen Materialien geschmückt. In der Pfalz, wo die Kirmes "Kerb" heißt, kannte man weniger Kirmes-bäume, sondern Kirmessträuße. Landwirtschaft Am Fuß der Hauptseite, unter dem Kirmesmotiv, ist sozusagen das Fundament der w i r t s c h a f t l i c h e n Entwicklung von Bendorf; die Landwirtschaft in Symbol eines pflügenden Bauern, dargestellt. In der Zeit, nachdem die Franken das Land am Rhein erobert hatten, entstanden 3 fränkische Königshöfe in Bendorf, der Ober- der Siegburger- und der Niederhof. Diese bildeten den Kern der Siedlung und bestimmten über Jahrhunderte das Schicksal der Bewohner. Die Landwirtschaft war die Haupterwerbsquelle in Bendorf, denn die Klima- und Bodenverhältnisse eigneten sich dafür sehr gut. So wird 1787 berichtet, daß sich von Bendorf aus in Richtung Rhein "eine weitausgedehnte, fruchtbare Ebene, mit vielen tausend Obstbäumen, bepflanztes Ackerland und Wiesen" erstreckte. Angebaut wurden überwiegend Roggen, Weizen und Gerste sowie in geringem Umfang Hafer. Weiterhin wurden Erbsen, Bohnen und Linsen angepflanzt. An Obst wurden vornehmlich Äpfel angebaut, die in den umliegenden Dörfern verkauft wurden (vgl. Christian v. Stramberg, Chr.: 1853, S. 187/88). Auch wurde die Viehzucht betrieben. Der Wald diente dabei der Weidewirtschaft als wichtige Grundlage. So wurden Rinder und Pferde, Schweine, Ziegen und Schafe zum Weiden in den Bendorfer Wald getrieben. Reine Viehweiden im heutigen Sinne gab es damals nur sehr wenige. (6) Westerwald-Bahn Eine der schönsten E i s e n b a h n s t r e c k e n im Rheinland war die 1882 bis 1884 g e b a u t e Eisenbahnlinie die, durch das schöne und stille Brexbachtal, zum Westerwald führte. Die zum Abtransport der Westerwälder Bodenschätze gebaute eingleisige Bahnstrecke von Engers/Rh. über Sayn nach Siershahn/Ww. war eine der schwierigsten und teuersten Bahnen überhaupt. Auf der Strecke zwischen Sayn und Grenzau mußten allein 22 Brücken und 8 Tunnels gebaut werden. Als Spezialisten im Bahn- und Tunnelbau waren damals schon viele Italiener beim Bau der Bahn beschäftigt. Viele von ihnen heirateten deutsche Frauen und blieben auf Dauer in Deutschland. Die Westerwaldbahn wurde am 30.05.1884 dem Verkehr übergeben. (7) Die St. Anna Kapelle in Stromberg. Durch Stiftungen der Grafen von Sayn, bei der Gründung der Abtei Sayn im Jahre 1202, wurde diese eine der großen Grundeigentümer in Stromberg. Durch weitere Vermächtnisse wuchs der Besitz der Abtei Sayn in Stromberg. Mit den Rechten der Abtei in Stromberg entstand auch die Pflicht für die Seelsorge ihrer Untertanen in Stromberg zu sorgen. Zum Gottesdienst mußten die Einwohner von Stromberg, egal bei welchem Wetter, ob Sommer oder Winter, ins Tal, nach Sayn in die Abteikirche (Die Abteikirche war seit dem Abbruch der Nikolauskapelle auch die Sayner Pfarrkirche ), gehen. Erst unter dem Abt der Abtei Sayn, Isfried Ohm, wurde 1766 mit dem Bau einer eigenen Kapelle in Stromberg begonnen, und noch im gleichen Jahr wurde die sie fertiggestellt. Die Kapelle erhielt den Namen "St. Anna Kapelle". Gottesdienste wurden dort aber nur an bestimmten Feiertagen, zu Hochzeiten, Begräbnissen (erst in jenen Jahren erhielten die Stromberger einen eigenen Friedhof) und sonstigen Anlässen abgehalten. Die alte Kapelle wurde erst 1921 abgebrochen und durch eine größere ersetzt. Die Einweihung der neuen Kapelle, bzw. der "Kirche" wie die Stromberger sagten, erfolgte am 30.06.1922. (8) Mülhofener Hütte Mit dem nächsten Bild kommen wir zum Stadtteil Mülhofen. Die Geschichte der Mülhofener Hütte geht auf das Jahr 1856 zurück. Damals wurde sie durch den preußischen Fiskus auf der Grundlage der reichen Vorkommen an hochwertigem Eisenspat und Brauneisenstein im Bendorfer Bergrevier gegründet. Der kleine, noch mit Holzkohle betriebene Hochofen hatte eine Tagesleistung von nur wenigen Tonnen. Mit dem Erwerb der Königlichen Hütte in Sayn, zu der damals außer dem dortigen Hochofen noch je ein kleiner Hochofen auf dem Oberhammer und in Mülhofen gehörten, ging die Mülhofener Hütte 1865 in den Besitz der Fa. Alfred Krupp in Essen über. Sofort wurden auf der Mülhofener Hütte drei neue Hochöfen mit einer Tagesleistung von je 35 t Roheisen mit einem Kostenaufwand von 650 000 Talern erbaut. Später folgte noch ein vierter Hochofen. Durch weiteren Ausbau und Modernisierung wurde die Tagesleistung der vier Hochöfen schließlich auf 300 t pro Tag gesteigert. Mächtig ragen die Schornsteine der Mülhofener Hütte in den Himmel. Auf dieser Abbildung der Hütte sieht man einen kleinen und vier große Kamine. Zusammen mit den anderen großen Industriewerken in Bendorf sah es aus wie ein ganzer Wald von Kaminen. Insgesamt konnte man im Jahre 1917 über Bendorf 29 rauchende Kamine zählen. (9) "Et Müllhowener Züchelche" Unterhalb des Bildes von der Mülhofener Hütte sieht man die Abbildung eines E i s e n b a h n z u g e s . Dieser Zug war eine Private Dampflok- Eisenbahn der Concordiahütte, die ebenfalls in Mülhofen ansässig war. Diese Dampf-Eisenbahn fuhr auf Eisenbahnschienen, die mitten in die Straße verlegt waren. Die Strecke führte von der heute verschwunden Schiffs- Anlegestelle am Engerser Rheinufer - quer durch Mülhofen - bis in die Concordiahütte. Sie beförderte Kohlen und Erze zur Weiterverarbeitung in die Concordiahütte Mindestens 6 mal am Tag fuhr die Bahn im Schritttempo durch Mülhofen und stoppte dabei jeden Verkehr. Der Zug hatte im allgemeinen Sprachgebrauch den Spitznamen: "Et Müllhowener Züchelche". (10) Die ehemalige Prämonstratenser- Abtei Sayn Die Abtei Sayn wurde um die Wende des 12. zum 13. Jahrhundert von den Sayner Grafen Heinrich II. und Eberhard II. gegründet und in Jahre 1202 geweiht. Von den Sayner Grafen wurde die Abtei mit umfangreichen Besitz ausgestattet. Aus dem Prämonstratenser-Kloster Steinfeld in der Eifel kamen die ersten12 Chorherren unter der Führung Hermanns nach Sayn, der den Titel eines Propstes annahm. Die Prämonstratenser richteten ihr
Hauptaugenmerk auf die religiöse Betreuung des Volkes. Darum wurde ihnen gleich im Gründungsjahr 1202 die Seelsorge für die Bewohner des Tales und der Burg Sayn, die bisher von Engers betreut worden waren, übertragen und Sayn von der Pfarrei Engers abgetrennt und zur selbständigen Pfarrei erhoben. Als Pfarrkirche diente die neben der Abtei stehende Nikolauskapelle. Die Abtei Sayn prägte über nahezu 600 Jahre die Geschicke der Menschen des Ortes Sayn und in vielen Dörfern unserer Heimat. Auf dem Bild ist links, neben der vereinfacht dargestellten Abtei Sayn, auch der Simonsschrein mit den Reliquien des Apostels Simon, dargestellt. (11) Das Arm-Reliquiar der Hl. Elisabeth Aus einem anderem Blickwinkel betrachtet ist neben der Abtei Sayn eine w u n d e r s c h ö n e Abbildung des in der A b t e i k i r c h e verwahrten Arm- Reliquiars der Hl. Elisabeth zu sehen. Diese Armreliquie der Hl. Elisabeth wird in der Abteikirche von Sayn behütet. Es ist die einzige Reliquie von ihr in Deutschland, während in Wien - im Kloster der Elisabetherinnen auf der Landstraße - Haupt- und Beinreliquien von der Heiligen aufbewahrt werden. Die Armreliquie der hl. Elisabeth von Thüringen in einem spätromanischen Armreliquiar, einer bedeutenden Goldschmiedearbeit um 1240, kam erst in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg in die Abteikirche. Aus dem Prämonstratenserstift Altenberg bei Wetzlar, wo Elisabeths Tochter Gertrud Äbtissin war und dieses Reliquiar anfertigen ließ, gelangte die Reliquie während der Säkularisation 1803 in die Sayner Schloßkapelle. Das Reliquiar blieb Jahrzehnte hindurch im Altar der Schloßkapelle, der auch ein Medaillongemälde der Heiligen aufweist. Als nach dem 1. Weltkrieg amerikanische Besatzungsoldaten im Sayner Schloß einquartiert wurden, wurde die Reliquie aus Gründen der Sicherheit, von dem Fürsten zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in die Abteikirche gegeben. (12) Der große Brand ca. 100 Jahre nach dem 30jährigen Krieg hatte sich Bendorf von den großen Schäden und Leiden dieses schrecklichen Krieges wieder erholt. Da traf die Einwohner von Bendorf im Jahr 1743 wiederum ein schwerer Schicksalsschlag. Bendorf wurde von einem großen Brand heimgesucht, dem fast die Hälfte der Stadt zum Opfer fiel. Wir sehen hier die Abbildung einer Zeichnung, die der damalige Bendorfer Bürgermeister Kirberger nach dem Brand gemacht hat. Der Bildhauer hat diese Zeichnung genau dargestellt. Alles was auf dem Bild "dunkel" zu sehen ist war bis auf die Grundmauern niedergebrand. Es verbrannten in 2 Stunden nicht weniger als 77 Wohnhäuser, 44 Scheunen, 61 Ställe und 24 Kelterhäuser, insgesamt 206 Gebäude. Gleichzeitig verbrannte fast das ganze Inventar sowie das schon eingelagerte Heu und Getreide und 1700 Fässer mit Wein. Zum Glück konnte das Vieh gerettet werden und auch Menschen kamen nicht zu Schaden. Insgesamt 70 Familien hatten alles verloren und standen vor dem Nichts. Ein Bendorfer schrieb damals an seine Verwandten in Amerika: "der Jammer der Leute ist schrecklich" (13) Weinbau in Bendorf [ 14 ] Auf der Westseite der Historiensäule finden wir ganz oben an der Spitze, fast dem Auge des Betrachters entzogen, eine Abbildung mit dem Bild der Weinlese und darunter die eines Kiepenträgers. Der Weinbau war jahrhundertelang eine der Haupterwerbsquellen der Bendorfer Bevölkerung. In einer Bendorf betreffenden Urkunde aus dem Jahr 1105 schenkt Kaiser Heinrich IV. der Abtei Siegburg den Mittelhof, dazu gehörten neben Äckern, Wiesen und Wäldern auch Weinberge. So, daß der Schluß naheliegt, das der Weinbau in Bendorf schon vor diesem Zeitpunkt betrieben wurde. Genaue Angaben über den Umfang des Weinbaues sind allerdings nicht zu finden. Der Wein war aber ein wichtiges Handelsgut und die Befreiung der Bendorfer Bürger vom Moselzoll ab dem Jahre 1508 scheint dieses zu bestätigen. Auch ist die große Anzahl von 24 verbrannten Kelterhäusern und der Verlust von 1700 Faß Wein bei dem großen Brand von 1743 ein Indiz für einen umfangreichen Weinanbau in Bendorf. In dem sehr harten Winter 1784 erfroren in Bendorf fast sämtliche Reben. Die zehntpflichtigen Weinbauern waren im Grunde froh über diesen Umstand, denn sie hofften mit der Anlage von Äckern und Gärten auf den gerodeten Flächen der ehemaligen Weingärten, der drückenden Zehntabgabe zu entgehen. Nur noch wenige Bürger nahmen danach den Weinbau wieder auf. (14) Römische Anfänge Mit diesem Bild sind die römischen Anfänge von Bendorf s y m b o l h a f t dargestellt. Das Haupttor eines Römerkastells und der römische Legionär davor beziehen sich auf die römische Eroberung Germaniens und den Bau von mindestens fünf römischen Kastellen in Bendorf. Das erste civile Gemeinwesen auf Bendorfer Boden war mit hoher Wahrscheinlichkeit das römische Lagerdorf, in der Nähe des römischen Kastells, an der Ausfallstraße zum Römer-Kastell in Heddesdorf. An der Stelle der ehemaligen Kastelle sind in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Kastell-Siedlung und das Bendorfer Wasserwerk gebaut worden. Dieses Abbildung zeigt in schematischer Darstellung ein Kastell-Tor, wie es nur bei den großen Kastellen der späteren Kaiserzeit (100 - 400), üblich war. Sie ähnelt dem Tor von dem wieder aufgebauten Saalburg-Kastell bei Bad Homburg. In Bendorf hat es ein solches Kastell-Tor nie gegeben. Die Bendorfer Kastelle waren alle nur aus Holz und Erde, mit Wall und Graben konstruiert (15) Sayner Hütte Auf der Westseite (der Abendseite: nach der Definition von H.Scharfenstein) der Säule sehen wir aus dem Themenkreis "Sayner Hütte" die Abbildung der Gießhalle in ihrem heutigen Zustand. Die im Jahre 1769 von Clemens Wenzeslaus, dem letzten Kurfürsten von Trier," zum Wohle seiner Unterthanen" gebaute Eisenhütte am Ufer des wasserreichen Saynbaches, dessen Gefälle die verschiedensten Poch-, Hammer- und Blasräder trieb, war der Beginn einer durchgreifenden Industriealisierung für den Bereich rund um Bendorf. In ihren beiden Hochöfen wurden in der Hauptsache die Eisen- Erze aus den Gruben um Horhausen (Trierer Herrschaftsbereich) geschmolzen, die bequem in das Sayntal gebracht werden konnten. Trotz wechselvoller Schicksale während der Franzosenzeit blieb die Eisenhütte als Kameralgut Eigentum der trierischen Hofkammer bis 1802, kam dann an Nassau und ging im Jahre 1815 in preußischen Besitz über. 1865 erfolgte der Kauf der Sayner Hütte durch die Firma Krupp, Essen. (16) Sayner Hütte Um die Ecke gesehen; auf der schmalen und dunklen Nordseite der Historiensäule sehen wir jetzt die Bergseite der Sayner Hütte. Hinter der, in den Jahren 1826 bis 1828 von Althans errichteten, neuen Gießhalle sieht man jetzt den schon früher errichteten Hochofenbau. Hier war das eigentliche Herz der Sayner Hütte. Der Hochofen und die "Windmaschinen" waren hier untergebracht. Die vorhandene Hanglage wurde geschickt ausgenutzt. Das Gelände hinter dem Hochofen wurde stufenförmig angelegt. Der Möllerboden wo die Einsatzstoffe wie Erz, Kohle, Kalk und andere Mineralien lagerten und zusammengemischt wurden, war auf gleicher Höhe wie die Gicht des Hochofens. Die Beschickung des Hochofens konnte so auf gleicher Ebene erfolgen. Berühmt geworden ist die Sayner Hütte durch ihren Eisenkunstguß. Neben Alltags- und Gebrauchsgeschirr, Öfen und Herden kann man die schönsten Eisen-Kunstguß- Exponate im "Rheinischen Kunstguß- Museum", das im Sayner Schloß untergebracht ist, bewundern. (17) Die Gießer Unterhalb der Abbildun g der Gießhalle der Sayner Hütte hat der Bildhauer der Männer gedacht, die in schwerer körperlicher Arbeit, bei großer Hitze und Gesundheit schädigender Gase den Beruf des Eisen-Gießers ausübten. Nicht nur auf der Sayner Hütte, sondern auch auf der Mülhofener- und der Concordiahütte, verdienten viele Männer mit dieser schweren Arbeit, den Unterhalt für ihre Familien. Wir sehen hier zwei Gießer beim Guß von flüssigem Eisen in eine Form. Die Männer halten den glühenden Transport-Tiegel mit langen Zangen um Verbrennungen zu vermeiden. (18) Sayner Burg und Schloß Eng mit der B endorfer Geschichte verflochten waren die Grafen von Sayn. Die Sayner Burgen und das Sayner Schloß mit dem ehem. Turm der S a y n e r Ortsbefestigung sind das Thema dieser Abbildung. Die erste Sayner Burg, wurde schon 1152 zerstört und lag ungefähr einen Kilometer weit zurück im Brexbachtal. Die Grafen von Sayn erbauten sich auf dem hier abgebildeten Burgberg eine neue Burg. Später entstanden noch die Burgen Stein und Reiffenberg. Die Burg der Reiffenberg erheiratete später ein Graf Boos, der sich ein Landhaus am Fuße des Berges erbaute. Das erwarb 1848 Fürst Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, der Sohn des berühmten russischen Feldmarschalls; ihm schenkte König Friedrich Wilhelm IV. die alte Burg. Anstelle des alten Boos'chen Landhauses ließ er das schöne Schloß mit der reizenden gotischen Kapelle erbauen und auch den Park zwischen Saynbach und Brexbach zu Füßen von Burg und Schloß anlegen. (19) Wappen der Grafen von Sayn Unter der Abbildung des Burgberges und des neuzeitlichen Schlosses von Sayn sehen wir das Wappen der Grafen von Sayn. Wappenbeschreibung: Ein Dreieckschild mit nach links steigendem, herschauendem, doppeltgeschwänztem Löwen (leopardierter Löwe), in Gold auf rotem Grund; Mit der Grafenkrone und dem gewundenem, goldenem Horn (Einhorn) verzierten Kübelhelm = Sayn. Auf Grund der im Staatsarchiv Koblenz nachweisbaren Siegelüberlieferung führte bereits Graf Gottfried I. von Sayn (1247-1283) 1264 in einem Sekretsiegel den Wappenschild mit dem leopardierten Löwen. Auf den bekannten saynischen Wappen des 13. und 14. Jahrhunderts fehlt grundsätzlich ein Oberwappen. Die Siegel seit Graf Gerhard II. (1420 bis 1493) zeigen das gewundene Horn auf dem gekrönten Helm. Das Einhorn ist das Symbol der Weisheit und der Tugend, insbesondere der Keuschheit, und ist ein Attribut der christlichen Jungfrau Maria. Es symbolisiert die Stärke des Charakters, Liebe und Güte des Herzens. (20) Ein Treidlerschiff auf dem Rhein. Wie auf der Haupt seite (Ostseite) der pflügende Bauer als Symbol für die w i r t s c h a f t l i c h e Entwicklung aus der Landwirtschaft steht, finden wir am Fuß der Historien-Säule auf der Westseite ein Treidlerschiff. Es steht als Gleichnis für florierenden Handel, Handwerk und Gewerbe. Für den Güter und Warenverkehr ist eine gute Verkehrsanbindung absolut notwendig. Bendorf hatte den Vorteil am Schnittpunkt prähistorischer und auch römischer Straßen zu liegen. Wenn bis jetzt auch keine römische Brücke über den Rhein bei Bendorf mit Sicherheit nachgewiesen ist, so ist doch eine Furt durch den Rhein bei Bendorf, auf Grund römischer Funde, anzunehmen. Bendorfer Einwohner waren, wie uns eine Urkunde von 1508 überliefert, schon damals bei der Schiffahrt auf der Mosel vom Zoll befreit. Auch verkehrte seit 1660 eine Fähre von Bendorf nach St. Sebastian. Dies war besonders wichtig für die Markttage (Bendorfer Marktrecht seit 1520), da auch Bewohner der anderen Rheinseite zum Markt kamen. Seit den ersten industriellen Anfängen, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, hatte Bendorf immer eine Schiffsanlegestelle. Bendorf trägt nicht ohne Stolz den Namenzusatz Bendorf "am Rhein". (21) Um die Ecke geschau t, sehen wir jetzt das in Nr. 21 k o m m e n t i e r t e Treidlerschiff in ganzer Länge. (22) Der Römerturm am Limes im Bendorfer Stadtwald. Auf der Nordseite der Bilder-Säule sehen wir an der Spitze die Abbildung eines römischen L i m e s w a c h t t u r m s . Das Bild steht im Zusammenhang mit dem Thema: Römer in Bendorf. Das Vorbild für diese Abbildungg eines römischen Wacht-Turmes befindet sich, als Nachbau seit 1912 auf dem Sayner Pulverberg. Auch heute, nach fast 2000 Jahren, gibt es im Bendorfer und Sayner Wald noch viele sichtbare Spuren von Limes und Wachttürmen. Die römische Grenzanlage, die das freie Germanien vom Römerreich schied, erstreckte sich über 550 km. von Rheinbrohl bis Regensburg an der Donau. Entlang des "Sträßchens" im Bendorfer Stadtwald, vom Parkplatz an der Landstraße 307 nach Grenzhausen bis zum Meisenhof, sind die Limesspuren von Wall und Graben, sowie die Schutthügel von Wachttürmen noch gut erkennbar. (23) Bergmann an der Haspel Auf der Nordseite, der schmalsten Seite der f ü n f s e i t i g e n Historiensäule findet sich klein und ziemlich versteckt diese Abbildung eines Mannes an der Haspel. Haspeln wurden in der Bergmannssprache die Seil- Winden genannt, mit denen das Eisenerz aus den Eisenerzgruben, in Eimern oder Ledersäcken, hochgezogen wurde. Von dem Ausdruck "Winde" hat auch die heute noch immer sogenannte "Vierwindenhöhe" in Bendorf ihren Namen. So, wie die Vierwindenhöhe ihren Namen von dem in Bendorf umgehenden Bergbau erhielt, wurde auch die "Wernerstraße" nach der Eisen-Erzgrube "Werner" auf der Vierwindenhöhe benannt. (24) "Sääner Barweslääwer" Fast versteckt, zu Füßen des Sayner Schlosses, lugen naseweis zwei Lausbuben um die Ecke hervor. In früheren Zeiten, liefen wie auch anderorts, teils aus Armut teils aus Übermut, viele Sayner Kinder sommertags barfuß. Hieraus entwickelte sich der Spottname: "Sääner Barweslääwer" Heute ist ein Brunnen in Sayn mit ihren Figuren geschmückt und trägt den Namen: "Barweslääwer Brunnen" (25)
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