Vorwort
Bendorfs bewegte Vergangenheit über viele Jahrhunderte hinweg hat schon immer das Interesse von sehr vielen Autoren und Chronisten geweckt. Über Bendorfs Geschichte gibt es eine reiche Fülle an Dokumenten, Aufzeichnungen und Erzählungen, welche die Vergangenheit unserer Heimat aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln widerspiegeln. Es erscheint mir daher äußerst reizvoll, heimatkundliche Aufzeichnungen von Zeitzeugen der jüngeren Geschichte, mit Ihren Schilderungen des Alltagslebens, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hierzu möchte ich Ihnen die Aufzeichnungen aus der Schulchronik von Bendorf-Mülhofen präsentieren.

Aus der Schulchronik von Bendorf - Mülhofen
von 1875 - 1950

Vorgeschichte

Eine ministerielle-Schulbestimmung aus dem Jahr 1872 kann zumindest für Preußen, als Geburtsstunde für die staatliche Regelung für Führung von Schulchroniken gelten.

Mülhofen, damals als Annex der Gemeinde Sayn (heute Bendorf-Sayn), in der preußischen Rheinprovinz gelegen, war ebenfalls von diesen Gesetzen betroffen. Mit den "Allgemeinen Bestimmungen" zu dem: "Gesetz betreffend die Beaufsichtigung des Unterrichts- und Erziehungswesens" von 1872 wurden Richtlinien erlassen, die den inneren und äußeren Schulbetrieb betrafen. Die Auswirkungen des "Kulturkampfes" des preuß. Staates mit der kath. Kirche führte dazu, daß die bis dahin gehandhabte Aufsicht über die Schulen von der Kirche auf den Staat überging. Preußen ernannte dazu im ganzen Land und in den Provinzen Kreis- und Ortsschulinspektoren für die Schulaufsicht. Geistliche konnten jedoch in Benehmen mit dem Ministerium, auf dem Lande weiterhin die Schulaufsicht ausüben.

Die Richtlinien, die mit den "Allgemeinen Bestimmungen" erlassen wurden, regelten den Bau von Schulhäusern (als Aufgabe der Gemeinden) und die Größe von Schulzimmern, die Ausstattung mit Lehrmitteln, die Aufstellung von Lehrplänen und auch für das Anlegen von Versäumnislisten durch die Lehrer. Sie machte es den Schulleitern, oder dem alleinigen Lehrer in der Dorfschule, in Preußen zur Pflicht, eine Schulchronik zu führen, d.h. die Entwicklung der Schule, aber auch die des Schulortes zu dokumentieren.

Der allererste Lehrer an der 1875 neu erbauten Schule zu Mülhofen Peter Straten befasste sich in der Hauptsache mit der Entstehung des Ortes, den Schulverhältnissen und den Anfangsjahren der Volksschule in Mülhofen, ohne das jedoch eine systematisch chronologische Ordnung zu erkennen wäre. Auch die nachfolgenden Berichterstatter führten die Chronik in nur beschränktem Maße fort und widmeten sich der Aufgabe nicht gerade mit größter Sorgfalt.

Dennoch; diese Schulchronik, der (katholischen) Volksschule zu Bendorf-Mülhofen, ist aus heutiger Sicht eine Quelle von ortsgeschichtlichen Daten und Ereignissen die unser Wissen um die Vergangenheit erweitert, zumindestens untermauern kann. Bei der Darstellung der Schulgeschichte sind stets auch die wichtigsten Ereignisse im Dorfe erfaßt worden, darum kann man die "Schulchronik der Schule zu Mülhofen" durchaus als erste Form der Ortschronik werten.         Werner Kutsche


(Anm.: Die in Klammern gemachten Anmerkungen dienen nur dazu, den Text etwas verständlicher zu gestalten.   W.K.)



Kurzer Inhalt
&

Datum d. Eintragung

Bericht

geführt von dem Lehrer Peter Straden ab: 1.August 1875..................

Seite

 

gehe zu Seite:

10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120
130 140 150 160 170 180 190 200 210 220 230 240

 
Entstehung des Ortes

Nach Aussage der älteren Leute hat Mülhofen seinen Namen erhalten von einer hierselbst früher gewesenen Mühle und einem Hofe. Die Mühle stand in der Nähe der jetzigen Blaufärberei und der Hof, zu welchem sämtlicher Grundbesitz, des am Rhein erbauten Hüttenwerkes gehörte, lag dem jetzigen Konsum gegenüber. Mülhofen war bis zum Jahre 1840 ein kleines, unbedeutendes Örtchen und zählte ungefähr 20 Wohnhäuser. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug in diesem Jahre 15, welche die Schule in Engers besuchten.


1
1839
Erbauung des ersten Hochofens (Gebrüder Lossen)

Im Jahre 1839 erbauten die Herren Gebrüder Lossen den ersten Hochofen (Anm.: der Concordia-Hütte). 1852 errichteten sie das Walzwerk und 1859 die Eisengießerei.


 
1856
Erbauung eines Hochofens am Rhein durch den Staat.

1856 legte der Staat (Anm.: = Königl. Preußische Sayner-Hütte) den Grund zu dem am Rhein erbauten Hüttenwerk mit Aufbau eines Hochofens und am 28. Januar 1858 fand die feierliche Betriebseröffnung statt.


 
1865
Übergang an Herrn Krupp in Essen
Vergrößerung des Werkes

Mit dem 1. April 1865 ging dieses Werk aus dem Besitz des Staates in den des Herrn Krupp in Essen über.


 
1871
Erbauung der Arbeiterhäuser

Fortsetzung:
Dieser erbaute im Jahre 1869 den zweiten und in den Jahren 1871 und 1872 den dritten und vierten Hochofen.Durch diese beiden nach und nach stark vergrößerten Eisenwerke zogen viele Familien und alleinstehende Personen hierher, und die Besitzer dieser beiden Werke sahen sich genötigt, damit ihre Arbeiter Unterkommen fanden, eigene Wohnhäuser für ihre Arbeiter zu erbauen. So entstanden dann hier in Mülhofen im Jahre 1871 und 1872 acht große Häuser für Arbeiter der Krupp'schen Hüttenwerke und auf der Concordiahütte die schöne Häuserreihe (12 Häuser) für die dortigen Arbeiter. Die Kinder des letztgenannten Hüttenwerks besuchten in die Schule in Sayn.


2
1874
Bau eines eigenen Schulhauses
   
1875
Ausweisung der Schulkinder aus dem Schulverband von Engers.

Die Kinderzahl hierselbst wuchs anfangs der fünfzigerjahre derart, dass unsere Jahrgänge wegen Überfüllung der Schule in Engers gar nicht aufgenommen werden konnten, ohne jeglichen Unterricht blieben und sämtliche katholischen Kinder am 1. Januar 1875 aus dem Schulbau in Engers ausgewiesen wurden und die Gemeinde Sayn-Mülhofen hatte daher schon im Jahre 1874 den Bau eines eigenen Schulhauses begonnen.


 
1875
Herstellung des ersten Schulhauses

Herstellung des ersten Schulhauses welches 1875 vollendet wurde. Der ganze Bau, der unter Leitung des Herren von Braunmühl, Direktor und Mitbesitzer der Concordia-Hütte ausgeführt wurde, kostete mit Einfluß des Bauplatzes 27.000 Taler, wozu die Besitzer der beiden Werke ansehnliche Beiträge leisteten.


3
Besetzung der hierselbst errichteten Schulstelle.

Dem Lehrer Peter Straten von Niederberg wurde die hier gegründete Schulstelle im Juli 1875 übertragen.
Derselbe ist geboren zu Vallendar, besuchte in den Jahren 1848,1849 und 1850 das Lehrerseminar zu Brühl, wirkte vom 17. November 1850 an der Schulstelle zu Eckendorf, Kreis Arweiler, vom 11. Mai 1853 bis zum 28. Oktober 1860 an der Schule in Urbar und von der Zeit bis 28. Juli 1875 an der Schule zu Niederberg, von welcher Stelle er infolge des Kulturkampfes unfreiwillig an hiesige Stelle versetzt wurde. Derselbe eröffnete den Unterricht am 1. August und fanden sich allein aus Mülhofen 93 schulpflichtige Kinder, von denen nach amtlicher Feststellung des Königl. Kreis- Schulinspektors Herrn Klein in Boppard, 52 nie eine Schule besucht haben.


 
 

Fortsetzung:
......... Welch traurige Zustände hier herrschten, kann man sich leicht vorstellen, wenn man bedenkt, wie lange Zeit die Kinder ohne jeden Unterricht herumliefen. Die Schülerzahl nahm mit jedem Jahr zu und im Jahre 1878 war dieselbe auf 117 gestiegen. Es wurde nun zur Besetzung einer zweiten Stelle geschritten, die Kinder nach Geschlechtern getrennt und die errichtete Stelle durch die Lehrerin Fräulein Langenbahn besetzt.


4
1878
Besetzung der zweiten Schulklasse durch die Lehrerin Fräulein Langenbahn.

Besetzung der zweiten Schulklasse durch die Lehrerin Fräulein Langenbahn.
Dieselbe ist geboren zu Polch am 30. Januar 1857, machte 1875 die Lehrerinnenprüfung, wirkte vom Mai 1875 bis Oktober 1878 als Lehrerin an einer Schulklasse in Mayen, wurde von da an hiesige errichtete Mädchenklasse versetzt und eröffnete den Unterricht am 1. November 1878. Es muß noch bemerkt werden, dass die Kinder von der Concordiahütte jetzt von Sayn getrennt und hiesigem Schulverband einverleibt wurden.


 
Errichtung der dritten Schulklasse im Jahr 1882

Errichtung der dritten Schulklasse im Jahr 1882. Im Jahre 1882 betrug die Schülerzahl der beiden Klassen 183 und auf Vorstellungen des Königl. Kreisschulinspektors Herrn Raßmann in Neuwied wurde die dritte Klasse errichtet, welche beide, die oben genannten Lehrkräfte, gemeinschaftlich verwalteten und als Entschädigung für ihre Mühewaldung von der Gemeinde eine jährliche Honoration von je 50 Mark erhielten.


5
1882
Rheinüberschwemmungen im Jahre 1882.

Anfangs November 1882 schwoll der Rhein ungeheuer an und verursachte eine großartige Überschwemmung. Mülhofen stand in seien niedrig gelegenen Teilen ganz unter Wasser. Der Verkehr zwischen den Bewohnern der einzelnen Häuser musste vermitteltst Nachen bewerkstelligt werden. Sogar das Walzwerk der Concordiahütte musste eingestellt werden, da das Wasser bis in die Maschinen eingedrang. Die Nahrungsmittel mussten von auswärts zugeführt werden. Dieselbe großartige Überschwemmung wiederholte sich im Januar 1883. Aus allen Gegenden unseres Vaterlandes wurden Hilfsgeldbeträge gesammelt und diese Beträge sowie viele Kleidungsstücke an die Überschwemmten des Rheinlandes eingeschickt.


 
 

Fortsetzung:
Auch ein großer Teil der Überschwemmten am hiesigen Orte erhielt von diesem Gaben, welche durch ein Komitee verteilt wurden. Der Schulunterricht musste mehrere Tage ausgesetzt werden, da in dem Schulhaus verschiedene Familien, die durch das Rheinwasser aus ihren Wohnungen vertrieben wurden, Obdach fanden.


6
1882
Anlegung eines eigenen Kirchhofes hierselbst.

Im Jahre 1882 wurde den Einwohnern unseres Ortes die fernere Beerdigungen ihrer Toten auf dem Friedhof von zu Engers von der dortigen Ziviel Gemeinde untersagt. Die Gemeinde sah sich nun genötigt, ihre Verstorbenen nach Sayn zu fahren und auf dem dortigen Kirchhof beerdigen zu lassen, bis durch Beschluss des Gemeinderates der Gemeinde Sayn-Mülhofen im Jahre 1884 ein eigener Kirchhof angelegt wurde und hierzu wurden zwei Grundstücke auf dem Reuterwege, gehörend Kaspar Scherer und Herrn Michael Dillschnitter, angekauft. Seit Juli 1884 werden nun die Verstorbenen von Mülhofen auf dem angelegten Kirchhof beerdigt. Die Leitung und Anlegung des Kirchhof wurde Herr von Braunmühl, Direktor und Mitbesitzer der Concordiahütte übertragen.


 
1880
Dienst-Jubiläumsfeier des Bürgermeisters Herrn Schmitz in Bendorf.

Herr Bürgermeister Schmitz von Bendorf feierte am 12. Dezember 1880 sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Im Gasthaus zum "Roten Ochsen". Bei Herrn Jakob Birk fand aus Anlass des Festes ein Festessen statt, an welchem sich ungefähr 130 Personen beteiligten. Auch Herr Landrat Freiherr von Frenz wohnte der Feier bei.


7
1884
Ausscheidung seitens des Bürgermeisters Herrn Schmitz.

Am 1. März 1884 trat Herr Bürgermeister Schmitz nach einer 28 jährigen Dienstzeit in den Ruhestand.


 
1884
Besetzung der Bürgermeisterstelle durch Herrn Thomas.

An dessen Stelle trat am 8. März desselben Jahres Herr Bürgermeister Thomas, welcher bis dahin längere Jahre Bürgermeister in Lutzerath, Kreis Kochem, gewesen war.


 
1885
Tod von Lokal- Schulinspektor Herr Dehmant

Am 31. März 1885 verschied in seinem 66. Lebensjahr unser Lokal- Schulinspektor Herr Dehmant. Herr Pfarrer Gomm in Engers und Herr Bürgermeister Thomas in Bendorf wurden die Lokal- Schulinspektion von Mülhofen übertragen.


 
1885
Schülerzahl

Seit Beginn des neuen Schuljahres am 18. April 1885 fanden sich vor:

schulpflichtige Knaben 98  
schulpflichtige Mädchen 110  
Summa 208  
     
In der Knabenklasse waren 63 Schüler
In der Mädchenklasse waren 80 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 65 Schüler
     
8
1886
Schülerzahl

Seit Beginn des neuen Schuljahres am 29. April 1886 fanden sich vor:

schulpflichtige Knaben 100  
schulpflichtige Mädchen 116  
Summa 216  
     
In der Knabenklasse waren 67 Schüler
In der Mädchenklasse waren 77 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 72 Schüler
     
 
1886
Amtsniederlegung der Lehrerin Fräulein Meurer aus Sayn.

Unter großer Beteiligung wurde am 4. Oktober 1886 das fünfzigjährige Dienstjubiläum verbunden mit einer Abschiedsfeier der Lehrerin Fräulein Meurer von Sayn gefeiert. Die größte Zahl der Lehrer und Lehrerinnen des Schulinspektorbezirks Ehrenbreitstein mit ihrem Kreis-Schulinspektor Herrn Rahsmann von Neuwied waren zum Feste eingetroffen. Gegen 10 Uhr des Morgens wurde die Jubilarin aus ihrer Wohnung zu Kirche geführt. Den Zug eröffneten die Schulkinder, dann folgten die Lehrer und Lehrerinnen und viele Ortsangehörige. Um 10 Uhr fand ein feierliches Hochamt statt, in welchem der Kirchenchor von Sayn eine schöne Vielstimmigemesse vortrug. Hierauf fand die Schulfeier statt. Zuerst beglückwünschte der Kreis- Schulinspektor Raßmann die Jubilarin, dann der Lokal- Schulinspektor Herr Pfarrer Müller, dann Herr Bürgermeister Thomas; Herr Lehrer July im Namen der Lehrerschaft und zum Schluss die Kinder, welche Grüße vortrugen. Sehr schöne Geschenke wurden der Jubilarin überreicht. Nach Schluss der Schulfeier wurde in dem festlich dekoriertem Saal des Gastwirtes Ball (Anm.: "Friedrichsberg") ein Festessen gehalten, bei welchem mancher Toast gebracht und seitens der Lehrer manches Lied vorgetragen wurde.


9
1886
Errichtung einer Gehaltstabelle in der Gemeinde.

Durch Beschluss des Gemeinderates von Sayn-Mülhofen vom 27. Dezember 1886 wurde das Anfangsgehalt der Lehrer hiesiger Gemeinde auf 900 Mark festgesetzt ( Anm.: per Anno) steigernd alle drei Jahre um 50 Mark bis zu 1500 Mark, so das nach 36 in der Gemeinde zu gebrachten Dienstjahre dieser Höchstbetrag erreicht wird. Das Anfangsgehalt der Lehrerinnen wurde auf 750 Mark festgesetzt, steigernd alle vier Jahre um 25 Mark bis zum Höchstbetrag von 950 Mark, so das nach 32 Dienstjahren dieser Höchstbetrag erreicht wird.


 
gehört zum Jahr 1889

Durch Beschluss der Gemeinderatesvertretung vom 19. Oktober 1889 wurde diese Gehaltsskala dahin umgeändert, daß das Anfangsgehalt der Lehrer auf 1000 Mark (Anm.: per Anno) erhöht wird, die Steigerung dagegen beibehalten wurde, so daß der Höchstbetrag von 1.500 Mark in 30 Dienstjahren erreicht wird. Das Anfangsgehalt der Lehrerinnen blieb auf der oben angegebenen Höhe von 750 M, jedoch wurde die Steigerung dafür umgeändert, daß alle drei Jahre das Gehalt um 25 Mark erhöht wird.


10
1887
Prüfung der Schule

Prüfung der Schule durch den Schulrat Breuer in Koblenz. Am 19. Februar 1887 prüfte der Regierungs- und Schulrat Breuer von Koblenz hiesige Schule.


 
1887
Schülerzahl

Schülerzahl Ostern 1887
Das neue Unterrichtssemester begann am 21. April. Bei Beginn derselben war die Anzahl:
der Knaben 91,
die der Mädchen 120.
Aufgenommen wurden sieben Knaben und 17 Mädchen
die Knabenklasse enthielt 71 Schüler
die Mädchenklasse enthielt 84 Schülerinnen
die gemischte Unterklasse 36 Kinder.


 

(Fortsetzung: Seite 11) Entlassungen am 6. April:
11 Knaben und fünf Mädchen.
Wegen ungenügender Leistungen wurde auf Antrag des Lehrpersonals fünf Knaben und drei Mädchen nicht entlassen.


11
1888
Schulgedächtnisfeier für seine Majestät Wilhelm I.

Nach Vorschrift der Königl. Regierung zu Coblenz wurde die Gedächtnisfeier für unseren am 9. März 1888 verstorbenen König und Kaiser Wilhelm I. am 22. März in folgender Weise gefeiert.
Nachdem die Schuljugend dem Gottesdienst in der Pfarrkirche beigewohnt, versammelten sich sämtliche Schüler und Schülerinnen in der am Tag zuvor mit Trauerkränzen und -Bäumen gezierten Mädchenklasse. Nach Verrichtung eines gemeinschaftlichen Gebetes hielt der Lehrer an die Jugend, über das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen eine passende Ansprache und forderte die Jugend auf, das Andenken an ihn mit unauslöchlichen Zügen sich ihrem Herzen tief einzugraben und diese Liebe und Verehrung auch unserm neuen Herrscher entgegenzubringen. Hierauf wurden abwechselnd Trauerlieder gesungen und passende Gedichte von Knaben und Mädchen hergesagt und nach einem von den Kindern gesagtem Gebet für den Entschlafenen wurde die Feier geschlossen.


 
1888
Bepflanzung der Schulhöfe mit Kastanienbäumen.

Mit Errichtung hiesiger Schule war, da die Schulplätze der Sonne sehr ausgesetzt sind, das Bedürfnis vorhanden, dieselben mit Bäumen zu bepflanzen. Der Gemeinderat genehmigte die Anpflanzung mit Kastanienbäumen und wurde die Arbeit Herrn Gärtner Schier in Bendorf übertragen, der sie im März 1888 ausführte.


12
1888
Schülerzahl im Jahre 1888

bei Beginn des neuen Schuljahres am 12. April 1888 befanden sich
in der Knabenklasse 70 Schüler
in der Mädchenklasse 78 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 61 Schüler
Summa = 209 Schüler


 
1888
Schulgedächtnisfeier für seine Majestät Friedrich III.

Nach Verfügung Königlicher Regierung zu Coblenz wurde die Gedächtnisfeier für seine Majestät, den in Gott entschlafenen Kaiser und König Friedrich III., gestorben am 15. Juni 1888, in der Schule am 30. Juni in derselben Weise abgehalten, wie die am 22. März für unseren Kaiser und König Wilhelm I.


 
1888
Feier des Geburtstagsfestes seiner Majestät

Die Feier des Geburtstagsfestes seiner Majestät unseres Kaisers und Königs Wilhelm II. wurde am 26. Januar 1889 in folgender Weise gefeiert.
Um 8 Uhr versammelten sich zuerst die Kinder der gemischten Unterklasse in der mit Kränzen geschmückten Mädchenschule. Nach einer kleinen Ansprache, absingen mehrerer Lieder, aufsagen kleiner Gedichte und Austeilung eines Bretzels wurde die Abteilung entlassen. Nach halb 9 Uhr erschienen beide Oberklassen in dem selben Zimmer. Nach dem gemeinschaftlichen Gebet hielt der Lehrer an die Kinder eine Ansprache, die mit einem "Hoch" auf unseren Kaiser schloß. Es wurden abwechselnd patriotische Lieder gesungen und Gedichte hergesagt. Nach Austeilung der Bretzel war die Feier beendet.


13
1889
Besetzung der gemischten Unterklasse durch den Lehrer Stopierzinski aus Heesau.

Am 5. April 1889 ernannte die königliche Regierung zu Coblenz den Lehrer Herrn Stopierzinski zu Hessau, Kreis Simmern, als definitionen Lehrer an die gemischte Unterklasse hierselbst und wurde derselbe von Herrn Kreis-Schulinspektor Raßmann in Neuwied am 1. Mai in sein Amt eingeführt. Herr Stopierzinski ist geboren am 21. Januar 1859 zu Usch, Kreis Colmar in Preußen.

 
 

Fortsetzung:
Er erhielt seine Ausbildung im Seminar zu Essen, war als Lehrer tätig am 1. Oktober 1881 bis 1. April 1882 zu Schneidemühl, vom 15. April 1882 bis 1. Februar 1887 zu Cranikau, vom 1. Februar 1887 bis 1. Mai 1889 zu Hessau.

Wegen Mangels eines dritten Schulsaales wurde der Unterricht für die Schüler der gemischten Unterklasse während des Sommers deshalb nach Beendigung des Unterrichts der Knabenklasse in letzterem Lokale abgehalten und auch an dem schulfreien Nachmittagen Unterricht erteilt.


14
Schülerzahl Ostern 1889

die Schülerzahl der Knabenklasse betrug bei Beginn des am 1. Mai beginnenden Sommersemesters
64 Schüler,
die der Menschenklasse 83 Schülerinnen,
die gemischte Unterklasse 64 Schüler,
Summa 211 Schüler.


 
1989
Erbauung des Zweiten Schulhauses im Herbst 1889.

Im Herbst 1889 wurde mit dem Neubau eines Zweiten Schulhauses begonnen und im folgenden Jahre vollendet. Die Kosten desselben betrugen 15.300 Mark.
Im November 1890 wurde es seiner Bestimmung übergeben.


 
1989
Auftreten der Diphterie.

Im August 1889 trat hier die Diphtherie epidemisch auf und auf Anordnung der Königl. Regierung zu Coblenz wurden die Schulen vom 30. August geschlossen und erst am zwotem Januar 1890 wieder eröffnet. Dieser Krankheit fielen 27 Kinder zum Opfer, unter denen sich acht Schulkinder befanden. Letztere verteilen sich wie folgt:
Knabenklasse eins,
Mädchen Klasse vier,
Unterklasse drei.


15
1990
Schülerzahl Ostern 1890

beim Beginn des Schulsemesters 1890 befanden sich;
in der Knabenklasse 68 Schüler
in der Mädchenklasse 76 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 68 Schüler
Summa 212 Schüler

Aufgenommen wurden 26 Kinder.
Die Zahl der Schulkinder ist also um 1 gestiegen


 
1890
Trennung der Bürgermeistereien

Trennung der Bürgermeistereien Bendorf, Vallendar und Ehrenbreitstein von der Schulinspekton Neuwied.
Vom 1. Mai 1890 wurden die drei Bürgermeistereien Bendorf, Vallendar und Ehrenbreitstein, die bis dahin mit der Kreisschul-Inspektion Neuwied vereinigt waren, von letzterer getrennt und mit den übrigen Bürgermeistereien des Kreises Koblenz vereinigt. Herr Graßmann, Kreisschulinspektor des Bezirks Neuwied wurde als solcher über den Kreis Koblenz ernannt.


 
1890
Enthüllung des Kaiser Wilhelm Denkmals in Sayn.

Am 10. August 1890, nachmittags halb 1:00 Uhr, fand in Gegenwart des Herrn Oberpräsidenten, (Anm.: Berthold von Nasse ) des Herrn Regierungspräsidenten, des Herrn Landrats von Koblenz sowie viele anderer hochgestellte Herren die Enthüllung des Denkmals in Sayn für den Kaiser Wilhelm I. statt.
Der dortige Kriegerverein, Turn- und Gesangverein, sowie sämtliche Schulen der Gemeinde waren bei der Enthüllung, welche Herr Ostermann in Sayn mit entsprechender Rede vornahm, um das Denkmal versammelt. Dasselbe ist am Eingang zum Schlosspark zwischen Platanen und Gartenanlagen errichtet. Auf schwarzem Pophyr erhebt sich die Broncebüste des verewigten Kaisers. Der ganze Ort war festlich geschmückt. Nach Beendigung der Feier wurden an die Schulkinder Bretzel verteilt.


16
 

Im Herbst 1889 schritt die Gemeinde zum Aufbau des zweiten Schulhauses und wurde der Rohbau vom Bauunternehmen Metzler in Sayn noch in demselben Jahre hergestellt. Im folgenden Jahre wurden sämtliche übrigen Arbeiten ausgeführt, so das der regelmäßige Unterricht am 5. November 1890 beginnen konnte. Herr Krupp in Essen gab zum Bau der Schule 5.000 Mark.


 
1890
Pastor Bell in Engers zum Lokal- Schulinspektor ernannt

Ernennung des Herrn Pastors Bell in Engers zum Lokal- Schulinspektor über hiesige Schulen.
Vom 1. Oktober 1890 wurde der Herr Pastor Bell in Engers von der Königli. Regierung zu Coblenz zum Lokal- Schulinspektor über die Schulen in Mülhofen ernannt. Nach dem Tode des 1885 verstorbenen Herrn Pfarrers Gomm in Engers standen die Schulen unter der Aufsicht des Herrn Bürgermeisters Thomas in Bendorf.


17
Nachtrag zu 1889

Durch Beschluss des Gemeinderates von Sayn-Mülhofen vom 27. Dezember 1886 wurde das Anfangsgehalt sämtlicher Lehrer der Gemeinde auf 900 DM festgesetzt, steigernd alle drei Jahre um 50 M. Bis zum Höchstbetrag von 1500 M, so das nach 36 in der Gemeinde zugebrachte Dienstjahre dieser Höchstbetrag erreicht wird.
Das Anfangsgehalt der Lehrerinnen wurde auf 750 M festgesetzt, steigernd alle vier Jahre um 25 M bis zum Höchstbetrag von 950 M, so das nach 32 Dienstjahren dieser Höchstbetrag erreicht wird.

Durch Beschluss der Gemeindevertretung vom 19. Oktober 1889 wurde diese Gehaltsskala dahin geändert, dass das Anfangsgehalt der Lehrer auf 1000 M erhöht, die Steigerung dagegen beibehalten wurde, so das der Höchstbetrag von 1500 M in 30 Dienstjahren erreicht wird. Auswärtige Dienstjahre wurden nicht angerechnet.


 
 

Fortsetzung
Das Anfangsgehalt der Lehrerinnen blieb auf der oben angegebenen Höhe von 750 DM, jedoch wurde die Steigerung dahin umgeändert, dass alle drei Jahre die Steigerung um 25 DM erhöht wird.


18
1891
Schülerzahl zu Ostern 1891

Bbei Beginn des Schulsemesters 1891 befanden sich:
in der Knabenklasse 64 Schüler
in der Mädchenklasse 65 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 67 Schüler
Summa 196 Schüler

Die Schülerzahl hat sich also von 1890-1891 um 16 vermindert.
Aufgenommen wurden 29 Kinder.  


 
1891
Feier des Kinderfestes am Sedanstag.

Wie bisher, so wurde auch dieses Jahr den Kindern der Gemeinde Sayn-Mülhofen zur Erinnerung an den in der deutschen Geschichte so merkwürdigen Tag des 2. September 1870 ein Kinderfest bereitet.

Von Herren der Krupp'schen Hüttenverwaltung wurde im August 1893 eine Anzahl Herren aus Sayn und Mülhofen in die Brauerei Hühnermann nach Sayn geladen und von den Erschienenen ein Komitee gewählt. Dieses trat Freitag dem 25. Augusts abends 9 Uhr zusammen und bestimmte die Festordnung. Tags vorher wurde durch ein Bote freiwillige Beiträge gesammelt, um die Kosten des Festes zu decken.


 
 

Fortsetzung
Von den über 200 Mark eingegangenen Beiträgen wurden Preise für die Kinder gekauft, von verschiedenen Bäcker 1300 Bretzel gebacken, die Musik bezahlt usw. usw. Weil im Jahre 1892 die angeschafften Preise noch vorrätig waren, indem das Fest wegen der damals herrschenden Cholera nicht gehalten wurde, konnte noch ein Teil der eingegangenen Gelder für das nächste Jahr zurückgelegt werden. Das Komitee bestimmte, daß das Fest nicht Samstag den zweiten, sondern Sonntag den 3. abgehalten wurde und auf ein dem Herrn Pastor in Engers vorgetragenes Gesuch, dispensierte er die Schulkinder vom nachmittäglichen Gottesdienst. Sämtliche Schulkinder von hier versammelten sich daher um 2 Uhr an der Schule und marschierten unter Gesang in Begleitung ihrer Lehrer und Lehrerin nach Sayn, wo die Schulen dieser Gemeinde, der dortige Kriegerverein sich mit seiner Fahne ebenfalls einfanden. Nach 3 Uhr ging der ganze Zug, an der Spitze die Musik nach dem schönen Friedrichsberg. Mehrere Tage vorher hatte die Krupp'schen Hüttenverwaltung die zu diesem Zweck schon lange Jahre vorher angeschafften Spielgeräte auf dem Berge aufstellen lassen. Herr Lehrer Kirschbaum (Sayn) hielt die Festrede. Nachdem auf unserem Kaiser Wilhelm II. ausgebrachtes "Hoch" wurde das Lied "Heil Dir im Siegerkranz" gesungen.


19
 

Fortsetzung:
Die einzelnen Schüler gingen hierauf an die für sie bestimmten Plätze und je-des Schulkind erhielt zwei Bretzel und einige Gläser Limonade. Die größeren Knaben belustigten sich am Kletterbaum, an welchem wertvolle Gegenstände befestigt waren. Die für jede Klasse erhaltenen Preise wurden durch Laufen, Ringwerfen unter den Kindern verteilt. Abends gegen halb 7 Uhr stellte sich der ganze Zug, woran sich viele Testteilnehmer beteiligten, in Ordnung auf und marschierte unter den Klängen der Musik der Heimat zu.


20
1893
Feier beim Eintreffen unseres Herrscherpaares in Koblenz.

Am 1. September 1893 hatte Koblenz die große Ehre unserem Kaiser und König Wilhelm II. nebst Gemahlin in ihrer Mitte zu sehen. Das hohe Herrscherpaar traf morgens 10:00 Uhr in Koblenz ein und wurde von den Prinzen Albrecht, dem Reichskanzler, Grafen Casperini, der Generalität und den Spitzen der Behörden empfangen. Die Stadt war auf das prächtigste geschmückt, das Wetter sehr schön und die Straßen von einer dicht gedrängten Menschenmenge, darunter viele Leute vom Lande, besetzt. An dem in der Schlossstraße errichteten Triumphbogen wurde das Kaiserpaar von den Stadtbehörden feierlich begrüßt. Oberbürgermeister Schoeler bot den Willkommengruß, wobei er insbesondere..........


 
 

Fortsetzung:
...........an den fünfjährigen Aufenthalt, weiland Kaiser Wilhelm I. und der Kaiserin Auguste, in den Mauern der Stadt erinnerte und ein junges Mädchen begrüßte die Kaiserin mit einem prächtigen Willkommengruß. Der Kaiser gedachte in seiner Erwiderung auf die Ansprache des Oberbürgermeisters gleichfalls der Kaiserin Auguste in Koblenz, sowie der frohen Stunden, die er selbst hier erlebt habe, er erinnerte daran, daß er Koblenz zum Zeichen seines Wohlwollens als Stätte des Provinzialdenkmals der Rheinprovinz für Kaiser Wilhelm I. bestimmt habe und und sprach die Hoffnung aus, dass die Stadt dieses Denkmal in treuer Obhut halten werde. Am Schlosse fand Empfang der Provinzialbehörden und darauf ein Frühstück statt. Abends 6:00 Uhr kam der Kronprinz von Italien nebst Gefolge am Rheinbahnhof an, wo ihm der Kaiser einen großen militärischen Empfang bereitete. Um 7:00 Uhr war das von den Provinzialbehörden dargebotenen Festmahl und um 9:00 Uhr Festfahrt auf dem Rhein. Sonntag, den 3. September verließ der Kaiser Koblenz, um die Manöver im deutschen Reichslande abzuhalten.


21

Schülerzahl anno 1892 und 1893

Schülerzahl anno 1892:
Seit Beginn des Schulsemesters Ostern 1892 befanden sich in der Knabenklasse 64 Schüler
in der Mädchenklasse 63 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 47 Schüler
Summa 174 Schüler

Die Schülerzahl hat also bei Beginn des Semesters abgenommen um 22 Schüler.
Aufgenommen wurden 20 Kinder.

Schülerzahl anno 1893
bei Beginn des Schuljahres 1893 fanden sich in der Knabenschule 58 Schüler
in der Mädchenklasse 57 Schülerinnen
in der gemischten Unterklasse 49 Schüler
Summa 164 Schüler

Die Schülerzahl hat sich also gegen das Vorjahr vermindert um 12 Kinder
Aufgenommen wurden 22 Kinder


22
1890 - 1885
Volhszählung

Volkszählung.
Die Volkszählung am 1. Dezember 1885 ergab eine Bevölkerung von 972 Seelen.
Die Zählung am 1. Dezember 1890 ergab eine Bevölkerung von 1025 Seelen (für Mülhofen)

Darunter sind Katholiken: 943 Seelen
Protestanten 82 Seelen
mithin beträgt die Zunahme von 1885-1890 - 53 Seelen.


 
1893
Viehzählung von 1893

Viehzählung von 1893: Die Viehzählung am 1. Dezember 1892 ergab:
27 Pferde, 59 Stück Rindvieh, drei Schafe, 23 Schweine, 92 Ziegen, zwei Bienenstöcke.

Die Zahl der Geburten, heiraten, Sterbefälle betrug:
1890 37 12 27
1891 42 9 25
1892 37 6 23
       
1893 waren 85 von Häuser vorhanden mit 197 Haushaltungen.
23
1893
Witterungsverhältnisse anno 1893

das Jahr 1893 ist eines der Jahre, das vermöge seiner Witterungsverhältnisse manchen noch lange im Gedächtnis bleiben wird, da es von Monat März bis 25 Juni nicht regnete. Der an diesem Tage hier am 26. und 27. Juni niedergefallene Regen war nur von geringer Bedeutung. Infolge dessen entstand hier, sowie in dem größten Teil unseres Vaterlandes, ein bedeutender Futtermangel, so daß der Preis des Viehes außergewöhnlich sank. Die Ernte begann sehr früh; ab 28. Juni konnte man hier schon auf Haufen stehendes Korn sehen. Am 11. Juli entstand am frühen Morgen ein starkes Gewitter und brachte hiesige Gegend einen ziemlich aber nicht hinreichenden Regen.


 
 

Fortsetzung:
die Niederschläge am 22. Juli versahen hiesigen Fluren mit hinreichender Feuchtigkeit und bis Anfang August war nasse Witterung. Von da an gab es bis zum 21. August wieder eine drückende Hitze. Ende August und im September fielen bedeutende Niederschläge, so daß die Futternot verschwand. Obst gab es im allgemeinen in Mengen, ebenso Kartoffeln, besonders aber zeichnete sich der Wein durch seine Güte aus.


24
1893
Hinscheiden des Herrn Kreisschulinspektor Raßmann.

Am 18. November 1893 verschied in Koblenz der, von dem ganzen Bezirk geliebte, Kreisschulinspektor Schulrat Raßmann im Alter von 50 Jahren infolge eines am Tage vorher erhaltenen Gehirnsschlages. Seinem Begräbnisse wohnten sämtliche Lehrer des Kreises bei und jeder Bezirk spendete einen Blumenkranz. Am Grabe wurden von den Lehrern zwei Lieder vorgetragen.


 
1893
Einführung der einheitlichen Zeit.

Am 1. April 1893 wurde in ganz Deutschland die mitteleuropäische Zeit eingeführt und der Meridian von Stargart und Görlitz als Einheitsmederian angenommen. Die Bewohner östlich dieser beiden Orte mussten die Uhr je nach Entfernung-; dagegen die restlichen Bewohner je nach der Lage, vorstellen, daß für unsere Gegend ungefähr 28 min machte.


 
1894
Schülerzahl 1894
Bei Beginn des Sommersemesters 1894 befanden sich
in der Knabenklasse 56 Schüler
In der Mädchenklasse 54 Schülerinnen
In der gemischten Unterklasse 51 Schüler
Summa 162 Schüler

Die Schülerzahl hat also gegen das Vorjahr um zwei Schüler abgenommen.
Aufgenommen wurden 23 Kinder, neun Knaben 23 ? Mädchen
In der Knabenklasse wurden aus der gemischten Unterklasse aufgenommen ? Schüler,
in die Mädchenklasse ?


25
Besetzung der erledigten Kreisschulinspektion

An die Stelle des im November des vergangenen Jahres verstorbenen Kreisschulinspektors kam der Regierungs- und Schulrat Herr Dr. Kley von Arnsberg, welcher, am 1. Juli 1894 sein Amt antrat


 
1894
Die Feier des Sedanstages

Da der diesjährige Sedanstag auf den Sonntag fiel, so wurde die Feier Samstag gehalten. An diesem Tage versammelten sich gegen 3 Uhr alle drei Klassen unserer Schüler und gingen unter Gesang gemeinschaftlich nach Sayn. Auf dem Friedrichsberge wurde wie alljährlich das Kinderfest für die ganze Jugend der Gemeinde Sayn-Müllofen gefeiert. Mit Musik marschierte der Zug..........


 
 

Fortsetzung:
..........woran sich fünf Vereine aus Sayn beteiligen durch Sayn. An dem Kaiserdenkmal hielt der Zug und spielte die Nationalhymne. Nach dem Segen hielt Herr Lehrer Kirschbaum die Festrede und nun ging es zum austeilen der Brezeln und der Limonade. Die größeren Knaben gingen an den Klettererbaum und die anderen Kinder an die für sie errichteten Spiele. Die übrigen Preise wurden durch Spiele, Wettlaufen usw. an die Kinder verteilt. Die Kosten zur Herstellung des Festes wurden durch freiwillige Beiträge gedeckt. Von außerhalb hatten sich viele Freunde eingefunden. Gegen 6.30 Uhr wurde gemeinschaftlich die Heimreise angetreten.


26
Umbau der Fenster nach den Schulhöfen zu; im Jahre 1894

Nach Erbauung des ersten Schulhauses hierselbst hat sich ein großer Übelstand herausgestellt, der darin bestand, dass die Kinder sich durch die ungenügende Erhellung der breiten Säle die Augen verdarben. Durch Gemeinderatsbeschluß wurden daher die beiden Fenster nach dem Schulhöfen zu, in den Herbstferien 1884, durch zwei größere, mit je drei Flügeln ersetzt. Die Maurerarbeiten wurden von der Firma Hahn in Engers die Glaserarbeit von der Firma Ickenroth in Sayn ausgeführt. Die äußere Unterfangung des Hauses wurde Herrn Hahn in Sayn übertragen.


 
1895
Betriebs Niederlegung der Walzwerke auf der Concordiahütte.

Im Januar 1895 wurden die beiden Walzwerke auf der Concordiahütte wegen Mangel an hinreichender Bestellung und Rentabilität außer Tätigkeit gesetzt und in Folge dessen über 100 Arbeiter entlassen.

27
Schülerbestand bei Beginn des Schulsemesters 1895.  
Bei Schluss des Schulsemesters, am 11. April 1895 befanden sich
in der Knabenklasse 51 Schüler
Entlassen wurden 5 Schüler
Am 25. April neu aufgenommen 7 Schüler
mithin Bestand 53 Schüler
Während des Jahres 1894/95 verzogen 6 Schüler
Aufgenommen 1 Schüler
     
In der Mädchenklasse befanden sich 49 Schülerinnen
Entlassen wurden 12 Schülerinnen
Aufgenommen wurden 8 Schülerinnen
mithin Bestand 45 Schülerinnen
während des Jahres verzogen 5 Schülerinnen
     
In der gemischten Unterklasse befanden sich 42 Schüler
es gingen 15 Schüler
Aufgenommen wurden 8 Knaben + 9 Mädchen 17 Schüler
Verzogen während des Jahres 10 Schüler
mithin Bestand 42 Schüler
 
Witterungsverhältnisse Anno 1894 /95.

Das Jahr 1894 kann als ein für die Landwirtschaft ungünstig; auf Wein und Obst, als günstig betrachtet werden. Während der Vorsommer sehr warm war, trat bei der Erntezeit eine anhaltende nasse Witterung ein, die an manchen Stellen großen Schaden, ja das Wachsen der Körner (Anm.: in der Ähre) verursachte. Obst, besonders Steinobst gab es in Mengen; die Preise für alle Nahrungsmittel sanken, nur das Fleisch blieb teuer, weil infolge der großen Trockenheit von 1893 eine bedeutende Masse ? (Anm.: Vieh) abgeschafft worden ist.
Auch die Trauben zeigten bei ziemlicher Menge eine große Süße, das Pfund weiße Trauben wurde zu 0, 15 bis 0, 20 Mark verkauft.

Hier mögen noch einige Preise der hauptsächlichsten Lebensmittel folgen, wie sie hier bestanden:

Ochsenfleisch kostete    (a. 0,5 Kilo) 0,75 Mark
Rindfleisch 0,65 Mark
Kalbfleisch 0,70 Mark
Schweinefleisch 0,70 Mark
Kartoffeln per Zentner (Anm.: = 50 Kilo) 2,20 Mark
Weißbrot,     2,0 Kilo 0,45 Mark
Schwarzbrot,    2,5 Kilo 0,45 Mark
Bohnäpfel, per Zentner 4,50 Mark
Gute Sorten     (Anm.: gemeint sind Äpfel) 8,00 Mark

28
  Fortsetzung:
Birnen per Zentner 5,50 Mark
Zweschgen 3,00 Mark
Kirschen, (a. 0,5 Kilo) 0,05 Mark
Roggen, (a, 150 Kilo) 18,00 Mark
Weizen 21,00 Mark
Hafer 18,00 Mark
Heu, (per Zentner) 3,00 Mark
Roggenstroh 2,50 Mark

Der Winter 1894/95 hatte bis Januar ein überaus mildes Klima. Mit Beginn des neuen Jahres fiel aber eine übergroße Menge Schnee und zu gleicher Zeit trat eine fürchterliche Kälte ein, wie lange keine mehr herrschte. Diese Kälte hielt mit geringer Milderung vom 20. bis 27. Januar ununterbrochen an. Die Straßen waren wegen des aufgehäuften Schnees fast ungangbar. Das Thermometer fiel auf -25° C und blieb mit einigen Schwankungen auf dieser Höhe. Vögel und Wild fielen zu Dutzenden vor Hunger und Kälte nieder; besonders fielen viele Hasen der Kälte zum Opfer. Die Schulkinder wurden angehalten an geeigneten Plätzen Futter für die Vögel hin zu streuen, was auch viele taten. Diese Kälte und der in großer Masse liegende Schnee hielten bis zum Beginn des März an.


29
Der Winter 1894/95

Fortsetzung:
Da der Rhein und sämtliche Flüsse zugefroren waren, befürchtete man eine große Eisflut. Der Schnee schmolz aber zum Glück nach und nach und der Eisgang ging ruhig vonstatten. Aber eine große Überschwemmungen trat ein. Die Wiese vor Mülhofen glich einem großen See, worauf an Sonntagen verschiedene Kähne mit jungen Leuten sich belustigten, wohingegen sich auf der Chaussee eine Menge Zuschauer bewegten.
Zugleich muss erwähnt werden, daß Herr Kommerzienrat Krupp aus Essen während des Winters verschiedene Waggons Kohlen unter seine Arbeiter verteilen ließ.


30
Kinderfest, am 1. September 1895

Das diesjährige Kinderfest wurde in hiesiger Gemeinde nicht am 2. sondern Sonntag, dem 1. September auf dem Friedrichsberge abgehalten. An freiwilligen Beiträgen waren 370 Mark eingegangen, welche zur Anschaffung von Brezeln, Limonade, Geschenke usw. verwendet wurden. Sämtliche Vereine aus Sayn nahmen an dem Festzug teil und das Fest fand unter großer Volksbeteiligung statt. Die Abhaltung der Festlichkeit geschah wie in früheren Jahren.


 
 

Fortsetzung
Die Schulfeier am 2. September fand wie alljährlich in den mit Kränzen geschmückten Schulsälen statt. Die Gemeinde hatte zur Erinnerung an die Wiederkehr der Gedenktage von 1870/71 zur 25 jährigen Einigung Deutschlands für die Knaben und Mädchenklasse drei Exemplare der Festschrift:
"Zur 25 jährigen Wiederkehr der Gedenktage von 1870/71"
von Pastor Lindner, Professor der Geschichte an der Universität Halle, zur Verteilung an die fleißigsten und bravsten Schüler angeschafft, wovon zwei Exemplare für die Mädchen und ein Exemplar für die Knaben bestimmt waren. In der Knabenklasse erhielt der fleißigste Schüler Wilhelm Bernardi von der Concordia Hütte ein Exemplar, das andere wurde durch das Los, woran fünf Schüler teilnahmen, verteilt und erhielt dasselbe der Schüler Heinrich Daublender. In der Mädchenklasse erhielt dieses Los die Schülerinn Marie Hummerich


31
Volkszählung vom 2. Dezember 1895.

Das Resultat der am 2. Dezember 1895 stattgehabten Volkszählung war folgendes:

Ortsanwesende männliche Bevölkerung 467 Seelen
Ortsanwesende weibliche Bevölkerung 426 Seelen
Summa 893 Seelen
Darunter aktive Militärpersonen 2
= Rest (Absolut) 891 Seelen
Im Jahre 1890 betrug die Bevölkerung 1025 Seelen
mithin Rückgang von 134 Seelen

Haushaltungen von zwei und mehr Personen 178
Einzel lebende Personen mit eigener Haushaltung 9
Summa 187 Haushaltungen

Die Kürzung der Bevölkerung ist entstanden, indem verschiedene Arbeiterfamilien von hier in die vor mehreren Jahren erbauten Krupp'schen Arbeiterhäuser nach Engers gezogen und durch die außer Betrieb gesetzten Walzwerke der Concordiahütte, wodurch ein Teil der Arbeiter brotlos wurde und anderswo Unterkommen suchte.


32
Schulfeier am 18. und 27. Januar 1896

Die Feier der Wiederkehr des 25 jährigen Bestandes des Deutschen Reiches am 18. Januar 1896 sowie die Feier des Geburtstages Sr. Majestät unseres Königs und Kaisers Wilhelm II. wurde auf der vorgeschrieben Weise in unserer Schule festlich begangen.


 
Schülerbestand bei Beginn des Schulsemester 1896.

Am Schlusse des Schulsemester 1895/96 befanden sich:
in der Knabenklasse 52 Schüler.
Entlassen wurden 12 Schüler.
Aufgenommen wurden 12 Schüler
Während des Jahres verzogen 3 Schüler
Auswärtige aufgenommen 1 Schüler
Bestand bei Beginn des neuen Schuljahres 52 Schüler

In der Mädchenklasse befanden sich 46 Mädchen
Entlassen wurden 8 Mädchen
Aufgenommen wurden 8 Mädchen.
Bestand 46 Mädchen
Verzogen 1 Mädchen
Auswärtiges aufgenommen 3 Mädchen

In der gemischten Unterklasse befanden sich 49 Kinder
Es gingen 20 Kinder
Aufgenommen wurden 14 Knaben
Aufgenommen wurden 5 Mädchen
Während des Jahres verzogen 6 Schüler
Auswärtige zugegangen 10 Schüler


33
Anrechnung von 2/3 der auswärtigen Dienstjahre vom 1. Oktober 1896

Der Wohlöbliche Gemeinderat von Sayn-Mülhofen hat auf das gemeinschaftliche Gesuch der Lehrpersonen der Gemeinde vom 3. Juni dieses Jahres in einer Sitzung beschlossen, denselben 2/3 ihrer auswärtigen Dienstjahre in der Gehaltsliste in Anrechnung zu bringen und vom 1. Oktober dieses Jahres diesen Mehrbetrag auszuzahlen. Durch Verfügung der Königl. Regierung zu Koblenz vom 17. August hat dieser Beschluß die Genehmigung erhalten.


34
Witterungsverhältnisse des Jahres 1896.

Das Jahr 1896 berechtigte den Landmann zu großen Hoffnungen, indem die Witterungsverhältnisse bis Anfang August eine ausgezeichnete waren. Jedoch, von diesem Zeitpunkte an trat ein beständiges Regenwetter ein, welches mit kurzen Unterbrechungen bis Schluss des Jahres anhielt. Die Traubenblüte verlief gut und frühzeitig und dem Winzer stand eine ausgezeichnete Ernte in Aussicht, wenn der Nachsommer sich nicht so traurig gestaltet hätte. An Quantität war man fast allenthalben zufrieden, während die Qualität zu wünschen übrig ließ. Die Kartoffelernte war ziemlich ergiebig, aber manche Sorten waren sehr von der Fäulnis betroffen. Der Verkaufspreis derselben war, von einer etwas besseren Sorte, 2,40 bis 2,80 Mark. Der Winter 1896/97 war mit wenigen sonnigen Unterbrechungen ziemlich gelinde.


 
1897
Feier des hundertjährigen Geburtstages Sr. Majestät des verstorbenen Königs und Kaisers Wilhelm I

Die Feier des Hundertjährigen Geburtstages Sr. Majestät des verstorbenen Königs und Kaisers Wilhelm I. wurde gemäß Verfügung Königl. Regierung in unserer Schule in folgender Weise gefeiert.
Die Kinder wurden in der Geschichtsstunde mehrere Wochen vorher auf das Leben und die Verdienste dieses hohen Herrschers vorbereitet. Die Schulsäle wurden mit vielen Kränzen und Blumen geschmückt. Sonntag, den 28. März, gingen die Kinder zur Heiligen Messe. Am 22. März versammelten sie sich in ihren Schulsälen und auf vorhergegangene Ansprache des Lehrers bzw. der Lehrerin wurden Gedichte aufgesagt und Vaterlandslieder gesungen. Nach Beendigung der Feier wurden den Kindern die für sie von der Gemeinde bewilligen Brezel verteilt. Dienstag, den 23. März, wurde zuerst die heilige Messe besucht und nach derelben ein gemeinschaftlicher Spaziergang nach Sayn unternommen, wo dann am Kaiserdenkmal von den Kindern zwei patriotische Lieder vorgetragen wurden.

Noch ist zu erwähnen, dass zur Verschönerung dieses Festes von den drei in hiesigem Orte bestehenden Vereinen: dem Soldaten-, dem Turn- und Kegel- Verein, Sonntag Abend, dem 21 März ein Fackelzug durch den beleuchteten Ort unternommen wurde. Zur Bestreitung dieser entstandenen Kosten hat der Gemeinderat von Sayn-Mülhofen eine Leistung von ( ? ) aus der Gemeindekasse bewilligt.


35
Übersicht der Schülerzahl von 1897.

Am Schlusse des Schulsemester 1896 97 befanden sich:
in der Knabenklasse 54 Schüler
Aufgenommen wurden während des Jahres 2 Schüler
gestorben 1 Schüler
Entlassen 10 Schüler
Aufgenommen 1897/98 wurden 9 Schüler
Bestand der Klasse 47 Schüler

Am Schlusse des Schulsemester befanden sich:
in der Mädchenklasse 44 Schülerinnen
Entlassen wurden 5 Schülerinnen
aufgenommen wurden 10 Schülerinnen
Verzogen während des Jahres 3 Schülerinnen
Auswärtige aufgenommen 1 Schülerin
Bestand der Klasse 1897/98 = 49 Schülerinnen

Am Schlusse des Jahres 1896/97 befanden sich:
in der gemischten Klasse 50 Kinder.
Verzogen während des Jahres 5 Kinder
Es gingen 19 Kinder
Aufgenommen 1897 - 26 Kinder
bei Beginn des Schulsemester 1897 betrug die Schülerzahl 57

Schülerzahl 1897/98
Knaben 47
Mädchen 49
Unterklasse in 57
Summa = 153


36
Festlichkeit bei Gelegenheit der Kaiserparade, am 30. August 1897.

Am 30. August dieses Jahres hatte der Kreis Koblenz die hohe Ehre, daß unser geliebtes Herrscherhaus in Gegenwart vieler hoher und fremder Fürstlichkeiten bei Kärlich und Kettig die Parade über das achte Armeekorps abhielt. Die Schuljugend der Bürgermeisterei Bendorf und der umliegenden Orte auf der linken Rheinseite bildete bei dieser Gelegenheit spalier an der Koblenz-Andernacher- Chaussee. Zu diesem Zwecke machten sich die Kinder der Knaben- und Mädchenklasse von hier mit ihrem Lehrer resp. Lehrerin um 7 Uhr morgens hier weg, setzten bei Bendorf mit der Ponte nach St. Sebastian über und nahmen unterhalb der sogenannten Mailust an der Koblenz-Andernacher- Chaussee Aufstellung. Gegen 9 Uhr morgens langten Ihre Majestäten am Bahnhof Urmitz an, und gegen 2 Uhr war die Festlichkeit beendet. Sodann kam zuerst die Kaiserin mit hohem Gefolge und bald darauf Se. Majestät unser Kaiser unter Vorranritt der Fahnenkompanie und eines großen Musikkorps und hielten ihren Einzug in die überaus festlich geschmückte Stadt Koblenz. Eine zahllose Menschenmenge hatte auf den ganzen Wege aufstellung genommen, die ihre Majestäten mit "Hura" begrüßten.


37
Einweihung des Kaiser-Denkmals, am 31. August 1897.

Am 31. August wurde in Gegenwart ihrer Majestäten das, von der Rheinprovinz aus Dankbarkeit gegen den Hochseligen Kaiser Wilhelm, hier am Deutschen Eck in Koblenz errichtete Denkmal enthüllt.
Wegen eingetretener schlechter Witterung wurde die Feier, die um 11 Uhr stattfinden sollte, auf 1 Uhr nachmittags verlegt. Das Wetter klärte sich auf und wurde äußerst prachtvoll. Tausende von Menschen waren aus Nah und Fern herbeigeeilt und hatten längst des Rheines überall Aufstellung genommen. Punkt 1 Uhr traten ihre Ihro Majestäten aus dem Schlosse und bestiegen das zu ihrer Bereitschaft am Ufer des Rheines haltende, reich beflaggte Dampfschiff und stiegen am Denkmal aus. Nach abgehaltener Feier kehrten die Majestäten mit dem Schiffe wieder ins Schloss zurück. Abends war großartige Beleuchtung der Stadt Koblenz nebst umliegender Höhen. Gegen 9 Uhr verließ der Kaiser die Stadt.


38
Aufbesserung der Lehrergehälter vom 1.April 1897.

Bei der im Jahre 1897 allgemeinen Lehrer-Aufbesserung genehmigte die Königliche Regierung zu Koblenz den Gemeinderatsbeschluß wonach das Diensteinkommen der Lehrpersonen in unserer Gemeinde wie folgt festgesetzt wurde:
A) Grundgehalt für den Haupt-Lehrer… 1350 Mark
B) Grundgehalt für die Lehrer… 1200 Mark
C) Alterszulagen in 9 Steigerungen... a. 140 Mark

Grundgehalt für die definitiv angestellten Lehrerinnen 900 Mark
Alterszulagen in 9 Steigerungen...... a. 100 Mark

Die (Wohnungs-Miete) Mietentschädigungen bleiben wie bisher bestehen. Da dieselben aber nicht dem wirklichen Werte entsprechen und viel zu gering angegeben sind, (150 Mark für den Lehrer und 120 Mark für die Lehrerinnen) so wird nichts anders übrig bleiben, als durch eine gemeinsame Eingabe um Erhöhung derselben anzufragen.

Obige Gehälter wurden vom 1. April 1897 ausgezahlt.


39
Viehzählung am 1. Dezember 1897

Bei der am 1. Dezember 1897 vorgenommenen Viehzählung wurde unser Ort in zwei Zählbezirke eingeteilt. Es fanden sich vor:
1.Zählbezirk
Viehbesitzende Haushaltungen 31
Pferde 9, Rindvieh 41, Schafe zwei, Schweine 38, Ziegen 24, Gänse 5, Enten 17, Hühner 278.

2. Zählbezirk
Viehbesitzende Haushaltungen 55,
Pferde 13, Rindvieh 16, Schafe null, Schweine 30, Ziegen 70, Gänse null, Enten 2 Hühner.

S. s. (summa summarum)
Vieh besitzende Haushaltungen 86,
Pferde 22, Rindvieh 57, Schafe 2, Schweine 68, Ziegen 94, Gänse 5, Enten 19, Hühner 508,


40
1898 Erbauung einer Schmalspurbahn

1898 Erbauung einer Schmalspurbahn durch Mülhofen im Jahre 1898 seitens der Besitzer der Concordiahütte.
Die Besitzer der Concordiahütte erbauten nach vorheriger Genehmigung im April dieses Jahres eine Schmalspurbahn durch Mülhofen, um auf diesem Wege ihren per Schiff zu beziehenden Eisenstein auf das Werk zu bringen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Weg von der Überbrückung der Eisenbahn bis zum Krupp'schen Konsum, der bei schmutzigen Wetter fast nicht zu passieren war, gepflastert. Der von der Gemeinde Sayn geleistete Beitrag war nur ein geringer.


 
Übersicht der Schülerzahl Anno 1898.

Am Schlusse des Schulsemesters um Ostern 1898 befanden sich
in der Knabenklasse 49 Schüler
verzogen von 1897/ 98 5 Schüler
aufgenommen während des Jahres 9 Schüler
zu Ostern 1898 entlassen 10 Schüler
aufgenommen 16 Schüler
mithin bei Beginn des Schuljahres = 55 Schüler

Mädchenklasse: Am Schlusse des Jahres 1898 Befanden sich
in der Mädchenklasse 49 Schülerinnen
verzogen im letzten Semester 1 Schülerin
zugezogen im letzten Semester 1 Schülerin
zu Ostern 1898 entlassen 10 Schülerinnen
aufgenommen wurden 5 Schülerinnen
Mithin bei Beginn des neuen Semesters = 44 Schülerinnen

Gemischte Unterklasse; Am Schlusse des Semesters befanden sich
sich in der Klasse 60 Kinder
im Jahre 1897/98 verzogen 4 Kinder
zugezogen waren 5 Kinder
aufgenommen wurden 19 Knaben und 11 Mädchen = 30 Kinder


41
Erbauung unserer neuen Pfarrkirche und Einsegnung derselben am 4. September 1898.

Schon lange Jahre hat sich unsere Pfarrkirche in Engers viel zu klein erwiesen und es wurde der Wunsch nach einem größeren Gotteshause immer mehr wach. Da das vorhandene Baukapital unbedeutend war, wurde dasselbe auf Anordnung des Herren Pfarrers Bell durch mehrjährige gesammelte milde Beiträge seitens der Einwohner der Pfarrei bis zu 40.- bis 45.000 Mark gebracht. Bei der Kreiskasse in Neuwied wurden zu der vorhandenen Summe noch 80.000 Mark geliehen, welche, zu vier Prozent verzinst (in 40 Jahren verzinst) in 40 Jahren abgetragen werden müssen. Zur Tilgung dieser Schuld wurden daher im Jahre 1898 für das Jahr 1897 schon 66% der Einkommensteuer erhoben, außerdem auch freiwillige Beiträge gesammelt, da die Kosten des Baues die Summe des Voranschlages überstiegen. Die Pläne zu dem in romanischem Stile zu erbauenden Gotteshause stammen von dem Architekten Hans Moritz aus Hatzenport, wohingegen die Ausführung der Baumaßnahmen Herrn Menden aus Müden an der Mosel anvertraut wurde. 1898 am 12. Juli wurde nach Beendigung des nachmittäglichen Gottesdienstes das Allerheiligste in feierlicher Prozession in die hergerichtete Notkirche, Gottfried Zimmermanns Saal, getragen.


42
 

Fortsetzung:
Noch in demselben Jahre wurden, nachdem die alte Kirche niedergelegt, die Grundmauern der neuen Kirche fertig.1898 wurde der Rohbau fertig hingestellt und unter Dach gebracht.1898 am 4. September fand durch den Dechanten Herrn Vacain aus Vallendarer die Einsegnung der Kirche statt. Der Ort Engers war festlich geschmückt. Gegen 9.30 Uhr Uhr morgens wurde das Allerheiligste in feierlicher Prozession in die neue Kirche überführt. Gegen 10 Uhr begann das Hochamt, zu dessen Verherrlichung der Kirchenchor eine vierstimmige Messe mit Orgelbegleitung sang. Hochamt und Nachmittags-Vesper waren von Gläubigen so zahlreich besucht, das das geräumige Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt war. Das um 4 Uhr nachmittags in dem Schenkert'schen Garten zu Lasten des Kirchenbaufonts veranstaltete Konzert erfreute sich eines recht zahlreichen Besuchs. Der Schluß des Tages bildete eine prächtige bengalische Beleuchtung der neuen Kirche, während gleichzeitig der ganze Ort Engers und Mülhofen im Lichterglanz erstrahlten. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß der Kommerzialrat Herr Krupp in Essen zu der Kasse des Kirschenbaus 5000 Mark beigetragen hat.


43
Der Winter von 1898/99

Der Winter von 1898/99 war ein äußerst gelinder, wie er nur in sehr seltenen Fällen vorkommt. Derselbe stellte sich erst im letzten Drittel des Monats März ein und behauptete sein Recht bis in den April hinein, wodurch mit den Feldarbeiten spät begonnen werden konnte. Der erste Schnee fiel am 25. März, der aber nur ganz kurze Zeit liegen blieb.


44
Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schuljahres vom 11. April 1899.

Am Schlusse des Schulsemesters 1898 befanden sich
in der Knabenklasse 52 Schüler
entlassen wurden zwölf Schüler
aufgenommen wurden 19 Schüler
währen des Jahres verzogen 7 Schüler
aufgenommen wurden 4 Schüler
mithin bei Beginn des Schuljahres 1898/99 = 59 Schüler
Zugezogen am 13. April noch ein Schüler Summe = 60 Schüler

Am Schlusse des Schulsemesters 1898/99 waren
in der Mädchenklasse 45 Kinder
entlassen 6 Kinder
während des Jahres verzogen 3 Kinder
während des Jahres zugezogen 4 Kinder
zu Ostern aufgenommen 6 Kinder
mithin die Kinderzahl 45 Kinder

Am Schlusse des in Schulsemesters 1898/99 waren
in der gemischten Unterklasse 69 Kinder
während des Jahres verzogen 2 Kinder
während des Jahres zugegangen 1 Kind
aufgenommen 14 Mädchen
aufgenommen 9 Knaben
mithin Schülerzahl 1899/1900 = 67 Kinder

Die Zahl der Schüler betrug also bei Beginn des Schulsemesters, am 11. April 1899 172 Kinder.


 
Beförderung des Eisensteines vom Rhein zu Concordiahütte mittels einer Lokomotive.

Seit Juni 1899 fand die Beförderung des Eisensteines zur Concordiahütte nicht mehr durch Pferdebetrieb, sondern durch eine kleine Lokomotive statt. Außerdem wurde der Betrieb durch Erbauung eines neuen Stahlwerkes und Anzündung eines zweiten Hochofens bedeutend erweitert.


45
Vertretung des Anfang, März 1900 erkrankten Lehrers Stopierzinski.

Anfang, März diesen Jahres erkrankte der Lehrer Stopierzinski. Die Verwaltung seiner Klasse übernahm bis zum 1. Mai die Lehrerin Fräulein Langenbahn und der Hauptlehrer Straten. Da ihm (Stopierzinski) eine nochmalige Urlaubsbewilligung bis zum 1. August erteilt wurde schickte die Königl. Regierung zu Koblenz eine Vertreterin in Person der Frl. Grisar aus Koblenz hierhin.


 
Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schuljahres, am 24. April 1900

(von mir gekürzt)
In der Knabenklasse waren bei Beginn des neuen Schuljahres in 67 Schüler
In der Mädchenklasse waren bei Beginn des Jahres 54 Schülerinnen
In der gemischten Unterklasse waren bei Beginn des Jahres 73 Kinder
aufgenommen wurden zu Ostern 41 Knaben und 21 Mädchen
mithin Gesamtschülerzahl = 194 Kinder


 
Feier für den am 31. Mai 1900 in sein Amt eingeführten Herrn Pastor Bayer aus Nickenig als Pfarrer in Engers.

Nachdem der Herr Pastor Bell von Engers am 30. Mai seine Stelle krankheitshalber verlassen und die leichtere Stelle in Daxweiler übernommen, hatte die Pfarrgemeinde die Freude einen neuen Seelsorger empfangen zu dürfen. Herrn Pfarrer Beyer, Pfarrer in Nickenig, wurde in feierlicher Weise durch den Dechanten des Dekanats Engers, des Herren Pastor von Vallendar, feierlich in sein Amt eingeführt. Nachdem er in feierlicher Prozession der ganzen Pfarrei am Pfarrhauses abgeholt und herzlich begrüßt worden war. Die erhebend verlaufene Feier verzeichnete mit dem Absingen des Tedeum unter Glockengeläut und Böllerschüssen ihr Ende. Der beabsichtigte Fackelzug wurde wegen indes eingetretenen regnerischen Wetters eingestellt.


46
Einsegnung unserer neuen Pfarrkirche durch den hochwürdigsten Herren Bi-schof Dr. Julius Korum am 21. Juni 1900.

Mittwoch, den 20. Juni traf der hochwürdigste Herr Bischof Dr. Korum von Sayn kommend in Engers ein und wurde in feierlicher Prozession empfangen und zur Kirche geleitet. Nach dem Segen begab sich der Hochwürdigsten Herr zum Krankenhause (Anm.: wo er übernachtete). Donnerstag um 6 Uhr las er die heilige Messe und um 8 Uhr begann die Einsegnung unserer vor zwei Jahren erbauten neuen Pfarrkirche. Punkt 9 Uhr war Hochamt, nach welchem den Firmlingen das Sakrament der Firmung gespendet wurde. Zur Feierlichkeit war Engers festlich geschmückt und auch die Kriegsschule hatte zur Consektration der Kirche, welche zugleich Garnisionskirche ist, einen Vertreter entsandt


 
Ausscheiden des Lehrers Herr Stopierzinski aus hiesigen Schulverhältnissen am 28. Oktober 1900
(Klasse) Verwaltet vom 1. November durch Fräulein Grisar aus Koblenz.

Am 28. Oktober trat Herr Stopierzinski, nachdem er an hiesiger Unterklasse seit 1. Mai 1889 gewirkt hatte, aus hiesigen Schulverhältnissen aus, um eine bessere Stelle in Remscheid zu übernehmen. Wegen Lehrermangel wurde diese Stelle Fräulein Grisar aus Koblenz zur einstweiligen Verwaltung übertragen. Dieselbe begann mit dem 1. November ihre Tätigkeit an der Unterklasse.

47
Feier zum fünfzigjährigen Amtsjubiläum des Hauptlehrers Peter Straten hierselbst.
Entnommen aus der Bendorfer Zeitung

Die Feier fand am 19. November 1900 statt.
Wenn es im Buche Sirach mit Bezug auf den Segen, den ein guter Lehrer durch seine erhabene Wirksamkeit in der Gemeinde verbreitet, heißt: "die Gemeinde soll sein Lob verkünden! " So lassen sich diese Worte in ihrer Bedeutung voll und ganz auf die, am verflossenen Montag stattgefundene, Feier des fünfzigjährigen Amtsjubiläums des Herrn Hauptlehrers Straten anwenden. Der ganze Ort prangte in Flaggen,- Kranz-, und Girlanden- Schmuck. Um 8.30 Uhr Uhr war in der Pfarrkirche zu Engers ein feierliches Leviten-Amt, welches der Herr Pastor Bayer unter Assistenz Pastor Bauer aus Gonseratte und des Herren Kaplan aus Engers zelebrierte. In der von dem Herrn Pastor bei seiner gehaltenen Festpredikt verbreitete er sich über die Worte aus dem Buche Daniel: "...die viele in der Gerechtigkeit unterweisen, werdenden leuchten wie die Sterne in ewigen Zeiten. " In herrlichen, aus einem warmen Lehrerfreundlichem Herzen sprach der hochwürdige Herr über die erhabene Würde des Lehreramtes und......................


 
 

Fortsetzung:
....................und bat zum Schlusse besonders die Kinder, ihres teueren Lehrers im Gebet zu gedenken, da dies das beste Festgeschenk sei. Um 10.30 Uhr fand dann die offizielle Feier in dem festlich geschmückten Schulsaale statt, zu welcher Herrn Geheimrat Dr. Breuer, Herr Regierungs- und Schulrat Doktor Kley, Herr Pastor Beyer, Herr Bürgermeister Thomas, der Schulvorstand, der Gemeinderat, die Lehrepersonen von Sayn, Mülhofen und Engers und viele Freunde und Gönner des Jubilars erschienen waren. Nachdem die Kinder ein Festlied gesungen und einige von ihnen sinnige Gedichte sehr hübsch vorgetragen, beglückwünschte Herr Geheimrat Dr. Breuer den Jubilar in beredeten warmen Worten und überreichte ihm dann die Insignien der Inhaber des Hohenzollern'schen Hausordens. Nacheinander brachten dann die vorgenannten Herren in herzlichen Worten ihre Glückwünsche dar, wobei Herr Bürgermeister Thomas ein, von der Gemeinde gewidmetes, wertvolles Geschenk überreichte. Sodann drückte Herr Krüger Namens des Schulvorstandes, Herr Hauptlehrer Löscher von Sayn im Namen der Lehrepersonen von Sayn-Müllofen die Glückwünsche aus und Letzterer überreichte ebenfalls ein prachtvolles Geschenk. Nachdem der Hauptlehrer Schüller von Engers die Glückwünsche der Lehrpersonen von Engers ausgesprochen hatte, dankte der Jubilar in den herzlichsten Worten für die vielen Beweise der Liebe und Verehrung. Abends veranstaltete die Gemeinde Mülhofen unter Teilnahme des Gesellenvereins aus Engers einen Fackelzug..................


48
 

Fortsetzung:
....................Unter Vorantritt der Hahn'schen Kapelle von Sayn bewegte sich derselbe nach dem Schulhause. Hier trug genannte Kapelle mehrere Musikstücke in bekannter Eleganz vor. Herr Gustav Fasel drückte alsdann in warmen Worten dem Jubilar für seine aufopfernde Tätigkeit, besonders seines Wirkens in Mülhofen, seinen tief gefühlten Dank aus und schloß mit einem begeistert aufgenommenen "Hoch" auf denselben Jubilar. Der Kirchenchor sang unter Leitung des Herrn Organisten Zündorf nun zwei, der Feier des Tages entsprechende, Chöre in sehr exakter Weise. Der Jubilar sprach wahrhaft herzliche Worte des Dankes und den anwesenden die Versicherung gebend, daß ihm dieser Tag so ausgezeichneter Ehrung unvergesslich bleibe. Er schloß mit der Bitte, ihn für alle Zeit ein treues Andenken zu bewahren. Ein überaus stark besuchtes Konzert im Saale des Gastwirts Schneider, bei welchem noch verschiedene Ansprachen gehalten wurden, beendeten die Feier.


49
Volks-, in Vieh-, und Obstbaum- Zählung am 1. Dezember 1900

Bei der am 1. Dezember dieses Jahres statt stattgehabten Volks- verbunden mit Vieh und Obstbaumzählung, war der Ort in fünf Zählbezirke eingeteilt. Der Zähler im ersten Bezirk war Herr Rudhardt, im zweiten Herr Höffner, im dritten Herr August Fasel, im vierten Herr Hauptlehrer Straten und im fünften Herr Werner von der Concordiahütte.
Es ergab sich eine Bevölkerung von 1084 Seelen
Im Jahre 1895 waren es 891 Seelen
Mithin mehr = 193 Seelen

Es fanden sich vor: 31 Pferde, 57 Stück Rindvieh, ein Schaf, 47 Schweine, 78 Ziegen, 582 Stück Federvieh und 1136 Obstbäume..


 
Gedenkfeier am 18. Januar 1901

Die Erinnerung an die 200 jährige Gedenkfeier der Erhebung unseres Vaterlandes zum Königreiche wurde in unserer Schule nach Vorschrift der Königl. Regierung zu Koblenz festlich begangen. Die von der Gemeinde zur Verteilung an die bravsten Schüler erhaltenen drei Kaiserbilder erhielten: in der Knabenklasse der Schüler Josef Käsberg von der Concordiahütte, in der Mädchenklasse die Schülerin Anna Sihauer und in der gemischten Unterklasse (?).


50
Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters am 16. April 1901

Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters 1901 bis 1902
(von mir gekürzt)
es finden sich:
in der Knabenklasse 70 Knaben
in der Mädchenklasse 57 Mädchen i
n der gemischten Klasse 79 Kinder
Summa summarum = 206 Kinder


 
Anlegung der Wasser- und Gasleitung im Jahre 1901

Im Januar 1901 begann man in hiesigem Orte mit der Anlegung der Wasserleitung. Dieselbe war anfangs des Monats Mai vollendet, so daß von der Zeit an jedes Haus sein Wasser aus der Leitung entnehmen konnte. Fast zu derselben Zeit begann man auch mit der Legung der Gasleitung und von September an wurde unsere Straßenbeleuchtung durch 22 Gaslaternen bewirkt. Wasser und Gas wurden von Bendorf genommen.


51
Besetzung der gemischten Unterklasse durch den Lehrer Herrn Karl Stillger

Besetzung der gemischten Unterklasse durch den Lehrer Herrn Karl Stillger.
Fräulein Grisar, welche nach dem Abgange des Lehrers der Stopierzinki hiesige gemischte Unterklasse verwaltete, kam vom 1. November an die Mädchenklasse nach Immenorf. An ihre Stelle kam der endgültig angestellte Lehrer Herrr Karl Stillger aus Zammelshove, Kreis Adenau .


 
Erhöhung der Altersstufen von 140 auf 150 Mark.

Erhöhung der Altersstufen von 140 auf 150 Mark. Die Lehrer der Gemeinde Sayn-Müllofen machten eine Eingabe an den wohllöblichen Gemeinderat um Gleichstellung ihres Diensteinkommens mit den Lehrern der Gemeinde Bendorf. Die Gemeinde genehmigte das Gesuch und vom 1. April 1901 wurden die Altersstufen von 140 auf 150 Mark erhöht und ausgezahlt.


 
Pflasterung der Provinzialstraße von Mülhofen nach Sayn im Jahre 1902

Schon lange Jahre war das Bedürfnis vorhanden, den Weg von Müllofen nach Sayn in einen ordentlichen zustande zu versetzen. Nach dem Beschlusse des Gemeinderats wurde die Straße bis zu den Gebäulichkeiten der Witwe Kohns.........


 
 

Fortsetzung:
..........endlich gepflastert. Die Arbeit führte der Pflasterermeister Rech von Niederberg aus


52
Tod des Schülers Peter Herrschbach am 27. Januar 1903.

Am 27. Januar ertrank der Schüler Peter Herrschbach von der Concordiahütte. Er ging auf das schon schmelzende Eis des dort befindlichen Weihers, sank ein und ertrank, ehe Hilfe herbeieilte. Nach Verlauf von einer Stunde zog man den Leichnam aus dem Wasser.


 
Feier zur Erinnerung an die 25 jährige Erhebung unseres Heiligen Vaters Leo XIII. am 1. März 1903.

Feier zur Erinnerung an die 25 jährige Erhebung unseres Heiligen Vaters Leo XIII. am 1. März 1903. Am 1. März dieses Jahres feierte die Pfarrgemeinde Engers das Jubelfest zur Erinnerung an die 25 jährige Erhebung unseres Heiligen Vaters Leo XIII. auf den päpstlichen Stuhl. Abends um 8 Uhr bewegte sich ein mächtiger Zug von elf Vereinen mit Fackeln von Müllofen nach Engers, wo auf dem Schloßhofe ein großes Feuerwerk abgebrannt wurde. Nachdem des Nachmittags nur die Männer an der im Hotel Zimmermann veranstalteten Feier sich beteiligt hatten, war nach Beendigung des Zuges in verschiedenen Lokalen eine gemeinsame Familienfeier, welche in allen Lokalen stark besucht war. In Müllofen war dieselbe bei Herrn Böhm.


 
Festfeier zu Ehren des Kaplans Herrn Anton Scherer bei seiner Primizfeier, am 29. März 1903

Festfeier zu Ehren des Kaplans Herrn Anton Scherer bei seiner Primizfeier, am 29. März 1903 Am 29. März brachte der Primizant Herr Anton Scherer von Mülhofen in der Pfarrkirche von Engers das erste heilige Meßopfer dar. Das war ein großer Festtag für die ganze Pfarrei, besonders für Mülhofen. Alle Häuser prangten im Fahnenschmuck und waren....


 
 

Fortsetzung:
....außerdem mit Kränzen und Girlanden geschmückt. Der Primitzant wurde in feierlicher Prozession von seiner elterlichen Wohnung zur Kirche geführt, wo gegen 10 Uhr das Hochamt begann. Die weltliche Familienfeier war bei Gastwirt Böhm. Ein zu diesem Zwecke sich gebildeter Chor von Damen und Herren brachte dem Primitzant abends ein Ständchen. Die Einwohner haben sich durch Überreichung vieler wertvoller Geschenke ausgezeichnet.


53
 

( Anm.: Dieses war der letzte Eintrag von Hauptlehrer Peter Straten.
Die nachfolgenden Zeilen sind von dem Nachfolger Herrr Hauptlehrer Karl Stillger. )

 
1. November 1903
Abschied des Hauptlehrers Straten und neue Besetzung der Haupt Lehrer Stelle durch den Lehrer Karl Stillger

Abschied des Hauptlehrers Straten und neue Besetzung der Hauptlehrer-Stelle durch den Lehrer Karl Stillger.
Nach 53 jähriger Tätigkeit in der Volksschule schied am 1. November 1903 Herr Hauptlehrer Straten aus dem Amte. Die dadurch frei gewordene Hauptlehrerstelle wurde mir, dem Lehrer Karl Bernhard Stillger, bisher Lehrer an der gemischten Unterklasse hierselbst, von obigen Datum an übertragen. Ich bin geboren am 3. August 1869 zu Engers. Nachdem Herr Lehrer Herz dortselbst ungefähr zwei Jahre prägenden Unterricht erteilt hatte bezog ich zu meiner weiteren Vorbildung auf den Lehrerberuf das Seminar zu Boppard. Vom 6. November 1890 bis zum 25. März 1891 Lehrer an der Winterschule zu Sennhals an der Mosel, im Kreise Cochem, danach wirkte ich vom 1. April desselben Jahres bis zum 1. November 1901 an der einklassigen Volksschule zu Jammelbach, im Kreise Adenau. Mein abgegangener, noch ziemlich rüstiger Herr Kollege, der in Eppendorf im Kreise Ahrweiler, Urbar, Niederberg und zuletzt hier 28 Jahre gewirkt.........


 
 

Fortsetzung:
....... hat, ist nach seinem Geburtsstädtchen Vallendar gezogen, um dort den Rest seines Lebens in Ruhe zu verleben.


54
10. November 1903

Wiederbesetzung der Lehrerstelle an der gemischten Unterklasse durch den Lehrer Dyonisus Krupp am 10. November 1903. Die Lehrerstelle an der gemischten Unterklasse hierselbst wurde durch den endgültig angestellten Lehrer Herr Dionysus Johann Krupp wiederbesetzt. Er wurde, am 3. November 1903 vom Herrn Kreisschulinspektor Dr Kley, Regierungs- und Schulrat im Beisein des Herrn Lokalschulinspektor Pfarrer Beyer von Engers und zweier Zeugen in die Schule eingesetzt. Herr Krupp ein geborener Sayner, wirkte bis jetzt in Büschel, Kreis Cochem.


 
30. November 1903
Höherbauen der Schulaborte und Erweiterung der Bahnhofstraße.

Weil bei heftigem und andauernden Regen das Wasser in die Aborte der Knaben- und Mädchenschule lief, wurden nach Einsicht des Herrn Kreisbauinspektors diese, sowie das Pissoar und auch die Aborte der gemischten Unterklasse abgerissen und um 0, 80 m höher gebaut. Bei dem Wiederaufbau wurden die Wände der schadhaften Jauchesenke mit Ziegelsteinen begleitet und von neuem vercementiert. Zugleich erweiterte man die ungenügende schmale Bahnhofstraße, soweit diese auf der Mülhofener Gerechtigkeit liegt. Deshalb wurde die niedrige Schulhofmauer ebenfalls niedergerissen und eine neue, höhere 55 m lange, 40 cm dicke um 1 1/2 m weiter nach der.........


 
 

Fortsetzung:
..........Schule zu aufgeführt. Dadurch sind die beiden Schulplätze 55 X 1,90 m = 104,50 m² kleiner geworden. Der Spielplatz für die Knabenschule, (Klasse 1a), der auch als Turnplatz mitbenutzt wird, hat allein 27 m X 1,90 = 51,30 m² Raum verloren. Außerdem hat Herr Maurermeister Hahn von Weitersburg in den Herbstferien auch die Gartenmauer zwischen den Schulhäusern und den Aborten nun um einen halben Meter höher gebaut und durch Aufführung einer Sandsteinmauer, den zur kleineren Schule gehörigen Garten teilweise eingefriedigt und denselben so vom Schulhofe getrennt.


55
Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters 23.4.1904.

Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters 23.4.1904.
(von mir gekürzt)
Es finden sich:
in der Knabenklasse 81 Knaben
in der Mädchenklasse 74 Mädchen
in der gemischten Unterklasse 69 Kinder
Summa summarum = 224 Schüler

(in die Unterklasse wurden 23 schulpflichtige Kinder aufgenommen)


 
10.Januar.1905
Kanalleitung der Chaussee im Mülhofen im Herbste 1904.

Das Regenwasser von den Dächern der Engerser Krupp'schen Wohnhäuser und daß der nächsten Umgebung floß durch Mülhofen ab und sammelte sich an der Ecke des Schuh- und Kolonialwarengeschäfts des Herren Jakob Nett. Weil es hier sehr wenig, oft keinen Abfluß hatte, wurde es übelriechend und für die Gesundheit der in der Nähe wohnenden Leute gefährlich. Deshalb wurde laut Beschluß des Gemeinderates die Chaussee von den nächstgelegenen Krupp'schen Häuser bis etwa 45 m oberhalb Mülhofens kanalisiert (vom Hause der Witwe Böcking an 45 m). Die dabei benutzten Zementrohre haben nach Aussage des Mauermeisters Peter Hahn aus Sayn, der die Kanalleitung ausgeführt hat, bis zum Wohnhauses der Witwe Gotthard Krieger 50 - und von dort aus bis an den unterhalb des Chaussee gelegenen kleinen Kanal, welcher das Wasser in die Wiese ableitet, 60 cm Lichtweite. Durch den Wiesengraben fließt das Wasser in den Froschweiher ab. So war ein längst vorhandener Übelstand beseitigt. Die Kosten, die über 3000 Mark betrugen, sind von der Firma Krupp in Essen, der Provinzial-Verwaltung, den Gemeinden Engers und Sayn- Mülhofen aufgebracht worden. Die Firma Krupp hat 1000 Mark gezahlt.


56
30.Mai1905

Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters 30.5.1905.
(von mir gekürzt)
Es finden sich:
in der Knabenklasse 72 Knaben
in der Mädchenklasse 81 Mädchen
in der Unterklasse 62 Kinder
Summa = 215 Schüler
In beiden letzteren Klassen meldeten sich gleich nach Schulanfang sieben Kinder von auswärts an; die Zahl der die Volksschule hierselbst besuchenden Kinder beträgt also 222.


57
1.Dezember 1905
Volkszählung

Am 1. Dezember dieses Jahres fand wiederum eine Volkszählung statt. Unser Ort war in sieben Zählbezirke eingeteilt. Als Zähler haben mitgewirkt:


 
  Fortsetzung:
1. Herr Hauptlehrer Stillger 1. Zählbezirk
2. Herr Robert Rudhardt 2.  
3. Herr Karl Schneider 3.  
4. Herr Johann Fasel 4.  
5. Herr Lehrer Krupp 5.  
6. Herr Jakob Kohl 6.  
7. Herr Peter Bach 7.  

Das Ergebnis laut amtlicher Mitteilung des Bürgermeisteramtes Bendorf war folgendes:
Mülhofen hat 108 Wohngebäude und 238 Haushaltungen
mit zusammen 1229 Seelen.
Hiervon sind 1115 Katholiken
und 114 evangelisch
Übersicht: bei der Volkszählung am 1. Dezember 1905 = 1229 Seelen
Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900 waren es = 1084 Seelen
Mithin jetzt mehr… 145 Seelen.


58
23.April 1906
Übersicht der Schülerzahl

Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schulsemesters 23.4.1906
(von mir gekürzt)
Es finden sich:
in der Knabenklasse 69 Knaben
in der Mädchenklasse 79 Mädchen
in der gemischten Unterklasse 77 Kinder
die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug 225


 
1. Mai. 1907
Wiederbesetzung der Lehrerstelle durch Herr Josef Schüller

Wiederbesetzung der Lehrerstelle an der gemischten Unterklasse durch den Lehrer, Herr Josef Schüller Herr Lehrer Krupp von hier, wurde auf seinen Wunsch am 1. Oktober 1906 mit der Wahrnehmung einer Schulstelle in Köln-Merheim betraut. Aus Mangel an Lehrkräften wurde der Unterricht an der hiesigen Unterklasse von Fräulein Lehrerin Langenbahn und mir, dem Hauptlehrer Karl Stillger vom 1. Oktober 1906 bis Neujahr 1907 erteilt. Nachdem der provisorisch angestellte Lehrer Herr August Reichard das zweite Vierteljahr des Wintersemesters die Vertretung hatte, kam der endgültig angestellte Lehrer, Herr Josef Schüller von Elsaff., Kreis Neuwied, an seine Stelle. Kollege Schüller ist auch, wie sein Vorgänger, in Sayn gebürtig. Er wurde von unserem Lokalschulinspektor, dem Herrn Pfarrer Bayer in Engers, in seinen neuen Wirkungskreis am 9. April 1907 eingeführt.


59
1.Mai 1907
Übersicht der Schülerzahl

Übersicht der Schülerzahl bei Beginn der Schulsemesters 1907/1908 am 9. April 1907
(von mir gekürzt)
Es finden sich:
in der Knabenklasse 84 Knaben
in der Mädchenklasse 75 Mädchen
in der gemischten Unterklasse 77 Kinder
die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug 236 Kinder.


 
25. März 1908
Feier des 25jährigen Priesterjubiläums des Lokalschulinspektors und Pfarrers, Herr Jakob Bayer.

Am 25. März 1908, am Feste Marie Verkündigung, waren es 25 Jahre her, daß unser Lokalschulinspektor, der hochwürdige Herr Pastor Jakob Bayer zum Priester geweiht wurde. Um 10 Uhr zelebrierte der Jubilar, das Haupt mit dem Silberkranze geschmückt, unter Assistenz zweier Mitbrüder in der Pfarrkirche zu Engers ein Levitenamt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz mit Gläubigen gefüllt, welche innige Gebete für ihren Hirten zum Himmel sandten. Wegen der Fastenzeit fand die weltliche Feier später, und zwar am 8. April, dem Tage nach Weißensonntag, statt. Ein schier endloser, aus 17 Korporationen bestehender Fackelzug bewegte sich von (Wirtschaft Jakob Mohr) aus unter vorantritt einer zwölf Mann starken Militärkapelle, Fußartillerie Nr.9, Coblenz, durch die mit Fahnen, Kränzen und Girlanden geschmückten Mülhofener und Engerser Straßen. Kein Haus sah man, welches nicht wenigstens illuminiert war. Vor dem Pfarrhaus angelangt trug der Kirchenchor Engers das Begrüßungslied vor, worauf das älteste Kirchen-Vorstands-Mitglied ............


60
 

Fortsetzung:
.........Herr Kaufmann Krupp-Engers, eine schwungvolle Ansprache an den Jubilar hielt. Er feierte denselben als einen sehr eifrigen Hirten, der unablässig um das Heil der ihm anvertrauten Seelen bemüht ist, und als einen Mann des Friedens, der es versteht so zu wirken, daß die Einwohner der verschiedenen Konfessionen in der Pfarrei in Eintracht und Liebe zusammen wohnen. Nachdem er den Dank der katholischen Kirchengemeinde für die rührige Tätigkeit übermittelt hatte, ließ er seine Rede in einem kräftigen weithin schallenden "Hoch" ausklingen. Nach einem zweiten Liede, vorgetragen von dem Gesangverein "Liedertafel"-Engers, nahm der Herr Jubilar das Wort. Sichtlich tief gerührt dankte er recht innig für die vielen Beweise der Anhänglichkeit und Verehrung, besonders bat er, seiner im Gebete zu gedenken, damit Gott ihm Gnade und Kraft gebe, sein schweres Amt gut zu verwalten. Ein großes Brillantfeuerwerk wurde jetzt abgebrannt, Raketen stiegen auf, das nahe Pfarrhaus erstrahlte in bengalischen Lichte und ein eigens für diese Festfeier aus 42 Mülhofener Sänger und Sängerinnen sich gebildeter Chor sang wuchtig folgendes Jubiläumslied:

1.) Hin zu des Rheines Strand, jetzt zu dem Pfarrhaus hin,
eilt unser Herz voll Freude, voll frohem, gläubigen Sinn.
Dir, Priester treu und mild tönt's rings durch die Gefilde,
es klingt ein süßes Wort von Mund zu Mund fort,
Heil, guter Hirte, Dir ! Heil, guter Hirte, Dir !
Heil ! Heil, guter Hirte Heil !


61
 

Fortsetzung:

2.) Im Schmuck der Segenstage den Myrtenkranz im Haare
Stanst' du als junger Priester an des Herren Altar.
und jetzt in Festesglorie, geschmückt im Silberkranze,
grüßt der Kinderkreis und sagt Dir Dank und Heil.
Heil, guter Hirte, Dir ! Heil, guter Hirte, u.s.w.

3.) Im heiligen Eifer weihte dein Herz sich Gott, dem Herrn,
In allen Lebenstagen blieb Der Dein Weg und Stern.
Im Strom der flüchten Zeiten sahst Du ihn Dich geleiten
(Hin zu Sankt Petri hin); drum jauchzet heute froh:
Heil, guter Hirte, Dir ! Heil, guter Hirte, u.s.w.

Als Priester hast getragen Du, treu des Amtes Laßt,
als treuer Hirte kennst du nicht Ruh, nicht Rast !
Drum sei von uns gepriesen und Ehre Dir erwiesen,
O, lieber Hirte mild, du unserer Helm und Schild;
Heil, guter Hirte, Dir ! Heil, guter Hirte, u.s.w.

Mit großer Begeisterung sang nun die mehrere 1000 köpfige Menge den Choral "großer Gott, wir loben dich". Damit hatte die erbauende Feier noch nicht ihrer Ende erreicht. Unter Musikbegleitung zweier Musikchöre erfolgte der Abmarsch des Festzuges. Durch die Kaiserstraße nach den, vom Festkomitee bestimmten, Festlokalen: Fiegel, Rheinischer Hof, und Velten in Engers und Schneider in Mülhofen. Bald erschien der von vielen geistlichen Freunden begleitete Jubilar auch schon im letzteren Lokal, welches sehr überfüllt war. Bei seinem Eintritte begrüßte ihn der gemischten Chor von hier mit einem anderen von dem (unleserlich) H.F. Müller in Fulda verfassten und komponierten Jubiläumsliede;

1.) Jubelgesänge lasset laut erschallen,
in der Gemeinde tönt's aus aller Munde


62
 

Fortsetzung

Heil Dir, o Priester ! Hirte unserer Herde,
Heil Dir, o Jubilar!

2.) Heut sind verflossen 25 Jahre,
daß Du als Priester dienst dem Allerhöchsten,
welch reichen Segen hat auf dich ergossen !
Dein treuer Heiland.

3.) Liebe und Treue schwören wir aufs neue,
voll freudgen Danke schlagen unsere Herzen,
Lebe noch lange, Priester des höchsten,
Heil Dir, o Jubilar!

Hierauf beglückwünschte ihn unser Ortsvorsteher Herr August M. Fasel, im Namen der Filiale Mülhofen und drei weiß gekleidete Mädchen: Katharina Weiler, Josephine Daublender und Anna Seippen brachten unter Segenswünschen ein Geschenk in "gastischer" Form dar. Nach einem herzlichem, scherzhaften Wort der Erwiderung verabschiedete sich der Jubilar, um auch seinen Engerser Pfarrkindern, in den oben genannten Festlokalen, einen Gegenbesuch abzustatten.


63
1908
Besetzung der neu eingerichteten Schulklasse durch die Lehrerin Fräulein Katharina Schmaus

Schon zu Anfang des verflossenen Schuljahres war die Zahl der Schulpflichtigen Kinder hierselbst auf 236 gestiegen. Deshalb ist auf die wiederholten Bemühungen des Königlichen Kreisschulinspektors, des Regierungs- und Schulrates, Herrn Dr. Kley hin, hier eine vierte Schulstelle errichtet worden. Dieselbe wurde durch die definitiv bestätigte Lehrerin Fräulein Katharina Schmaus, besetzt. Genanntes Fräulein ist am 21. Dezember 1880 in Burgen an der Mosel geboren..................


 
 

Fortsetzung:
.................Sie erhielt ihre Ausbildung im Privatseminar "Marienau" in Vallendar, legte in Koblenz am 16. Mai 1903 ihre Prüfung ab und wurde am 1. Juli selbigen Jahres mit der provisorischen Verwaltung einer Volksschulstelle in Rhens betraut. Hier wirkte sie bis zum 1. September 1904. Auf ihren Wunsch hin wurde sie nach Lieg, Kreis Cochem, und von dort nach hier versetzt, woselbst sie am 1. Mai 1908 von dem Lokalschulinspektor, Herrn Pfarrer Bayer, eingeführt wurde.


64
Einrichtung der Schulklassen und Übersicht der Schülerzahl im Jahre 1908

Einrichtung der Schulklassen und Übersicht der Schülerzahl im Jahre 1908
In der Unterklasse sind 65 Kinder, welche Fräulein Lehrerin Schmaus in 16 Stunden wöchentlich unterrichtet. Sie hat die Kinder des 1. Schuljahres, Knaben und Mädchen, sowie 15 Mädchen des 2.Schuljahres. Auch erteilte sie den Unterricht in der Mädchenoberklasse Ib, in Singen und Zeichnen. Sie gibt also 20 Unterrichtsstunden in der Woche zwar, weil nur drei Schulsäle vorhanden sind, die obigen 16 Stunden auch im Schulsaal der kleinen Schule, in der Herr Kollege Schüller wohnt (Einschub: Nachträglich eingefügt: 2 Stunden Industrieuntericht macht also 22 Stunden.).

Seine (gemeint ist Lehrer Schüller) Klasse zählt 63 Kinder; es sind dies 38 Kinder des 2.Jahrganges und 13 Knaben und 12 Mädchen der dritten; die Kinder des 2.Schuljahres sind also getrennt..............


 
 

Fortsetzung:
....................Fräulein Lehrerin (gemeint ist Lehrerin Langenbahn) hat 60 Mädchen in der Oberklasse Ib. Es sind dies die Mädchen des 4., 5., 6., 7. und 8. Schuljahrganges, denen sie wöchentlich 24 Unterrichtstunden gibt. In der Parallelklasse 1a sind die Knaben der fünf oberen Jahrgänge, 69 an der Zahl.

Unterklasse 65 Kinder,
Mittelklasse 63 Kinder
Mädchenklasse I.b = 60 Kinder
Knabenklasse I. a = 69 Kinder
zusammen 257 Kinder.


65
Hochwasserkatastrophe am 4. Februar 1909.

Der hoch liegende Schnee, der am verflossenen Samstag, Sonntag und Montag gefallen war, ist durch das, von anhaltendem Regen begünstigte Tauwetter schnell geschmolzen, so daß der Saynbach das viele Schneewasser nicht alle fassen konnte; er trat über seine Ufer und eilte, alles mit sich fortreisend, morgens dem 4. Februar, dem Rhein zu. Da der Bach durch die Anschüttungen der Brauerei Hühnermann und der Concordiahütte eingeengt war, staute sich das Wasser gleich hinter der Sayner Brücke. Die hochgehenden Fluten suchten sich einen Ausweg indem sie den Schutzdamm gegen die Hütte zu wegspülten und teilweise in dieselbe hineinströmten. In ganz kurzer Zeit stand sie schon nach 10:00 Uhr über 1 m hoch unter Wasser, so dass alle Arbeiten eingestellt.................


 
 

Fortsetzung:
.............eingestellt werden mussten, die Hochöfen wurden eiligst gestoppt. Von der Hütte aus drang das immer höher steigende Wasser, nach der Saynerstraße zu, dem Eisenbahndamm entlang bis in die Gärtnerei Steuer. Das Wasser setzte diese und alle angrenzenden Keller der Nachbarhäuser: Witwe Wambach, Peter Rohre, Weinand Dillschnitter, Schröder und Lahr, Gastwirtschaft Jakob Mohr, Bernhard Wambach, Weinland Dillentheis, Anton Röser, Peter Böhm (Scheuer) und Eduard Stoffels, sowie den des Ludwig Melder unter Wasser. Bei Witwe Wambach und Kutscher E. Stoffels, der in dem nach dem Damm zu gelegenen Gebäude des kaufmännischen oder zweiten Hüttendirektors wohnte, stand das Wasser nicht nur im Keller, sondern auch in den unteren Wohnungsräumlichkeiten. Gegen Mittag stand das Wasser dem Eisenbahndamm und der Provinzialstraße beinahe gleich. Ein großes Glück war es, daß der Damm unter den Schienen einige lockere Stellen, einige Senkungen hatte, durch die viel Wasser über die dahinter liegenden Äcker und Wiesen nach dem Bache zu, abfließen konnte; dadurch war ein weiteres Steigen des Wassers unmöglich.
"Denn die Elemente hassen das Gebilde von Menschenhand," sagt mit Recht der Dichter.
Als gegen 6:00 Uhr abends das Frachtfuhrwerk der Bleiweißfabrik "Ernst Remy und Kompagnie" von.......


66
 

Fortsetzung;
..................Bendorf die Brücke passierte, welche den großen Bach überquerte, wich plötzlich, unmittelbar neben der Brücke, gegen Bendorf zu, unter dem hinteren Teile des Rollenwagens die Chaussee. Der Hintere- riss dem Vorderwagen und die stattlichen wertvollen Pferde mit in die Tiefe. Der Knecht und ein junger, ungefähr 15 jähriger Knabe, welche auf dem Wagen saßen, sprangen noch zur Seite auf die Böschung, wo sich der Fuhrmann über einen querliegenden, langsam nachstürzenden Baustamm auf die Chaussee retten konnte. Der Knabe aber wurde zwischen Gestein und Baumwurzeln eingeengt; seine Lage war besonders, durch die in der Nähe liegenden wild polternden mit dem Leben kämpfenden Pferde, sehr gefahrsvoll. Zwei beherzte Männer, ein Hüttenarbeiter Johann Reuter von hier, und ein Fährmann Hoffmann von St. Sebastian, ein ehemaliger Pionier, wagten sich an die Unglücksstelle heran und befreiten mittels Beil, Säge und Axt den Knaben aus seiner misslichen Lage. Auch die Eisenbahnbrücke, worüber die Westerwaldzüge fahren, stürzte nachts zwischen 1:00 und 2:00 Uhr, unter lautem Krachen ein. Die an den Bachlauf grenzenden Wiesen und Felder sind teilweise, einige zur Hälfte weggerissen, die übrig gebliebenen Stücke sind mit Steingerölle, Sand, Baumwurzeln, Baumstämmen, Balken, Brettern und Modellen aus dem Sayner Krupp'schen Modellschuppen bedeckt. Hier wimmelte es in diesen Tagen von fremden Leuten, die sich das grandiose Naturschauspiel ansahen. Mancher dachte wohl, wie kann ein Bach, der im Sommer beinahe immer trocken ist und.........


67
 

Fortsetzung:
......................und nur nach einem schweren Gewitter oder einem andauernden Landregen etwas Wasser hat, solches Unheil anrichten. Wenn man die wildbrausenden Fluten, die besonders unterhalb der Bachschnellen sehr tobten und hoch gingen, sah, so erinnerte man sich unwillkürlich der Worte Schillers:

"und es wallet und siedet und brauste tausendfach,
wie wenn Wasser mit Feuer sich menge,
bis zum Himmel spritze der dampfende Gischt,
und Wall' auf Wall' (Flut' auf Flut') sich ohn' Ende drängt,
und wie mit des fernen Donners Getose
Entstürzten sie brüllend dem finsteren Schoße"
(Anm.: aus "Der Taucher")

Die Lahn- und Wied-Brücke sind ebenfalls demoliert; nach Aussagen des Herrn Bahninspektors (Stationsvorsteher) sind wir nun auf einige Wochen vom direkten Eisenbahnverkehr mit Frankfurt und Köln abgeschlossen. Der Wasserstand war nur einen Tag, sehr hoch; von zweiten Tage, dem 5. Februar ging er schon etwas zurück


68
1909/10
Übersicht der Schülerzahl beim Beginn des Schuljahres 1909/10

Knabenklasse Ia = 64 katholische und 2 evangelische = 66 Knaben
Mädchenklasse Ib = 56 katholische und 2 evangelische = 58 Mädchen
Mittelklasse II = 38 katholische und 1 evangelischer Knabe dazu
........................ 23 katholische und 2 evangelische Mädchen = 64 Kinder
Unterklasse III = 16 katholische und 1 evangelischer Knabe dazu
.......................... 45 katholische und 1 evangelisches Mädchen = 63 Kinder
Summa = 242 katholische und 9 evangelische Kinder = Gesamt 251 Kinder


 
 1909
Veränderungen des Haupteingangs des alten Schulhauses.

Um der Vorschrift der Königlichen Regierung zu genügen, wurde in den Pfingstferien des Jahres 1909 die Haustüre an der Front des alten Schulhauses herausgenommen, der schmale Eingang auf 1,60 m erweitert und die oberhalb der drei neuen, von weißen Kunstgranit hergestellten drei Stufen aus Kunstgranit soweit vorgeschoben, daß die vom Schreinermeister Zänkert aus Sayn verfertigte zweiflügelige Türe nach außen geöffnet werden kann. Auch die Schulsaaltüren der Knabenklasse Ia und der Mädchenklasse Ib wurden außen angeschlagen. Hierdurch ist es den Kindern ermöglicht, das Klassenzimmer zurzeit der Gefahr ungefährdet und schnell verlassen zu können. Dicke, abgekantete Platten aus schönem Kunstgranit zieren die aus Ziegelsteinen erbauten Seitenmauern. Die Maurerarbeiten sind von dem Bauunternehmer Herrn Johann Klein aus Bendorf und nach dem von dem Kreisbauamt Koblenz entworfenen Plane ausgeführt worden. Der nun breite Eingang paßt ganz zu der langen Front des Hauses.

Nach Entlassungen von 12 Knaben und 14 Mädchen aus der Knabenklasse 1a und der Mädchenklasse 1b und nach Neuaufnahme von 23 Knaben und 16 Mädchen in die Unterklasse werden die vier Schulklassen hierselbst heute, vom ersten Unterrichtstage................


69
Übersicht der Kinderzahl beim Beginn des Schuljahres am 4. April 1910

Fortsetzung:
................des Schuljahres 1910/11 von 257 Kindern besucht.

Knabenklasse 1a = 62 katholische und 3 evangelische = 65 Knaben
Mädchenklasse Ib = 66 katholische und 3 evangelische = 69 Mädchen
Mittelklasse= 34 katholische Knaben und 1 evangelischer Knabe
dazu ...........25 katholische Mädchen zusammen = 60 Kinder
Unterklasse = 26 katholische Knaben und 1 evangelischer Knabe
dazu...............33 katholische Mädchen und 3 evangelische Mädchen = zusammen = 63 Kinder
Summa = 246 katholische und 11 evangelische = 257 Kinder.


 
1910
Pflasterung der Saynerstraße in November 1910

Die Saynerstraße war zur Regenzeit gegen die Concordiahütte hin, wo sie besonders viel von deren Fuhrwerke befahren wird, vor lauter Schmutz kaum zu begehen, deshalb wurde sie in den Monaten von Juli 1910 auch dort, von der Wirtschaft Mohr, jetzt Höger, und noch weiter bis zu der nach Sayn führenden Provinzialstraße gepflastert. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Saynerstraße auf obig bezeichneter Strecke 1 m erweitert. Das dazu benötigte Ackerland erwarb das Kreisbauamt für 15 M pro Quadratrute. Die Pflasterarbeiten wurden von dem Pflastermeister Rösch aus Pfaffendorf ausgeführt. Der kürzere Teil der Saynerstraße, nämlich von der Bendorfer Chaussee ("Nette Eck") bis zur Wirtschaft Mohr war auch Jahre vorher gepflastert worden.


 
1910
Wiederbesetzung der Lehrerstelle an der Schulklasse II durch Herrn Anton Jos. Hirsch

Nach zweiundeinhalbjähriger Tätigkeit schied vor einigen Tagen der Herr Kollege Josef Schüller, um am 1. November dieses Jahres seine neue Stelle in Frankfurt am Main antreten zu können. Mit der Vertretung der dadurch hier freigewordenen Stelle an der Klasse II wurde der endgültig angestellte Lehrer von Kleinmaischeid, Herr Anton Hirsch, geboren am 8. September 1878 in Vallendar, betraut. Der im Seminar zu Boppard von 1896 bis 99 auf seine Beruf vorgebildete neue Kollege wirkte, ehe er nach hier kam, außer in Kleinmaischeid zu Weisenfeld a.d. Sieg, Kreis Altenkirchen, zu Alteburg/Melsbach, Kreis Neuwied und zu St. Cathreinen bei Kreuznach. Seine Einführung hierselbst fand am 4. November 1910 durch unserem Ortsschulinspektor, Herrn Pfarrer Bayer, von Engers statt.


71
1911
Übersicht der Kinder Anzahl bei Beginn des Schuljahres 1911

Am 12. April 1911 waren aus der Klasse Ia = 12 Knaben und aus der Ib 13 Mädchen entlassen worden. Demnach ist in der Besuch hiesiger Schulklassen folgender:
Klasse Ia ) 62 katholische und 6 evangelische Knaben = 68 Knaben
Klasse Ib) 65 katholische und 2 evangelischen Mädchen = 67 Mädchen
Klasse II ) 40 katholische und 2 evangelische Knaben
dazu 21 katholische und 1 evangelisches Mädchen = 64 Kinder
Klasse III ) 21 katholische und 1 evangelischer Knabe
dazu 36 katholische und 2 evangelische Mädchen = zusammen 60 Kinder
Summa = 245 katholische und vierzehn evangelische = 259 Kinder


 
1911
Augenleiden des Hauptlehrers Karl Stillger 1910/1911

Augenleiden des Hauptlehrers Karl Stillger. Anfang Juli 1910 rötete sich mein linkes Auge. Schon nach drei Wochen hatte mich davon Herr Dr. Braun aus Bendorf geheilt. Links war die Heilung nur von kurzer Dauer. Ende der zweiten Woche im November entzündete sich wiederum dasselbe Auge und bald danach das rechte derart, dass ich fast nichts mehr damit sehen konnte. Ich musste deshalb die Hilfe eines Spezialarztes in Anspruch nehmen. Herr Doktor Alose von Neuwied stellte bei mir eine hochgradige recht bösartige Horn- und Lederhautentzündung der Augen fest. Ich verlebte darum Herbstferien, die sehr langweilig und traurig waren; von Tag zu Tag hoffte ich sehnlichst auf Besserung; doch vergebens; mein Augenleiden verschlimmerte sich noch, an ein Unterrichten war meinerseits einstweilen nicht mehr zu denken. Darum wurde ich für den Monat November und später auf Vorschlag des Arztes noch für Dezember 1910 und Januar 1911 von der hohen Königlichen Regierung beurlaubt. Im ersten Monate meiner Krankheit vertrat mich in meiner Klasse Herr Lehrer Hirsch von hier und in den beiden folgenden der eben vom Militär entlassene (vorläufig angestellte) Lehrer Herr Fandel aus Hausen a. d. unteren Saar. Gott sei Dank! Mein Augenleiden war Ende Januar beseitigt. Am 1. Februar konnte ich den Unterricht wieder aufnehmen.


72
1911
Nervenleiden der Fräulein Lehrerin Langenbahn 1911

Nervenleiden der Fräulein Lehrerin Langenbahn 1911 Auch in der Klasse I.b) fand der Unterricht eine unliebsame Störung. Fräulein Lehrerin Langenbahn erkrankte drei Wochen vor Pfingsten 1911 an Influenza und Nervenzerrüttung. Sie suchte im Juli im Marienhaus zu Koblenz, und später in ihrer Heimat zu Polch auf dem Maifeld, Genesung. Sie war eine geraume Zeit, (6 ) Monate vom Unterricht disspensiert. Am 1. Dezember 1911 ging sie wieder zur Schule. Sie war bis zu den Pfingstferien von Fräulein Lehrerin Schmaus von hier und von mir, nachher von der provisorisch angestellten Lehrerinn Fräulein Gertrud Scharbach vertreten worden. (Schulamtskanditatin aus Sayn)


73
1912
Übersicht der Kinderzahl beim Beginn des Schuljahres

Übersicht der Kinderzahl beim Beginn des Schuljahres 1912.
Klasse Ia = 72 katholische und 5 evangelische Knaben = 77 Knaben
Klasse Ib = 65 katholische und 2 evangelische Mädchen = 67 Mädchen
Klasse III.= 31 katholische und 2 evangelische Knaben =
dazu........... 22 katholische und 2 evangelische Mädchen = 57 Kinder
Klasse IV= 28 u. katholische und 1 evangelischer Knabe =
dazu........... 27 katholische und 2 evangelische Mädchen = 58 Kinder
Summa... = 245 katholische und 14 evangelische = 259 Kinder


 
1912
Schulchronik der Schulaufsicht vorgelegt

Von anderer Hand geschrieben.
15. November 1912.
gesehen von Herrn Regierungsrat Dr. Kreuter und dem Herrn Schulrat Hermanns.
gez. Unterschrift


 
 

(Anmerkung: Die nächsten 3 Eintagungen sind später nachgetragen worden und reichen bis in das Jahr 1910 zurück)


 
1910
Zeppelin über uns.

Wie die Zeitung schrieb, sollte (ein) Zeppelin, am 3. August 1910 ungefähr vormittags um 11 Uhr in Koblenz eintreffen, um von dort zu uns, und von hier dem Rheintale nach nach Köln zu fliegen. Eine große Menschenmenge, Groß und Klein, Alt und Jung hatte sich deshalb gegen ½ 12 Uhr am Rheinufer hierselbst angesammelt. Sogar von...........


 
 

Fortsetzung:
............entfernt liegenden Westerwalddörfern, wie von Stromberg, Nauort, Cahn, Isenburg und Maischeid waren Leute herbeigeeilt, um den Zeppelinballon, der von Zeppelin selbst zum ersten Male in unsere Gegend gesteuert werden sollte, zu sehen. Sehnsüchtig schauten wir in südwestlicher Richtung über St. Sebastian hinweg. Einige Damen und Herren benutzten fortwährend die Ferngläser, Knaben kletterten hoch bis in die Spitze der, auf der zwischen Mülhofen und Bendorf fast am Rhein liegenden, von der Königlichen Hütte angeschüttelten hohen Schlackenhalde, angepflanzten Akazienbäume, um zuerst Zeppelins Ankunfts melden zu können. Alles warten schien vergebens zu sein; das Mittagessen war längst kalt, als endlich gegen 2 Uhr nachmittags eine lange, graue dicke Hülle, der Zeppelin Ballon Nr.1, von von fern aus den Wolken sichtbar wurde. Ziemlich schnell steuerte ert über die Kaltenengerser Flur hinweg nach dem Rhein zu. "Zeppelin kommt, Zeppelin kommt! " erscholl es wie aus einen Munde. Rufen, Hütte-, Taschentücherschwenken wollte kein Ende nehmen. Inzwischen kam der Ballon immer näher und etwas tiefer; immer deutlicher hörte man das schwirren..............


74
 

Fortsetzung:
........... der Propeller, immer deutlicher sah man an der Seite der vorderen Gondel eine Fahne lustig wehen. Bald überflog er in Form einer Wellenlinie St.Sebastian. Nun steuerte der Zeppelin auf uns zu bis über den Rheinstrom und und siehe da, plötzlich, wie ein wildes, feuriges Streitroß bäumte sich der Ballon hoch auf, er stieg höher und weiter trugen ihn die Lüfte in majestätischer Fahrt (Einschub: unter dem Jubel vieler, vieler Zuschauer an Engers, Kaltenengers und Urmitz vorbei ) dem Rheinstrom nach, gegen Neuwied zu. Gegen 7 Uhr kehrte Zeppelin nach Koblenz auf die Kartause zurück. Wie die Zeitungen noch meldeten, war er durch ein schweres Gewitter an der "Erpeler Lay" zur Umkehr gezwungen worden.


75
1910
Volkszählung

1910 Volkszählung. Laut Mitteilung des Bürgermeisteramtes sind bei der am 1. Dezember 1910 vorgenommenen Volkszählung in Mülhofen in 224 Haushaltungen
1160 katholische Einwohner
79 evangelische Einwohner
Zusammen 1239 Einwohner gezählt worden.
Dieselben wohnen in 112 Wohngebäuden.


 
1911
Krankheit des Kollegen Hirsch 1911

In den zweiwöchigen Kornernteferien vom 23. Juli bis inklusive, 6. August 1911 besuchte Herr Lehrer Hirsch seine in Mannheim wohnende Schwester Maria. Gegen Ende der Ferien wurde er Magenleidend, infolgedessen mußten Fräulein Kollegin Schmaus und ich ihn sechs Wochen, bis Beginn der Herbstferien vertreten.


76
 

(Anm: Hier steht nachträglich eingefügt: "Keine Eintragungen seit 5 Jahren!".
Auch sind ab hier 5 Seiten aus dem Buch herausgerissen worden. Über den Urheber ist nichts bekannt. Eigenartigerweise sind die Eintragungen ab hier in chronologischer Weise weitergeführt.)


 
1912
Krankheit des Herrn Lehrer Hirsch und der Fräulein Lehrerin Langenbahn

Bei dem Herrn Kollegen Hirsch war der Magen wieder nicht in Ordnung. Das Bett brauchte er nicht zu hüten; er erholte sich durch Spaziergänge, die er von dem zwei Stunden von hier entfernt liegenden Westerwaldörtchen (Schwiegereltern) Kleinmaischeid aus unternahm. Fräulein Kollegin Schmaus und ich vertraten ihn zunächst vom 2. bis inklusive, 16. Juli 1912. Vom 17. desselben Monats war Fräulein Kollegin Langenbahn wieder wegen Nervosität beurlaubt. Sie wollte ein Bad besuchen, erholte sich jedoch hier. Vom letztgenannten Datum an wurde Herr Hirsch von Fräulein Schulamtskandidatin Margarete Bach, aus Salzig und mir, Fräulein Langenbahn von dieser und Fräulein Schmaus...............


 
 

Fortsetzung:
........... vertreten. Sie war nach viereinhalb Wochen wieder hergestellt und konnte deshalb den Unterricht nach den 14 tägigen Kornernteferien am 4. August 1912, wieder aufnehmen. Herr Hirsch nahm denselben erst nach den Herbstferien, am 14. Oktober, auf.


77
Übersicht der Schülerzahl beim Beginn des Schuljahres 1913/14

Nach Entlassung von 17 Knaben, 9 Mädchen und der Aufnahme von 38 kleinen Kindern beträgt die Schülerzahl bei Beginn des Schuljahres 1913/14
Klasse I a) 70 katholische und 2 evangelische Knaben = 72 Knaben
Klasse I b) 71 katholische und ein evangelisches Mädchen = 72 Mädchen
Klasse II.) 45 katholische und zwei evangelische Knaben
................ 30 katholische und fünf evangelische Mädchen = 82 Kinder
Klasse III.) 27 katholische und ein evangelisches Kind
..................19 katholische und ein evangelisches Mädchen = 48 Kinder
Summa.... 262 katholische und zwölf evangelische Kinder = 274 Kinder


 
1914
Krankheit des Herrn Lehrer Hirsch

Diesmal war Herr Lehrer Hisch, am 14. Februar 1914 an Lungenentzündung erkrankt, weil er, wie Herr Dekan Bayer, Ortsschulinspektor aus Engers mir mitteilte, eine Influenza nicht genügend beachtet hat. Er wurde deshalb wiederum von der Fräulein Lehrerin Schmaus und mir vom 17. Februar bis zum 23. März 1914 und von da an bis zum Beginn der Osterferien, vom 23. März bis zum 3. April 1914 von der Schulamtskandidatin.............. 


 
 

Fortsetzung;
............... Fräulein Elisabeth Bernardi aus Sayn, vertreten. Nach den Ferien, am 22. April 1914 nahm er den Unterricht in seiner Klasse wieder auf, in den sechs Vertretungsstunden in der Klasse I a) (zwei in Zeichnen, eine in Naturkunde, drei im Turnen) musste ich auf Befehl des Herrn Kreisschulinspektors des Schulrates Hermanns bis zum 1. Juli desselben Jahres noch Unterricht erteilen.


78
Festfeier des 25 jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II.

Nachzutragen aus dem Jahre 1913 ist der Bericht über die erhabene Feier des 25jährigen Regierungsjubiläums unseres Kaisers, Sr. Majestät Wilhelm II.
In einem feierlichen, vom Herrn Dechanten Bayer in der Pfarrkirche zu Engers gelesenen Hochamt mit Festpredigt dankten wir dem lieben Gott, daß er unseren Kaiser bis jetzt beschützt hat. Auch baten wir für ihn um den weiteren Segen Gottes. Ein Te Deum beendete die kirchliche Feier. Nach derselben um ½ 11 Uhr, führten wir Lehrepersonen die Kinder zur Schulfeier in die festlich geschmückten Schulsäle nach hier. Nachmittags marschierte ich um ½ 2 Uhr mit meiner Knabenklasse I.a) unter Vorantritt eines von zwei Fahnenjunkern..................


 
 

Fortsetzung:
..................begleitenden Fahnenträgers und seines Mitschülers, des Trommlers Theo Vest unter Gesang vaterländische Marschlieder vor das Denkmal Kaiser Wilhelm I. in Sayn, wo wir uns mit den Krieger- und Turnvereinen und den übrigen Schulkindern der Gemeinde Sayn-Mülhofen vereinigten. Nach Einweihung eines Gedenksteines marschierten wir im stattlichem Festzuge unter Begleitung der Musikchöre nach dem nahen Friedrichsberg. Die Feier dortselbst schildert die "Coblenzer Zeitung", die der Schüler Karl Bartsch am 18. Juni 1913 mir und seinen Mitschülern in der Schule zeigte, wie folgt:

"Friedrichs Berg bei Sayn, 16. Juni 1913, Auf dem stillen Berge ging es heute Nachmittag recht lebhaft zu. Viele Schüler, mehrere Krieger- und Turnvereine mit Musik fanden sich gegen 4 Uhr hier ein; es war eine über 1000 köpfige Menge. Kaum angekommen sang sie: "stimmt an mit hellem hohen Klang! ", sofort darauf lauschten wir einen mehrstimmigen Knabenchor von Mülhofen zu (Knabenklasse I. a). Recht schwungvoll sangen etwa 50 Knaben das Lied: " dem Kaiserhaus sei unser erstes Lied; ihm klingt usw.". Die Kinder wurden mit großen, süßen Brezeln und Limonade reichlich bewirtet...........


79
 

Fortsetzung:
............... Von den vielen Kindern, die Gedichte deklamierten, erfreuten uns besonders zwei kleine Lockenköpfchen. Größere Volksschüler und -schülerinnen mit Werkzeugen versehen prießen in einem Zwiegespräch den Ackerbau, die Wissenschaft, die Kunst und dem Handel. Sehr graziel führten etwa 30 weiß gekleidete, mit Schürzen und Flügelschen in den Nationalfarben versehene Mädchen unter Leitung einer Fräulein Lehrerin den Reigen: "Hoch weht die Flagge Schwarz-Weiß-Rot" auf. Die 14 bis 17 Jahre alten Schülerinnen gehörten der Sayner Privatschule an. Aus dem Hinterhalt eines nahen Walddickichts, marschierten etwa ebensoviele Schulknaben der Volksschule aus Mülhofen unter Trommelschlag und " ich bin ein Preuße " singend zur Aufführung eines Kriegsspieles hervor. Die Knaben hatten Uniformen an; es waren wirklich gut einexerzierte preußische Soldaten. Der greise, strenge Lehrer (ich) schien ein echt preußischer Schulmeister zu sein, der den Krieg 1870/71 gewonnen hat. Nach der Vorführung sang er mit seinen Schülern Lützows wilde verwegene Jagd: " was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein? ". Auf vielseitigen Verlangen wiederholte er die beiden ersten Strophen. Ein junger Lehrer (Herr Steffens-Sayn) hielt nun die Festrede. In kernigen Worten schilderte er unseren Kaiser als einen Herrscher dessen Herz warm für das Volk der Arbeitern schlägt; dessen Herz warm schlägt für den Frieden. Er schloss mit einem dreifachen "Hoch" auf den hohen…


80
 

Fortsetzung:
…............ Jubilar, in das alle Anwesenden begeistert einstimmten. Musikvorträge gaben dem Fest das nötige Gepräge. Gegen 5 Uhr richtete Herr Brauereibesitzer Max Hünermann aus Sayn, an die in Reih und Glied stehende Festversammlung das Schlusswort. Er forderte sie auf, unserem Kaiser stets, in guten und bösen Tagen, treu zu bleiben. Das Lied: " Deutschland, Deutschland über alles ", schloss die schöne Feier. Dem Festkomitee, vor allem den Herrn Lehrern und Fräulein Lehrerinnen, gebührt unser Dank, dass sie die Kinder in recht patriotischem Geiste erziehen.


81
1914
Krankheit der Lehrerin Fräulein Schmaus.

Laut Attest des Oberarztes Herrn Dr. Heigel aus Koblenz, war Fräulein Lehrerin Schmaus hochgradig nervös. Sie konnte deshalb die kleinen ABC-Schützen nicht am 22. April 1914 aufnehmen, sie musste von genannten Datum bis zum 12. Juli 1914 von der Schule fernbleiben. Während dieser Zeit wurde sie von der Schulamtskandidatin Fräulein Bertha Hahmann aus Altenkirchen, vertreten.


 
1914
Übersicht der Schülerzahl beim Beginn des Schuljahres 1914/15.

Übersicht der Schülerzahl beim Beginn des Schuljahres 1914/15.
Klasse 1 a) 66 katholische und 2 evangelische Knaben = 78 Knaben
Klasse 1 b) 72 katholische und 2 evangelische Mädchen = 74 Mädchen
Klasse II.) 75 katholische und 4 evangelische Kinder = 79 Kinder
Klasse III.) 48 katholische und 3 evangelische Kinder = 51 Kinder
Summe: 261 katholische und elf evangelische = 272 Kinder


 
Mobilisierung.
Erste Einquartierung 1914

Schon am 2. August 1914 dem ersten Mobilmachungstage, erhielten wir Einquartierung. Der Wachtmeister Tschirsky mit 10 Trainsoldaten, Stammmannschaften aus Ehrenbreitstein wurden in der Gastwirtschaft und Metzgerei Karl Schneider und in die Gastwirtschaft der Witwe Peter Böhm einquartiert. Sie hatten zwei Proviantwagen mit acht Pferden bei sich, mit denen sie in den nächsten fünf Tagen Kleider für Trainsoldaten, Pferdegeschirr wie Trensen und Kummet, Sättel-Zeugteile, Hufeisen, Reserveräder, Hafer, eine Feldschmiede, Brot etc. aus dem Trainmagazin in Ehrenbreitstein nach hier fuhren; auch 185 Bauernpferde führtem sie mit Hilfe vieler inzwischen eingetroffener Reservisten und Landwehrleute, meistens gediente ehemalige Kavalleriesten, aus Duisburg, Crefeld,.......................


82
 

Fortsetzung:
............Düsseldorf, Geldern etc. nach hier. Die Leute wurden in dem großen Schneiders Saal eingekleidet; sie waren mit Verpflegung hier einquartiert. Es waren ein Rittmeister, ein Oberleutnant, ein Wachtmeister, ein Vizewachtmeister, 18 Unteroffiziere und 125 Mann, welche der leichten 5. Proviant-Kolonne des 8. Armeekorps angehörten. Ein kriegerisches Leben was unseren Kindern, besonders unseren größeren Schuljungen sehr gefiel, war hier. Wie Schneider's Saal die Kleider- und Verpflegungkammer für die Mannschaften, so waren die Schulsäle der Klasse I.a und I.b die Pferde- Geschirrkammern. Auf den Schulhöfen beider Klassen wurden die Pferde angeschirrt; dem Herrn Rittmeister zur Besichtigung vorgeführt; auf den Schulhöfen loderten zwei Schmiedefeuer; auf den Schulhöfen standen die Proviantwagen; den ganzen Tag gingen die Soldaten hier ein und aus. Tag und Nacht standen die Türen nach den Höfen und Wohnungen nicht geschlossen, die Soldaten waren hier wie zuhause. Der Schulsaal 1.a diente auch als Sattlerhandwerks- und Schlafstätte. Morgens lagen mehrmals 20 bis 25 Mann darin, welche nachts mit der Bahn eingetroffen waren; von hier aus suchten sie ihre Quartiere auf. Die alte Schule war in eine Kaserne umgewandelt. Der Unterricht darin und in der anderen war am 3. (August) .................


83
 

Fortsetzung:
................ vormittags, in der ersten Stunde gegen 9:00 Uhr auf Anordnung des Herrn Lokalschulinspektors, des Dechanten Bayer, beendigt und die Kinder auf unbestimmte Zeit in die Ferien entlassen worden. Ich hatte ihnen die Weisung mitgegeben, mehr als in dem vorhergegangenen Jahren in der Ernte und bei der Bebauung des Feldes zu helfen. Probefahrten mit der feldmarschbereiten leichten Proviant Kolonne Nr. 5 -36 Wagen -, eröffnet dann das kriegerische Leben. Aus den Gasthäusern heraus hörte man die patriotischen Worte: "lieb Vaterland magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am Rhein! Und auch am Abend des 11. August hielt der Rittmeister der Kolonne, Herr Dahmen, die Abschiedsrede, in der er den Einwohnern Mülhofens im Namen der Kolonne für die freundliche Aufnahme und gute Bewirtung bestens dankte. Seine Soldaten forderte er zur treuenden Pflichterfüllung auf. In das Hoch auf unserem lieben..............


84
 

Fortsetzung:
............ Kaiser stimmten alle Anwesenden sehr begeistert ein. Stehend mit entlblößtem Haupte wurde die Nationalhymne: "Heil dir im Siegerkranz" gesungen. In derselben Nacht vom 11. auf den 12. August frühmorgens um 2:00 Uhr, rückte die Kolonne aus. Alle Einwohner von hier, groß und klein war auf den Beinen und nahmen Abschied - dieser war herzlich, großartig schön ! -


85
1914
die ersten Kämpfer von hier im Weltkrieg

Voll Freude und Kampfbegierde erfüllt, nahmen alle die ersten Kämpfer von hier ruhmreichem Anteil an dem Kriege. Die Linienmannschaften - alle ehemalige Schüler von mir - Karl Kassen im Pionierbataillon Nummer 30 in Ehrenbreitstein, Alois Hermann im Fuß-Artillerie Regiment Nummer 9, Peter Reith im Infanterieregiment Nummer 99 in Zabern, Kuppler Wilhelm im Infanterieregiment Nummer 161 in Köln, Josef Warmbach in Infanterie Regiment Nummer 28 in Koblenz, Hans Keppler im Pionier-Bataillon Nummer 33 und Anton Lahr im vierten Garderegiment zu Fuß in Berlin. Ihnen folgten binnen einigen Tagen die Reservisten Joseph Kroll im Reserve Infanterieregiment Nummer 30, Jakob Kohl im Reserve....................


 
 

Fortsetzung:
...............-Infanterieregiment Nummer 28, der Unteroffiziere Peter Düing im Reserve Infanterie Regiment Nummer 25, Karl Michels in demselben Regiment, der Sanitäts Unteroffizier Peter Müller, ebenfalls in demselben Regiment, Max Wambach im Reserveinfanterieregiment Nummer 28, Martin Distelkamp, Kalb Josef im Reserveinfanterieregiment Nummer 166 in..?., Ludwig Amberger im Reserve Infanterie Regiment Nummer 65. Zu den ersten Kämpfern, also zu den aktiv dienenden Soldaten, gehören noch der Musketier Anton Kahn im Infanterieregiment Nummer 174 und der Jäger Martin Distelkamp.


86
1914 der erste Verwundete von hier im Weltkriege

Der erste Verwundete von hier war der Reservist Jakob Kohl. Im Anschlag liegend wurde er in einem Gefecht bei....?.... in Belgien von der Kugel an der Maus der linken Hand gestreift und in die rechte Wange getroffen. Zwei Backenzähne waren ihm im...............

 
 

Fortsetzung:
.....................Unterkiefer weggerissen. Mit einem Notverband, der ihm nach der Verwundungen am 23. August sofort angelegt worden war, traf er am Vormittag des 26. desselben Monats im Elternhause ein. Zur weiteren ärztlichen Behandlung begab er sich sofort in das nahe Reservelazarett nach Engers.


87
1914 der erste Gefallene von hier im Weltkrieg gestorben.

Am 30. Juli 1914 wurde Peter Reith, der hier bei seiner Mutter im Urlaub weilte, telegrafisch nach seiner Garnison Pfalzburg im Elsass zurückgerufen. Dort angekommen am folgenden Tage, war sein Bataillon, er war bei der 12. Kompagnie, das erste und zweite Bataillon lagen in Zabern, schon auf dem Weg nach Luxemburg. Hier wurde die vierte Armee, geführt von der Königlichen Hoheit, dem deutschen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, zusammengezogen. Nach mehreren kleineren Gefechten auf französischen Boden kam es zum Kampfe von Longwy und am 22. August und zwei Tage später von Rhanc-Etappe. Hier erhielt am 24./25. August Reith den tödlichen Schuss in den Unterleib, dem er am 26. August 1914 im nahen Feldlazarett erlag. Wild von Hohenborn [Einschub: war Kriegsminister von September 1915 an) (Anm.:vom 20.01.1915 bis 29.10.1916)] sandte der Witwe Reiths des Kaisers herzlichste Teilnahme.


 
Deutsche vor Paris

Dem siegreichen, schnellem Vordringen der Kluck'schen, Bühlow'schen und Kronprinzlichen Armee bis 20 Kilometer vor Paris. Diesem folgte ein ebenso schneller Rückzug...........

 
 

Fortsetzung:
...................Die treulosen Italiener hatten ihre Truppen von der Grenze zurückgezogen, wodurch drei Armeekorps für die Franzosen frei wurden. Mithilfe derselben sollte unsere am weitesten vorgedrungene Kronprinzliche Armee abgeschnitten und gefangen genommen werden, was glücklicherweise von unserer Heeresleitung früh genug bemerkt wurde. Es erfolgte darauf der eilige Rückzug der 4. Armee durch die Champagne über die Marne von 12. bis 15. September. In den Nachhutkämpfen erlitt der in der Linie kämpfende Pionier Karl Kassen als zweiter Einwohner Mülhofens am 26. September 1914 den Heldentod.


88
 

Der Herr Landrat bat durch das Bürgermeisteramt um Sammlung alter und überzähliger Kleider zur Herstellung warmer Decken für unsere braven Soldaten im kalten Osten. Bald brachten große und kleine Schulkinder zwei alte, aber noch gute brauchbare Überzieher, neun Jacken, Hosen, Unterhosen, Biberhemden und vier ältere abgenutzte Wollene Decken und zwei alte Biberdecken nach hier in den Schulsaal............


 
Herstellung von wollenen Decken für unsere Soldaten im Osten

............... der Klasse 1a. Hier und zuhause fertigten Mülhofener Jungfrauen wie Margarete Göbel, Maria Scherer, Klara Krieger, Josefine und Maria Dillentheis, Maria Kalb, Gertrude und Franziska Pütz, Anna und Paula Trippen, Katharina Nett, Agnes Merl, Elisabeth Manges unter Leitung der Fräulein Lehrerin Schmaus vom Sonntag, dem 17. Januar 1915, an, binnen einer Woche aus den alten Kleidern und aus für 23 Mark bei Witwe Pütz gekauften Biberdecken - 22 gute, warme Decken, welche auf dem Bürgermeisteramt Bendorf allgemeine Bewunderung fanden. Eine ebenfalls mit einer neuen Decke abgefedertes war aus lauter Sammet- und Plüschlappen gemacht. In alle Decken waren Ansichtskarten mit Adresse der Anfertigerin eingenäht. Eigentümlich ist es, daß bis heute, keiner unserer Offiziere und Soldaten, geschrieben hat, daß er eine solche Decke empfangen hat. Aus der Wolle für 32 Mark strickten Schülerinnen Strümpfe (Socken), Knie-, Armwärmer und Pulswärmer. Fräulein Schmaus schickte diese direkt den Mülhofener Soldaten zu.

89
1915-
Einquartierung einer Sanitätskompanie.

Vom 6. Januar bis 30. Januar war die 57. Reserve-Sanitätskompanie hier einquartiert. Die Kompanie gehört zum 39. Reservekorps und zählte 156 Mann, zwölf Unteroffiziere, ein Feldwebel, ein Leutnant und der Hauptmann. Sehr belastend waren Übungen. Das Übungsmaterial fuhren sie in zwölf Wagen, darunter vier Sanitätswagen zur Aufnahme der Kranken, ein Rothekreuzwagen, die übrigen waren Gerätewagen mit Feldküche. Sie rückten am 1. Februar nach Paderborn ab.


90
Übersicht der Schüler bei Beginn des Schuljahres 1915

Übersicht der Schüler bei Beginn des Schuljahres

Klasse I a) 77 kath. und 2 evgl. Knaben = 79 Knaben
Klasse I b) 61 kath. und 2 evgl. = 63 Mädchen.
Klasse II ) 39 kath. und 1 evgl Knabe  
und 37 kath. und 1 evgl Mädchen = 78 Kinder
Klasse III. 32 kath. und 1 evgl. Knabe  
und 22 kath. und 1 evgl. Mädchen = 56 Kinder
Summen 268 kath. und 8 evgl. = 276 Kinder.
 
1915
Metallsammlung durch die Schulkinder

Gemäß des Erlasses des Herrn Ministers der geistlichen- und Unterrichts-Angelegenheiten vom 22.3.15 und gemäß der Verfügung Königlicher Regierung vom 3.4.15 II. c.487 hat die Knabenklasse I a) und die Mädchenklasse I b) unter meiner Leitung gesammelt und an das Bürgermeisteramt zu Bendorf am 1. Mai 1915 an Metall abgeliefert:.................


 

Fortsetzung:
19 Pfund; Staniol,
203; Pfund; Zinn, Wärmflaschen, etc. Zinndachkanal
58; Pfund; Kupfer
135; Pfund; Messing, Patronenhülsen (Groß und Klein)
177; Pfund; Gummi, Radschläuche, Brillen, Uhrschutz
118; Pfund; Blei, Wasserrohr, Bleisoldaten
Die Sammlung war, am 30. Mai 1915.
Drei Monate später haben die Knaben der Klasse I a) 526 Konservenbüchsen gesammelt, um das dringend notwendige Zink zu erhalten.


91
Übersicht der Schülerzahl bei Beginn des Schuljahres 1916.

Nach Entlassung von zwölf Knaben und 17 Mädchen, sowie nach Aufnahme von 34 ABC-Schützen zählen die 4 Schulklassen hierselbst:
Klasse 1a) 76 katholische und 1 evangelischer Knabe = 77 Knaben
Klasse 1b) 56 katholische und 2 evangelische Mädchen = 58 Mädchen
Klasse II.) 35 katholische und 2 evangelische = 37Knaben und.
................ 29 katholische und 2 evangelische = 31 Mädchen
Klasse III. 33 katholische und 1 evangelischer = 34 Knaben und
................ 20 katholische und 2 evangelische = 22 Mädchen
Summe = 249 katholische und zehn evangelische = 259 Kinder

 
1916
Dritte Einquartierung während des Krieges.

In der Nacht vom 19. auf den 20. November 1916 rückte die Munitionskolonne der 5.Batterie des Reserve-Fußartillerie-Regiments Nr. 9 zur Einquartierung hier ein und zwar ohne Verpflegung. Sie war direkt von der Somme her, aus den heißen Kämpfen, nach hier zur Erholung gefahren. Die Kolonne zählte außer den Offizieren einen Feldwebelleutnant................


 
 

Fortsetzung:
..............Konrad, ein Wachtmeister, zehn Unteroffiziere, und 52 Mann. Die sehr beschmutzten 22 Wagen waren vielfach reparaturbedürftig. Sie wurden vor hiesigem Schulgebäude in Reih und Glied aufgestellt und ausgebessert, wieder teilweise mit Hafer gefüllt und nach Probefahrten in geordneter Reihenfolge auf dem Mädchenschulhof aufgestellt. Schmied und Stellmacher hatten bei der Instandsetzung die meiste Arbeit. Bei Schneiders Metzgerei und Gastwirtschaft, bereitete die Kolonne die Mittagsessen zu; auch dort im alten Saal wurde der Kaffee für morgens und abends gekocht. Täglicherweise fuhren einige Mann in Urlaub, so daß in den drei Wochen der Erholung alle Artilleristen ihre Heimat wiedersahen. Erstere waren meist ältere Leute im Alter von 35 bis 45 Jahren. Sie fanden sich bald recht behaglich in ihren Quartieren hierselbst; aus denen sie ungern am 8. Dezember Abschied nehmen mußten. Die 104 Pferde der Kolonne waren auch hier in Ställen und Scheunen ohne Verpflegung untergebracht. Die Kolonne fuhr mit der Eisenbahn von hier nach Köln. Hier erhielt sie neue Geschütze.


92
1917
Vierte Einquartierung während des Krieges

Vormittags, am 15. Dezember 1917 bekamen wir in diesen fürchterlichen Weltkriege zum vierten Male große Einquartierung. Es war die aus 72 Mann bestehende Munitionskolonne der in Engers einquartierten 9. Batterie des 2.Garde-Fußartillerie- Regiments, das seine Garnision in Jüterbog hat. Zwei Offiziere der Kolonne waren auch hier einquartiert und zwar wie ihre Mannschaften, wegen der Lebensmittelknappheit der Zivilbevölkerung ohne Verpflegung. Durch die Feldküche, welche im Garten des Gastwirtschaft Theo Vest stand, erhielten die Soldaten morgens und abends Kaffee und mittags Mittagsessen. Die Abendmahlzeit bekamen sie von ihrem Quartierherren, wofür auch diesmal keine Vergütung gewährt wurde. Bei mir hatte ein Wachtmeister sein Quartier. Die in musterhafter Ordnung auf dem Mädchenchulhof aufgefahrenen 12 Munitions- und 2 Gepäckwagen, 2 Futterwagen und ein Schmiedewagen, sowie eine schöne, zweirädrige kleine Droschke, wurden repariert; die ältesten, sehr abgemagerten Pferde, wurden nach Ehrenbreitstein abgegeben und durch jüngere, kräftigere ersetzt. Die nicht beurlaubten Soldaten wurden öfters, besonders an den Weihnachtstagen, von ihren Angehörigen hier besucht, weshalb das Weihnachtsfest in hiesigen Familien, auch unter günstigeren Kriegsereignissen - siegreicher Vormarsch in Galizien und westlich Cambrai - wegen, als in den vorhergegangenen Kriegsjahren, gefeiert wurde. Nach gemeinschaftlicher -Kolonne und Batterie- Geburtstagsfeier unseres Kaisers, im Hotel zum "Rheinischen Hof" in Engers, wozu Quartierherren mit ihren Familien eingeladen waren und in großer Zahl teilgenommen haben, nahmen Offiziere, und Mannschaften in herzlichen Dankesworten für die liebevolle Aufnahme...............


93
 

Fortsetzung:
..........und die gute freiwillige Verpflegung, rührenden Abschied. Am folgenden Tage, Sonntag den 28.1.1918 wurde die Batterie und frühmorgens des 29. und die Munitionskolonne am Güterbahnhof Engers verladen und nach der Westfront befördert.


94
Sammlungen des Jahres 1917 durch die Schulkinder auf Veranlassung und unter Aufsicht der Lehrpersonen.

Zur 6. Kriegsanleihe zeichneten die Schulkinder bis zum 23. März 1917: 389 Mark auf Blöcke und 100 auf Wollzeichnung.
Zur 7. Kriegsanleihe gaben sie 355 Mark als Blockzeichnung wie bei der 2., 3., 4., 5., 6. bei der Kreissparkasse Koblenz-Land, durch mich ab. Durch meine Bemühungen wurden zur 7. Kriegsanleihe, nicht wie bei den vorhergehenden Anleihen viele tausend Mark, z.B. 5.600 Mark, 14.000 Mark, sondern nur 1.400 Mark bei der Kreissparkasse gezeichnet.
Im Jahre 1917 haben die Knaben der Klasse 1a); die fünf oberen Jahrgänge, gesammelt und an Frau Dr. Burkhardt in Sayn: 13 ½ kg saubere, trockene Zwetschgenkerne,
durch den Herrn Vorsitzenden des Helferdienstes Herrn Vohl, Förster in Bendorf; an die Nesselaufbereitungs-Gesellschaft Berlin, Geschäftsstelle Koblenz: 26 kg federleicht gedörrte, und entblätterte und 35 ½ kg angetrocknete, teilweise entblätterte Brennesseln.
An das Engerser Geschäft Tilmann aus Bendorf, ebenfalls durch den Vorsitzenden des Helferdienstes, 9 ½ kg gut getrocknete Weißdornbirnen und 192 kg Eicheln abgeliefert. Letztere haben die Kinder von hiesiger Klassen gesammelt.


 
Einwohner und Arbeitsverhältnisse Mülhofen um 1917/18

Die Einwohnerzahl Mülhofens beträgt nach der Personenstandsaufnahme vom 16. Oktober 1916. = 1281, nach der Volkszählung vom 1. Dezember desselben Jahres 1532. Am 1. Dezember 1917 zählten die Zähler sogar 1655 Einwohner hier.
Die Bevölkerungszunahme von beinahe 600 Personen seit dem Jahre 1912 kommt wohl daher, weil auf der Concordiahütte hierselbst während des Krieges eine Geschossfabrik mit Granatenherstellung errichtet worden ist, in der auch viele Arbeiter, wie reklamierte Soldaten, 14 bis 17 jährige Jungen, ältere, und gediehnte Männer und Handwerker, pensionierte Beamten und Arbeiterinnen, wie viele Frauen und Mädchen beschäftigt sind. Alle Arbeiter und Arbeiterinnen, außer den erwähnten Beamten, müssen auch nachts arbeiten, also Nachtschicht machen. Die Löhne sind hoch; gelernte, tüchtige Schlosser verdienen um 14 bis 15 Mark am Tage. Laut Kommandanturbefehl sind alle männlichen Personen, ob Beamte, ob Handwerker verpflichtet, im Kriegshilfsdienst tätig zu sein. Ebenso ist es mit den Personen weiblichen Geschlechts, sofern sie nicht im Haushalt oder im Geschäft unbedingt nötig sind. Fast alle auswärtigen Arbeiter und Arbeiterinnen gehen und fahren nach jeder Arbeitsschicht nach Hause. Wegen des großen Mangels an Arbeitskräften sind auf den beiden hiesigen Hüttenwerken auch über 300 Russen, Engländer, Franzosen und Belgier als Arbeiter eingesetzt.


95
1918
Übersicht der Schüler beim Beginn des Schuljahres 1918

Ostern 1918 wurden aus Klasse 1a) 17 Knaben, aus dem Klasse 1b) 8 Mädchen entlassen; in die Klasse III., Unterklasse, wurden nur 28 schulpflichtige Kinder neu aufgenommen. Der Schulbesuch hiesiger Volksschule ist während des Krieges zurückgegangen. Sie zählt jetzt 19 Kinder weniger als bei Beginn des Schuljahres 1914.


 
 

Fortsetzung:
Klasse 1a) 49 katholische und 1 evangl. = 50 Knaben
Klasse 1b) 51 katholische und 1 evangl. = 52 Mädchen
Klasse II.) 38 katholische und 3 evangl. Knaben
.................28 katholische und 2 evangl. Mädchen = 71 Kinder
Klasse III. 48 katholische und 2 evangelische Knaben
................ 30 katholische und 2 evangl. Mädchen = 82 Kinder
..Summe: 244 katholische und 11 evangelische = 255 Kinder


96
Chronik gesehen und abgezeichnet

Einschub Sichtvermerk:
19.12. 1918 Unterschriftkürzel (unleserlich)


 
Kriegs-Sammlungen der Schulkinder im letzten Kriegsjahr 1918

An Klein- oder Blockzeichnungen gaben die Schulkinder von hier zur 8. Kriegsanleihe 525 Mark. Die Zeichnungen dieser Anleihe mußten bis zum 18. April 1918, mittags 1 Uhr beendet, getätigt sein. Sie betrug 13,8 Milliarden Mark und war die zweithöchste aller Anleihen, die die deutsche Regierung bei seinem Volke machte.
Der letzte Zeichnungstag der neunten Kriegsanleihe war der 6. November 1918. Die Zeit war ungünstig für eine Kriegsanleihe zu sammeln. - Unsere Soldaten an der Westfront mußten einer erdrückenden Überzahl von Feinden fortwährend weichen, die Amerikaner hatten über eine Million Kampf- und 100.000 Arbeits- Truppen in Bordeaux, Brest und Marseile gelandet. Mit Eilzügen beförderten sie die Franzosen in den Schützengraben von..............., wo in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli dieses Jahres unser anhaltender Rückzug seinen Anfang nahm. - Wieder in Blockzeichnungen, wie bei der 8ten (Kriegsanleihe) keines unter fünf Mark, gaben die Kinder, (beeinflusst von ihren Eltern, die einstimmig sagten: " wir zeichnen diesmal nichts, unser Kriegsanleihe-Geld ist all verloren") die vier Klassen hierselbst nur 160 Mark, für die ihnen wiederum von der Kreissparkasse Anteilscheine gegeben wurden.
Durch Bemühungen der Fräulein Lehrerin Schmaus und Herrn Lehrer Hirsch und durch die meinige sind 8000 Mark gezeichnet worden.
Vier zweirädrige Karren erntefrischer Brennesseln sammelte ich mit meiner Klasse 1a), welche gut gedörrt noch 42 Kilogramm wogen. Herr Förster Vohl in Bendorf nahm sie für die Brennesselanbaugesellschaft in Berlin........


 
 

Fortsetzung:
........Berlin, Zweigstelle Koblenz in Empfang.
An 37 Tagen; in ungefähr 206 Stunden, Hin und Heim, nicht einbegegriffen, haben Schüler und Schülerinnen der drei Klassen 1a, 1b wie II in der Zeit vom 1. Mai bis 10. August dieses Jahres 561 Zentner, 40 Pfund frische Laubblätter gesammelt und mit kleinen Handwagen in die Trockenanstalt Hünermann mit kleinen Handwagen nach Sayn gefahren. Mit Säcken auf dem Rücken gebunden zogen Knaben und Mädchen unter Leitung ihres Lehrers und Lehrerinnen morgens, einhalb 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr, an drei Wochentagen mit Sang und Klang in den Wald, aus welchem sie in der Regel nachmittags, gegen 2:00 Uhr, Heim marschierten. Für den Zentner frisches Laub zusammeln, bekamen die Kinder vier Mark und für das fahren eines solchen 0,20 M. Eine Lehrpersonen bekam für ihre Mühewaldung 0,30 Mark pro Zentner, außerdem eine Mark pro Stunde für die Aufsicht über die Kinder zu führen.
11,6 Zentner altes Papier lieferten die Knaben und Mädchen obig genannter Klassen, die von Kinder drittes bis achten Schuljahres besucht werden, an die Sammelstelle für Kriegssammlungen in Bendorf am 19. und 20. September ab.


97
1918
Rückzug unserer Truppen im Westen

Zu den harten Waffenstillstandsbedingungen gehörte auch die Forderung, daß unsere Truppen bis zum 3. Dezember 1918, also in den dreiundhalb Wochen Frankreich und Belgien sofort räumen und sich in Deutschland von der ganzen linken Rheinseite und auf der Rechten bis zu 30 km hinter die Brückenköpfe zurückziehen mußten. Mittels Eisenbahn und Auto konnten nur wenig Truppen in die Garnisonen befördert werden, weil wir an unserem Feind sofort 5000 Lokomotiven mit vielen Wagen und 12.000 Autos abliefern mußten. In sehr anstrengenden Eilmärschen zogen sich daher unsere Braven und zwar vom...................


 
 

Fortsetzung:
................9. November 1918 an (fehlt: zurück ? ). Dem Feinde fielen, weil für die Unsrigen die Räumungs- und Rückzugszeit viel zu kurz war, viele Lebensmittel von uns in die Hände. Bereits am 22. November, nachts, trafen die ersten Truppen; es war ein Bataillon, 450 Mann der 20. Posen'schen Artillerie. Die Soldaten bezogen Privat- und Massenquartiere; die Fußböden aller Schul- und die zur Menage gehörenden Schlafsäle der Krupp'schen- und Concordia-Hütte waren mit Strohsäcken belegt. Den ersten Truppen folgten eine Fernsprech-Abteilung Nr. 3 unter Major Fermiani; ein sächsisches Artillerie-Bataillon Nr. 24, Garnison Leipzig; 180 Mann der Reserve Straßenbau Kompagnie Nr. 66 vom Glogau; 45 Mann, drei Offiziere mit 50 Pferde der Fuhrwerkes-Kolonne Nr. 264 von der 18 bayerischen Division und zuletzt ein Bataillon des Fußartillerie-Regiment Nr. 22 von (unleserlich ?). Letzteres Bataillon war vier Tage hier, es war mit Langrohr-Geschützen 3,60 m lang, Kaliber 10,14, ausgerüstet. Genannten Artilleriekolonnen folgte das Werkzeug der über 200 Mann starken Straßenbau-Kompagnie Nr. 264. Erstere war in der Concordiahütte, die Baukompagnie zu selbigen Zeit, von der Hütte nach dem Rhein zu, hier einquartiert. Auffällig war es, daß die Artillerie viel mehr Lebensmittel als die Infanterie hatte. Sämmtliche Soldaten der sechs Truppenteile waren während ihres kurzem Aufenthaltes hierselbst eifrig bemüht ihre schmutzigen und reparaturbedürftigen Militärsachen wieder in Stand zu setzen.


98
Übersicht der Kinderzahl beim Beginn des Schuljahres 1919

vor Ostern 1919 wurden aus der Knabenklasse 1a) 13 Schüler, aus der Mädchenklasse 1b) 13 Mädchen entlassen und in Klasse III 28 ABC-Schützen, Knaben und Mädchen, aufgenommen. Wiederum ist die Kinderzahl von vorigem Jahre bis jetzt zurückgegangen und zwar um acht
Unsere vier Klassen zählen:
Klasse 1a) ist 54 Knaben,
Klasse 1b) = 45 Mädchen,
Klasse ...II = 75 Kinder, Knaben und Mädchen,
Klasse ..III = 73 Kinder, Knaben und Mädchen ;
Summe: 247 Kinder

.
99
Unter amerikanischer Besatzung

kaum hatten sich die letzten unserer Truppen von hier entfernt, als auch schon am 9. Dezember 1918 amerikanische Soldaten einzogen. Sie nahmen kurze Rast hier. Nach drei Tagen wurden sie sie auf dem Westerwald weiterbefördert. Am 13. Dezember zogen drei Kompagnien des Indianer-Regiments der 2.Division, Ingenieure, hier Massen- und Privat-Quartiere. Die A.-Kompagnie war in den Engerser Krupp'schen Hüttenhäusern und in Mülhofen in der Bendorferstraße, die B-Kompanie auf der Krupp'schen Hütte sowie in Häusern der rheinauf nach Bendorf führenden Engerser- und in denen der Sayner Straße einquartiert, und die C-Kompagnie lag auf der Concordiahütte, in dem dazugehörigen nach Sayn zu gelegenen Häusern und in einigen der Saynerstraße. Es waren 660 Ingenieure hier, die übrigen Kompagnien des Ingenieurregiments................


 
 

Fortsetzung:
.............. waren in Engers einquartiert. Wir waren der Ortskommandantur in Engers unterstellt. Auch außerhalb des Dienstes trugen die amerikanischen Soldaten bis Januar des Jahres (1919) stets Gewehre und Munition bei sich. Patrouillen zu Pferd und zu Fuß gingen Tag und Nacht durch unsere Straßen. Jede deutsche Person vom 12. Lebensjahr an mußte einen Personal-Ausweis haben und der amerikanischen Behörde auf Verlangen vorzeigen. Wer von hier in das unbesetzte oder ein unter Besatzung stehendes Gebiet reisen wollte, mußte besondere Erlaubnis dazu haben. Gastwirtschaften durften nur von 11:00 bis 2:00 Uhr und von 5:00 bis 9:00 Uhr abends, geöffnet sein. In dieser Zeit durften sie nur Bier und leichte Weine an die Gäste verkaufen; starke alkoholische Getränke, wie Brandwein und Cognac durften nicht verabreicht werden.
Im März 1919 durften die amerikanischen Soldaten, welche 1918, im Frühjahr, freiwillig zum Kampfe gegen Deutschland ins Heer eingetreten waren, in ihre Heimat zurückkehren. Sie wurden durch unfreiwillig eingetretene Soldaten ersetzt. Am 19. Juli 1919 wurde obige Division, die den rechten Rheinufer entlang, von Horchheimn bis Hönningen, lag in die Heimat zurückbefördert. Teile der ersten Division rückten vom Westerwald, von Montabaur, Ransbach usw. hierher an ihre Stelle. Ein Drittel derselben ließ man auf dem Wald zurück. Diese Einquartierung blieb kaum eineinhalben Monat hier.
Von April an, waren die, unterhalb von Anton Lahr, an die Schlackenhalde der Concordiahütte anschließenden, dem großen Bache entlang und durch den hohen Eisenbahndamm von der belebten Chaussee abgetrennt, stillgelegenen Wiesen gänzlich für die amerikanischen Truppen (fehlt: beschlagnahmt ? )..........


100
 

Fortsetzung:
.............. Kampf- und Wettspiele im Laufen, Springen, Boxen, Schlag- und Fußball wurden hier abgehalten; täglich übten sich die Soldaten aus nahe und fern dort. Durch Benutzung dieser Wiesen als Sportplatz und durch Beweidung aller, zwischen Mülhofen und Bendorf, zu beiden Seiten der Chaussee gelegenen Wiesen durch Pferde und Maultiere führte die amerikanische Besatzung der Landwirtschaft hierselbst einen gewaltig großen Schaden zu. Die schwersten Folgen waren, daß die hiesigen Bauersleute viel Vieh abschaffen mußten und die Bevölkerung bis heute ohne Milchversorgung blieb, was besonders für die Ernährung der kleinen Kinder sehr nachteilig war. Die strengen amerikanischen Vorschriften mußten auch stets aufs Genaueste beachtet werden. Schon mancher Wirt hat durch Bestrafung derselben bis zu 3000 Mark Strafe zahlen müssen, auch mancher Wirt durfte darum einen ganzen Monat und noch länger nicht mehr öffnen. Auch Privatpersonen haben wegen Verabreichung von Cognac und Branntwein solch hohe Geldstrafen zu zahlen gehabt. Die Personalausweise mußten jedes halbe Jahr erneuert werden. Will jemand in ein anderes besetztes Gebiet oder in unbesetzte, so muß auf der Rückseite des Ausweises die Fotografie geklebt sein, darunter eine vom Ortsvorsteher oder vom Bürgermeister die Bescheinigung stehen, daß die Fotografie das Bild dessen ist, auf den der Personalausweis lautet. Letztere Bestimmungen ist jetzt aufgehoben.


101
Abschied der Fräulein Lehrerin Langenbahn. Gehört zu 1915

handschriftlicher Vermerk vergessen! ( der Rest ist unleserlich)

Am 1. November 1915 schied Fräulein Lehrerin Christine Langenbahn, 58 Jahre alt nach 40 jähriger Tätigkeit aus dem Schuldienste. Sie hat 37 Jahre hier segensreich gewirkt. Vom 3. November 1878 bis zum 5. Dezember 1890 unterrichtete sie alle acht Jahrgänge Mädchen. Durch Einrichtung einer Unterklasse 1889/90 (1+2.. Schuljahr) befand befanden sich in ihrer Klasse bis zum 1. Mai 1908 die sechs, und bis zu ...............


 
 

Fortsetzung:
...........ihrem Abschied die fünf oberen Jahrgänge Mädchen. Seit 1890 wurden auch die Kinder von der Concordiahütte, die bis dahin die Schule in Sayn besuchten hier unterrichtet. An die Stelle der Fräulein Langenbahn rückte Fräulein Lehrerin Katharina Schmaus von der Unterklasse. Zur Leitung dieser Klasse versetzte die Königliche Regierung die Fräulein Lehrerin Franziska Flöck von Niederwerth nach hier. Sie ist drei Jahre im Dienst und wirkte vorher in Oberfell an der Mosel.


102
Störungen des Unterrichtsbetriebs
Einziehung des Herren Lehrers Hirsch in den Militärstand.

In den letzten Jahren hat der Unterricht hier manche Störung erlitten, zunächst durch die Einberufung des Leiters der Klasse II (2., 3.Jahrg.) des Herren Lehrers Hirsch zum Militär während des Krieges im September 1914. Nach noch nicht einem halben Monat beschäftigte ihn die Behörde auf seinen Wunsch hin nicht mehr in Koblenz, sondern auf dem Proviant-Depot des vierten Armee-Korps im Büro auf dem nahen Rheinwerft in Bendorf. Am 16. Mai 1916, nach 20 Monaten, nahm er den Unterricht wieder auf. Während dieser Zeit vertraten ihn Fräulein Lehrerin Schmaus und ich. Weil von Ostern 1915 an auch Fräulein Lehrerin Langenbahn an der Vertretung teilnahm verminderte sich die Zahl der wöchentlichen Unterrichtstunden der Fräulein Schmaus und für mich von 32 auf 30. Statt ihrer half uns beiden vom November des selben Jahres an, Fräulein Katharina Flöck. Jeder von uns dreien erteilte die Woche 28 Stunden. Nicht lange währte der reduzierte Unterrichtsbetrieb. Das Jahr 1918 war für letzteres sehr verhängnisvoll. Herr Lehrer Hirsch und ich mußten vom 10. Mai an bis zum 5. Juli täglich nach Sayn, um im fürstlichen Schlosse gemeinschaftlich mit dem..........


 
weitere Störungen des Unterrichtsbetriebs durch Arbeiten in der Ernte- und Anbauflächenerhebung und der Laubsammlung.

Fortsetzung:
........ Sayner Kollegen Herrn Löscher, dem Gemeindevorsteher Merl und dem Polizeiwachtmeister Wieland die vielen schriftlichen, dringenden Arbeiten der Anbau- und Ernteflächen-Erhebungen zu tätigen. In den ersten zwei Wochen fiel der Unterricht in Klasse 1a und 1b von vormittags 10:00 Uhr an aus, nachher auch mittags. Sogar in den Ferien mußten wir von morgens von 9:00 Uhr an in Sayn, bis abends 8:00 Uhr schreiben. Ohne Hilfe der zwei Fräulein Kolleginnen Grünewald und Klostermann von Sayn, in der letzten Woche, wären wir mit den Erhebungen zur festgesetzten Zeit nicht fertig geworden.
Der Unterricht wurde auch sehr durch die Laubsammlung, das zur Herstellung von Pferdekuchen, - Ersatzfutter für Hafer - diente, vom 27.5.18 bis 10.8. = Beginn der Sommerferien, gestört. An Nachmittagen fiel der Unterricht, weil sich die Sammlung bis nach 1:00 Uhr ausdehnte, aus. Es war uns aufgetragen; wenigstens an zwei Vor- und Nachmittagen der Woche Laub zu sammeln. Siehe darüber Seite 97.


103
 

Auf Anordnung des Herrn Kreisschulinspektors Dr. Hilderscheid vom 25.3.1918 unterrichtete Fräulein Lehrerin Flöck mit Beginn des Schuljahres 1918/19 vom 10. April an in der Klasse III) das erste und zweite Schuljahr. Herr Lehrer Hirsch in Klasse II) nicht mehr die Kinder des zweiten und dritten, sondern die des dritten und vierten Schuljahres. Klasse Ia ) wird von nun an von den vier oberen Jahrgängen Knaben und Klasse Ib ) von denselben Jahrgängen Mädchen besucht.

 
1918
Krankheit der Fräulein Lehrerin Flöck.

In den Monaten Mai Juni Juli 1918 mußte Fräulein Lehrerin Flöck (unleserlich) den Unterricht wegen Unwohlsein ausgesetzten. Am 17.7.18 schrieb mir der Herr Ortsschulinspektor, daß ich wegen Beurlaubung der kranken Fräulein Flöck für Vertretung sorgen möge. Fräulein Lehrerin Schmaus und Herr Lehrer Hirsch übernahmen dieselbe, ich mußte in meiner Klasse zwei Stunden mehr wöchentlich unterrichteten. Ende Juli wurde der Urlaub verlängert, am 14. August konnte sie den Unterricht wieder aufnehmen. Kaum waren die dreiwöchigen Sommerferien vom 19. August bis 8. September vorbei, bekam sie einen Nervenschock am 10. 9., der sie mehrere Wochen ans Bett fesselte. Nach 12 Wochen kam sie in den ersten Dezembertagen wieder zur Schule.


 
1918
Benachteiligung des Unterrichtbetriebes durch die Krankheit, die spanischen Grippe.

Am 2. Oktober waren unsere Kartoffelernteferien beendigt, die ebenfalls drei Wochen dauerte. Fräulein Lehrerin Schmaus und Herr Lehrer Hirsch, waren auch an der spanischen Grippe erkrankt. Bald die Hälfte der Kinder lagen in dieser Krankheit danieder; von 52 Knaben meiner Klasse besuchten noch 29 den Unterricht. Ich mußte in den drei übrigen Klassen die Vertretung übernehmen; doch nur für einige Tage. Wegen des schnellen umsichgreifen der Grippe schloss schon der Herr Ortsschulinspektor am 28. desselben Monats die Schule. Am 18. und 19. November vertrat Fräulein Lehrerin Schmaus den noch kranken Herrn Lehrer Hirsch, und ich die noch nicht genesene Fräulein Flöck.
Am 20. November mußte die Schule abermals geschlossen werden. Diesmal auf Verordnung unseres Herrn Bürgermeisters, weil unsere Schulsäle zur Aufnahme zurückgehender Truppen mit gefüllten Strohsäcken belegt wurden. Nach vorgeschriebener Reinigung, nach Vorschrift des Herren Sanitätsrates Dr. Braun aus Bendorf, konnten wir am 16. Dezember 1918 den Unterricht darin wieder aufnehmen.


104
1918/19
Nervenleiden des Herrenlehrers Hirsch.

Einige Tage vorher, am 12., teilte mir der Ortsschulinspektor, Herr Dechant Bayer, mit, daß Herr Lehrer Hirsch Nervenleidend sei, ich mußte für Vertretung sorgen. Fräulein Lehrerinnen Schmaus und Flöck übernahmen dieselbe sogleich vom 16. in den Deutsch-Stunden und ich unterrichtete für ihn in seiner Klasse 4 Stunden im Rechnen + 1 Stunde im Singen, dieselbe noch in Klasse III, wöchentlich. Am 13. März 1919 benachrichtigte er mich schriftlich, daß er vom Montag, den 17.3.19 an, den Unterricht teilweise wieder aufnehmen und den Herrn Kreisschulinspektor gebeten habe, von jetzt bis Ostern vorläufig nur 18-20 Unterrichtsstunden halten zu dürfen; er gab 20. Letzteres geschah auch.


 
Krankheit des Hauptlehrers Stillger

Schon zwei Wochen während der ganzen Krankheit meiner Frau, die am 26.1.1919 gestorben ist, waren mir beide Füße stark geschwollen; später ungefähr Ende Februar und im März wurde ich öfters Nachmittags während des Unterrichtes, von einem Unwohlsein befallen. Kopfschmerzen deuteten mir dasselbe an. Am 28. März, in der ersten Unterrichtsstunde am Nachmittage, wurde es mir während der Unterrichtsstunde wieder schlecht ums Herz; es kam mir vor, als habe ich keine Kraft mehr. Ich legte mich zu Bett, worin ich bald zwei Wochen liegen bleiben mußte. Der sofort hinzugezogene Arzt, ..............


 
Herzleiden des Hauptlehrers Stillger und Operationen desselben zur Behebung eines Wasserbruches.

Fortsetzung:
............Herr Dr. Renzel aus Bendorf stellte Herzmuskelschwäche bei mir fest. Wenn ich einige halbe Tage das Bett verlassen durfte, mußte ich wieder ebenso viele und mehr volle Tage darin zubringen; so verbrachte ich sechs Wochen lang. Da erklärte mir der Arzt daß er mir nur eine Heilung versprechen könne, wenn ich sofort eine gesundere Gegend, wie Schwarzwald, Taunus oder Eifel aufsuchen würde. Vom anderen Tag an schon, war mein Aufenthalt in meiner früheren Heimat, in der Eifel zu Kahlberg wieder. Die zweiten 14 Tage durfte ich sogar in meinen früheren zehnjährigen Wirkungsorte Jammelshofen, am Fuße der "Hohen Acht", verleben.
Am 5. August, dem zweiten Tage, daß ich keine Medizin mehr einnehmen mußte, versprach ich der Regierung, den Unterricht nach den Sommerferien, am 2. September, wieder aufzunehmen. Statt dessen mußte ich tagszuvor, ins Krankenhaus zu den barmherzigen Schwestern nach Bendorf wandern, wo mich Herr Dr. Renzel am genannten 2.9.19 durch eine Operation von einem bösartigen Wasserbruch befreite, den ich zwei Jahre nachgetragen hatte. Wenn auch noch nicht ganz geheilt, so wurde ich doch nach vier Wochen aus dem Krankenhaus nach Hause entlassen, wo ich nach den 15 tägigen Kartoffelernteferien am 9. Oktober wieder in die Schule ging. Den Arzt mußte ich noch drei Wochen, bis Ende Oktober, besuchen. Meine Klasse war während meiner Krankheit von Herrn Lehrer Hirsch geführt worden. Er hatte seit Ostern meiner Klasse Vollunterricht erteilt; in der seinigen die Schulamtskandidatin Fräulein Maria Breitbach aus Koblenz.


105
1919 (Dezember)
Hochwasser

Als ich am Weihnachtsmorgen 1919 nach der heiligen Christmette und den zwei darauf folgenden stillen Messen zu meiner Schwester Katharina in die Stephenstraße in Engers ging, war auf der Straße sehr mildes Wetter, kein Weihnachtswetter. Überall trat ich im schmelzendem Schnee in Wasserlachen. Statt groß auf den schönen Weihnachtsbaum, schaute ich nach dem Thermometer; dies zeigte kurz nach 7 Uhr zwischen 4° bis 5° Wärme; diese nahm gegen Mittag bedeutend zu. Der in den letzten Tagen vor Weihnachten gefallene Schnee mußte viel schneller schmelzen als er gefallen war. Das Tauwetter hielt an. Der tief stehende, ruhig dahinfließende Rhein stieg schon in der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember darauf plötzlich und schnell, daß er wild rauschend und schäumend hoch über seine Ufer ging und viele Häuser unter Wasser stellte und auf großem Strecken Landes manchen Hektar Wintergetreide fortspülte. Das Wasser des Rheines stieg in der beginnenden Nacht derart schnell, dass es von oben durch die Kellerlöcher und Kellertüren in die Keller und den tiefer gelegenen Räumlichkeiten floß. Die Keller, der in der Höhe des Rheines stehenden Häuser, füllten sich also diesmal nicht von unten herauf durch das Grundwasser, sondern in umgekehrter Weise. Nur wenige Keller waren vor dem Eindringen des Wassers geräumt; viele dort aufbewahrte Wintervorräte verdarben. Weil das Hochwasser so sehr schnell kam, trieben den Amerikanern auf dem Proviant-Depot zu Bendorf am Rheinufer hunderte Fässer Benzol und mit Lebensmitteln gefüllte Kisten fort. Dringend, sehr dringend.........


 
 

Fortsetzung:
........ … erbaten sie hier, in Bendorf und Engers, durch die Ortsschelle, gegen tägliche Vergütung von 50 Mark und einige im Wasser stehende, aber noch brauchbare guten Lebensmittel, um Arbeiter über 18 Jahre, um Hilfe, um sofortige Hilfe.
Binnen vier Tagen stand das Wasser so hoch, daß es in der Rheinstraße gegen die Haustürtreppe des Bäckers Bernhard Unkelbach spülte. Über eine leichte Brücke konnte man ins Consum und in Böhmers gelangen. In den ersten Tagen des Jahres 1920 fiel er ( der Rhein) in sein Bett zurück, aber nicht zur normalen Höhe; er blieb stark.
Vom 5. Januar (1920) an regnete es fast fortwährend. Besonders am Oberrhein. Auf dem Hunsrück gingen sogar einige wolkenbruchartige Regengüsse nieder, weshalb von den Nebenflüssen, besonders Mosel und Nahe, dem Rheine gewaltige Wassermassen zuführten (zugeführt wurde). Infolgedessen stieg er bald wieder, langsam aber stetig. Am 15.1. 20 erreichte sein Wasser den höchsten Stand, 7 cm höher als am 28.11.1882.
Bequem fuhr man mit dem Kahn durch die Rhein- und Saynerstraße hinauf bis an das Wohnhaus des Herrn Karl Rausch, das unmittelbar vor dem Eisenbahntunnel steht. Das Wasser stand ungefähr 20 m weiter, es spülte gegen das Haus des Herrn Heinrich Prößer. In der folgenden Nacht nach 2:00 Uhr schon sank das Wasser bis 10:00 Uhr um 72 cm. Groß, sehr groß war die Freude der vom Hochwasser heimgesuchten, besonders der zum zweiten Male heimgesuchten, Einwohner.


 
Kinderzahl bei Beginn des Schuljahres 1920/21.

Nach Entlassung von 14 Knaben aus der Klasse Ia) und 15 Mädchen aus der Klasse Ib) und einer Aufnahme von 34 Kleinen in Klasse III)
beträgt die Kinderzahl in:
Klasse Ia) = 65 Knaben,
Klasse Ib) = 48 Mädchen,
Klasse II.) = 67 Knaben und Mädchen,
Klasse III.) =83 Knaben und Mädchen,
Summe 263 Kinder
Der Schulbesuch ist 16. Kinder stärker als bei Beginn des vorigen Schuljahres. Diese Zunahme kommt daher, weil Beamten und Arbeiter aus Lothringen, besonders aus Rombach in Lothringen, auf die Concordiahütte gezogen sind.


107
Speisung unterernährter Kinder durch die Amerikaner 1920

Mit dem 1.8. d.Jahr. wurden aus den 4 Volksschulklassen hierselbst 90 - und in der Höheren Privatschule in Sayn 5 Mülhofener Kinder in der amerikanischen Küche gespeist. Sie erhalten nachmittags um 3 Uhr mehrere Kochlöffel voll Mehl-, Reis-, Erbsen-, Bohnen- Suppe und Kakao; dazu gibt's ein Brötchen. Dieses muß die Gemeinde backen lassen. Sie muss auch die Gewürze, Feuerung und die Köchin zahlen. Sechs Ehrendamen sind abwechselnd der Köchin, der Frau Wieger von hier, beim Verteilen der Speisen an die Kinder behilflich. Eine Lehrpersonen führt die Kinder in geordneten Reihen zur Speisung, bei der der Herr Lehrer Hirsch von jedem Kind 1,50 Mark für sechs Tage in Empfang nimmt. Sonn- und Feiertags werden die Unterernährten nicht gespeist. Vom 25. Oktober an findet die Speisung nunmehr für 40 Kinder - und zwar um 4 Uhr statt, damit der Unterricht keine Störung mehr erleidet.


 
1920
neue Lehrerstelle errichtet:
Lehrer Franz

Mit, dem 1. Oktober 1920 ist hier eine neue Lehrerstelle errichtet und mit dem einstweiligen angestellten Herrn Lehrer Anton Franz aus Niederheimbach, Kreis St. Goar, wo er auch am 22.2.1890 geboren ist, besetzt worden. Seine Ausbildung auf den Lehrerberuf hat er im Seminar zu Boppard genossen. Nach dort bestandener Abgangsprüfung im...............


 
 

Fortsetzung:
...... Im Frühjahr 1910 hat er als Vertreter in Dörth, in dem nahe dabei liegenden Norath und in Obergondershausen gewirkt. Als Unteroffizier, aktive Dienstzeit 1911/12, musste er bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 sofort in sein Regiment eintreten. Er kämpfte in Russland. Hier wurde er bald zum Feldwebel, dann zum Leutnant (Kompanieführer) und zum Adjutanten befördert. Bei einem von ihm selbst geleiteten Sturmangriffe wurde er 1916 durch einen Lungenschuß schwer verwundet. Im Februar 1917 wurde er nach Hause entlassen. Nach kurzer Erholungszeit durfte er in der würzigen, gesunden Luft der Hocheifel, in Kalberg und Daun, sein Amt als Vertreter wieder versehen respt. ausüben. 1919 wurde er in dann in Dallenhofen bei Obermoschel einstweilig eingestellt, von dort aus wurde er nach hier als einstweiliger Lehrer ernannt, wo er am 1. Oktober d.Jahr., nach den Kartoffelernteferien, den Unterricht aufnahm.

108
Übersicht der Kinder bei Beginn des Schuljahres 1921/22

Nach Entlassung von 22 Knaben und 14 Mädchen und Aufnahme von 25 ABC-Schützen in Klasse IV) zählen:
Klasse .Ia) = 50 Knaben,
Klasse 1b) = 49 Mädchen
Klasse .II) = 50 Knaben und Mädchen,
Klasse III) = 51 Knaben und Mädchen,
Klasse IV) = 66 Knaben und Mädchen.
...Summe = 266 Kinder.
Von diesen sind 252 Kinder katholisch und 14 evangelisch


 
1921
Gedächtnisfeier

Vor einigen Tagen, am Feste Allerheiligen, nachmittags 4 Uhr begingen wir auf dem Friedhof hierselbst, an dem mit den Reichsadler versehenen Denkmal, in tiefer Trauer die Gedächtnisfeier der lieben Helden, welche im Weltkriege vom 2.8.1914 bis zum 9.11.1918 ihrer Leben für ihr..........


 
Gedächtnisfeier der vom 2.8.1914 bis zum 9.11.1918 auf dem Schlachtfelde Gefallenen, Verwundeten und Vermissten Helden. Eingetragen 6.11.1921

Fortsetzung:
............ liebes Vaterland hingegeben haben.
Nach dem Grablied : "auferstehen weiß ich!", sprach unser Kaplan Herr Weber, wohltuende Worte über das Thema: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und an dem jüngsten Tage werde ich aus dem Staube auferstehen, ich werde wieder mit meiner Haut umgeben und in meinem Fleische meinem Gott schauen. Diese Hoffnung ruht in ihm meiner Brust." Gebeugten Hauptes beteten die vielen Anwesenden das "Vater unser" für die Seelen unserer Lieben; die Gefallenen und Vermissten. Ein zweites Grablied: "Ruhe sanft, auf Wiedersehen!" schloss die Gedenkfeier.


109
Einweihungsfeier des Denkmals zum Andenken an die im Weltkriege Gefallenen und Verstorbenen und Vermißten Helden Eingetragen 20.12.1921

Das vorerwähnte Denkmal ist am 10. Oktober vorigen Jahres, dem Tage, als unser neuer Herr Pfarrer Krause in sein Amt eingeführt wurde, eingeweiht worden. Der Bildhauer Wilhelm Schneider von hier hat es aus weißen Granit geschmackvoll angefertigt. Sämtliche Mülhofener Vereine; fünf an der Zahl, so wie der Kriegerverein und die Kriegsteilnehmer von Sayn marschierten langsam von der Blaufärberei Leo Baptiste unter voranschreiten einer Trauermärsche spielenden Musikkapelle nach dem Friedhof. Hier sang unter dem Gesangvereinsleiter (Musiklehrer Heinzen) der Gesangsverein das ergreifend wirkende, erschütternde Lied: "Die Himmel rühmen des Mächtigen Ehre!"; Ein Chor von Beethoven; die Musik begleitete ihn dabei. Nun gedachte, für den in Urlaub weilenden Herren Bürgermeister Lerner, der Bürgermeister-Beigeordnete Herr Max Hünermann der lieben, gefallenen Toden. Namens der Einwohner hiesigen Ortes sprach Herr August Fasel von hier einige Worte. Im Anschluß an den gesungenen Chor beleuchtete Herr Kaplan Ferres eindrucksvoll die Worte: "Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben. Von nun an, spricht der Geist, sollen sie von ihren Mühsalen ausruhen; denn ihre Werke folgen ihnen nach.!" Seitens der Kriegsteilnehmer Sayn-Mülhofen schilderte der Ordonanz-Offizier Herr Jakob Holly von Sayn die Unwägbarkeiten und Mannigfaltigkeit des in heißer Schlacht grausam um sich mähenden Todes. Kaum hatte er begonnen, über die letzten Augenblicke, Minuten eines schwerverwundeten auf dem Schlachtfelde sterbenden Kameraden zu erzählen, war er so gerührt, daß er vor Schluchzen und Weinen nicht mehr weiterreden konnte. Es folgte ein Grablied, die Musik spielte zum Schluß die Melodie des Liedes: "Wie sie so sanft ruhen alle die Seligen!" Lautlose Stille herrschte! Wehmütig, das Haupt bis auf die Brust gesenkt, wie am Boden festgenagelt, standen groß und klein vor dem Denkmal; kein Auge blieb tränenleer.

Der beim 4. Garde-Grenadier-Regiment gediente Anton Lahr ist auf dem Denkmal als gefallenen angegeben. Es entspricht diese Angabe nicht der Wahrheit. Er gehört zu den Vermißten; mit dem Schneidermeister Wilhelm Lahr, Onkel des oben angeführten Anton Lahr ............................(der Rest des Satzes ist unleserlich ganz unten am Rand der Seite geschrieben)


 
Namensliste auf dem Denkmal

es folgt die Liste der Gefallenen und Vermissten

Unter der Liste steht: von den genannten 29 Kriegern sind 19 ehemalige Schüler von mir..........


110
 

Fortsetzung:
...........gewesen. Es sind 1,81 % der hiesigen Bevölkerung gefallen, was am wenigsten in der nahen und weiteren Umgebung ist. Daß der Prozentsatz so gering ist, kommt daher, weil viele Linienmannschaften, vor allem Reservisten, nachdem sie zwei Jahre draußen gekämpft haben, von den hiesigen Hüttenwerken, besonders von der Concordiahütte, die während des Krieges eine Geschossfabrik war, reklamiert worden sind zur dringenden Arbeit.


111
Übersicht der Kinderzahl bei Beginn des Schuljahres 1922/23 geschriebenen am 26.5.1922

nach Entlassung von 20 Knaben, 14 Mädchen und Aufnahme von 18 ABC-Schützen in Klasse IV zählen:
Klasse 1a) 54 katholische, 1 evangel. = 55 Knaben
Klasse 1b) 51 katholische, 4 evangel. = 55 Mädchen
Klasse II ) 51 katholische, 1 evangel. = 52 Kinder
Klasse III, 54 katholische, 3 evangel. = 57 Kinder
Klasse IV) 48 katholische, 2 evangel. = 50 Kinder
Summen: 258 katholisch, 11 evangel. = 269 Kinder


 
Pädagogische Woche in Neuwied.
Geschriebenen am 10.8.1922.

Um ein klares Bild über Zweck und Ziel der Arbeitsschule zu erhalten, nahmen alle Lehrpersonen von hier: Fräulein Schmaus, Herr Hirsch, Fräulein Flöck, Herr Franz und ich, Karl Stillger, an den Vorträgen und Lehrproben der pädagogischen Woche in Neuwied Teil; dieselbe war vom 15. bis 19. Juli 1922.
Übersicht über die Veranstaltung:
Samstag, den 15. Juli: 9:00 Uhr vormittags: Eröffnung.
10 - 12 Uhr Seminarlehrer Scheibner-Leipzig: "Grundsätzliches über die Arbeitsschule", vorlesen einiger Schülerinnenarbeiten aus der Seminarübungsschule.
3 - 16 Uhr nachmittags: Scheibner Leipzig: "Die Schulklasse als unterrichtliche Arbeitsgemeinschaft". (Vortrag, Unterrichtsskizzen) Aussprache über beide Vorträge.
Sonntag, den 16. Juli Studienrat Dr. Mordziol-Koblenz


 
 

Fortsetzung:
...... - Koblenz: "Der Vulkanismus der Eifel", Vortrag und Wanderung zum Laacher See.
Professor Dr. Görbig-Neuwied: "Der römische Grenzwall", Vortrag mit Limeswanderung.
Montag, den 17. Juli:
10 - 12 Uhr Privatdozent Dr. Honnecker-Bonn: "Experimentelle Psychologie und Pädagogik".
..3 - ..5 Uhr, Privatdozent Dr. Honecker-Bonn: "Die neueren Forschungen vom Willen, aufgrund der experimentellem Forschung".
Dienstag den 18. Juli:
10 - 12 Uhr. Stadtschulrat Dr. Baedorf-Bonn: "Neuzeitlicher Anfangsunterricht, insbesondere die Thematik im Anfangsunterricht".
3 - 5 Uhr Rektor Bützler-Köln: "Die Heimat im Unterricht".
Mittwoch, den 19. Juli.
10 - 12 Uhr. Stadtschulrat Waigel-Amberg: "Praxis der Schüler in der wenig gegliederten Landschule" (mit Lehrprobe)
3 - 5 Uhr: Stadtschulrat Waigel-Amberg: "Der Anteil der Schule an der Feststellung der Berufsberatung Jugendlicher".
An alle Vorträge schloß sich eine Aussprache an.


112
Übersicht der Schülerzahlen beim Beginn des Schuljahres 1923/24

nach Entlassung von 18 Knaben, 17 Mädchen und Neuaufnahme von 25 ABC-Schützen in Klasse IV zählen:
Klasse 1a) 53 katholische, 1 evangelischer = 54 Knaben
Klasse 1b) 50 katholische, 3 evangelische = 53 Mädchen
Klasse II)  51 katholische, 2 evangelische = 53 Kinder
Klasse III) 39 katholische, 5 evangelische = 44 Kinder
Klasse IV) 42 katholische, 3 evangelische = 45 Kinder
    Summa: 235 katholische, 14 evangelische = 249 Kinder


 
Cunozeit:
Notstands Arbeiten: Bahnhofstraße, Schulgebäude.

Die Cunozeit, so genannt nach unseren Reichskanzler Dr. Cuno, dauerte von der zweiten Woche des Monats März bis zum 4. Oktober 1923, also 28 Wochen. Von den Erwerbslosen Arbeitern hierselbst war die Hälfte in Sayn, die andere hier beschäftigt. Nur einige Familienväter (?) an der Zahl, arbeiteten in der Kokerei der Concordiahütte und in elektrischen Betrieben der beiden Werke. Erstere ((Anm.: gemeint ist die Kokerei) musste Koblenz und Umgebung mit Gas versorgen; es war ihr das von der Interalliierten- Kommission zur Pflicht gemacht worden. Das elektrische Licht hielt die Diebe nachts von den Hütten fern. Die erste Arbeit der Erwerbslosen war, daß die Bahnhofstraße von der Ecke Rüssel bis an das Krupp'sche Hüttenhaus 65, an diesem und Nummer 66 vorbei bis an das nach der Concordiahütte führende Eisenbahngeleise mit ausgebrannten Kohlen- und Koks ausgeschüttet, mit Wasser benetzt und mit einer eisernen Pferdewalze festgewalzt wurde. Am Sayn-, hier Großbach genannt, sind 60 bis 70 Meter lang die Ufer ein wenig aufgeworfen und mit großem glatten Bruchsteinen eingefriedigt worden. Anstreichermeister Hahn mit Söhne, der Meister Rübsamen aus Sayn, Meister Hamberger von hier haben die Wände, Türen und Fenster der Schulsäle, des Hausflurs und Wohnungen von drei Lehrpersonen getüncht. Da die Wände meiner Dienstwohnung 1920 tapeziert und gestrichen worden sind, hat er dort, außer Türen und Fenster nur die Fensterbänke und die Küche gestrichen. Auch die Außenwände der alten und neuen Schule sind durch obengenannte...........


113
 

Fortsetzung:
.................Anstreichermeister verschönert worden. Die nach Süden gelegene Giebelwand der alten Schule durfte sich dieser Verschönerung nicht erfreuen, weil es an einem Balkengerüst fehlte. Sie hat dazu es nicht nötig, ihrersgleichen gegenüber zu beneiden, da ihr altes, schmutziges, gerissenes Kleid demjenen nicht viel unansehnlicher ist. Auch das Holz des Schulhoftors, der Anstrich unten an den Seitenwänden in den Schulsälen 1a) und 1b) hat durch den weißen, beige-grauen Anstrich viel gelitten.
Während ich hier schreibe, fällt mir wieder ein, daß nicht die Beschüttung der Bahnhofstraße die volle Arbeit der Erwerbslosen war, sondern die Entfernung der aus Sandsteinen gepflasterten 20 m langen Wasserrinne war, welche 3 1/2 Meter von dem Schulgebäude quer über den Spielplatz der Knabenklasse 1a) bis zur gegenüberliegenden 34 m langen Mauer führte. Diese trennt den Spielplatz der großen Mädchen und Knaben von der Bahnhofstraße. Wozu die Sandsteine Verwendung fanden ist mir unbekannt. Ein Pflasterermeister aus Arzheim hat es mit mehreren Lehrjungen und zehn Handlangern in 15 Wochen fertiggebracht auf der Bahnhofstraße, aus minderwertigen Steinen, der langen Mauer entlang bis zur Ecke der kleinen Schule, wo Fräulein Lehrerin Flöck wohnt, aus minderwertigen Steinen eine 59 m lange Straßenrinne zu bauen. In noch mehr Wochen hat auf derselben Straße, der Einfriedungsmauer der Turnhalle entlang, ein Arbeiter............


114
 

Fortsetzung:
.................aus Ziegelsteinen eine flache, 42 m lange Gosse gemauert. Der oft erwähnten Bahnhofstraße wurde noch mehr Ehre angetan, in dem ihr von Pflastersteinen ein neues Bett gemacht, dieses mit dem Rest ausgebrannter Kohlen beschüttet, durchnässt und festgewalzt wurde. Die Instandsetzung geschah auf eine Länge von ungefähr 98 m, von dem Ziegelsteinegebäude der Familie Geisen an, bis zur Gartenecke der Witwe Pütz. In den letzten zweieinhalb Wochen ist an der Schule, in der Klasse II. unterrichtet wird, mit dem Bau eines Stalles und eines Aborts begonnen worden. Obgenannter Arbeiten hat Mülhofen ein erneuertes, aufgefrischtes Aussehen bekommen. Wenn nicht die Hüttenwerke hier stünden, würde man das Dorf nicht mehr kennen.
Ich muss nachholen, daß ein Schreinermeister aus Sayn zwei Scheiben im Keller, in dem Windfang (Tür an Hausflur, Paterre), zwei Scheiben und auch auf dem Speicher eingesetzt hat. Letztere waren vom Sturm zertrümmert worden. Ein anderer Schreiner vom dort hat im Schulsaal der Klasse Ia) den Fußboden ausgebessert und an die Fußbekleidung eine zwei Finger dicke Holzleiste angenagelt.
Am fleißigsten war ein Schlosser. Während der 7 1/2 Monate hat er Fräulein Lehrerin Schmaus einen Haustürschlüssel, in Klasse Ia) einen Pult- und Schrankschlüssel gemacht; zwei Schlösser von Aborttüren der Klasse Ib) repariert, diese mit Schlüssel - und eine Ställchentüre der Klasse 1a) mit einem kleinen Riegel versehen.


115
Kinderzahl beim Beginn des Schuljahres 1924/25.

Am 1. April 1924 wurden 22 Knaben, drei vorzeitig zur Unterstützung des Vaters in der Ernährung der Familie und 13 Mädchen entlassen. Aufgenommen wurden nach Ostern 29 Kleine in die hiesige Volksschule. Die Kinderzahl der einzelnen Klassen beträgt jetzt:

Klasse 1a) 50 Knaben.
Klasse 1b) 57 Mädchen.
Klasse II) 35 Knaben, 10 Mädchen.
Klasse III. 34 Knaben 20 Mädchen.
Klasse IV. 17 Knaben 17 Mädchen
Summe: 136 Knaben, 104 Mädchen = 240 Kinder.


116
 

(Anm.: Dieses waren die letzten Eintragungen des Hauptlehrers Stillger. Die Schulchronik wurde provisorisch von Lehrer Hirsch weitergeführt.)


 
1926
Pensionierung des Herrn Hauptlehrers Stillger



Tod desselben.

Herr Hauptlehrer Stillger, welcher fast 25 Jahre im Mülhofen tätig war, wurde nachdem er wegen Krankheit seinen Dienst nicht mehr versehen konnte, zum 31. März 1926 in den Ruhestand versetzt. Es war ihm jedoch nicht gegönnt, die am 1.4. beginnende Ruhezeit längere Zeit zu genießen, denn am gleichen Tage rief ihn der Herr über Leben und Tod in ein besseres Jenseits ab. Unter allgemeiner Beteiligung der Einwohner von Hier und Umgebung wurde die Leiche des verstorbenen treuen Lehrers am Ostersonntag (4.4. 1926) zu Grabe getragen. Sein Andenken werden wir in Ehren halten.


 
Vertreter,
Lehrer Mahlberg

Nachdem während der Erkrankung des Herren Hauptlehrers Stillger dieser von den anwesenden Lehrpersonen vertreten worden war, schickte die Regierung zum Beginn des neuen Schuljahres 1926/27 einen Vertreter in der Person des Herren Schulamtsbewerbers Heinrich Mahlberg aus Euskirchen. Derselbe hat am 19.4.26 den Unterricht aufgenommen.


117
Entlassung 1926
und Aufnahme

Zu Ostern 1926 waren aus der Schule 17 Knaben und 27 Mädchen entlassen worden. Neu aufgenommen wurden 33 Kinder und zwar 17 Knaben und 16 Mädchen.
Nach Einteilung der Klassen ist die einzelne Klassenstärke:
Ia....... 37 Knaben.
Ib.......30 Mädchen
II........45 und zwar 23 Knaben und 22 Mädchen
III.......53 und zwar 30 Knaben und 23 Mädchen
IV ......42 und zwar 22 Knaben und 20 Mädchen = zusammen 207


 
Ablösung der Vertretung durch Lehrer Schüller.

Am 1.7.26 wurde der Schulamtsbewerber Mahlberg, durch den Lehrer Schüller aus Koblenz- Neuendorf ersetzt. Mahlberg erhielt die Vertretung in Koblenz-Neuendorf.


 
Revision

Am 21.7.1926 besuchte der Herr Oberregierungsrat Dr. Veltmann und Herr Schulrat Antz die Klassen 1a und IV.


 
Ablösung des Lehrers Schüller durch Lehrer Palm.

Am 1.10.26 wurde Schulamtsbewerber Schüller in gleicher Eigenschaft nach Obermendig versetzt. An seine Stelle kam Lehrer Palm von Obermendig.


118
Ergebnis der Personalstandaufnahme im Oktober 1926.

Bei der Personalstandaufnahme im Oktober 1926 wurden gezählt:
Bendorf mit 6625,
Sayn 2457,
Mülhofen 1563 Einwohner,
zusammen in der Bürgermeisterei 10.609
davon waren in:
Bendorf 5049 katholisch; 1449 evangelisch; 51 Juden; 76 Dissidenten
Sayn 1994 katholisch; 270 evangelisch; 17 Juden; 20 Dissidenten
Mülhofen 1364 katholisch; 191 evangelisch; 8 Dissidenten
an Haushaltungen hat: Bendorf 1558;
Sayn 562;
Mülhofen 365


 
 

(Anm.: Dieses war der letzte Eintrag von Lehrer Hirsch; weitere Eintragungen sind vom neu ernannten Hauptlehrer Johann Nell.)

 
Neubesetzung der Hauptlehrerstelle am 1.1.1927

Laut Verfügung der Regierung zu Coblenz vom 26. November 1926 wurde der Hauptlehrer Johann Nell zu Büngenheim, Kreis Kochem, mit Wirkung vom 1. Januar 1927 an, zum Hauptlehrer im Gesamtschulverband Sayn-Mülhofen ernannt. Schulamtsbewerber Palm wurde mit der Vertretung der freigewordenen Lehrerstelle in Büngenheim beauftragt.


 
Kinderspeisung vom 7. Februar bis Ende März.

Vom 7. Februar bis Ende März fand eine Kinderspeisung statt, an der hier 110 Kinder teilnahmen. Die Auswahl der Kinder hatte das Wohlfahrtsamt...................


 
1927

Fortsetzung:
...........Bendorf getroffen. Die Speisestellen befand sich in der Menage der "Vereinigten Stahlwerke", Mülhofen (Anm.: = Concordiahütte). Die Lehrpersonen führten bei der Speisung die Aufsicht.


119
Oberregierungsrat Dr. Veltmann und Schulrat Antz in Klasse 1a.

Am 29. März besuchten die Herren Oberregierungsrat Dr. Veltmann und Schulrat Antz die Klasse 1a.


 
Schluss des Schuljahres 1926/27 und Entlassung

Dienstag, den 12. April, endigte das Schuljahr 1926/27.
Am 31. März kamen 16 Knaben und 15 Mädchen zur Entlassung.
Beginn des neuen Schuljahres.
Montag, den 2. Mai, begann das neue Schuljahr. Schulpflichtig wurden 27 Knaben und 10 Mädchen; davon wurden drei Kinder auf Grund ärztlicher Zeugnisse ein Jahr zurückgestellt.

Klassen und Schülerzahl.

Klasse

Schuljahr

Anzahl Knaben

Anzahl Mädchen

Soll-Stunden

Lehrer

Plan-

Stunden

1a.

6.,7.u. 8.

26

-

32

Nell

25

1b.

6.,7.u. 8.

-

29

32

Schmaus

24

.II.

4. u. 5

25

20

28

Hirsch

25

III.

2. u. 3

35

27

22

Günter

26

IV.

1. Schulj.

25

20

18

Franz

26

Summe: 111 + 96 = 207 Kinder

     

 
1927-1928
Herr Schulrat Antz als Dozent nach Bonn.

Mit dem 1. April wurde der Herr Schulrat Antz als Dozent an die pädagogische Akademie nach Bonn berufen. Der Aufsichtsbezirk Andernach wurde vom 1. April bis zum 1. Oktober von dem Herrn Schulrat Schornstein aus Mayen verwaltet.


120
Besetzung der Schulratsstelle in Andernach.

Am 1. Oktober wurde Herr Dr. Schmitz, bis dahin Schulrat in Neisse (Schlesien), als Schulrat nach Andernach versetzt.


 
Personenstandsaufnahme vom 10. 10. 1927

Personenstandsaufnahme vom 10. 10. 1927: nach der Personenstandsaufnahme vom 10. 10. 1927 zählte Mülhofen:
katholisch: 1361; evangelisch: 210; Juden: 0; Dissidenten: 8 = 1579 Einwohner in 361 Haushaltungen.


 
Große Kälte im Dezember 1927.

Vom 7. bis zum 16. Dezember herrschte eine bittere Kälte. An den meisten Tagen dieser Zeit zeigte das Thermometer 15-18 °C unter Null. Am 20. Dezember trat Tauwetter ein.


 
1928
Kinderspeisung.

Vom 30. Januar bis 3. April erhielten alle Schulkinder in der zweiten Morgenpause je ¼ Liter Milch und außerdem noch die ersten vier Wochen je ein Brötchen.


 
Schluss des Schuljahres am 3. April 1928.

Schluss des Schuljahres am 3. April 1928. Dienstag, den 3. April endigte das Schuljahr 1927/28. Entlassen wurden am 31. März 14 Knaben und 12 Mädchen.


 
Beginn des neuen Schuljahres.

Beginn des neuen Schuljahres. Montag, den 23. April begann das neue Schuljahr.
Aufgenommen wurden 17 Knaben und 21 Mädchen.

Klassen und Schülerzahl.

Klasse

Schuljahr

Anzahl Knaben

Anzahl Mädchen

kath.

evgl.

1a.

5.,6.,7.u. 8.

37

-

36

1

1b.

5.,6.,7.u. 8.

-

37

33

4

II.

4. u. 3 Jg Knaben

36

11

45

2

III.

2. u. 3 Jg Mädchen

19

26

45

-

IV.

1. Schulj.

20

26

44

2

Summe: 112 + 100 = 212 Kinder

   

121
Erkrankung von Fräulein Lehrerin Schmaus vom 26. März bis 20. Mai.

Vom 26. März bis 20. Mai war Fräulein Lehrerin Schmaus wegen Krankheit beurlaubt.


 
Erkrankung von Lehrer Hirsch vom 23. April bis 4. Juni.

Vom 23. April bis 4. Juni war Lehrer Hirsch wegen Krankheit beurlaubt. Infolge der Erkrankung der beiden Lehrpersonen wurde in der Zeit von Ostern bis Pfingsten der Unterricht nach folgendem Vertretungsplan aufgeteilt. (Anm.: entfällt )


 
1928
Normal(stunden)plan

Normalplan für die Zeit vom Pfingsten 1928 bis Ostern 1929. Stundenzahl:

Klasse

Soll-

Stunden

Lehrer

Stunden

1a.

32

Hptl. Nell

25

1b.

32

Lehrerin Schmaus

24

II.

28

Lehrer Hirsch

26

III.

22

Lehrer Franz

26

IV.

18

Lehrerin Günter

26


122
Reichstags und Landtagswahl am 20. Mai 1928.

Am Sonntag, den 20. Mai, fanden die Reichstagswahl und die Landtagswahl statt. Wahlberechtigt waren in Mülhofen 919 Personen; abgegebene Stimmen: 662, mithin 73 % Wahlbeteiligung. 18 Stimmen waren ungültig.

Ergebnis der Reichstagswahl in Mülhofen.

Parteien

Stimmen

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

125

Deutschnationale Volkspartei

12

Deutsche Zentrumspartei

199

Deutsche Volkspartei

43

Kommunistische Partei

109

Deutsche Demokratische Partei

5

Reichspartei des deutschen Mittelstandes

15

Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei

3

Volkskraftpartei

3

Volksblock der Inflationsgeschädigten

2

Christlich-soziale Reichspartei

126

ungültige Stimmen

14

leere Umschläge

4


 
1928 Landtagswahl in Mülhofen.

Parteien

Stimmen

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

125

Deutschnationale Volkspartei

10

Preußische Zentrumspartei

196

Deutsche Volkspartei

44

Kommunistische Partei

109

Deutsche Demokratische Partei

6

Reichspartei des deutschen Mittelstandes

17

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei

3

Volkskraft Partei

5

Volksblock der Inflationsgeschädigten

2

Christlich soziale Reichspartei

126

Ungültige Stimmen

17

Leere Briefumschläge

2


123
Elternbeirat

Für die Elternbeiratswahl, die am 17. Juni stattfinden sollte, war nur eine Liste eingegangen. Die Wahl erübrigte sich aus diesem Grunde. Der neue Elternbeirat setzt sich wie folgt zusammen:

1. Wilhelm Hahn, Vorsitzender
2. Frau Josef Roßbach
3. Nikolaus Dott
4. Frau Josef Dillentheis
5. Frau Martin Distelkamp
 
1828
Bendorf, Sayn und Mülhofen eine Gemeinde.

Mit Wirkung vom 30. September 1928 hat das preußische Innenministerium in seiner Sitzung vom 13. September 1928 die Zusammenlegung der............


 
 

Fortsetzung:
..............Gemeinden Bendorf und Sayn-Mülhofen zu einer Gemeinde mit dem Namen Bendorf angeordnet.


124
Personenstandsaufnahme vom 10.10.1928.

Die Einwohnerzahl von Bendorf beträgt nach der letzten Personenstandsaufnahme am 10. Oktober :

Ortsteil

Einwohner

katl.

%

evgl.

%

israel

%

Diss.

%

Bendorf

6381

4937

77,4

1282

20,1

52

0,8

111

1,7

Sayn + Mülh

2460

3394

83,9

442

11,0

162

4,1

40

1,0

Mülhofen

1557

               

Die Einwohnerzahl hat gegen das Vorjahr um 168 Personen abgenommen. Die Bevülkerung von Sayn hat dagegen um 92 zugenommen und die Bevölkerung von Mülhofen um 2 Personen abgenommen. Die Bevölkerung von Bendorf-Sayn-Mülhofen hat sich danach um 78 Personen vermindert.

Die Einwohner auf männlich und weiblich wie folgt:

Bendorf

3072 männl.

3309 weibl.

Sayn

1164 "

1296 "

Mülhofen

823 "

754 "


 
Herr Schulrat Dr. Schmitz als Stadtschulrat nach Neuss

Neubesetzung der Schulratsstelle in Andernach.

Zzum 1. Dezember wurde Herr Schulrat Dr. Schmitz nach Ness, Regierungsbezirk Düsseldorf versetzt.

Mit der Verwaltung der Schulaufsichtskreises Andernach wurde mit dem selben Tage Herr Schulrat Johann Gill, bis dahin Schulrat in Prümm (fehlt; betraut ?).

 
1928

Durch die Zusammenlegung der Gemeinden Bendorf und Sayn-Mülhofen war eine Neuwahl des Gemeinderates notwendig geworden die Wahl fand am Sonntag, den 2. Dezember statt.

Es wurden sechs Listen aufgestellt:

Erhaltene Stimmen

1.

Sozial Demokratische Partei Deutschlands

1037

2.

Christlich soziale Reichspartei

296

3.

Kommunistische Partei Deutschlands

568

4.

Zentrumspartei

992

5.

Bürgergemeinschaft Bendorf-Sayn-Mülhofen

876

6.

Sayn-Mülhofener Volksliste

573

Die Gemeinde war in sechs Wahlbezirke eingeteilt. Wahlberechtigt waren insgesamt 6143 Personen. Abgegebene Stimmen: 4393, davon 51 ungültig. Es erhielten an Stimmen:


125
1929
Erkrankung von Fräulein Lehrerin Günther

Vom 6. März bis 17. März musste fordern in Lehrerin Günther wegen Erkrankung den Unterricht aussetzen


 
Winter 1928/29

Bis zum 12. Dezember war mildes Wetter, Schnee und Frost hatten wir bis dahin nicht. In der Nacht.................


 
 

Fortsetzung:
.................zum 13. Dezember fiel der erste Schnee; auch die folgenden Tage viel noch reichlich Schnee. Kurz nach Weihnachten trat Tauwetter ein. An den Weihnachtsfeiertagen hatte die Natur wieder ihr graues Alltagskleid angezogen. - Mit Beginn des neuen Jahres setzten anhaltender Schneefall und starker Frost ein. Ende Januar war das Rheintal in eine halbmeter dicke Schneedecke eingehüllt. Der Schnee blieb bis Ende März liegen. Die Kälte nahm bis Ende Februar ständig zu. Am 3. Februar waren es 16° -, am 9. Februar 17°- am 12. Februar 19 °C- vom 23. bis 24. Februar zeigte das Thermometer 21°-
Wegen der außerordentlichen Kälte wurde durch Regierungs-Verfügung nachfolgende Anordnung getroffen:
"1. solange die ungewöhnliche Kälte andauert, beginnt der Unterricht für das erste und zweite Schuljahr nicht vor 9:00 Uhr vormittags.
2. bei 12 °C - und mehr um 8:00 Uhr morgens sind alle Kinder unter 10 Jahren mit einem Schulweg von mehr als 2 km, sowie alle schwächlichen Kinder vom Schulbesuch befreit."

Vom März ab ließ die Kälte etwas nach. Die Sonne und der Wind verzehrten nach und nach die großen Schneemassen, so daß die Gefahr eines Hochwassers und eines Eisganges behoben wurde, was für die Rheinanwohner, die schon mit dem Schlimmsten.......................


126
1929

Fortsetzung:
...................gerechnet hatten, eine große Beruhigung bedeutete. Die lange andauernde und grimmige Kälte war metertief in die Erde eingedrungen. Noch Ende April musste in den Kieselgruben (Anm.: = Bimsgruben) gesprengt werden. Die ältesten Leute erinnern sich eines solchen langen und strengen Winters nicht.


127
Kinderspeisung ab 4. März bis 1. Mai

Kinderspeisung; ab 4. März bis 1. Mai erhielten alle Schulkinder in der zweiten Wochen Pause je 1/4 Liter Milch.


 
Schluss des Schuljahres 1928/29

Schluss des Schuljahres 1928/29 und Entlassung. Am Mittwoch, dem 27. März endigte das Schuljahr. Es kamen 19 Knaben und 11 Mädchen zu Entlassung.


 
Beginn des neuen Schuljahres 1929/30

Dienstag, dem 16. April, begann das neue Schuljahr. Aufgenommen wurden 15 Knaben und 11 Mädchen.

Klassen und Schülerzahl:

Klasse

Schuljahr

Anzahl Knaben

Anzahl Mädchen

kath.

evgl.

1a.

5.,6.,7.u. 8.

37

-

36

1

1b.

5.,6.,7.u. 8.

-

34

31

3

II.

4. u. 3 Jg Knaben

38

11

48

1

III.

2. u. 3 Jg Mädchen

18

37

53

2

IV.

1. Schulj.

19

14

32

1

Summe: 112 + 96 = 208 Kinder

   

Klasse

Soll-

Stunden

Lehrer

Stunden

1a.

32

Hptl. Nell

25

1b.

32

Lehrerin Schmaus

24

II.

28

Lehrer Hirsch

26

III.

22

Lehrer Franz

26

IV.

18

Lehrerin Günter

26


 
1929
Vertretung in Klasse 1b. wegen Erkrankung der Lehrerin Fräulein Schmaus.

Am 29., 30. und 31. Mai musste in der Klasse 1b Vertretung eingerichtet werden, da Fräu-lein Lehrerin Schmaus krank war.


128
Revision durch Schulrat Gill:

Schulrat Gill revidierte die Klassen zum ersten Mal am 10. Mai


 
Schuldeputation

Die neugewählte Schuldeputation setzt sich folgendermaßen zusammen:

Mitglieder des Gemeindevorstandes:

Dr. Drottboom

 

Lehre Otto Suter

 

Dr.Renzel, Arzt

als erziehungskundige Bürger:

Johann Müller

 

Hauptlehrer Johann Nell

 

Berhard Dötsch

als Gemeinderatsmitglieder:

Karl Gaßmann

 

Joseph Görgen

 

Karl Schneider

als Vertreter der Lehrerschaft:

Rektor Alken

 

Lehrer Münsch

 

Konrektorin Sittel

als Vertreter der Geistlichkeit

Pastor u. Pfarrherr Pantenberg

 

Pfarrer Roeder


 
Oberregierungsrat Dr. Veltmann besucht sämtliche Klassen

Am 11. Juli besuchten Herr Oberregierungsrat Dr. Veltmann und Herr Schulrat Gill sämtliche Klassen.


 
1929 Gründung eines Kirchbau-Vereins und Baupläne der St. Clemens Kirche für Mülhofen

Pfarrer Krause in Engers gründete kurz nach Ostern für die Filiale Mülhofen einen Kirchenbauverein. Wohl sämtliche Familien traten als Mitglieder bei. Der wöchentliche Beitrag soll mindestens 25 Pfennig betragen; es werden auch kleinere Gaben dankbar angenommen. Die Filiale Mülhofen zählt annähernd 1400 Katholiken die teilweise bis zur Pfarrkirche einen Weg von einer halben Stunde zurückzulegen haben. Mülhofen hat einen eigenen Friedhof, gehört einer anderen Gemeinde, einem anderen Landkreis, einem anderen Finanzamt und einem anderen Schulaufsichtsbezirk an als der Pfarrerort. Umstände, durch die Verwaltung und Seelsorge erschwert werden. Zudem wurde die neue Engerser Pfarrkirche 1897 und 1898 auf Einspruch der Regierung in Koblenz zu klein gebaut, um mit einer geringeren Anzahl zurechtzukommen und den schon seit Jahrzehnten gehegtem Verlangen der Mülhofener nach einer eigenen Kirche seinen Weg zu lassen. Durch das Anwachsen der Seelenzahl ist der Bau einer neuen Kirche eine Notwendigkeit geworden; auch wäre es von großem Vorteil für das religiöse Leben, wenn Mülhofen einen eigenen Geistlichen erhielte, da nur dann eine geregelte ausgiebige Seelsorge möglich ist. Schon in früheren Jahren sammelte Mülhofen für den Bau. Leider gingen sämtliche Gelder im Betrag von etwa 20.000 Goldmark, angelegt bei der Mülhofener Spar- und Darlehenskasse, durch Inflation restlos.............


129
 

Fortsetzung:
.............. verloren. Ein Baugrundstück scheint nach den Worten des Herrn Pfarrers bereits gesichert zu sein. Der Fürst von Sayn- Wittgenstein- Sayn soll sich bereit erklärt haben, gegen einen entsprechenden Gegenwert in Messestiftungen, die in der zu erbauenden Kirche, zu halten wären, ein Grundstück zwischen Bahnhofstraße und Kirchhofsweg gelegen, abzutreten. Herr Pfarrer Krause hat daraufhin bereits die Baupläne von dem Dortmunder Architekten Willi vom Im-Turm überarbeiten lassen. ( Anm.: Plan von Kirche und Pfarrhaus als Foto eingeklebt) Der Gang bis zur Erreichung der des gesteckten Zieles ist noch ein weiter und schwieriger, namentlich unter den jetzigen ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen. Mülhofen hat nämlich fast nur Industrie................


130
 

Fortsetzung:
.................bevölkerung, die augenblicklich zu einem großen Teil erwerbslos ist; und die Aussichten auf eine Besserung der Verhältnisse sind wenig günstig.


131
1929
Concordiahütte: Besitzerwechsel, Rückgang.

Die bis zum 31. Dezember 1900 den Gebrüdern Lossen gehörige Concordiahütte wurde mit dem 1. Januar 1901 eingetragen unter der Firma: "Concordiahütte, vormals Gebrüder Lossen, A.G." - am 1. Januar 1921 ging die Hütte in den Besitz der "Rombacher Hüttenwerke" über. Am 1. August 1926 kam das Werk in den Besitz der "Vereinigten Stahlwerke A.G.". Sitz derselben ist Düsseldorf.
Vor dem Kriege hatte die Concordiahütte eine Belegschaft von rund 900 Mann einschließlich der Beamten. Die Zahl wuchs während des Krieges, besonders in Folge der Munitionsherstellung auf 2500 Mann an. Nach dem Kriege sank die Zahl auf 1800-2000, da die Geschossfabrikration eingestellt wurde. In den folgenden Jahren wurde der Betrieb noch mehr eingeschränkt durch Schließung des Tigelstahlwerkes, des Martinstahlwerkes, des Presswerkes, sowie durch die zeitweise Stilllegung der Hochöfen mit Zementwerk. Am 1. August 1926 wurde die ganze Fabrik vollständig geschlossen. Am 1. Oktober 1926 erfolgte die Stilllegung des Hochofenbetriebes mit Zementwerk. In Betrieb sind noch die Kokerei, die Ofengießerei und das Stahlwerk mit dazugehörigen Anbaubetrieben. Neu angegliedert an die Ofengießerei ist seit November 1926 die Roststabgießerei......................


 
 

Fortsetzung:
................Seit August 1926 schwankte die gesamte Belegschaft zwischen 708- 800 Mann. Die Verhältnisse haben sich im Letzteren noch ungünstiger gestaltet, so dass augenblicklich nur noch 450 Mann dort beschäftigt werden.


132
Mutige Tat.

Am 15 Juli rettete der Gymnasiast Peter Nell, Sohn des Hauptlehrers Nell, den Schulknaben Joseph Dott unter Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens im Rhein.


 
1929
Tropische Hitze.

Eine tropische Hitze hatten wir in der Zeit vom 15. bis 23. Juli. Die Wärme steigerte sich derartig, dass Temperaturen erreicht wurden, die zu den Ausnahmeerscheinungen unserer Heimat gehören. Unter wirklich afrikanischen Himmel schienen wir uns am Sonntag, den 31. Juli, zu befinden. Die wiederholten Gewitter, die am Tage vorher vorbeigezogen, brachten nur eine bedeutende Steigerung, der die letzten Tage schon kaum mehr zu ertragenden Hitze und Schwüle. Um die Mittagszeit brannte die Sonne derartig, dass das Thermometer in der Sonne 54 °C und im Schatten 38° C anzeigte. Man gewöhnte sich allmählich an die barbarische Hitze genauso wie an die sibirische Kälte in diesem Jahr. Der Anfang des Monats September brachte uns eine neue Hitzewelle, die infolge ihrer großen Ausmaßes als ganz anormal bezeichnet werden muss. Wenn auch warme und heiße Tage in diesem Sommer nicht zu den Seltenheiten gehörten, ist das.................


 
 

Fortsetzung:
................ Anhalten des ungewöhnlich heißen Wetters zu dieser Jahreszeit eine nicht häufig beobachtete Erscheinung. Der 4. September dieses Jahres wird insofern bemerkenswert erscheinen, als die seit Tagen, ohne jede Unterbrechung, anhaltende große Hitze ihren bisher höchsten Stand in diesem Sommer erreichte. Während der bisher heißeste Tag, Sonntag, 21. Juli es bis auf 54 °C in der Sonne brachte, stieg am 4. September das Thermometer gar auf 55 °C. Die niedrigste Temperatur in der Nacht betrug 18° und die warme und dazu trockene Witterung bringt es mit sich, dass das Laub vieler Bäume binnen weniger Tage schon welk und gelb geworden ist. Die Strandbäder sind außerordentlich stark belebt und in dem Straßen gehen die Menschen matt dahin. Auch der mitunter angenehm empfundene Wind vermag zeitweilig kaum nennenswerte Abkühlung zu schaffen.


133
Ergebnis der Viehzählung am 2.12.1929.

Die Viehzählung hatte in Bendorf-Müllofen folgendes Ergebnis:
Pferde 16, Rindvieh 23, Schafe -, Schweine 31, Ziegen 26, Kaninchen 99, Federvieh 1619,


 
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10.10.1929.

Die Einwohnerzahl der Gemeinde Bendorf beträgt: 10 375 Personen.
Davon entfallen auf den Ortsteil Mülhofen: 1573 Personen.
Hiervon sind: katholisch 1371, evangelisch 196, Disidenten 6.
Die Zahl der Haushaltungen betrug im Ortsteil Mülhofen 376.


 
1930.
Beurlaubung des Lehrers Hirsch vom 10. Januar bis Ostern.

Vom 10. Januar bis Ostern war Herr Lehrer Hirsch wegen Krankheit beurlaubt. Während der Beurlaubung des Lehrers Hirsch wurde der Unterricht nach folgendem Vertretungsplan erteilt:


Klasse

Soll-

Stunden

Lehrer

Stunden

1a.

32

Hptl. Nell

30

1b.

32

Lehrerin Schmaus

28

II.

24

Lehrer Hirsch

 

III.

22

Lehrer Franz

32

IV.

18

Lehrerin Günter

28

   

Pfarrer Krause

2

   

Kaplan Koos

4


134
Erkrankung der Lehrerin Schmaus.

Vom 1. bis 8. März musste die Vertretung infolge Erkrankung von Fräulein Lehrerin Schmaus anders eingerichtet werden.


 
Kinderspeisung

Vom 22. Januar bis 28. Februar erhielten alle Schulkinder in der großen Pause morgens 1/4 Milch.


 
Schluss des Schuljahres am 4.4.1930

Schluss des Schuljahres am 4.4.1930. Am 4.4. endigte das Schuljahr 1929/30.
Entlassen wurden, am 31. März 5 Knaben und 13 Mädchen.


 
Beginn des neuen Schuljahres.

Das neue Schuljahr begann am 24. April. Es wurden 11 Knaben und 11 Mädchen aufgenommen. Der schulpflichtige (Name: Datenschutz) wurde aufgrund der Untersuchung durch den Schularzt Dr. Renzel.......


 
 

Fortsetzung::
................vom Schulbesuch zurückgestellt. Mit dem neuen Schuljahr wurden sämtliche evangelischen Kinder der evangelischen Schule Bendorf überwiesen.


135
 

Klassen und Schülerzahl.

Klasse

Schuljahr

Anzahl Knaben

Anzahl Mädchen

Soll-Std.

 

Std.

1a.

5.,6.,7.u. 8.

52

-

32

Hptl. Nell

24

1b.

5.,6.,7.u. 8.

-

29

32

Lehrerin Schmaus

25

II.

4. u. 3 Jg Knaben

34

15

42

Lehrer Hirsch

26

III.

2. u. 3 Jg Mädchen

16

33

22

Lehrer Franz

26

IV.

1. Schulj.

15

14

18

Lehrerin Günter

27

         

Pfarrer Krause

2

Summe: 117 + 91 = 208 Kinder

 

Kaplan Koos

4


 
Beurlaubung des Lehrers Hirsch vom 27.4.30 bis nach den Pfingstferien.

Lehrer Hirsch nahm zu Beginn des Schuljahres den Unterricht teilweise wieder auf, wurde aber vom 27.4. ab bis nach den Pfingstferien wieder beurlaubt. Die Vertretung wurde in derselben Weise eingerichtet wie vor Ostern.


 
Elternbeiratswahlen

Die Elternbeiratswahl konnte nicht stattfinden, weil niemand zu den angesetzten Versammlungen erschien.


 
1930
Stilllegung der Mülhofener Hütte



Die Mülhofener Hütte zum Verschrotten verkauft.

Am 28. Juni wurde der Betrieb auf der Mülhofener Hütte vollständig eingestellt. Dadurch wurden weitere 150 Menschen arbeitslos. Am 3. August traf die Nachricht ein, dass die bisher der Firma Friedrich Krupp AG in Essen zugehörige Eisenhütte Mülhofen, nachdem die gesamte Belegschaft in Höhe von einigen 100 Mann im Laufe des Jahres bereits entlassen wurde, an die Firma Has in Magdeburg verkauft worden ist. Gleichzeitig gingen die Wohnhäuser, die Bürogebäude, die Konsumsanstalt und der Grundbesitz der Hütte in den Besitz der Magdeburger Firma über. Die Hütte wird verschrottet.


136
Reichstagswahl, am 14. September 1930

Am Sonntag, den 14.9.30 fanden die Wahlen zum Reichstag statt.
Gemeinde Bendorf: Wahlberechtigte 6381, Stimmscheine 142, ungültig 42, gültige Stimmen 5522, abgestimmt haben rund 85% der Wahlberechtigten.


 

Wahl-

berechtigt

Stimm-

scheine

Ungültig

Gültig

% d. Wahlber.

Bendorf (gesamt)

6381

142

42

5522

85

Ortsteil Bendorf

3936

91

27

3467

86

Ortsteil Sayn

1486

43

10

1259

82

Ortsteil Mülhofen

959

8

5

796

82


 
1930 Ergebnis der Reichstagswahlen vom 14.9.30 in der Gemeinde Bendorf.

1930 Ergebnis der Reichstagswahlen vom 14.9.30 in der Gemeinde Bendorf.

Liste

Partei

Bendorf

Sayn

Mülhofen

1

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

528

262

99

2

Deutchnationale Volkspartei

123

19

16

3

Zentrumspartei

1078

411

266

4

Kommunistische Partei

834

287

262

5

Deutsche Volkspartei

97

60

34

5a

Christlich- soziale Volksgemeinschaft

24

6

12

6

Deutsche Staatspartei

47

37

7

7

Reichspartei des deutschen Mittelstandes

65

29

11

9

National-Sozialistische Deutsche Arbeiterpartei

639

122

45

10

Christlich-nationale Bauern- und Landvolkspartei

2

4

0

11

Volkskraftpartei und christlich-soziale Reichspartei

21

14

39

16

Konservative Volkspartei

7

3

2

22

Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenenpartei

2

3

1

23

Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands

0

2

2


137
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10. 10. 1930

Nach der Personenstandsaufnahme vom 10. 10. beträgt die Einwohnerzahl der Gemeinde:

Bendorf (gesamt)

10 415

Personen;

Ortsteil Bendorf

6393

Personen

Ortsteil Sayn

2459

Personen

Ortsteil Mülhofen

1563

Personen

Die Zahl der Haushaltungen beträgt:

Bendorf (gesamt)

2654

Ortsteil Bendorf

1661

Ortsteil Sayn

608

Ortsteil Mülhofen

385

Von den Einwohnern sind männlich oder weiblich:

 

männlich

weiblich

Ortsteil Bendorf

3095

3298

Ortsteil Sayn

1152

1307

Ortsteil Mülhofen

829

734

Summe:

5076

5339


138
Witterung und Ernte.

Die Witterungsverhältnisse während der Monate, Mai, Juni und Juli war den Saaten und Früchten sehr günstig. Der Monat August und die erste Hälfte des Septembers brachten anhaltende Trockenheit und große Hitze. Mitte September aber setzte eine Regenperiode ein, die der Frucht in qualitätischer und quantitätischer Hinsicht sehr schadete. Die Getreideernte war gering. Das wenige.............


 
1930

Fortsetzung:
.................Obst war nicht haltbar und faulte. Die Kartoffeln lieferten eine reiche Ernte. Der Preis für den Zentner betrug 2,00 M bis 3,50 M.


139
Regierungrat Dr. Ebert besucht die Klassen Ia, II und III

Am 10. Dezember besuchten die Herrn Regierungrat Dr. Ebert und Schulrat Gill die Klassen Ia, II und III und überzeugten sich davon, daß die bereits öfter gerügten Mängel in den Schulgebäulichkeiten noch immer nicht beseitigt sind.


 
1930
Staatskommissar für die Gemeinde Bendorf.

31.12.1930. Eine unerfreuliche Neujahrsbotschaft erhielt heute die Stadt Bendorf. Schon seit Wochen ging etwas um; das Defizit der Stadt Bendorf wuchs mit jedem Monat. Die Verwaltung hatte in verschiedenen Sitzungen der Gemeindevertretung den Ernst der Finanzlage der Stadt eingehend dargelegt und um Sanierungsvorschläge gebeten. Die Verwaltung wollte die Sanierung auf Geheiß der vorgesetzten Behörden durch Steuererhöhungen und Steuerneueinführungen herbeigeführt wissen. Die Gemeindevertretung vertrat geschlossen den Standpunkt, dass der wirtschaftlich fast bankrotten Gemeinde neue Steuerlasten unmöglich aufgebürdet werden könnten, denn die Höhe der Steuerrückstände zeige deutlich, dass schon die jetzigen Steuersätze untragbar seien. Die wiederholten Versuche der Verwaltung, die eine oder andere Steuer zu erhöhen oder neue einzuführen, schlugen jedes Mal fehl. Da wurde vor Monatsfrist von Kreisausschuss die...............


 

Fortsetzung:
............. Biersteuer mit 5 Mark pro Hektoliter und die Erhöhung der Grundvermögenssteuer um 75 % diktiert. Die dadurch einkommenden Mittel reichten aber bei weitem nicht aus, um die Finanzen der Stadt für das laufende Etatjahr sicherzustellen, geschweige denn zur Verringerung des ungeheueren Defizits beizutragen.
Nun platzte heute wie eine Bombe die Verordnung herein, und nach der, der Landrat, als Vorsitzender des Kreisausschusses, den Kreisinspektor Miesen zum Staatskommissar für die Gemeinde Bendorf ernannt hat, mit dem Auftrage über die Deckung der voraussichtlichen Fehlbeträge im Gemeindehaushalt für das Rechnungsjahr 1930 das Erforderliche zu beschließen. In Ausführung dieses Auftrages beschließt der Staatskommissar nach eingehender Prüfung der Finanzlage der Gemeinde für diese wie folgt:

  1. die Erhebung der Bürgersteuer gemäß Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 26.7.1930 beziehungsweise 1.12.1930 nebst den dazu ergangenen und noch ergehenden Ausführungsbestimmungen für das Rechnungsjahr 1930,
  2. die Erhöhung des Realsteuerzuschlages zur Grundvermögenssteuer von 300 auf 320 % um 20 %, für das Rechnungsjahr 1930.
  3. aufgrund des § 7 der Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 1.12.1930 die Er-höhung der bisher eingeführten Gemeinde Biersteuer um 100 % mit Wirkung vom 1. Januar 1931 ab, für das Rechnungsjahr 1930,
  4. die Erhebung von Gebühren zu Zuchtstier- und Ziegenbock- Kosten und setzte die Ge-bühren auf 3 Mark pro deckfähiges Stück Rindvieh und auf 0,50 DM pro deckfähige Ziege fest.

140/1
Die hiesige Schule erhält von der Regierung zu Coblenz 200 M.

Von der Regierung zu Coblenz erhielt die hiesige Schule eine Beihilfe von 200 M und zwar 150 M für den Ausbau der Schulbücherei und 50 DM für Beschaffung von Lehrmitteln.


141
Übersicht über die Wirtschaftslage 1930

Die Stilllegung der Mülhofenerhütte, die 75 Jahre lang der Bendorfer und ganz besonders der Mülhofener und Sayner Bevölkerung Arbeit und Brot gab, die Einstellung der Concordiawerke, die Absatzstockungen in der Schwemmsteinindustrie und die Arbeiterentlassungen auf der Concordiahütte haben die trostlose Lage in unserer Gemeinde noch trauriger gestaltet. Nachfolgende Zahlen geben ein klares Bild von der großen Erwerbslosigkeit in der Gemeinde Bendorf im Jahre 1930:


 
 

Stichtag

Arbeitslosen
unterstützung

Krisen
unterstützung

Saisonarbeiter-
unterstützung

 

m

w

m

w

m

w

1. Jan.

138

34

112

4

261

7

15.Jan.

136

36

113

4

266

8

1.Febr.

147

38

114

5

247

8

15. Febr.

153

40

108

4

250

7

1.März

149

39

99

3

262

5

15.März

180

32

102

3

252

4

1.April

248

36

101

3

   

15. April

239

39

88

3

   

1.Mai

215

19

86

3

   

15.Mai

149

33

109

4

   

1. Juni

191

35

123

3

   

15.Juni

199

29

124

2

   

1.Juli

295

11

129

1

   

15.Juli

324

12

139

1

   

1.Aug.

321

15

137

3

   

15.Aug.

305

20

140

1

   

1.Sept.

335

23

150

1

   

15.Sept.

307

19

189

1

   

1.Okt.

321

36

170

3

   

15.Okt.

363

31

168

3

   

1.Nov.

370

38

184

2

   

15.Nov.

471

31

176

2

   

1.Dez.

428

45

207

4

   

15.Dez.

368

43

212

4

   

31.Dez.

401

53

245

7

   

141/2
1931
Verkauf des Krupp'schen Konsums

Verkauf des Krupp'schen Konsums. Am 1. Januar 1931 ging die Krupp'schen Konsumsanstalt durch Kauf in den Besitz der Konsumsanstalt "4 Türme", Koblenz über.


 
trostlose wirtschaftliche Lage der Gemeinde Bendorf im Frühjahr 1931.

Die Wirtschaftslage ist trostlos und verschlechtert die sich noch immer mehr. Diese Tatsache erhellt so sich aus nachfolgenden Zahlen:
Am 1. April 1914 hatte Bendorf 5090 Arbeitnehmer,
am ersten Oktober 1929 waren es 1766;
am 1. Juli 1930 - 1631;
und am 1. Februar 1931 - 1125 beschäftigte Arbeiter.
1930 waren in der gesamten Wohlfahrtspflege der Gemeinde 300.000 Mark erforderlich
gegen 24.117 Mark in den Jahren 1914 und 21.937 Mark im Jahre 1913.

An Handwerkern und Arbeitern waren in früheren Jahren beschäftigt:
1. Auf der Mülhofenerhütte 500-600 Leute,
2. Auf der Concordiahütte 1600-1700 Leute;
    diese Zahl stieg bis gegen Schluss des Weltkrieges auf 2700,
3. Auf der Sayner Hütte 250-270 Leute,
4. Auf der Fabrik feuerfester Produkte von Susewind in Sayn 50-60 Leute,
5. Bei den Dinaswerken in Bendorf 250-300 Leute,
6. Bei den Werken von Dr. Otto (ohne Angaben)
7. Bei der Firma Mainzer (ohne Angaben)l

Wenn man bedenkt, dass von den aufgezählten Betrieben nur noch die Concordiahütte mit etwa 300 Leuten in Tätigkeit ist, die übrigen Werke aber stille liegen, so erhält man einen klaren Einblick in die geradezu trost- und hoffnungslose Wirtschaftslage unserer früher so gesegneten und blühenden Heimat.


143
1931
Kinderspeisung

Kinderspeisung vom 2. März bis zum Beginn der Osterferien am 27. März erhielten 60, vom Kreiskommunalarzt, ausgesuchte Kinder an drei Wochentagen je 1/4 Liter Milch und an den drei übrigen Wochentagen je 1/4 Liter Maggi-Fleischbrühe.


144
Schluss des Schuljahres am 27.3.1930

am 27. März schloss das Schuljahr 1930. Es kamen 10 Knaben und 6 Mädchen zur Entlassung. Der Unterrichtsbetrieb erlitt durch verschiedene und längere Erkrankungen einzelner Lehrpersonen im Winterhalbjahr Einschränkungen.


 
 

Fräulein Lehrerin Günther war vom 10. bis 22. Februar wegen Krankheit beurlaubt.
Fräulein Lehrerin Schmaus war wegen Krankheit beurlaubt vom 18. bis 22. Februar und ist wieder seit 2. März wegen Krankheit an der Ausübung ihres Dienstes verhindert.
Vom 3. März bis 17. März war Herr Lehrer Hirsch infolge Krankheit dienstunfähig.


 
Winter 1930/31

Der Winter führte bis zum Februar ein äußerst milderes Regiment; er brachte weder Schnee noch Eis. Der Februar aber war ein echter und rechter Wintermonat. Tagelange starke Schneefälle hüllten die Erde fast den ganzen Monat in eine Winterdecke ein. An einer Reihe von Tagen zeigte das Thermometer 10-12° unter Null. Der Monat März zeigte sich auch recht wenig von der angenehmen Seite als Vorfrühlingsmonat. Gleich nach seinem Einzug brachte auch er eine Reihe strenger Wintertage.............


 
 

Fortsetzung:
...........und bevor er Abschied nahm, erschreckte er uns durch einen neuen Kälteeinbruch.


145
Einwohnerzahl der Gemeinde Bendorf am 1.4.1931

Am 1.4.1931 beträgt die Einwohnerzahl der Gemeinde Bendorf 10.414, gegen 10.415 im Vorjahr am 10.10.30; davon sind 8366 katholisch, 1705 evangelisch, 193 israelitisch und 150 Dissidenten.
Die Zahl der Schulkinder ist vom 1377 im Jahre 1930 auf 1424 gestiegen, davon 741 Knaben und 683 Mädchen.



 
Beginn des neuen Schuljahres 1931/32

Am Dienstag, dem 14. April begann das neue Schuljahr. Schulpflichtig wurden 18 Knaben und 6 Mädchen. Aufgrund der Untersuchung durch den Schularzt Dr. Renzel wurden (2 Knaben, Datenschutz) wegen Schwächlichkeit vom Schulbesuch zurückgestellt.


 
 

Klassen und Schülerzahl:

Klasse

Schuljahr

Anzahl Knaben

Anzahl Mädchen

1a.

5.,6.,7.u. 8.

58

-

1b.

5.,6.,7.u. 8.

-

37

II.

4.

18

21

III.

3.

18

11

IV.

1.+ 2. Schulj.

33

18

Summe: 127 + 87 = 214 Kinder

Stundenverteilung:

 

Ia.

Ib.

II.

III.

IV.

Sa.

Hptl. Nell

22

2

     

24

Lehrerin Schmaus

 

24

2

 

26

Lehrer Hirsch

 

2

26

   

28

Lehrer Franz

8

2

 

18

 

28

Lehrerin Günter

   

2

24

26

Pfarrer Krause

 

2

     

2

Kaplan Roos

2

 

2

   

4


 
1931
Erkrankung der Lehrerin Schmaus

Lehrerin Schmaus, die bereits vor Ostern, seit 2. März wegen Krankheit beurlaubt war, konnte auch nach den Osterferien den Unterricht noch nicht aufnehmen und war bis 28. Mai weiter beurlaubt. Während der Zeit der Beurlaubung wurde der Unterricht nach folgenden Vertretungsplan erteilt:

Klasse

Soll-
Stunden

Lehrer

Vertr.Plan
Stunden

1a.

30

Hptl.Nell

30

1b.

28

Lehrerin Schmaus

----

.II.

26

Lehrer Hirsch

30

III.

20

Lehrerin Günter

28

IV.

20

Lehrer Franz

30

   

Pfr. Krause

2

   

Kapl. Roos

4


146
Lieferung neuer Bänke für Klasse II (Herr Lehrer Hirsch)

In den Pfingstferien erhielt Klasse II neue zweisitzige Bänke. Die 33 Bänke wurden von der Neuwieder Schulbank-Fabrik zum Preise von 975 Mark geliefert.


 
1931
Kritische Finanzlage der Gemeinde.

Der vorliegende Haushalt der Gemeinde Bendorf für 1931 zeigt ein Bild wirtschaftlicher Erschöpfung. Die umfangreichen Betriebsstilllegungen und Betriebseinschränkungen, die übergroße Erwerbslosigkeit und Not der Bevölkerung finden ihr Spiegelbild in der Finanzgestaltung der Gemeinde. Der Haushalt schließt in Einnahmen mit 1.165.119 M in Ausgaben mit 1.641.670 M ab, so das ein ungedeckter Fehlbetrag von 476.551 M bleibt.


 
1931
Folgen der schlechten Finanzlage der Gemeinde für die Schulen.

In einem Schreiben vom 15. August teile das Amt Bendorf mit, dass bei dem schlechten Stand der Gemeindefinanzen sämtliche Ausgaben, beziehungsweise Anschaffungen für die Schule, bis auf weiteres vollkommen unterbleiben müssten. Am 3. September wurde der Schule mitgeteilt, dass wegen gänzlichen Fehlens der notwendigen Mittel keine Instandsetzungsarbeiten vorgenommen und die Fußböden nicht geöltt werden können.
Am 10. September fand eine Sitzung der Schuldeputation statt. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt: Sparmaßnahmen in den Schulen und unter den Sparmaßnahmen, die beschlossen und von denen sämtliche Systeme betroffen wurden, war auch der Antrag an die Regierung, an hiesiger Schule eine Lehrerstelle abzubauen. Die Regierung entsprach dem Antrage und brachte eine Lehrerstelle mit dem 31. Dezember zur Ruhe.


147
1932

Lehrer Franz wurde mit dem 1. Januar 1932 an die katholische Schule zu Horhausen, Kreis Altenkirchen versetzt.


 
Chronik gesehehen

Handschriftlicher Sichtvermerk:
Gesehen 1.3.1932
Unterschrift: Gil (Schulrat)


 
Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932

Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 Erster Wahlgang.
In Bendorf waren wahlberechtigt 6556 Wähler. Es wurden 5762 gültige und 29 ungültige Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug über 88 %.
Erfreulicherweise wurde dieser Wahlkampf wohl in scharfer Form, aber doch in Ruhe und ohne jede Ausschreitungen ausgetragen. ...............


 
 

Fortsetzung:
........................Die Stimmen verteilten sich wie folgt:

 

Wahl-
berechtigt

Gewählt
haben

Düsterberg

Hindenburg

Hitler

Thälmann

Winter

Bendorf

4094

3617

140

1731

817

924

5

Sayn

1470

1294

39

697

211

341

2

Mülhofen

992

862

17

432

57

349

0


148
Wirtschaftslage in Bendorf ab 1931

Notzeit! Armut und Sorge herrschen in zahlreichen Familien, Bedrängnis und Schwierigkeiten in der Gemeinde. Der größte Teil der Bevölkerung leidet harte Not. Groß ist die Prozession derjenigen, die Tag für Tag zum Arbeitsamt pilgern. Und nicht nur bei den Erwerbslosen, auch in weiten Kreisen der übrigen Bevölkerung ist Schmalhans Küchenmeister. 1931 stand unter dem Zeichen einer nie dagewesenen Massenarbeitslosigkeit. Die Concordiahütte hat zwar den Betrieb wenigstens in einzelnen Zweigen durchhalten können,..............


 

Fortsetzung:
.............. aber die Zahl der beschäftigten Arbeiter steht in keinem Verhältnis zu den Ausnutzungsmöglichkeiten des Werkes. Die frühere Krupp'sche Hütte wird weiter abgebrochen. Die der Gemeinde gehörende Sayner Hütte wird in beschränktem Umfang von der Bendorfer Maschinenfabrik Alois Syre, ausgenutzt.
In der Industrie der feuerfesten Steine gab es im Jahr 1931 auch Einschränkungen, Stilllegungen und Entlassungen. Die Firma Dr. Otto ist seit Juli 1931 nur noch mit wenigen Arbeitern tätig. Die rheinische Charlotte- und Dinaswerke lagen längere Zeit still und arbeiten auch jetzt nur teilweise beschränkt. Die Firma Neizert konnte, wenn auch zeitweise mit Einschränkungen, ununterbrochen den Betrieb durchhalten.
Auch in der Schwemmsteinindustrie war es im vergangenen Jahr sehr ungünstig. Viele kleinere Schwemmsteinfabriken haben überhaupt nicht aufgemacht. Andere haben mit einer wesentlich eingeschränkten Arbeiterzahl nur kurze Zeit gearbeitet.
Die Mehrzahl der Arbeitslosen war nicht in der Lage, sich die notwendige Zeit der Pflichtversicherung zu erarbeiten und ist deshalb auf die Wohlfahrt angewiesen. In der Wohlfahrtspflege musste die Gemeinde im Rechnungsjahr 1931 die Summe von 404.862,87 M aufwenden. Diese Ausgaben verteilen sich auf die einzelnen Quartale wie folgt:


149
 

Fortsetzung:

Die Ausgaben der Gemeinde verteilen sich wie folgt:

1. Vierteljahr 1931

89.731,57 M

2. Vierteljahr 1931

89.319,83 M

3. Vierteljahr 1931

97.394,78 M

Monat Januar 1932

43.486,86 M

Monat Februar 1932

34.324,87 M

Monat März 1932

50.624.96 M


Laufend unterstützt wurden:

 

Am 1. April 1931

am 31. März 1932

Kleinrentner

27

19

Sozialrentner

141

77

Fürsorgeempfänger

98

77

Wohlfahrtserwerbslose

310

610


Es wurden insgesamt an Hauptunterstützungsempfänger betreut:

 

Arbeitslosenfürsorge

Krisenfürsorge

Saisonfürsorge

Wohlfartserwerbslosen

1.04.31

456

263

0

310

1.05.31

471

321

2

310

1.06.31

354

322

2

307

1.07.31

364

344

0

315

1.08.31

256

320

25

403

1.09.31

256

339

65

399

1.10.31

356

384

52

402

1.11.31

242

427

55

489

1.12.31

244

444

65

568

1.01.32

292

483

63

599

1.02.32

353

492

48

567

1.03.32

350

500

48

610


150
1932
Winterhilfe zur Bekämpfung der Not

Zur besseren Bekämpfung der großen Not im Winter 1931-32 hatten sich die Verbände der freien Liebestätigkeit:
1.) Caritasschwestern,
2.) Vaterländischer Frauenverein,
3.) katholischer Frauenbund,
4.) katholischer Fürsorgeverein,
5.) Arbeiterwohlschafft,
6.) Evangelische Frauenhilfe

zu einem Arbeitsausschuss zusammengeschlossen und durch monatliche Haussammlung der Not entgegengesteuert. Vielen konnten dadurch Zuwendungen gemacht werden, um sie vor den größten Elend zu bewahren.


151
Schluss des Schuljahres am 22.3.1932

Das Schuljahr 1931/32 endigte am 22. März 1932.
Es wurden 14 Knaben und sechs Mädchen entlassen.


 
Beginn des neuen Schuljahres am 8.4.1932.

Das neue Schuljahr begann am 8.4.1932. Aufgenommen wurden 19 Knaben und 15 Mäd-chen. Aus der Grundschule gingen 18 Knaben und 16 Mädchen auf die Oberstufe über; vier Mädchen gingen nach vierjährigem Besuche der Grundschule über auf die "Höhere Mädchenschule" in Sayn.

Klassen und Schülerzahl.

Klasse

Schuljahr

Knaben

Mädchen

Ia.

5.,6.,7. +.8.

62

-

Ib.

5.,6.,7. + 8.

0

47

II.

3. + 4.

30

22

III.

1. + 2.

26

22

   

128

91

Summe = 219

Kinder


 
1932
Stunden-Verteilung.

Lehrer

1a.

1b.

II

III.

Stunden

Hptl. Nell

26

     

26

Lehrerin Schmaus

 

26

   

26

Lehrer Hirsch

       

28

Lehrerin Günter

 

2

4

22

28

Pfarrer Krause

 

2

   

2

Kaplan Kill

2

   

2

4


152
200 M von der Regierung zu Coblenz für Hilfsbücherei.

Die Regierung zu Coblenz hat der Schule einen Betrag von 200 M zum Aufbau der Schülerbücherei, Abteilung Hilfsbücherei zukommen lassen. Der Betrag wurde zur Beschaffung von Schulbüchern für Arme Kinder benutzt; die Bücher bleiben Eigentum der Schule.


 
Reichspräsidentenwahl am 10. April 1932.

Reichspräsidentenwahl am 10. April 1932.
Zweiter Wahlgang.
Der Wahlkampf verlief hier ruhig. Am Vorabend des Wahltages fand noch ein kommunistischer Demonstrationzug statt. Störungen kamen nicht vor. Der Wahlsonntags selbst war recht ruhig. Es wurden abgegeben in Bendorf für:

Hindenburg

2885 Stimmen

Hitler

1359 Stimmen

Thälmann

1130 Stimmen

Diese Stimmen verteilen sich folgendermaßen

 

Hindenburg

Hitler

Thälmann

Bendorf

1743

999

677

Bendorf-Sayn (S. 153)

706

265

203

Bendorf-Mülhofen

435

95

250


 
Landtagswahl am 24. April 1932

Landtagswahl am 24. April 1932
Wahlergebnis in:

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-Bdf

Sozialdemokraten

478

217

71

766

Deutschnationale

65

16

9

90

Nationale Sammlung

4

3

1

8

Zentrum

1099

372

292

1763

Kommunisten

784

262

332

1378

Deutsche Volkspartei

26

26

9

61

Volkskraft Partei

3

2

-

5

Wirtschaftspartei

13

9

3

25

Landvolk

-

1

-

1

Staatspartei

6

5

-

11

Nationalsozialisten

1011

274

91

1376

Christlich-soziale

-

2

-

2

soziale Arbeiterpartei

4

-

3

7


153
Elternbeiratswahl

Elternbeiratswahl die für den 19. Juni angesetzte Elternbeiratswahl konnte nicht stattfinden, weil zu den an-beraumten Elternversammlungen niemand erschien. Die Schule wird also auch die zwei nächsten Jahre ohne Elternbeirats sein.


 
Kinderspeisung.

Auch in diesem Winter erhielten täglich 120 Kinder sechs Morgen inviertel Liter Milch. Die Ausgabe erfolgte während der großen Pause vormittags in der Schule.


 
Reichstagswahl am 31. Juli 1932

Ergebnis der Reichstagswahl in der Gemeinde Bendorf

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-Bdf

Sozialdemokraten

546

261

130

937

Nationalsozialisten

892

257

76

1225

Kommunisten

839

327

357

1513

Zentrum

1158

416

266

1840

Deutschnationale Volkspertei

92

24

11

127

Deutsche Volkspartei

23

25

4

53

Wirtschaftspartei

6

4

2

12

Deutsche Staatspartei

1

2

0

3

Deutsches Landvolk

1

1

0

2

Christlich-sozialer Volksdienst

6

5

1

12

Volks-Partei

2

0

0

2

Sozialistische Arbeiterpartei

1

0

0

1

Deutsche Sozialistische Kampfbewegung

0

0

0

0

Kampfgemeinsch. d. Arbeiter + Bauern

0

0

0

0

Arbeiter u. Bauernpartei Deutschlands

6

0

4

10

Landwirte, Haus- u. Grundbesitzer

2

0

1

3

Nationale Wirtschaftsbewegung

0

0

0

0

Nationaler Bürger u. Wirtschaftsblock

0

0

0

0


154
Schulstreik in der Woche vom 12. bis 17.9.1932

Am Montag, dem 12. September, erschien eine ganze Anzahl Kinder nicht zum Schulbesuch. Zum Teil wurden sie entschuldigt mit der Begründung, es sei kein Frühstück vorhanden. Mädchen der Klasse 1b.........................


 
 

Fortsetzung:
........... erschienen sogar persönlich an der Schultüre und erklärten ihrer Lehrerin, sie kämen nicht zur Schule, weil sie kein Frühstück hätten. Den Kindern wurde erklärt, der angegebene Grund könne nicht als Entschuldigung gelten, da die Lehrpersonen wie immer, so auch jetzt armen und bedürftigen Kindern ein Frühstück besorgen würden. Die Kinder blieben der Schule fern, weil von den Kommunisten die Parole zum Schulstreik ausgegeben wurde.

Anlässlich der Kürzung der Wohlfahrtsätze hatten die Kommunisten sämtliche Wohlfahrtsempfänger zum Verzicht auf die Unterstützungen aufgefordert, um dadurch die Auszahlung der alten Gesetze zu erzwingen. Sie errichteten in den drei Ortsteilen Notküchen, in denen den Wohlfahrtempfänger und deren Familien unentgeltlich Essen verabreicht wurde. Von der Leitung der Notküche gingen auch die Aufforderung zum Schulstreik aus. Ich stellte nämlich den Führer wegen des Schulstreiks zur Rede, der mir auf meine Vorhaltungen zur Antwort gab: "dann müssen wir doch heute Abend noch einmal darüber sprechen", am folgenden Tage erschienen fast alle Kinder wieder zum Unterricht. Am Mittag kam von der Leitung der Notküche eine Abordnung zu mir und erklärte, wenn die Kinder nicht um 12:00 Uhr zum Essen beurlaubt würden, dann kämen die Kinder nicht mehr zur Schule;


155
 

Fortsetzung:
.......... wenn in Bendorf die Kinder bereits um 11 ein halb Uhr zum Essen geschickt würden, so müsse das auch in Mülhofen möglich sein.
Am Donnerstag fehlten 26 Kinder ohne Entschuldigung. Alle waren mit nach Koblenz zur Demonstration. Als ich am Freitagmorgen die einzelnen fragte, warum sie gefehlt hätten, erhielt ich nachstehende Antworten:
1.) Schüler Adolf XXX erklärte: der Jakob Späth hat uns gesagt: "wer nicht mit geht, bekommt kein Essen mehr. "Als ich ihn fragte, wie es mit der Schule sei, sagte Erich XXX: "der Bürgermeister hat Urlaub gegeben"
2.) Schüler Peter XXX erklärte: der Jakob Späth und noch andere haben nach dem Essen gesagt: "wer nicht mit geht, bekommt kein Essen mehr. Ich fragte wie er es mit der Schule wäre; da wurde gesagt: "wir fragen nicht mehr nach dem Lehrer!"
Diese Aussagen bestätigten die anderen Kinder.
Diesen Notküchen stellte das Amt Bendorf einen namhaften Geldbetrag zur Verfügung und gestattete Listensammlungen bei den Bürgern.
Nachstehend eine Aufstellung der Namen der am Schulstreik beteiligten Kinder. Eine solche Liste wurde auch dem Amt Bendorf eingereicht. Von einer Verfolgung der Angelegenheit ist der Schule nichts bekannt.


156
1932
Verzeichnis der am Schulstreik beteiligten Kinder

Im Original ist eine Liste eingefügt; mit Namen von 37 Kindern, einschließlich der Namen des Vaters und die Fehltage an dem die Kinder nicht zur Schule waren.
(Anm.: nicht veröffentlicht aus Gründen des Datenschutzes)


157
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10. 10. 32

nach der Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober betrug die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf:

Bendorf

6504

Einwohner

Sayn

2459

Einwohner

Mülhofen

1509

Einwohner

Summe:

10472

Einwohner

Die Einwohner verteilen sich auf die Geschlechter:

 

männlich

weiblich

Bendorf

3161

3343

Sayn

1153

1306

Mülhofen

797

712

Summa

5111

5361


158
1932

Von den Einwohnern sind:

 

kath.

evgl.

isr.

diss.

Bendorf

5045

1241

45

173

Sayn

2024

288

133

19

Mülhofen

1311

188

0

10

Summa

8380

1712

178

202

         

159
Erkrankung der Lehrerin Günter

Vom 1. Bis 12. Oktober wurde in Klasse III. wegen Erkrankung der Lehrerin Günter täglich 2 Stunden Vertretung eingerichtet.


 
Reichstagswahl am
6. 11.1932

Ergebnis der Reichstagswahl am 6. 11.1932

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-Bdf

Nationalsozialisten

846

216

45

1107

Sozialdemokraten

475

243

112

830

Kommunisten

948

819

374

1641

Zentrum

1116

388

264

1768

Deutsche Volkspartei

91

28

19

138

Deutsch-Nationale Volkspartei

49

22

11

82

Deutsche Staatspartei

3

3

0

6

Splitterparteien

25

9

4

38


 
Das frühere Krupp'sche Bürogebäude wird Wohnhaus

Herr Philipp Johann von hier kaufte das frühere Bürogebäude der Krupp'schen Hütte (Mülhofener Hütte) und machre ein stattliches Wohnhaus daraus.


 
1932
Schadensfeuer in der Rheinstraße am 27.11.32

Am Sonntag, 27. November nachmittags gegen 4:00 Uhr alarmierte die Sirene der Mülhofener Hütte die Feuerwehr. In dem Anwesen des Landwirtes Josefs Dielentheis in der Rheinstraße war aus unbekannter Ursache Feuer ausgebrochen. An dem Heu- und Strohvorräten fand es reiche Nahrung und verbreitete sich blitzschnell auf den ganzen Gebäudekomplex. Die Hauseigentümer waren nicht zuhause. Die Mülhofener Feuerwehr war bald zur Stelle und nahm die Bekämpfung des Feuers auf. Nach kurzer Zeit traf auch der Bendorfer Löschzug ein. Mit fünf Schlauchleitungen wurde nun das Feuer bekämpft. Die Scheune war nicht zu retten; darum war die Feuerwehr bemüht, die angrenzenden Gebäude zu schützen; es gelang ihr auch unter Leitung des Brandmeisters Joseph Barthel, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Nur der Oberteil des Wohnhauses fiel dem Feuer noch zum Opfer. Ein großer Teil des Mobiliars konnte gerettet werden.


160
Erkrankung des Hptl. Nell.

Infolge übergangener Grippe erkrankte der Schreiber dieses, Ende November an einem schweren Herz- und Nervenleiden. Vom 28 November bis zu den Weihnachtferien wurde in Klasse Ia. wöchentlich 20 Stunden Unterricht durch Lehrer Hirsch, Lehrerin Schmaus und Lehrerin Günter erteilt.


 
1933
Fortdauer der Erkrankung des Lehrers



Schließung der Schule wegen Grippe

Erkrankung des Lehrers Hirsch und der Lehrerin Günter an Grippe.

Klasse Ia. muß bis 1. Juni 1933 wegen Fortdauer der Erkrankung des Lehrers durchgeschleppt werden. Infolgedessen hatten alle Klassen bis 1. Juni gekürzten Unterricht. Zeitweise fiel der Unterricht in einzelnen Klassen ganz aus, da auch Lehrer Hirsch und Lehrerin Günter im Laufe des Winters an Grippe erkrankten. Die Grippe trat in diesem Winter besonders stark auf.


Wegen der vielen an Grippe erkrankten Kinder wurde vom 6. bis 12.Februar die Schule geschlossen.


Vom 14, bis 26. Februar mußte Lehrer Hirsch wegen Grippe aussetzen und Lehrerin Günter in der Zeit vom 15. bis 18. Februar aus dem gleichen Grund.


161
1933
Ergebnisse der Wahlen zum Reichstag und Preußischen Landtag am 5. März 1933

Ergebnisse der Wahlen zum Reichstag und Preußischen Landtag am 5. März 1933

Wahlbeteiligung:     88 %

 

Mülhofen

Bendorf

Sayn

 

Reichstag

Preuß. Landtag

Reichstag

Preuß. Landtag

Reichstag

Preuß. Landtag

Nationalsozial. d. Arbeiterpartei

92

98

962

946

282

273

Sozialdemokratische Partei

132

133

495

492

235

239

Kommunistische Partei

289

292

775

778

308

303

Zentrumspartei

314

315

1336

1327

396

392

Kampffront schw.-weiß-rot

14

11

109

103

26

26

Radikaler Mittelstand

0

1

0

9

0

2

Deutsche Volkspartei

11

13

35

30

23

22

Christlich-sozialer Volksdienst

2

2

14

15

10

10

Deutsche Staatspartei

0

0

2

1

4

4

Deutsche Bauernpartei

0

0

0

0

0

0


 
1933
Ergebnisse der Gemeinderatswahlen am
5. März 1933

Ergebnisse der Gemeinderatswahlen am 5. März 1933

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-
Bendorf

Mandate

N.S.D.A.P

928

232

110

1270

5

Sozialdemokraten

494

244

95

833

3

Kommunisten

499

185

191

864

3

Zentrum

1140

365

272

1777

6

Vereinigter Mittelstand

156

111

10

277

1

In den neuen Gemeinderat sind demnach gewählt:

N.S.D.S. P.

  • Elsen Aloys, Oberinspektor, Bendorf
  • Kettenbach Johann, Schlosser, Bendorf
  • Catepoel Willi, Angestellter, Bendorf-Mülhofen
  • Hünermann Oskar, Angestellter, Bendorf-Sayn
  • Spies Heinrich, Seilermeister, Bendorf

S.P.D

  • Gelhart Anton, Gewerkschaftssekretär, Bendorf
  • Henrich Bernhard, Justizwachtmeister, Bender-Sayn
  • Kopp Wilhelm, Monteur, Bendorf

K.P.D.

  • Freisberg Peter, Arbeiter, Bendorf
  • Metzler Ludwig, Former, Bendorf-Sayn
  • Klemen Hans, Künstler, Bendorf-Müllofen

Zentrum

  • Sauerborn Johann, Bäckermeister, Bendorf
  • Herber Anton, Former, Bendorf
  • Kemp Anton, Buchhalter, Bendorf-Sayn
  • Schneider Karl, Metzgermeister, Bendorf-Mülhofen
  • Görgen Joseph, Geschäftsstellenleiter der Kriegsbeschädigten, Bendorf.
  • Nett Peter, Arbeiter Bendorf-Sayn

Vereinigte Bürgerliste

  • Schmidt, August, Kaufmann, Bendorf

 
1933
Kreistagswahl

Ergebnisse der Kreistagswahl:

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-Bendorf

N.S.D.A.P

958

251

105

1314

Sozialdemokraten

502

247

99

848

Kommunisten

493

181

190

864

Zentrum

1174

391

276

1841

Kampffront schwarz-weiß-rot

82

25

13

120

Vereinigter Mittelstand

27

46

1

74

Arbeiter und Bauernliste

4

4

0

8

         

163
Provinzial Landtagswahl

Ergebnisse der Provinzial Landtagswahl

 

Bendorf

Sayn

Mülhofen

Groß-Bendorf

N.S.D.A.P

971

273

102

1346

Sozialdemokraten

497

250

69

843

Kommunisten

491

184

190

865

Zentrum

1188

404

282

1874

Kampffront schwarz-weiß-rot

71

24

11

106

Deutsche Volkspartei

9

7

2

18

Splitter

18

8

1

29

         

 
Kinderspeisung

100 Schulkinder erhielten von Ende Januar bis zu den Osterferien täglich 1/4 Liter Milch; die Ausgabe erfolgte in der großen Pause in der Schule.


 
1933
Schluß des Schuljahres am 4.April

Das Schuljahr 1932/33 endigte am 4. April. Es kamen 16 Knaben und 17 Mädchen zur Entlassung.


164
Beginn des Schuljahres, am 1. Mai 1933.

Das neue Schuljahr begann am 1. Mai. Da der 1. Mai im neuen Staat ein Feiertag (Tag der nationalen Arbeit) ist, war der 2. Mai erster Schultag. Aufgenommen wurden 11 Knaben und 12 Mädchen; davon wurde ein Knabe wegen Schmächtigkeit ein Jahr zurückgestellt. Aus der Grundschule gingen 13 Knaben und 10 Mädchen auf die Oberstufe über, ein Knabe ging nach vierjährigem Besuche der Grundschule über auf das Gymnasium in Neuwied und ein Mädchen auf die Privatschule in Bendorf.

Klassen und Schülerzahl.

Klasse

Schuljahr

Knaben

Mädchen

Ia.

5.,6.,7. +.8.

58

-

Ib.

5.,6.,7. + 8.

0

47

II.

3. + 4.

27

14

III.

1. + 2.

31

33

   

116

94

Summe; 210 Kinder


 
Feiertag der nationalen Arbeit am 1.5.1933

Der 1. Mai, zum erstenmale Feiertag der nationalen Arbeit, wurde auch in unserer Ge-meinde festlich begangen. Schon zur Vorfeier am Sonntagabend waren Hunderte erschie-nen, um durch die festlich geschmückten Straßen Bendorfs im Fackelzug zu marschieren. Alle Straßen waren umsäumt von Menschen, und an dem Straßenkreuzungen stauten sich die Massen..............


 
 

Fortsetzung:
............Im Marsch zogen die Formationen, vorauf die SA mit ihren Sturmfahnen durch die Straßen zur Schützenhöhe.
Auf der Schützenhöhe herrschte starkes Gedränge im Saal. Die Festgäste wurden von dem Bendorfer Orchesterverein mit schmissigen Militärweisen unterhalten. Der stellvertretende Ortsgruppenführer Cattepoel begrüßte die Versammlung und gedachte in kurzer Ansprache der Gefallenen des Weltkrieges und der 300 Kämpfer in braunem Ehrenkleid, die für die Verwirklichung der Ideen Adolf Hitlers ihr Leben gelassen haben. Zu Ehren der Gefallenen erhob sich die Versammlung, während die Musikkapelle das Lied vom guten Kameraden spielte. Die Worte des Redners klangen aus in einem dreifachen Sieg-Heil, in der die Menge begeisternd einstimmte.
Am 1. Mai fanden um 8:00 Uhr auf fast allen Werken kurze, eindrucksvolle Feiern statt. Daran nahmen die Belegschaften geschlossen an den Festgottesdiensten teil. Nachmittags bewegte sich ein imposanter Festzug von Bendorf-Sayn aus durch Bendorf-Mülhofen und Bendorf; es mögen wohl 3000 Teilnehmer in dem Zug gewesen sein. Die Zugführung durch reitende SA und Polizei war eindrucksvoll. Es folgten die militärischen Formationen, hinter ihnen zahlreiche Autos, die die Schwerkriegsbeschädigten mit sich führten. Dann kam eine Gruppe Kriegbeschädigter zu Fuß und Arbeitsinvaliden, dann die lange Reihe der Nationalsozialistischem Beamtenschaften, die zahlreichen Behörden, .............


165
 

Fortsetzung
.............darunter die Stadtverwaltung mit ihren Beamten, die Bahnbeamten, die Postbeamten, die Lehrerschaft usw. Und dann folgten die Mitglieder der NSDAP.. Einen besonders großen Raum nahmen die nationalsozialistische Betriebs-Zellen- Organisation ein, die ein großes Schild vorantragen ließ. Interessant war die ausgedehnte Gruppe der verschiedenen Innungen in ihrer Zunftskleidung. Da marschierten Bäcker und Metzger, Schuster und Schneider, Schreiner, Maurer, Zimmerleute, Friseure und alle anderen Berufe. Alle führten Teile ihrer Arbeitsgeräte mit. Auch die Bauernschaft, teils in Bauernkleidung zu Pferd, teils auf einem vierrädrigen Heuwagen war vertreten. Ihnen hatten sich die Milchhändlervereinigung mit einem Milchwagen angeschlossen. Dann kamen die Belegschaften, angeführt von der Brauerei Hünermann, die auch einen Teil ihrer Arbeiterschaft in Berufskleidung mit Gerätschaften marschieren ließ. Es folgten zahllose weitere Belegschaften der verschiedensten Werke bis zum größten, von denen die Concordia-Hütte den Schluss machte. In der Gruppe der Concordia-Hütte waren die einzelnen Berufsabteilungen für sich gegliedert. Da marschierten der Lehrling, der Geselle, der Arbeiter, der Meister, der Ingenieur, der Angestellte, der Beamte, der Direktor. Dann reihten sich die zahlreichen Ortsvereine von Bendorf ein.


166
 

Fortsetzung:
..............Auf dem Marsch durch Bendorf gruppierten sich die Zugteilnehmer im Park zu Bendorf um den großen Rasenplatz, zum Teil auf demselben. Die Musikkapelle spielte das Deutschlandlied und das Horst-Wessel Lied. Dann marschierten SA und Stahlhelm zum Kriegerdenkmal. Der Pfarrer Röder hielt im Namen der NSDAP. eine kurze Ansprache und legte einen Kranz mit Hakenkreuzschleife nieder. Der Stahlhelm folgte mit einem Kranz mit schwarz-weiß-roter Schleife. Nach dem Abrücken der militärischen Formationen löste sich der Zug auf.


167
Winterhilfe 1932/33

Zur Bekämpfung der großen Not im Winter 1932/33 hatten sich die Verbände der freien Liebestätigkeit wieder zusammengeschlossen, wie im Jahre vorher. In jedem der drei Ortsteile wurde ein Ausschuss gebildet aus Mitgliedern der genannten Vereine. Die Führung übernahm in Bendorf Herr Peter Ohlig sen. und in Sayn Herr Stefan Teisen. Hier in Bendorf-Mülhofen lag die Führung in den Händen der Frau Wefelscheid. Zur Schaffung von Geldmitteln wurde am 16.10.32 im Saale des Gastwirts Schneider ein Bazar veranstaltet. Es wirkten dabei mit: Vaterländischer Frauenverein und seine Jugendabteilung, Turnverein, Gesangverein, Feuerwehr und Sanitäter. Zu einer mit dem Bazar verbundenen Verlosung stiftete die Concordiahütte einen.........


 
 

Fotzestzung:
........ schönen Zimmerofen. Dank einiger Stiftungen und in Folge des darauf starken Besuches wurde bei der Veranstaltung ein Reingewinn von über 1.200 M erzielt. Monatliche Sammlungen durch die karitativen Vereine: Vaterländischer Frauenverein, Hilfsverein, Christlicher Frauenverein, Arbeiterwohlfahrt und Sanitätskolonne wiesen schöne Ergebnisse auf. Mit diesem durch den Bazar erzielten Reingewinn, den durch die monatlichen Sammlungen eingesammelten Gaben und den geldlichen Unterstützungen einiger großer Firmen (Krupp - Essen und Vereinigte Stahlwerke), konnten ohne jede Unterstützung von kommunaler und staatlicher Seite von Oktober 1932 bis Mai 1933 rund 250 Familien bedacht und vor der schlimmsten Not bewahrt werden. Die Familien erhielten außer Kartoffeln, Kohlen, Schuhen, Kleidung und Wäschestücken monatlich Lebensmittelpakete von 6 -10 Pfund. In dem Wirtschaftsgebäude der Concordiahütte war eine Küche eingerichtet, die an Erwerbslose ein gutes Mittagessen für 15 Pfennig abgab. Eine Familie konnte bis vier Mittagessen erhalten. Diese Einrichtung wurde sehr viel in Anspruch genommen. Die Concordiahütte stellte jeden Nachmittag den geheizten Speisesaal der Menage als Aufenthaltsraum für die Arbeitslosen kostenlos zur Verfügung. Hier fanden die Leute Zeitschriften und Zeitungen zum Lesen, ein Billard, Kartenspiele,..................


168
 

Fortsetzung:
..................allerlei Gesellschaftsspiele zur Unterhaltung. Diese Einrichtung fand besonders Anklang und auch die daselbst ab- und zu gehaltenen Vorträge und Lichtbildervorführungen waren stets gut besucht. In den Ortsteilen Bendorf und Sayn wurde in ähnlicher Weise für die Erwerbslosen gesorgt.
Aus Nachstehendem geht hervor, was die Ausschüsse in den einzelnen Ortsteilen im Wege der Winterhilfe 1932/33 an die Hilfsbedürftigen verausgaben konnten.


169
1933

Die Winterhilfe verteilte in der Zeit von Oktober 32 bis Mai 1933

 

in:      

Bendorf Sayn Mülhofen Gesamt

Lebensmittel, einschl. Fette u. Brot:
a/gesammelte
b/gekaufte


46 Ztr.
10 Ztr.

12,5 Ztr.
21,5 Ztr.

7,5 Ztr.
15,0 Ztr.

66,0 Ztr.
46,5 Ztr.

Kartoffeln einschl. Gemüse verbilligt abgegeben um die Hälfte des Preises
a/gesammelte
b/gekaufte



150 Ztr.
400 Ztr.


-
1272 Ztr..


-
676,5 Ztr.


-
2348,5 Ztr.
Milch
Milch für Schulkinder
(zu d. Milch für die Schulkinder gab der Kreis einen Zuschuß)
-
3735 Ltr.
-
1606 Ltr.
-
1525 Ltr.
580 Ltr.
6866 Ltr.

Kohlen und Brikett wurden verbilligt abgegeben

290 Ztr. 104 Ztr. 310 Ztr. 704 Ztr.

Schuhe verbilligt abgegeben:

88 Paar 36 Paar 57 Paar 181 Paar

Schuh - Sohlen

203 Paar 105 Paar 83 Paar 391 Paar
 
 

Fortsetzung:

Kleidung:

       

a/ neue Hemden

2

13

30

45

... neue Kinderanzüge

-

5

-

5

... neue Kleiderstoffe

9

10

-

19

... neue Bettbezüge

-

17

-

17

... neue Mädchenkleider

-

5

-

5

... neue Mützen

-

6

-

6

... neue Schürzen

-

9

-

9

... neue Strümpfe

-

22

9

31

... neue Wolle

Strang 2

-

-

2

 

b/ alte Männeranzüge

2

5

25

32

... alte Kinderanzüge

3

-

-

3

... alte Mäntel

21

4

-

25

... alte Jacken

68

3

-

71

... alte Hemden

48

8

25

81

... alte Frauenkleider

19

20

-

39

... alte Schuhe

47

8

5

60

... alte Mädchenkleider

19

-

-

19

... alte Mützen

41

-

-

41

... alte Schürzen

23

-

-

23

... alte Strümpfe

111

-

-

111

... alte Hosen

6

-

-

6

... alte Schlüpfer

47

-

-

47

... alte Bettbezüge

39

-

-

39

... alte Damenhüte

6

-

-

6

... alte Herrenhüte

13

-

-

13

... alte Schals

5

-

-

5

... alte Krawatten

6

-

-

6

170
 

... alte Kragen

43

-

-

43

... alte Herrenwesten

4

-

-

4

... alte Unterhosen

10

-

-

10

... alte Handtücher

3

-

-

3

... alte Flicklappen

Bund 1

-

-

Bund 1

... alte Aufnehmer

1

-

-

1

Gutscheine für Lebensmittel

65

40 a 4 Essen

9

114

Zum Mittagessen untergebrachte Kinder

63

2

5

70


171
1933
Technische Schulamtsbewerberin Hölgen vom 3. Juli bis 15. August an der Schule beschäftigt.

Die technische Schulamtsbewerberin Hölgern von hier hatte sich bereit erklärt, wöchentlich 11 Unterrichtsstunden unentgeltlich zu erteilen, um dadurch die Vorbedingungen für die Ablegung der zweiten Prüfung zu erfüllen. Sie wurde zu diesem Zwecke der hiesigen Schule zugewiesenen und erteilte vom 3. Juli bis 15. Oktober in den Klassen 1b. und II. den Nadelunterricht und den Turnunterricht für Mädchen. Vom 15. Oktober ab wurde ihr der Handarbeitsunterricht für Mädchen in den Schulen der Bürgermeisterei Halsenbach übertragen.


 
Stadtentwicklung

Im Laufe des Sommers wurden auf einem Grundstück in dem Dreieck zwischen der Kirchhofsweg und Saynerlandstraße, hinter dem so genannten Zeppelinbau drei Doppelsiedlungshäuser errichtet. Zwei Familien von hier (Weiler und Schäfer), drei aus Bendorf (Schläger, Metzler und Gelhard) und eine aus Bendorf-Sayn (Meurer) bezogen die die Siedlungshäuser.


 
1933
Bürgermeister Lerner ab 1. Oktober in den Ruhestand.

Am 1. Oktober trat Bürgermeister Lerner in den Ruhestand.

Mit der Vertretung der Bürgermeisterstelle wurde Dr. Opladen in Bendorf- Sayn beauftragt.


172
Die Schulen Bendorfs zum Schulaufsichtskreis Koblenz, Stadt und Land

Durch Verfügung des Regierungspräsidenten vom 26. Juli 1933 wurde der Regierungsbezirk Koblenz unter Aufhebung der bisherigen Regelung mit Wirkung ab 1. August 1933 in zehn Schulaufsichtskreise eingeteilt, die mit den politischen Kreisen zusammenfallen. Die Schulen Bendorfs gehören nun zum Schulaufsichtskreis Koblenz, Stadt und Land


 
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10. 10. 1933

Nach der Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1933 beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf = 10.607 Personen.

Bendorf

6484

Einw.

Bendorf-Sayn

2564

Einw

Bendorf-Mülhofen

1559

Einw

Die Einwohner verteilen sich auf die Geschlechter wie folgt:

 

männl.

weibl.

Bendorf

3123

3361

Bendorf-Sayn

1169

1395

Bendorf-Mülhofen

813

746

 

5105

5502

 

10.607

Hiervon sind:

 

Kath.

Evgl

Isr.

Diss.

Bendorf

5111

1205

48

120

Sayn

2099

275

173

17

Mülhofen

1368

184

-

7


 
 

Die Zahl der Haushaltungen beträgt:

Bendorf

1759

Sayn

665

Mülhofen

414

Zusammen: .........2838


173
Am 18. Oktober trat der neue Bürgermeister seinen Dienst an.

Heute trat Herr Otto Komp, bisheriger Bürgermeister zu Moers, als kommissarischer Bürgermeister des Amtes Bendorf seinen Dienst an.


 
Goldene Hochzeit am 27.11.1933.

Die Eheleute Johann Wambach feierten heute das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Gleichzeitig feierte ein in Bendorf verheirateter Sohn (des Jubel-Paares) silberne Hochzeit.


 
Erholungsurlaub für Lehrer Hirsch vom 21. November bis Weihnachten.

Besichtigung der Schulgebäude durch eine Regierungskommission am 14.12.1933. Da die Gemeinde für die schon seit Jahren notwendige Instandsetzung der Schulgebäude, der Schulzimmer, der Entwässerung der Schul-Grundstücke und für die Beschaffung von Bänken kein Geld besitzt und durch die große Zahl der Wohlfahrtsempfänger in den letzten Jahren über eine halbe Million Schulden gemacht hate, möchte sie das notwendige Geld für die Schulen von der Regierung haben. Eine Regierungskommission...........


 
 

Fortsetzung:
............. nahm heute eine gründliche Besichtigung der Gebäude vor. Mir wurde erklärt, daß hier unbedingt geholfen werden müsse und dies auch wohl bald geschähe. Bisher sei von Mülhofen nie die Rede gewesen, sondern stets nur von Bendorf, andernfalls diese Mängel längst beseitigt wären.


174
1934
Neuer Ofen in Klasse III am 20.2.1934.

(Das) Klassenzimmer in der neuen Schule (Lehrer Hirsch) erhielt einen neuen Ofen.


 
Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und Wirtschaftserhebung Ende März.

Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit macht sich endlich auch hier bemerkbar. Die Concordiahütte hat in letzter Zeit auch an 150 Personen mehr eingestellt. Zahlreiche Arbeitskräfte finden jetzt in der Bimsindustrie Beschäftigung. Die Nachfrage nach Schwemmsteinen war in letzter Zeit derart groß, daß die gewaltigen Vorräte in kurzer Zeit von Lagerplätzen verschwunden waren.


 
Schluss des Schuljahres am 28.3.1934.

Das Schuljahr 1933/34 endigte am 28. März. Es kamen 13 Knaben 16 Mädchen zur Entlassung.


 
Neue Schulbänke in Klasse II der alten Schule und Anstrich der Wände.

In den Osterferien lieferte die Neuwieder Schulbankfabrik für eine Klasse in der alten Schule 27 zweisitzige Bänke, a.- 19,50 M und drei Schlußlehnen a.- 5 Mark. In dieser Klasse wurden auch Wände, Fenster und Türen neu gestrichen. Die Arbeiten wurden vom Anstreichermeister Barthel, Sayn, ausgeführt.


 
1934
Milchspeisung

Durch die N.S.-Wohlfahrt wurden von Weihnachten bis Ostern täglich 125 Kinder mit 1/4 Ltr. Milch versehen. Die Austeilung geschah in der großen Pause, wie in früheren Jahren.

(Anm.: Die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt (NSV) wurde am 3. Mai 1933, nur wenige Monate nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten als Organisation der NSDAP und eingetragener Verein gegründet)


175
Beginn des neuen Schuljahres am 17.4.1934.

Das neue Schuljahr begann am 17. April.
Aufgenommen wurden 11 Knaben 13 Mädchen.
11 Knaben und 14 Mädchen gingen aus der Grundschule auf die Oberstufe über; ein Mädchen ging nach vierjährigem Besuch der Grundschule über auf die Privatschule in Bendorf.

Mit Beginn des neuen Schuljahres wurde die Trennung der Geschlechter in den vier oberen Jahrgängen aufgehoben

Klassen und Schülerzahl:

 

Schuljahr

Knaben

Mädchen

Klasse I.

7. + 8.

34

21

Klasse II.

5. + 6.

26

24

Klasse III.

3. + 4.

34

17

Klasse IV.

1. + 2.

34

21

 

128

83

 

211 Kinder

Stundenverteilung:

 

Kl. I.

Kl. II.

Kl. III.

Kl. IV.

Sa.

Hptl. Nell

27

     

27

Lehrerin Schmaus

(2)

26

   

26

Lehrer Hirsch

3

 

26

 

29

Lehrerin Günter

 

2

(4)

22

29

Pfarrer Krause

2

     

2

Kaplan Kill

 

2

2

 

4

 

32

30

28

22

 

 
1934
Saarkinder in B-Mülhofen.

Von den 29 in der Gemeinde untergebrachten Saar-Kindern weilen im Ortsteil Mülhofen 9; davon besuchen 8 die katholische Schule Bendorf-Mülhofen.


176
Bildung der Amtswehr Bendorf.

In einer Versammlung der freiwilligen Feuerwehren von Bendorf, Sayn und Mülhofen wurde der Zusammenschluss der drei Wehren zu einer Amtswehr, unter Führung des Dachdeckermeisters Karl Elgen beschlossen. Die Gliederung der Wehr soll so vorgenommen werden, daß in Bendorf ein Normal-Löschzug und in Sayn und Mülhofen je ein Halbzug gebildet werden.


 
Wiederbelebung der Wirtschaft.

Ein guter Gratmesser für die Wiederbelebung unserer Wirtschaft ist das Leben und Treiben am Rheinwerft. Die Uferlänge der Werftanlage reichte in letzter Zeit nicht aus, den ankommenden Schiffen genügend Platz zum Anlegen zu bieten. Der Gesamtumschlag am Rheinwerft entwickelte sich in den Monaten des ersten Vierteljahres 1934 im Vergleich zu den gleichen Monaten des Vorjahres wie folgt:

 

Umschl. in to.

1934

Umschl. in to.

1934

Januar

8033

5330

Februar

13100

9482

März

23902

13603

     

Die Steigerung der Umschlagsziffern für Ton, Quarzit, Bims und Bimserzeugnisse gewinnt noch an Bedeutung, wenn man in Betracht zieht, daß der Umschlag an Basalt...........


 
1934

Fortsetzung:
...........gegenüber den Vorjahren durch Beendigung der großen Wasserbauten in Holland erheblich zurückgegangen ist.

Der Absatz in der Bimsindustrie ist besonders gut und hält sich auf einer beachtlichen Höhe. Während in früheren Jahren die Anfuhr zum Rheinwerft fast nur durch Pferdefuhrwerke getätigt wurde, fahren jetzt nur noch eine ganze Anzahl der schwersten Lastautos beinahe Tag und Nacht. In den letzten Wochen des Monats April konnten deshalb verschiedene Betriebe wieder zahlreiche weitere Arbeitskräfte einstellen.


177
Tag der nationalen Arbeit in der Gemeinde Bendorf.

Der 1. Mai, der Tag der nationalen Arbeit, brachte hier in der Gemeinde zu Recht den tiefen Sinn des Tages zu Geltung, die Volksverbundenheit öffentlich zu dokumentieren. Jeder Standesunterschied war verwischt. Führer, Arbeiter, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Meister, Gesellen und Lehrlinge fanden sich an einem Tisch zusammen. Der Arbeiter fühlte, daß er der Mittelpunkt des höchsten nationalen Feiertages war.

Der Vorabend wurde eingeleitet mit der Errichtung eines riesigen Maibaumes auf dem Kirchplatze in Bendorf. Ein Festzug der N.S. Formationen mit den Abordnungen der Berufs- und Vereinsgruppen........


 
 

Fortsetzung:
.............. setzte sich nach dem Kirchplatze in Bewegung. Der ganze Ort prangte im Flaggenschmuck und Grün. Auf dem Kirchplatze leitete die Stahlhelm-Kapelle die Feier mit einem schneidigen Marsch ein. Dann sang der Bendorfer-Männergesangverein zwei Volkslieder. Herr Bürgermeister Komp nahm anschließend das Wort, und legte in einer Ansprache den tieferen Sinn des alten deutschen Volksfestes am 1. Mai Tage dar und unterschied zwischen den so genannten "Maifeiern" des vergangenen Systems und den Maifeiern, die dem ganzen deutschen Volke wiedergeschenkt worden seien von unserem genialen Führer und Volkskanzler im Zeichen der wirklichen Volksverbundenheit. Jene vergangenen Maifeiern hätten dem Zwecke der Zersetzung und Spaltung der Volksgenossen gedient, während die heutigen Feiern eben den Ausdruck der Volksverbundenheit, der Niederlegung der Mauern, der Klassengegensätze dienten. Mit Worten tiefsten Dankes an unserem Führer Adolf Hitler und einem begeistert aufgenommenen "Sieg - Heil" schloß der Redner. Mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel Liedes fand die Vorfeier ihren Abschluss.

Am Feiertage selbst, einem herrlichen Maitage, eilten die Arbeiter frühmorgens zu ihren Arbeitsstätten, die meisten im Anzug der deutschen Arbeitsfront, um mit ihren Betriebs-..........


 
 

Fortsetzung:
................ Führern gemeinsam den Feiertag an der Stätte der Arbeit zu beginnen. Die Veranstaltungen waren umrahmt von musikalischen und gesanglichen Darbietungen. Um 8:30 Uhr marschierten die Belegschaften geschlossen mit Musik zu den Gotteshäusern, wo Festgottesdienste abgehalten wurden. Die Schuljugend sämtlicher Schulen fand sich um 9:00 Uhr im Park zusammen, wo ihnen die Rede des Führers von der Jugendkundgebung im Lustgarten in Berlin durch einen Großlautsprecher übermittelt wurde.

Kurz nach Mittag zog ein imposanter Festzug durch die Straßen Bendorfs mit prächtig geschmückten Wagen und Gruppen, in der Mitte des Zuges der Wagen mit der Maikönigin, Schulkinder und Frauenschafften bildeten Spalier auf den Straßen. Der Festzug bewegte sich zum Park und gruppierte sich um die Tribüne; eine etwa 3000 Personen zählende Menschenmasse; in der Mitte des Festplatzes stand der Wagen mit der Mai-Königin. Mit dem "Badenweiler" Marsch eröffnete die Stahlhelm-Kapelle den Festakt. Dann brachte der Bendorfer-Männergesangverein ein Chorwerk zum Vortrag. Nach einem weiteren Marsch der Sayner-Kapelle nahm Bohndorf, Mayen, das Wort zur Festrede. Er griff zurück in die vergangenen Zeiten der Schmach; ließ im Geiste den unerbittlichen Kampf der.........


 
 

Fortsetzung:
................ nationalsozialistischem Bewegung gegen eine Welt von Feinden vorbeiziehen, zog Vergleiche zwischen damals und heute und zeigte auf, wie der Nationalsozialismus aus einem Chaos - neuen Geist und neuem Glauben an die Zukunft des deutschen Vaterlandes gesät habe. Diese Saat sei aufgegangen, die vielfältigen Erfolge auf den Gebieten der Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur legten Zeugnis davon ab. Die Erfolge, die ein Rückblick über das vergangene Jahr zeige, seien neuer Ansporn, mit allen Kräften in dem vom Führer aufgezeigten Sinne weiterzuarbeiten, um das große Werk der Wiederherstellung gesunder und geordneter Verhältnisse im deutschen Vaterlande zu vollenden. Dieser Gedanke müsse jedem Volksgenossen beseelen, der mithelfen wolle, dem Volksganzen und damit sich selbst zu dienen. Mit einem dreifachen "Heil" auf unser Vaterland schloß der Redner. Anschließend sang die Festversammlung das Deutschlandlied. Sirenengeheul und Fanfarengeschmetter kündeten die Führerrede an. Leider traten so starke atmosphärische Störungen auf, daß die Rede nicht gehört werden konnte. Der Ortsgruppenleiter brach daher die Feier ab und beschloss sie mit einem tiefen Dank an den Führer durch ein dreifaches "Sieg Heil". Dann wurde das Horst-Wessel-Lied gesungen.
Es dauerte nicht lange, da verkündeten............


180
 

Fortsetzung:
..............Donnerrollen und zuckende Blitze ein nahendes Unwetter, daß auch bald wolkenbruchartig über unsere Gemarkung niederging und in Gärten und Feldern großen Schaden anrichtete. Der Schulgarten bei der alten Schule hier bildete einen großen, tiefen Schlammsee. Ein Teil der Einfriedungsmauer war eingestürzt.
Abends versammelten sich die Belegschaften der einzelnen Betriebe mit dem Betriebsführern und Angestellten in den Wirtschaften zu den von den Betrieben aufgezogenen Familienabenden, die den Geist der Ungezwungenheit und Volksverbundenheit atmeten. Die Concordiahütte versammelte ihre Angestellten und Arbeiter und deren Frauen in den Sälen von Schneider, Vest und Schäfer. Damit jeder einige frohe Stunden erleben konnte, hatte die Betriebsleitung jedem Werksangehörigen ein Gutschein ausgehändigt, der ihn dem Verzehr von 1 Mark auf Kosten des Betriebs gestattete.


181
Ergebnis der Abstimmung in Bendorf am 19. 8. 1934.

Anmerkung zu der nachstehenden Tabelle:
Bei einer Wahlbeteiligung von 95,71% entscheiden sich 89,93% der deutschen Wähler für die Zusammenlegung der Ämter des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers. (Zitat Ende))

  Zahl d.
Stimmber.
Stimm-
scheine
Gesamtzahl
d. Stimmb.
Gesamtzahl abg. Stim. Ungültige Stimmen Gültige Stimmen Ja
Stimmen
Nein Stimmen

Bendorf

4010

275

4285

4161

134

4027

3119

908

Sayn

1482

290

1772

1732

35

1697

1454

243

Mülhofen

968

41

1009

976

37

939

799

140

 

6460

606

7066

6869

206

6663

5372

1291

An Bendorfer, die auswärts wählen wollten, wurden 402 Stimmscheine ausgestellt.

(Anm.: von 6869 abgegebenen Stimmen, stimmten in Bendorf: 78,21 % mit Ja, 18,79 % mit Nein; ungültige Stimmen waren 3,00 % )


 
1934
Krankheit des Herrn Hauptlehrer Nell.

In der Zeit vom 27. September bis 15. Oktober 34 wurde der Klasse 1a. Vertretungsunterricht erteilt, da Hauptlehrer Nell erkrankt war.


182
Ergebnis der Personenstandsaufnahme vom 10.10.1934.

Nach der Personenstandsaufnahme vom 10. Oktober 1934 beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf: Zusammen 10.571 Personen.

 

Einw.

Bendorf

6463

B.-Sayn

2550

B.-Mülhofen

1558

Summe:

10572

Hiervon sind:

 

Kath.

Evgl.

Isr.

Diss.

Bendorf

5075

1208

43

137

B.-Sayn

2064

270

198

18

B.-Mülhofen

1374

177

0

7

Die Zahl der Einwohner verteilt sich auf die Geschlechter wie folgt:

und die Zahl der Haushaltungen:

 

männl.

weibl.

Zahl d. Haushaltungen

Bendorf

3138

3325

1751

B.-Sayn

1179

1371

653

B.-Mülhofen

818

740

422

Summe =

5135

5436

2826


 
1934
Anstreicherarbeiten in den beiden Schulhäusern.

In den Monaten Oktober und November 1034 wurden nacheinander die vier Schulsäle, die Treppenhäuser der alten und der neuen Schule, die Außenwände der alten Schule, die Fenster der beiden Schulhäuser, sowie je eine Küche in jedem Schulhaus neu gestrichen. An dem alten Schulhaus wurde die Dachrinne erneuert.


183
Milchspeisung.

In der Zeit nach dem Weihnachtsferien bis zu Beginn der Osterferien erhielt die Schule an allen Schultagen 23 l Milch von der N.S.-Wohlfahrt. Es konnten täglich 100 Kinder mit einer Tasse Milch gespeist werden. Die Verteilung geschah wie in früheren Jahren durch Familienangehörige der Lehrer.


 
Pfennig-Opfer der Schulkinder für das Saarland.

Die Schule trat im Frühjahr 1934/35 als Kooperationsmitglied dem Heimatbund der Saarländer bei. Es wurden 16,00 M durch Pfennigopfer von den Schulkindern aufgebracht und auf dem Konto Nummer 4198 bei der Städtischen Sparkasse Koblenz eingezahlt.


 
Lehrmittelbeiträge für den Unterrichtfilm 1934/35.

An Lehrmittelbeiträge für den Unterrichtfilm wurden im Schuljahr 1934/35 gesammelt und abgeliefert am:

24.09.1934

22,10 M

31.11.1934

17,40 M

14.02.1935

24,30 M

zusammen:

63,80 M


 
1935
Schulentlassung.

Am 1. April kamen zur Entlassung: 21 Knaben und neun Mädchen; von diesem gingen 3 Knaben (Namen, ausgelassen) ins Landjahr


184
Aufnahme der Schulneulinge

Wegen der späten Lage des Osterfestes fand die Aufnahme der Schulneulinge bereits vor Ostern am 5. April statt. Es wurden 14 Knaben und fünf Mädchen aufgenommen.
14 Knaben und drei Mädchen gingen aus der Grundschule auf die Oberstufe über; ein Knabe ging nach dreijährigem Besuch der Grundschule auf das Gymnasium nach Neuwied über.


 
Beginn des neuen Schuljahres am 24.4.1935

Das neue Schuljahr begann am Mittwoch nach Ostern am 24. April.

Klassen und Schülerzahl:

 

Schuljahr

Knaben

Mädchen

Klasse I.

7. + 8.

27

20

Klasse II.

5. + 6.

31

34

Klasse III.

3. + 4.

26

18

Klasse IV.

1. + 2.

26

21

 

110

83

193 Kinder

Stundenverteilung:

 

Kl. I.

Kl. II.

Kl. III.

Kl. IV.

Sa.

Hptl. Nell

27

     

27

Lehrerin Schmaus

(2)

26

   

26

Lehrer Hirsch

3

 

26

 

29

Lehrerin Günter

 

2

(4)

22

28

Pfarrer Krause

2

     

2

Kaplan Kyll

 

2

2

 

4

 

32

30

28

22

 

 
1935
Tag der nationalen Arbeit.

Auch in diesem Jahre wurde der Tag der nationalen Arbeit in der Gemeinde Bendorf wie in den beiden Vorjahren gefeiert. Sämtliche Schulen versammelten sich morgens früh in Park zu Bendorf, wo ihnen die Jugendkundgebung im Lustgarten in Berlin durch eine Großlautsprecheranlage übermittelt wurde. Bei dem imposanten Festzug durch die festlich geschmückten Straßen - der Festzug kam in diesem Jahre auch durch den Ortsteil Mülhofen, bildeten die Schulkinder Spalier.


185
Der Schlackenberg der früheren Mülhofener-Hütte wird aufgebraucht.

Die Mülhofenerhütte, früher einer der bedeutendsten Betriebe der Hüttenindustrie im hiesigen Wirtschaftsgebiet, war im Jahre 1930 vollständig stillgelegt worden. Die Firma Krupp, Essen, verkaufte das ganze Hüttengelände an die Firma Has, Magdeburg, zum Abbruch. Alles nur noch irgendwie brauchbares Material an Maschinen, Eisen und dergleichen wurde zum Verschrotten herausgebrochen, so daß nach kurzer Zeit das einstige Hüttengelände das traurige Bild einer großen, wüsten Ruine bot.

Im Vorjahr erstand die Frankfurter "Schwemmsteinfabrik Geldmacher" den Besitz. Dadurch erhielten gleich im ersten Sommer durchschnittlich 170 Arbeiter Beschäftigung. Um nach Beendigung der saisonmäßigen Bimssteinproduktion...........


 
 

Fortsetzung:
............ den Beschäftigungsgrad nicht zu mindern, begann die Firma intensiv mit den bislang noch zurückgestellten Aufräumungsarbeiten auf dem verwahrlosten Gelände. Jetzt wurde nun der große Schlackenberg, der noch von der früheren Hütte übrig geblieben ist, an einen Unternehmer für Haldenverwertung verkauft. Bei der Ausbeute handelt es sich in der Hauptsache um eine industrielle Verarbeitung der in den Schlacken enthaltenen Manganmengen, die für die Sicherung der Rohstoffversorgung von besonderer Wichtigkeit sind. Mit dem planmäßigen Abbau der gewaltigen Halde wurde bereits begonnen. Dadurch haben wieder etwa 40 Arbeiter für mehrere Jahre ausreichende Beschäftigung erhalten.


186
Die Instandsetzung der Saynerstraße.

Von der Saynerstraße wurde das Stück von der Unterführung bis zum Kirchhofweg als Probestück für ein neues Straßenbaumaterial neu hergestellt.


 
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10. 10. 1935.

Nach der Personenstandsaufnahme am 10. Oktober beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf 10.419 Personen

Bendorf

6420 Einw.

B.-Sayn

2499 Einw.

B.-Mülhofen

1500 Einw.

zusammen:

10.419 Einw.


 
1935

Personenstandsaufnahme - hiervon sind:

 

Kath.

Evgl.

Isr.

Diss.

Bendorf

5036

1196

4o

148

B.-Sayn

2006

280

195

18

B.-Mülhofen

1320

171

0

9

Die Zahl d. Haushaltungen und Einwohner verteilen sich auf die Geschlechter wie folgt:

 

männl.

weibl.

Zahl d. Haushaltungen

Bendorf

3103

3317

1791

B.-Sayn

1136

1363

643

B.-Mülhofen

786

714

414

Summe =

5025

5394

2848


187
1936
Lernmittelbeiträge für den Unterrichtsfilm.

Im Schuljahr 1935/36 wurden am Lernmittelbeiträge gesammelt und abgeliefert:

am 16. Mai... 1935

23,45 Mark

am 14. Aug.. 1935

24,20

14. Nov......... 1935

22,90

14. Febr........ 1936

20,60

zusammen:

91,05 Mark


188
Schulentlassung



Landjahr.

am 27. März 1936 wurden 16 Knaben und 14 Mädchen entlassen

4 Knaben (namentlich genannt) und 3 Mädchen (namentlich genannt) kamen ins Landjahr.


 
Beginn des neuen Schuljahres 1936/37.

Das neue Schuljahr begann am 15.4.1936, am Mittwoch nach Ostern.
Aufgenommen wurden 12 Knaben und 13 Mädchen.
Aus der Grundschule gingen 14 Knaben und 13 Mädchen auf die Oberstufe über.
Zwei Knaben und ein Mädchen gingen nach vierjährigem Besuch der Grundschule auf eine höhere Schule über.


 
Lehrer Hirsch im Ruhestand.

Auf seinen Antrag wurde Lehrer Hirsch von der Regierung zum 1. Juni diesen Jahres (1936) in den Ruhestand versetzt. Ein längeres Leiden hatte seine dauernde Dienstunfähigkeit bedingt. Seit November.......


 
 

Fortsetzung:
............. 1910 hat Herr Lehrer Hirsch als Jugenderzieher an der hiesigen Volksschule gewirkt und sich die Achtung und Wertschätzung seiner Schüler, der Eltern und der ganzen Einwohnerschaft erworben. Im Vereinsleben hat er sich lange Jahre führend betätigt; in den letzten Jahren war er insbesondere der N.S.V. (Anm.: National-Sozialistische-Volkswohlfahrt) ein bewährter und zuverlässiger Helfer. In seiner Bescheidenheit lehnte er jedoch Ehrung und eine Abschiedsfeier ab. Mögen ihm noch recht viele Jahre der Ruhe bescheiden sein.


189
 

Klassen und Schülerzahl

 

Schuljahr

Knaben

Mädchen

Klasse I.

7. + 8.

21

20

Klasse II.

5. + 6.

27

15

Klasse III.

3. + 4.

22

24

Klasse IV.

1. + 2.

31

20

 

101

79

180 Kinder

Stundenverteilung für die Zeit der Vertretung

 

Kl. I.

Kl. II.

Kl. III.

Kl. IV.

Sa.

Hptl. Nell

23

+2

5

 

30

Lehrerin Schmaus

+3

20

5

 

28

Lehrer Hirsch

ausgefallen.

Lehrerin Günter

 

2

8

18

28

Pfarrer Krause

2

     

2

Kaplan Klasen

 

2

2

 

4

 

25

24

20

18

 

 
1936
Umbau und Vergrößerung der Abortanlage.

Die seit Jahren sehr schlechten Aborte wurden in den Monaten April und Mai völlig umgebaut und erweitert. Die Maurerarbeiten führte die Baufirma Johann Hahn, Bendorf, aus; die Holzarbeiten wurden von dem Zimmermeister (..........),Bendorf und die Klempnerarbeiten von dem Klempnermeister (..........), Bendorf, geliefert.


190
Am 1. Juni wird die freie Lehrerstelle durch Lehrer Franz besetzt

An die Stelle des in den Ruhestand versetzten Lehrers Anton Hirsch wurde mit dem 1. Juni Lehrer Anton Franz ernannt. Lehrer Franz war bereits vom 1. Oktober 1930 bis zum 31. Dezember 1931 an hiesiger Schule angestellt. Am 1. Januar 1932 ging hier infolge der Sparmaßnahmen der Gemeinde eine Lehrerstelle ein; Lehrer Franz wurde nach Horhausen, Kreis Altenkirchen, ernannt. Dort war er tätig bis zum 1. April 1934. Mit diesem Tage kam er an die Schule in Bendorf-Sayn. Seine Familie blieb hier, da er weder in Horhausen noch später in Bendorf-Sayn eine Wohnung haben konnte.


Stunden Verteilung ab 1. Juni 1934

 

Kl. I.

Kl. II.

Kl. III.

Kl. IV.

Sa.

Hptl. Nell

27

     

27

Lehrerin Schmaus

(2)

26

   

28

Lehrer Franz

3

 

26

 

29

Lehrerin Günter

 

2

(4)

22

28

Pfarrer Krause

2

     

2

Kaplan Klasen

 

2

2

 

4

 

32

30

28

22

 

 
1936
Einrichtung einer Waschküche im Keller der alten Schule.

Im Keller der alten Schule wurde eine Waschküche eingerichtet mit einem besonderen Eingang vom Garten her, an der Südseite des Hauses.

Im August wurde die Hauptlehrerwohnung mit Ausnahme des Flurzimmers tapeziert, Fenster und Türen gestrichen.


191
Neuberechnung des Miet-Zinses

Auf eine Beschwerde gegen den Mietzins der Hauptlehrer-Dienstwohnung wurde durch das preußische Staatshochbauamt I. in Ehrenbreitstein der Anrechnungswert der Dienstwohnung mit Wirkung vom 1.4.1936 ab, wie folgt festgesetzt:

Friedensvorkriegswert

472,68 RM

+ 10 %

47,27

sa.=

519,95 RM

   

Nach verschiedenen Auf-, Zu- und Abschlägen verbleiben als Berechnungsgrundlage.....................

 

 

582,68 RM (p. a)

(Anm: ab 30.8.1924 - 20.6.48 hieß die Deutsche Mark - "Reichs Mark" = RM)


 
Errichtung eines H.J.-Heimes im Anbau der neuen Schule

Lehrer Hirsch zieht nach Lützel. In die neu hergerichtete Wohnung zieht Lehrer Franz. Seine bisherige Wohnung im Anbau der neuen Schule wird zum H.J.-Heim (Anm.: Hitler-Jugend Heim) eingerichtet.


 
1936
Ergebnis der Personenstandsaufnahme am 10.10.1936

nach der Personenstandsaufnahme am 10. Oktober 1936 beträgt die Einwohnerzahl der Stadt Bendorf 10.561 Personen

Bendorf

6.570 Einw.

B.-Sayn

2.435 Einw.

B.-Mülhofen

1.456 Einw.

zusammen:

10.561 Einw.

Personenstandsaufnahme - hiervon sind:

 

Kath.

Evgl.

Isr.

Diss.

Bendorf

5147

1190

42

191

B.-Sayn

2028

287

195

25

B.-Mülhofen

1296

155

0

5

Die Zahl d. Haushaltungen und
Einwohner verteilen sich auf die Geschlechter wie folgt:

 

männl.

weibl.

Zahl d. Haushaltungen

Bendorf

3176

3394

1862

B.-Sayn

1180

1355

655

B.-Mülhofen

756

700

421

Summe =

5112

5449

2938


192
Entwässerung des Schulhofes

im Dezember 1936 und im Frühjahr 1937 wurde der vor der alten Schule gelegenen Hof, der bei jedem Regen unter Wasser stand und unpassierbar war, durch ein Rohrnetz entwässert. Das Netz wurde durch eine Rohrleitung in der Hüttenstraße an die, bis zum Hause Dillentheis, bereits 1904 hergestellte Kanalleitung angeschlossen. Der Schulhof................


 
1937

Fortsetzung;
..................der Schulhof wurde aufgefüttert und der Straße gleich gelegt.


193
Mauer zwischen Hausgärten der Schule und Gärten der Hüttenhäuser.

Gleichzeitig wurde zwischen den Hausgärten der alten Schule und den Gärten der Hüttenhäuser eine Stampfmauer (Anm.: Stampfbetonmauer) errichtet, um den Schulgarten vor Überschwemmungen, denen er bis jetzt immer ausgesetzt war, zu schützen. Einige Frostnächte, des sonst außerordentlich milden Winters, setzten der kaum fertiggestellten Mauer stark zu, so daß bereits im ersten Frühjahr große Ausbesserungsarbeiten notwendig waren. Auf die Mauer setzte Schlossermeister Berger, Bendorf, einen neuen Drahtzaun.


 
Neue Pfeiler am Klosettbau der neuen Schule.

Bei der Rohrlegung zwischen Schulaborten und neuer Schule zur unterirdischen Abführung des Regenwassers zeigte es sich, daß die Pfeiler des Klosettanbaus an der neuen Schule keine Fundamente hatten. Der Anbau drohte einzustürzen. Eiserne Träger wurden eingezogen, beide Pfeiler abgerissen und durch neue mit starkem Fundament ersetzt. Alle diese Arbeiten führte die Firma Gieß, Bendorf, aus.


 
Kinderspeisung.

Vom 19. Oktober 1936 bis zum 24. April 1937 erhielten 50 Schulkinder an fünf Wochentagen je ¼ Ltr. Milch und an einem Tag "Maggis" Fleischbrühe von der N.S.-Wohlfahrt. Die Austeilung erfolgte vormittags in der großen Pause in den Schulsälen der Klassen I. und II., durch Angehörige der Lehrer.


 
1937.
Gründung einer Schul-Sparkasse und Sparbetrag 1936/37.

Zu Anfang September 1936 wurde eine Schulsparkasse eingerichtet; Vertrauensperson für dieselbe ist Fräulein Lehrerin Schmaus. Im Schuljahr 1936/37 wurden seit der Gründung vom September bis zum 1. April 1937 von den Schulkindern für 55,00 RM Sparmarken gekauft.


194
Lehrmittelbeiträge für den Unterrichtsfilm 1936/37.

An Lehrmittelbeiträge in wurden in Schuljahr 1936/37 abgeliefert, am:

15.05.1936

19,80 RM

10.08.1936

19,80 RM

16.11.1936

18,80 RM

13.02.1937

19,50 RM

zusammen =

77,90 RM


 
Eintrittsgeld für Besuch staatspolitischer Schulfilme 1936/37.

An die Gaufilmstelle der N.S.D.A.P. in Koblenz wurde am Eintrittsgeld für staatspolitische Schul-Filmveranstaltungen gezahlt, am:

10.10.1936

8,90 RM

07.11.1936

11,90 RM

12.03.1937

10,50 RM

zusammen =

31,30 RM


 
Jugendherbergspfennig.


Sammlung für das deutsche Jugendherbergswerk am 22.5.1936.

Für das Jugendherbergswerk wurde an monatlichen Pfennigbeiträgen der Schulkinder im Schuljahr 1936/37 der Betrag von 21,70 Reichsmark abgeliefert.

Eine Sammlung der Kinder der Klasse I für das deutsche Jugendherbergswerk in ihrem Freundes- und Verwandtschaftskreise brachte den Betrag von 17,20 RM.


 
1937.
Ergebnis der Schulsammlungen für das Deutschtum im Ausland. 1936/37.

Die Kinder der Klasse I. beteiligten sich auch an den Schulsammlungen für das Deutschtum im Ausland. Es konnten an den Landesverband Mittelrhein des Bundes für das Deutschtum im Ausland abgeliefert werden, am:

15.05.1936

24,60 RM

19.02.1937

19,80 RM

zusammen =

44,40 RM


195
Wegen zahlreicher Grippeerkrankungen wurde die Schule geschlossen.

Im Winter 1936/37 trat die Grippe sehr stark auf; ganze Familien lagen krank. Die Zahl der Erkrankten wurde vor Weihnachten täglich größer; in den Schulklassen fehlten über 60 % der Kinder. Vom Gesundheitsamt Koblenz wurde am 18.12.1937 die Schließung der Schule bis zum Ende der Weihnachtsferien angeordnet.


 
Schulentlassung.

Am 23. März fand in dem festlichgeschmückten Saale der Klasse I. eine Entlassungsfeier statt. Außer den Kindern der drei oberen Jahrgänge nahmen alle Lehrenden der Schule, Vertreter der N.S.D.A.P., die Jugendwalter und die Eltern der aus der Schule Scheidenden daran teil. Entlassungen wurden 13 Knaben und 8 Mädchen. Davon gingen 5 Knaben (na-mentlich genannt) ins Landjahr. 


 
Beginn des neuen Schuljahres 1937/38.

Das neue Schuljahr begann am 13. April es wurden 21 Schulkinder (12 Knaben und neun Mädchen) aufgenommen.


 
letzte Eintragungen des Hauptlehrers Anton Nell.

Anm.: Dieses waren die letzten Eintragungen des Hauptlehrer Anton Nell. Hauptlehrer Nell war sehr schwer erkrankt und wurde durch den Hauptlehrer Berlin abgelöst. Lehrer Berlin führte die Chronik ab hier weiter.


 
1938.
Erkrankungen der Lehrpersonen und Vertretungen.

Am 3. September 1937 konnte der Hauptlehrer Nell wegen ernstlicher Erkrankung den Unterricht nicht aufnehmen. Lehrer Franz übernahm die volle Vertretung in Klasse I. und führte diese bis zur Neubesetzung der Hauptlehrerstelle durch.

Fräulein Schmaus musste wegen Erkrankung zweimal für längere Zeit den Unterricht in Klasse II. ausgesetzten, vom 20. 02 bis 31. 03 und vom 20. 04 bis 08.05.1938. Sie wurde von Lehrer ............ vom 20. Januar bis 31. März und von Lehrer............ vom 20. April bis 8.5.1938 vertreten


196
Neubesetzung der Hauptlehrerstelle.

Herr Nell wurde am 1. Oktober 1938 in den Ruhestand versetzt. Von Herrn Kreisschulrat Loosen wurde ihm am 5. Oktober das Treuedienst-Ehrenzeichen in Gold überreicht. Die Hauptlehrerstelle erhielt der Hauptlehrer Anton Berlin aus Rieden, Kreis Mayen. Geboren am 18.8.1897 in Oberbreisig, Kreis Arweiler, besuchte die Präparatie in Sinzig vom 1911-1914 und das Lehrerseminar in Prümm von 1914 -1916. Lehrtätigkeit: 1919-1921 Schulamtsbewerber in Dommershausen, Kreis St. Goar, 1921 in Neuenahr, Herbst 1921-1932 Lehrer in den Dankenrath, Kreis Adenau, 1932-1938 Hauptlehrer in Rieden.


 
Neue Bänke in Klasse I.

Mitte November erhielt die Klasse I neue Bänke. Mit Ausnahme des Saales der Klasse IV. sind jetzt alle Schulsäle mit zweisitzigen Bänken ausgestattet.


 
Klassenwechsel der Lehrpersonen Franz und Schmaus.

Auf Anordnung des Herrn Kreisschulrats wechselten am 1. Dezember Fräulein Schmaus und Lehrer Franz ihre Klassen. Fräulein Schmaus unterrichtet jetzt in Klasse III., Lehrer Franz in Klasse II.


197
Treuedienst-Ehrenzeichen.

Lehrer Franz erhielt am 11. Dezember das Treue-Dienst Ehrenzeichen in Silber.


 

Nachträge:

   
Tod eines Schülers durch Ertrinken.

Im August 1937 ertrank der Schüler Jakob Müller (6. Schuljahr) aus Mülhofen beim Baden im Rhein.


 
Kinderspeisung.

Am 4. November 1937 begann die Schulkinderspeisung durch die N.S.V., die bis Ostern dauerte. Betreut wurden sämtliche Schulkinder. Sie erhielten täglich heiße Milch.


 
Erneuerung der Straßen in Mülhofen.

Im November 1938 erhielten der Kirchhofsweg und die Hüttenstraße von der Gastwirtschaft Vest bis zur Unterführung eine neue Teer-Makadammdecke.


 
Schulentlassungsfeier Ende März 1938.

-------------------------

Schulentlassungsfeier Ende März 1938.
(Anm.: Bericht fehlt)


 
Gemeinschaftsschule in Bendorf, Sayn und Mülhofen.

Die evangelische Schule in Bendorf wird aufgelöst. Wie schon vor der Eingemeindung Mülhofens in die Stadtgemeinde Bendorf besuchen vom 5. Januar 1938 ab, alle schulpflichtigen Kinder die Volksschule in Mülhofen, gleichviel, welcher Konfession sie angehören.


188
 

Eine Bekanntmachung des Bürgermeisters in der örtlichen Presse.

Bekanntmachung!
Die Entschließung des Unterzeichneten vom 13. November 1937 auf Errichtung der Gemeinschaftsschule in Bendorf ist durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten vom 13.12.1938 (II e, 7 Nummer 1098) genehmigt worden.
Die Einführung der Gemeinschaftsschule erfolgt unbeschadet der Durchführung des in § 36 des Volksschulunterhaltungsgesetzes vorgeschriebenen Verfahrens vom 1. Januar 1939.
Begründete Einsprüche gegen die Einführung der Gemeinschaftsschule können innerhalb vier Wochen vom Tage der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ab beim Kreisausschuss des Landkreises Koblenz in Koblenz eingelegt werden. Die Ansprüche sind bei dem Unterzeichneten einzureichen.
Bendorf, den 22. Dezember 1938.
Der Bürgermeister.
Komp.


 
Feierliche Einführung der Gemeinschaftsschule am 5.1.1939.

Alle schulpflichtigen Kinder von Bendorf-Mülhofen versammelten sich heute um 8:30 Uhr am Fahnenmast an der Hüttenstraße (Anm.: die Saynerstraße war mit Wirkung 1.1.1938 umbenannt worden), Vertreter der Partei und der Stadtverwaltung (PG Hess, Direktor Wefelscheid) namen an der Feier teil. Lieder und Gedichte wechselten ab. Nach der feierlichen Flaggenhissung legte der Schulleiter in einer kurzem Ansprache den Sinn der Gemeinschaftsschule dar. Er erinnerte an das brüderliche.................


 
 

Fortsetzung:
... ......zusammenstehen aller Deutschen zu Beginn des Weltkrieges, an das herrliche Erlebnis der Frontkameradschaft, an die Mächte der Zerstörung in der Nachkriegszeit und an die Tat des Führers, der alle Deutschen zu einer großen Volksgemeinschaft zusammengeführt hat. Nach der Verpflichtung der neu hinzugekommenen Kinder zur treuen Mitarbeit in der Schulgemeinschaft bildeten die Deutschen Lieder den Ausklang der Feier.


199
Schulbesuchsziffer am 5.1.1939

Schulbesuchsziffer am 5.1.1939

Klasse

Knaben

Mädche

Sa.

 

kath

evgl

kath

evgl

 

I.

25

2

14

1

42

II.

21

1

20

1

43

III.

28

3

23

2

56

IV.

29

1

18

6

54

 

103

7

75

10

195


 
Tagesfahrt der Klasse I.
28. März 1939

Mit einem Umnibus der Firma Scheidweiler, Engers unternahm die Klasse I, der sich einige Schüler der Klasse II. angeschlossen hatten, am 28. März eine Tagesfahrt in die Voreifel. Diese Fahrt, die uns sowohl in landschaftlich schöne Gegenden unserer weiteren Heimat führte, als uns auch einen Einblick tun ließ in den Reichtum der Vulkaneifel an Bodenschätzen und ihre bewegte geschichtliche Vergangenheit, wird für die Schüler eine schöne Erinnerung an ihre Schulzeit bleiben. Über Neuwied und Weißenthurm gelangten wir zu der Segelfliegerschule auf dem Hummerich bei Plaidt. Ein Fluglehrer.........


 
 

Fortsetzung:
...............führte uns durch die vorbildlich ausgestatteten Räume der Schule. Begeistert waren die Schüler beim Anblick der zahlreichen, in dem weiträumigen Schuppen untergebrachten Segelflugzeuge, die sie eingehend besichtigten. Sogar ein Motorflugzeug war vorhanden. Einige Schüler durften auf den Führersitz eines Segelflugzeuges Platz nehmen und mit dem Steuerknüppel in der Hand die verschiedenen Steuereinrichtungen bedienen. Dann wurde die Kuppe des Plaidter Hummerichs, von wo die Segelflieger starten, erstiegen und einen Ausblick in die gesegneten Gefilde der Pellenz getan.
Das Eifelvereinsmuseum (Eifel-Vereins-Museum) mit seinem reichhaltigen Sammlungen, die Museumsverwalter Hörter eingehend würdigte, war unser Ziel in Mayen. Vom Mammutknochen bis zum Notgeld der Inflationszeit ist hier alles in jahrelanger unermüdlicher Arbeit zusammengetragen, was die weitere Umgebung von Mayen an Bodenfunden, geschichtlicher und kulturgeschichtlicher, geologischer und mineralischer, sowie volkskundlichen Schätzen herzugeben hatte. Für die Schüler war der 1 ½ stündige Besuch des Museums ein Erlebnis.
Nach einer Fahrt durchs obere Nettetal, am Schloss Bürresheim vorbei, wurde in Niedermendig einer Basaltslavagrube ein Besuch abgestattet. Hier konnten die Kinder die Gewinnung und Verarbeitung eines der wichtigsten Bodenerzeugnisse der Vulkaneifel verfolgen. Losbrechen der Basaltlava in tiefen Schächten, Herauswinden der schweren...............


200
 

Fortsetzung:
..............Blöcke durch Kräne; Verarbeitung der kleinen Stücke zu Pflastersteinen, Herstellung von Einfassungen und Grabsteinen, Zerlegen mächtiger Blöcke zu dünnen Platten usw. waren Arbeitsvorgänge, die mit lebhafter Anteilnahme beobachtet wurden.
Die Perle der Eifel der Laacher-See, und das romantische Brohltal zeigten uns noch einmal die hervoragenden landschaftlichen Reize der Vulkaneifel.
Den Abschluß der Fahrt bildete der Besuch des "Tönissteiner Sprudels" in einen Seitentälchen des Brohltales, der eine andere wichtige Gabe Vulkanus; kohlensäurereiches Mineralwasser, gewinnt und verarbeitet. Die Unkosten der Schüler für die Fahrt beliefen sich einschließlich Eintritt ins Eifelvereinsmuseum, Besteigung des "Lydiaturmes" und Kaffe im Hotel Lauch auf RM 2,70.


201
Schulentlassungsfeier am 30.3. 1939.

Entlassen wurden 15 Knaben und 4 Mädchen.
Eine Feierstunde, zu der zahlreiche Eltern, der Ortsgruppenpropagandaleiter und der Zellenleiter Pg. Vest, erschienen waren, fand am 30.3. im Saale der Gastwirtschaft Schäfer statt. Nachfolgend die Folge.


 

Programmablauf
Schulentlassungsfeier der Volksschule in Bendorf-Mülhofen
Folge der Darbietungen:
Wir begrüßen die Gäste das Lied: "auf, hebt unsere Fahnen!" wird gemeinsam gesungen.
Wir singen und spielen Soldatenlieder (Teil I)
Lesung: Was der Führer über unsere Jugend sagt.
Sprecher: Wehrmacht und Wehrwillen.
Die Jungen spielen uns ein heiteres Spiel vor, dass sich nennt: "Kriegsgeschichte in 16 Bildern"
Soldatenlieder aus alter und neuer Zeit (Teil II)
Kurze Pause
Sprecher: Erziehung zur Gemeinschaft.
Gedicht: "A' Rat von alten Veitl".
Heitere Verse über die Entlaßschüler.
Wechselspruch: "vom Vaterland und Freiheit"
wir singen dreistimmig: "Deutschland, heiliges Wort".
Was die Schüler den Entlassenen wünschen (zwei Gedichte)
Entlaßschüler sagen ihre Wahlsprüche. Der Schulleiter übergibt die Entlaßschüler der Volksgemeinschaft.
Schlusswort des politischen Leiters.
Sieg-Heil, Deutschland- und Horst-Wessel-Lied.

Wir laden alle Eltern herzlich ein.
Unkostenbeitrag 0,10 DM
Die Lehrpersonen und Schüler der Volksschule.


 
Schulausflug am 18.7. 1939

Eine fröhliche Rheinreise, an der sich die meisten Schüler und Schülerinnen der Klassen I., II. und III. mit einigen Eltern der Kinder beteiligten, unternahm die hiesige Schule am 18. Juli. Der Fahrpreis belief sich für die Strecke Bendorf - Königswinter und zurück auf RM 1,40. Dem Aufstieg auf den Drachenfels schloß sich eine Wanderung durch das Siebengebirge und der Abstieg durch das Rheindörfertal nach Honnef an.


202
Dauerkindergarten der N.S.V.

In dem Neubau des Schulgebäudes "am Schulenberg" befinden sich zwei Räume. Der zur ebenen Erde gelegene diente bis zum 15. Juli als Klassenzimmer der Unterklasse, im ersten Stock hatte die Hitlerjugend ihr Heim. Nach gründlicher Instandsetzung der beiden Räume (ein Neuanstrich der Treppenflure wird zurzeit in Angriff genommen) ist der Saal der Klasse IV. jetzt im ersten Stock, während der Raum zur ebenen Erde von der N.S.V. als Kindergarten eingerichtet wurde. Augenblicklich wird dieser von etwa 40 Kindern aus Mülhofen besucht. Die Leitung hat Fräulein Käthe Kohl von hier.


 
Lehrerzimmer.

Ein kleiner Raum im ersten Stock des Anbaus, am Schulenberg 13, der bis zum 15. Juli von der N.S.V. als Ausgabezimmer benutzt wurde, ist nun freigegeben worden und wird als Lehrerzimmer benutzt.


 
Kriegsausbruch.

Schon vor Ausbruch der kriegerischen Entwicklungen mit Polen erfolgte auch hier die Einberufung zahlreicher Wehrpflichtiger Männer zum Heeresdienst. In der Nacht vom 25. zum 26. August wurden Lehrer Franz und Hauptlehrer Berlin zu den Waffen gerufen. Ersterer steht als Leutnant der Reserve bei einer Transportkolonne; letzterer als Soldat bei einer Brückenwachtkompagnie in Koblenz. Fräulein Günther, unterstützt von Lehrer Müller aus Sayn, übernahm die Leitung der hiesigen Volksschule. Später trat an die Stelle des Lehrers Müller Lehrer Langenlauf aus Bendorf. Nach den Weihnachtsferien unterrichteten hier neben Fräulein Günther zwei Lehrpersonen aus dem geräumten Gebiet an der Saar; Herr Oberlehrer Berger aus Saarbrücken und Fräulein Andlar aus Dillingen. Infolge des Umbaus der beiden Schulsäle in dem Gebäude an der Hüttenstraße (näherer Bericht siehe weiter unten!) stehen zurzeit nur zwei Schulsäle zur verfügung, so daß die Stundenzahl der einzelnen Klassen stark herabgesetzt werden musste.


203
Einquartierung 23.10.1939

Schon vor Beginn des oben erwähnten Umbaus konnten die Klassenräume der Klassen I. und II. nicht mehr für Unterrichtzwecke benutzt werden.
Klasse I. diente von Beginn des Krieges an, einer Wache der Hilfspolizei, als Unterkunft. (Luftschutz- und Feuerlöschdienst).
Nach der überraschend schnellen Beendigung des Polen-Krieges wurden zahlreiche..............


 
 

Fortsetzung:
......... Truppenteile, die an dem Feldzug im Osten teilgenommen hatten, in den Westen des Reiches verlegt. Im Verlauf dieser Maßnahmen erhielt auch Mülhofen Einquartierung. Eine Artillerie-Beobachtungs- Abteilung, die zuletzt vor Warschau gestanden hatte, bezog mit drei Batterien bis zum 7. Januar 1940 hier Quartier. Die Schreibstube und die Fahrzeugwache der ersten Batterie waren in dem Saal der Klasse I. untergebracht, während der Unterrichtraum der Klasse II. zur Aufbewahrung verschiedener Geräte diente. Die Schulhöfe dienten den Kraftfahrzeugen der Batterie als Parkplatz.


204
Fräulein Schmaus in den Ruhestand versetzt 1.11.1939

Fräulein Lehrerin Schmaus, die krankheitshalber seit August 1939 beurlaubt war, wurde am 1. November in den Ruhestand versetzt.
Es folgt der Text einer Glosse in der örtlichen Presse.

In den Ruhestand versetzt.
Mit dem heutigen Tage tritt die Lehrerin Fräulein Katharina Schmaus, Bendorf-Mülhofen in den Ruhestand. Seit dem 1. Mai 1908 wirkte sie an der Schule in Mülhofen und kann mithin auf die ungewöhnlich lange Zeit von 31 Dienstjahren an einem Ort zurückblicken. Unter schwierigen Verhältnissen, bedingt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit, setzte Fräulein Schmaus ihre ganze Kraft für das ihr anvertraute Erziehungswerk ein. Besondere Anerkennung verdient ihre Arbeit in Hinsicht auf ihren, oft geschwächten Gesundheitszustand. In einer kürzlich durch den Herren Regierungspräsidenten übersandten Urkunde wurde ihr der Dank der Schulbehörde für langjährige treue Pflichterfüllung ausgesprochen. Den dringenden Wunsche der aus dem Schuldienst scheidenden Erzieherin entsprechend, findet eine besondere Abschiedsfeier nicht statt. Die Bevölkerung, die Schulkinder und die Lehrpersonen von Mülhofen möchten daher an dieser Stelle Fräulein Schmaus aufs herzlichste für ihre Aufopferungsvolle Tätigkeit zum Wohle der Jugend danken. Unsere besten Wünsche begleiten sie auf ihrem ferneren Lebenswege. Möge ihr noch lange Jahre in bester Gesundheit beschieden sein.

Die Stadt Bendorf überreichte Fräulein Schmaus in Anerkennung ihrer Verdienste eine künstlerische Plakette des Führers mit Widmung.


 
1940
Einquartierung.

Nach dem Abrücken der sächsischen Artillerie-Beobachtungs-Abteilung lag eine westfälische Artillerie-Beobachtungs-Abteilung hier in Quartier. Es folgten später noch eine Division-Feldpoststelle, eine Tankabteilung (Brennstoffversorgung der Wehrmachtsfahrzeuge) und eine Pionier-Transportkolonne. Als am 10. April 1939 der deutsche Einmarsch in Belgien und Holland begann, rückten auch die letzten noch hier befindlichen Truppen ab. Die Hauptverkehrsstraßen wurden einige Tage lang von rheinabwärts- marschierenden Truppenteilen stark benutzt. Besonders am ersten Pfingsttage rissen die vorbeimar- schierenden Kolonnen nicht ab.


205
Schulbesuchsziffern.

Sie beträgt nach Ostern 201 Schulkinder.

Klasse

 

Kinder

I.

1. u. 2. Schuljahr

56

II.

3. u. 4. "

51

III.

5. u. 6. "

59

IV.

7. u. 8. "

35

   

201


 
Umbau der Schulgebäude an der Hüttenstraße.

Der im Januar begonnene Umbau nähert sich Ende Mai langsam seiner Vollendung. Der Mangel an Arbeitern und Handwerkern in Folge des Krieges hat stark verzögernd auf den Fortschritt der Bauarbeiten gewirkt. Die meiste Zeit waren nur zwei Maurer tätig. Bis jetzt sind folgende bauliche Umänderungen vorgenommen worden. Die beiden Klassenräume wurden durch eine Längstwand um rund 2 m schmäler, die Fenster befinden sich jetzt auch in dem südlich gelegenen Schulsaal an der Straßenseite. Der Eingang zu beiden Sälen wurden auf die Westseite verlegt und die Türöffnungen zum Hausflur zugemauert. Aus den von den Klassenräumen abgetrennten.............


 
 

Fortsetzung:
............ Räumen wurden je ein Lehrmittelzimmer und ein Vorraum mit Kleiderablage und Wasserbecken erstellt. Der Neubau des Hauses an der Westseite, der bisher nur auf zwei schmalen Pfeilern ruhte, wurde auch zu ebener Erde ausgemauert und zu einem ansehnlichen Eingang für die Dienstwohnungen umgestaltet. Die alte und häßliche Gartenmauer am Südflügel des Gebäudes wurde über der Erde abgebrochen und durch Pfeiler mit Holzzaun ersetzt. Die beiden Aborte für die Dienstwohnungen, die sich im westlichen Anbau befanden, wurden zu einem Raum vereinigt, der in Zukunft als Baderaum und als Abort zur ersten Wohnung gehören soll, ein Abort für die zweite Dienstwohnung, zu ebener Erde mit dem Eingang vom Hausflur aus, (wird) neu gebaut.


206
Neue Schulmöbel.

Die Firma "Neuwieder Schulmöbelfabrik" lieferte für die Klasse I. (erstes und zweites Schuljahr) neue zweisitzige Bänke und ein Lehrerpult. Ferner erhielt die Schule zwei Pulte für die Klassen III. und IV. und zwei große Bücherschränke für die beiden Lehrmittelzimmer.


 
Versetzung der Lehrerin Audler.

Fräulein Maria Audler aus Dillingen, die einen Lehrauftrag nach Urmitz-Bahnhof hatte und von ihrer Wohnung in Leutesdorf aber schlecht täglich den Dienstort erreichen konnte, beginnt am 27. Mai ihren Dienst in Urmitz-Bahnhof, da von dort eine Lehrerin erkrankt ist.

Die hiesige Schule ist jetzt wieder eine vierklassige mit drei Lehrpersonen. Die Klasse II. (drittes und viertes Schuljahr) wird durchgeschleppt. Sie erhält 18 Wochenstunden von Lehrer Berlin (6), Berger (6) und Fräulein Günter (6).


 
Nächtliche Fliegerangriffe. (Juni)

Seit Beginn des großen deutschen Vormarsches im Westen (10. Mai) mehren sich die Bombenangriffe englischer Flieger auf nichtmilitärische Ziele. Die feindlichen Flugzeuge kommen nur nachts und werfen aus sehr großer Höhe ihre Bomben ab. Besonders in den mondhellen Nächten kann man damit rechnen, gegen 1:00 Uhr durch das Geheul der Sirenen aus dem Schlaf gerissen zu werden. 1 bis 2 Std. halten sich die Leute in den Luftschutzkeller auf, bis Entwarnung ertönt. Die in der Absicht, die Gegend zu erhellen und laufende Ziele zu beleuchten, abgeworfenen Leuchtbomben der Feindflieger werden von unserer Abwehr unter heftiges Feuer genommen. Es bietet sich dann dem Beobachter ein schaurig schönes Schauspiel, das noch vervollständigt wird durch das Dröhnen der Flakgeschütze und das Aufblitzen der am Himmel krepierenden Geschosse, während die Scheinwerfer hin- und herfahren, um die feindlichen Flugzeuge zu entdecken.
In der näheren Umgebung sind noch keine Bomben geworfen worden, dagegen ist in Koblenz durch Spreng- und Brandbomben schon mehrfach Sach- und Personenschaden angerichtet worden.
Um einer gesundheitlichen Schädigung der schulpflichtigen Kinder vorzubeugen, beginnt am Morgen nach einem nächtlichen Fliegeralarm der Unterricht 1 Std. später.


207
September 1940

Herr Oberlehrer Albert Berger mußte nach der Rücksiedelung der geräumten Gebiete in seine ehemalige Dienststelle in Saarbrücken zurück. (Anm.: Bei Beginn des Frankreichfeldzuges wurde die Zivilbevölkerung des Saargebietes ins Reich evakuiert.)

Seit Beginn des Unterrichtes nach den Sommerferien (12. September) erteilte Herr Zimmermann aus Bendorf-Sayn hier Unterricht.


 
Der Schulhausumbau in Mülhofen.

(Anm.; Eingefügt in die Schulchronik ist ein Zeitungsartikel aus der örtlichen Zeitung über den Umbau der Schule in Mülhofen)

Der Schulhausumbau in Mülhofen.
Unsere Stadtverwaltung ist seit Jahren unentwegt bemüht, unseren Schulen die Einrichtung und das Aussehen zu geben, daß sie als Erziehungsstätten unserer Jugend haben sollen. Noch vor wenigen Wochen konnte der Bürgermeister in der Ratsherrensitzung Bericht erstatten über die völlig neue Ausstattung der höheren Schule und über die Beschaffung neuer Bänke für zahlreiche Klassen unserer Volksschulen. Inzwischen sind wir in der Verbesserung unserer räumlichen Schuldverhältnisse wieder einen Schritt weitergekommen durch Vollendung des Umbaus der Schule Mülhofen. Auch an der Schule Mülhofen war in den letzten Jahren durch zahlreiche Einzelmaßnahmen vieles geschehen. Was aber als Hauptaufgabe zu tun übrig blieb, war ein großzügiger Umbau des vorderen Schulgebäudes in der Hüttenstraße. Die beiden Schulklassen in diesem Gebäude hatten falsche Raum- und Lichtverhältnisse. Die Klassen hatten übernormale Breite und Fenster nach zwei Seiten, die Fußböden waren sehr schlecht. Der gemeinsame Eingang für Schule und Lehrerwohnungen im Obergeschoss widersprach den Grundsätzen der Schulhygiene. Die Grundrisslösung für den Umbau war gegeben. Durch Rückführung der Klassengrößen wurde genügend Raum gewonnen für eine ausreichend große Kleiderablage für die Kinder und zwei Zimmer für die Unterbringung der Lehrmittel und der Schulbücherei. Die Eingänge für die Schulräume wurden an die Schulhofseite verlegt und somit vom Eingang für die Lehrerwohnungen völlig getrennt.

Aus Anlass der Vollendung der Umbauarbeiten fand am Dienstag eine kleine Schulfeier statt. Bürgermeister Pg. Komp konnte bei dieser Feier begrüßen die Vertreter der Ortsgruppe, der Beigeordneten, die Schulleiter des Schulbezirks Bendorf und den Bautechniker Pg. Jansen, als derzeitiger Leiter des Stadtbauamtes, dem die Bauleitung für den Umbau oblag. Der Bürgermeister betonte in seiner Ansprache: wenn die Stadtverwaltung sich entschloßen habe, diesen Umbau in Kriegszeiten durchzuführen, ungeachtet der Schwierigkeiten in der Frage der Finanzierung der Baustoffe und der Kräfte, so sei hierfür in erster Linie die Liebe zu unserer Jugend richtungsweisend gewesen, er dankte allen, die an diesem Bau mitgewirkt haben. Besonders bedankte er den Unternehmern, den Handwerkern und Werkleuten, sowie dem Stadtbauamt für die wohlüberlegte, rührige tatkräftige Planung und Bauleitung. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß die neuen Räume für die Kinder ein Ansporn sein möchten zur Freude am Unterricht und zu fleißigem Streben, damit sie im späteren Leben einmal tüchtige lebensbejahende Menschen werden. Pg. Hauptlehrer Berlin übergab er die Schule mit dem Wunsche, daß es ihm und seinen Mitarbeitern vergönnt sein möge, in treuer Hingabe an den Erzieherberuf in dieser Schule ein junges Geschlecht zu erziehen, dass der Heimat und dem Vaterland zur Freude und Ehre gereicht.

Hauptlehrer Pg. Berlin gab einen guten Überblick über die Geschichte der Mülhofener Schule und dankte der Regierung und der Stadtverwaltung für die neuen schönen Schulräume. Er gelobte, dass die Schönheit der neuen Räume für Lehrer und Kinder eine Verpflichtung sein werde, für Führer, Volk und Vaterland das Beste zu leisten.

Mit einem Gruß an den Führer fand die Schulfreier ihrem Abschluss.

Anschließend machten die geladenen Gäste bei einem Rundgang die Feststellung, daß nicht nur die neu geschaffenen Schulräume in der Hüttenstraße, sondern auch alle anderen Räumlichkeiten am Schuldenberg den Anforderungen entsprechen, die in heutiger Zeit an eine Volksschule gestellt werden müssen.

Wer in unserem Stadtgebiet überhaupt einen Rundgang durch die Schulgebäude und ihre lichten Säle macht, der wird mit Freude und Genugtuung feststellen, daß auf diesem Gebiet das menschenmöglichste getan worden ist, um für unsere Jugend besondere und schöne Schulräume zu schaffen. Diese Leistung erhält dann eine besondere Unterstreichung, wenn man Kenner der Schulraumverhältnisse vor der Machtübernahme gewesen ist. Unsere Schulgebäude und ihre Säle tragen sichtbar den Stempel unserer neuen Zeit und weiter sind sie ein Beweis des Aufbauwillens und der Aufbaukraft des neuen Reiches.

Nicht zuletzt aber auch ist diese richtungsweisende Leistung der Initiative und der Tatkraft unseres Stadtoberhauptes, Pg. Bürgermeister Komp, zu danken, der in umsichtiger Weise die Aufwärtsentwicklung unseres Gemeinwesens im allgemeinen und die ihrer Schulen im besonderen zielstrebig verfolgte. Leider hat der Krieg dem aufwärts Streben Ketten angelegt und wichtigeren Dingen Platz gemacht. Wenn es trotzdem im Kriege gelungen ist, ei-nen so wesentlichen Abschnitt der Schulverbesserung zu Ende zu führen, dann verdient das eine doppelte Anerkennung für die beteiligten Kreise.

Ende des Zitats.
208
Anstrich des Schulhauses. (September 1940)

Das Schulhaus an der Hüttenstraße erhielt im September einen neuen, freundlich- hellen Anstrich, den die Firma Max Geißler aus Bendorf ausführte. Auch die Aborte wurden Innen neu gestrichen.


209
Heilpflanzensammlung

Heilpflanzensammlung kann für das Jahr 1940 als abgeschlossen gelten. Unsere Schule lieferte 82,62 kg getrocknete Pflanzen an die Bezirkssammelstelle Karl Erkelenz in Bendorf-Sayn ab. Das ist ein recht zufrieden stellendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass die entsprechende Frischware das Gewicht von etwa 550 kg, also 11 Zentnern, hatte. Der verspätete Anlauf der Heilpflanzensammlung muß auch berücksichtig werden, andernfalls wäre das Ergebnis noch besser ausgefallen.

Die drei Volksschulen der Gemeinde konnten das beabsichtigte Sammelergebnis von rund 550 kg trockene Ware melden. Es wurden im Laufe des Sommers und Herbstes nur solche Heilkräuter gesammelt, die in nächster Nähe des Schulhauses wachsen. Hauptsächlich waren das: der Sportplatz, die Schlackenhalde der Concordiahütte und die Ufer des Saynbaches die Sammelplätze.
In der Naturkundestunde lernten die Schulkinder die hier wachsenden wichtigsten Heilkräuter kennen und wurden über die Sammelweise, die Bedeutung der Sammlung für das Volksganze belehrt.

Die größten Mengen kamen von folgenden Pflanzen zusammen:
Scharfgabenblüten mit Kraut = 22,8 Kilo
Brombeerblätter 18,5 Kilo
Bohnenschalen 8,0 Kilo


 
1940
Schulsparkasse.

Der Spargedanke hat bei unseren Schulkindern einen erfreulichen Aufschwung genommen. Die Werbung für das Sparen unter Benutzung der Schulsparkasse setzte seit April 1940 mit erhöhtem Nachdruck in allen Klassen ein. Es wurde ein bestimmter Wochentag als Schulspartag festgesetzt und nur an diesem Tage die Gelder, klassenweise gesammelt, beim Leiter der Schulsparkasse gegen Marken eingetauscht. Für das gesammelte Altmaterial erhielten die Schüler kein Geld, sondern Sparmarken als Gegenwert. Die erwähnten Maßnahmen hatten ein gutes Ergebnis. Vom 1. April bis zum 31. Dezember 1940 konnten von unserer Schulsparkasse 674,00 RM abgeliefert werden, während in den vorhergehenden Jahren 200 RM nicht überschritten wurden.


210
Altstoffsammlung.

Im Frühjahr 1940 setzte die Altstoffsammlung, die während des kalten Winters 1939/40 ganz zum Erliegen gekommen war, wieder ein. Die Schulkinder sollten nicht nur aus dem elterlichen Haushalt, sondern auch bei benachbarten Familien Altstoffe sammeln und zur Schule mitbringen. Die Schule als Vorsammelstelle hat die notwendigen Einrichtungen zur vorübergehenden Aufbewahrung des Sammelgutes. Von Zeit zu Zeit holte der zugelassene Altmaterialhändler Pfeil aus Vallendar das Gesammelte ab. Als Vergütung wurden gezahlt:

Pfg.

kg.

 

1

"

Alteisen

20

"

Aluminium

10

"

Messing

5

"

Blei, Stanniol

5

"

Lumpen

1

"

Altpapier

Über die Verwendung des Erlöses siehe oben unter "Schulsparkasse". Während bisher...........


 
 

Fortsetzung:
........... die Schulkinder, die von ihnen gesammelten Altstoffe an einen bestimmten Nachmittag (etwa zweimal monatlich) zur Schule brachten und dort unter Aufsicht einer Lehrperson abgewogen, werden jetzt sämtliche Haushaltungen in Mülhofen von den Kindern benachrichtigt und am Tage darauf die Altstoffe von Haus zu Haus eingesammelt und bei der Vorsammelstelle abgeliefert, da bei dem früheren Verfahren viele Haushaltungen nicht erfaßt worden waren.
Aufkommen seit Juli 1940:

3175,0

kg

Alteisen

6,0

kg

Blei

8,0

kg

Stanniol

1,0

kg

Zink

4,5

kg

Messing

14,5

kg

Aluminium

245,0

kg

Lumpen

282,0

kg

Altpapier


211
Treuedienstehrenzeichen

Die Lehrerinnen Fräulein Schmaus und Fräulein Günter wurden nachträglich, ferner dem Hauptlehrer Anton Berlin das Teuedienst-Ehrenzeichen in Silber verliehen.


 
Aus den Jahren 1941

Der Chronik ist ein Foto des Schulhauses an der Hüttenstraße nach dem Umbau (Ostseite) eingeklebt.


 
Januar 1941
Turnhalle.

Die Turnhalle am Schulenberg, die Eigentum des Mülhofener Turnvereins ist, wurde von der Volkssportgemeinschaft "Concordiahütte " mit erheblichen Kosten instandgesetzt. Die Angehörigen der Volkssportgemeinschaft halten in der Halle ihre wöchentlichen Sportabende ab. Miete an die Eigentümerin braucht nicht entrichtet zu werden. Den Bemühungen des Führers der Ortsportgemeinschaft Bendorf ist es gelungen, den Turnbetrieb innerhalb des Turnvereins-Mülhofen wieder anzukurbeln. Da die Halle nun auch mit Verdunklungseinrichtungen versehen ist, können die Übungsstunden auch am Abend abgehalten werden.


212
29. März 1941
Schulentlassung.

Heute wurden 22 Kinder, 10 Knaben und 12 Mädchen aus der Schule entlassen. Eine schlichte Feier, zu der der Bürgermeister, der Ortsgruppenleiter, die Schuljugendwalter und die Eltern der Entlaßschüler geladen waren, fand in dem einfach und festlich hergerichteten Schulsaal der Klasse IV. statt.

Feierfolge:
I. Flaggenfeier:

  • kurze Ansprache mit Gedenken eines verstorbenen Schülers des Jahrg. 1933
  • Wappenspruch
  • Lied:
  • Niederholung der Fahne

 

II. Freier im Schulsaal.

  • Musikstück: (Harmonium und Violine)
  • Thema: "Unser Volk ist in einem jeglichen von uns".
  • Lesung: Worte des Führers.
  • Lied:
  • Gedicht: "Die Fundamente sind gebaut..."
  • Musikstück: (Harmonium und Violine)
  • Lesung: "Hindenburg am 1.5.1933 zu Jugend"
  • Lied:
  • Ansprache des Schulleiters.
  • Bekenntnis (Sprecher, Lehrer u. Schulentlassene)
  • Lied: "Heilig Vaterland"
  • Ein Mitschüler an die Scheidenden
  • Deutschland- und Horst-Wessel Lied

 
 

Foto: Entlaßschüler und Ostern 1941


213
18.8.1941
Neuaufnahmen

Es wurden 35 Schulneulinge aufgenommen die Schulkinderzahl beträgt jetzt 215.


 
29.8.1941
Lehrpersonen.

Fräulein Schmaus trat wieder in den Ruhestand zurück. Es unterrichten hier zur Zeit fol-gende Erzieher und Erzieherinnen:

Klasse

   

I.

1. u. 2. Schuljahr

Fr. Hages aus Engers (in Vertretung)

II.

3. u. 4. "

Fräulein Günter

III.

5. u. 6. "

Lehrer Zimmermann a. Bdf. (in Vertr.)

IV.

7. u. 8. "

Hauptlehrer Berlin


 
Oktober 1941
Sammlung für die Kriegsgräberfürsorge.

Die Kinder unserer Schule brachten durch freiwillige Spenden einen Betrag von 52,00 RM für die Kriegsgräber zusammen, das ist der vierfache Betrag gegen das Vorjahr.


214
1.9.1941
Einführung der Normalschrift.

Durch Minister-Erlass wurde ab 1.9.1941 an allen Schulen des Reiches die Normalschrift eingeführt. Die Kinder des ersten Schuljahres sind im Besitz der Westmarkfibel, die nur Druckschrift hat, dadurch wurde die Umstellung auf die Normalschrift erleichtert.


 
22.9.1941
Dampferfahrt nach St. Goarshausen.

Die Kinder der Klassen III. und IV. (5. bis 8. Schuljahr) unternahmen zusammen mit 700 Schüler und Schülerinnen der Volksschule Bendorf auf dem KDF-Dampfer "Westmark" eine fröhliche, von bestem Wetter begünstigte Fahrt nach St. Goarshausen. Nach einem Besuch der Lorelei und der Thingstätte auf der Anhöhe (dort fand unter Leitung des Rektors Merl eine kurze Feier statt) wurde gegen 18:00 Uhr wieder die Rückreise mit dem Dampfer angetreten. Der Fahrpreis wurde aus dem Erlös der Heilpflanzen- und Altmaterialiensammlung bestritten.


 
Herbst-Leistungsprüfungen 1941.

Für die Volksschule in Bendorf, Bendorf-Sayn und Bendorf-Mülhofen wurde die Herbst- leistungsprüfung gemeinsam auf dem Sportplatz in Bendorf am 26. September abgehalten. Nach einem gemeinsamen Aufmarsch, wurde die Flaggenhissung mit einer Ansprache des Hauptlehrer Berlin und einem gemeinsamen Lied vorgenommen. Die Jungen zeigten anschließend Freiübungen und die Mädchen Volkstänze (die Stadt Bendorf hatte ihren Lautsprecherwagen zur Verfügung...


 
 

Fortsetzung:
.......... gestellt). Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die nun folgenden Dreikämpfe: Schlagballweitwurf, 60 m bzw. 70 m Lauf, und Weitsprung. Einzelne Riegen der teilnehmenden Schulen maßen ihre Kräfte in Hindernisrennen und Staffellauf. Als Vertreter der Schulbehörde war im Kreissportlehrer Loschelder anwesend. Bei der Siegerehrung konnte Rektor Merl folgende Schüler und Schülerinnen als Sieger im Dreikampf mit einem Preis auszeichnen: (hier nur die Namen der Sieger unserer Schule)

Altersklasse:

 

I. (10 - 11 jährig

II. (11 - 12 jährig)

III. (12 - 13 jährig)

IV. (13 - 14 jährig)

1. Sieger

Scheidweiler
Wilhelm 38 P

Dötsch
Günter 101 P

Schäfer
Karl-Heinz 100 P

Schneider
Karl 94 P

Prößer
Marieluise 39 P

Siebenmorgen
Pia 68 P

Hehl
Therese 94 P

Forst
Esther 117 P

 

2. Sieger

Kupplerr
Erich 36 P

Schmitt
Josef 96 P

Meurer
Karlheinz 87 P

Nink
Hans 85 P

Crente
Anni 33 P

Rüsch
Ellen 61 P

Esch
Christine 90 P

Schomers
Gerti 100 P

       

Karl-Heinz Schäfer wurde auch Stadtsieger in seiner Altersklasse.


215
1942
Woll- und Wintersachen- sammlung für die Soldaten vom 27.12.1941 bis 11.1.1942.

Woll- und Wintersachensammlung für unsere Soldaten an der Ostfront. Die ungeheure Kälte an der Ostfront macht eine zusätzliche Betreuung der dort kämpfenden Soldaten mit warmen Kleidungsstücken notwendig. Der Aufruf des Führers zur Sammlung von warmen Wintersachen fand bei der Bevölkerung freudigem Widerhall. Die Ortsgruppe der NSDAP richtete im Gebiet der Stadt Bendorf drei Sammelstellen ein: im Parteiheim für die Zellen 1-6, in der Schule in Sayn für die Zellen 7 u. 8 und in der Schule in Mülhofen für die Zelle 9. Die Leitung der Sammlung innerhalb des Ortsteils Mülhofen wurde der Zellenleiter Berlin vom Ortsgruppenleiter beauftragt. Die Gebefreudigkeit der Mülhofener Bevölkerung war anerkennenswert es wurden gespendet:

238

 

Pelze und Felle

18

 

Muffs

49

 

P. Handschuhe

97

 

P. Strümpfe

19

 

Unterhosen

24

 

Unterhemden

1

 

P. Überschuhe

1

 

P. Wollgamaschen

92

 

Strick- und Pelzwesten

44

 

Leibbinden, Brust u. Lungenschützer

114

 

Kopfschützer

66

 

Ohrenschützer

244

 

Puls- und Kniewärmer

151

 

Schals

10

 

Decken

4

 

P. Skier

1

 

Leserjacke

3

 

Tuchmäntel und verschiedene andere Einzelstücke

1176

 

Stück


216
29. 1. 1942
Brennstoffersparnis.

Um Brennstoff zu sparen, werden von heute ab nur zwei statt vier Schulsäle geheizt. Die Klassen werden abwechselnd vor und nach dem Unterricht geheizt.


 
Entlaßschüler Ostern 1942

Foto: Entlaßschüler Ostern 1942


217
Wechsel der Lehrkräfte 15.9.1942

Lehrer Zimmermann wurde mit Wirkung vom 16.9. 42 ab unter Beibehaltung seiner bisherigen Dienststelle nach Luxemburg abgeordnet. Mit der Verwaltung seiner hiesigen Schulstelle wurde die Lehramtsanwärterin Josefa Lucas, bisher in Lullingen, Kreis Klers, Luxemburg, beauftragt.


 
15.9.1942
Schulbesuchsziffer und Klasseneinteilung.

Schulbesuchsziffer und Klasseneinteilung.

Klasse

Jahrg.

Schülerz.

Klassenlehrer

Wochenstd. d.
Klasse

Wochenstd.
d. Lehrkraft

I.

1

36

Lehrerin Hages

15

 

24

I.

2.

36

--- " ---

16

II.

3. + 4.

50

Lehrerin Günter

23

28

III.

5. + 6.

40

Lehramtsanwärt.
Lucas

26

28

IV.

7. + 8

52

Hauptlehrer
Berlin

29

28

(Anm.: In allen Klassen wurden Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet)


 
Eröffnung einer Hauptschule in Engers 3.9.1942.

In Engers wurde am 3.9.1942 eine Hauptschule geöffnet. Leiter ist Lehrer Stelz aus Neuwied. 5 Kinder von Mülhofen (4 Mädchen, 1 Junge) besuchen die neue Hauptschule.


 
3.10.1942
Herbst-Leistungsprüfung.

Die Volksschulen Bendorf-Sayn und Bendorf-Mülhofen hielten ihre Herbstleistungsprüfung gemeinsam in den Anlagen des herrlich gelegenen Sayner Schwimmbades ab, Es war herbstlich kühl und der dichte Nebel, der das Sayntal verhüllte, nieselte zur Erde nieder, als kurz vor 9:00 Uhr mit der feierlichen Flaggenhissung die Veranstaltung begann. Freiübungen der Sayner Kinder und ein Volkstanz der Mädchen von Mülhofen gingen dem Dreikampf, bestehend aus 60 m bzw. 75 m Lauf, Weitsprung und Schlagballweitwurf, voraus. Folgende Knaben und Mädchen wurden 1. bzw. 2. Sieger ihrer Altersriege: (die Riegen bestanden aus gleichalterigen Kindern beider Schulen.)

10 jährige

       
 

Knaben

Franz Dilentheis, Mülh.

92

P

   

Robert Eisenbach, "

85

P

 

Mädchen

Christel Osterwind, "

77

P

11 jährige

 

Margarete Graß

62

P

 

Knaben

Hans Einig, Mülh.

101

P

   

Erich Kuppler, "

75

P

 

Mädchen

Katharina Nett, Sayn

88

P

12 jährige

 

Franzi Esch, Mülh

83

P

 

Knaben

Richard Theis, "

107

P

   

Günter Dötsch, "

91

P

 

Mädchen

Therese Bleidt, "

100

P

13 jährige

 

Else Wiegel, Sayn

95

P

 

Knaben

Alois Schmitz, Sayn

104

P

   

Hans Nink, Mülh.

87

P

 

Mädchen

Esther Forst, "

104

P

   

Therese Hehl, "

92

P

Zwei anschließend durchgeführte Staffeln zu 5 x 75 m zeigten sowohl die Knaben als auch die Mädchenriege der Volksschule Mülhofen als Sieger; dasselbe war der Fall bei einer Hindernisrennenstaffel.........


218
 

Fortsetzung:
.................Der Leiter der Volksschule Bendorf-Sayn, Rektor Wassong, konnte bei der Siegerehrung den Besten jeder Schule ein wertvolles Buch als Siegespreis überreichen. Die Schulbesten waren:  

Schule Sayn

Alois Schmitz

100 P

 

Else Wiegel

95 P

Schule Mülhofen

Richard Theis

107 P

 

Esther Forst

104 P


119
10.10.1942
Wechsel der Lehrkräfte

Hauptlehrer Berlin wurde an die neueröffnete Hauptschule in Engers abgeordnet, behält jedoch die Leitung der Volksschule Bendorf-Mülhofen bei. Als Klassenlehrer wird er in Klasse IV. durch den Lehrer Mons aus Weis vertreten.


 
Spende für den Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge.

Es wurden von den Schulkindern in diesem Jahre 89,85 RM gegen 52 RM im Vorjahr gespendet.


 
1943


Wechsel der Lehrkräfte 1.2.1943

Die Lehramtsanwärterin Josefa Lucas, seit dem 8.1. beurlaubt, scheidet zum 1.2. wegen Verheiratung nach Beuthen o/S aus dem Schuldienst aus. Lehrer Zimmermann dessen Abordnung nach Luxemburg zurückgezogen wurde, übernimmt wieder die Klasse III.


 
Einberufung einer Lehrkraft zur Wehrmacht
1. März 1943.

Der Lehrer Zimmermann wurde zur Wehrmacht einberufen. Lehrer Mons und Lehrerin Günther haben die Vertretung in Klasse III.


 
Entlassung Ostern 1943.

Es wurden 21 Knaben und Mädchen entlassen. Alle Kinder mit einer einzigen Ausnahme treten am 1. April in ein Lehrverhältnis ein. Zwei Knaben und zwei Mädchen wurden in einer Lehrerbildungsanstalt aufgenommen. Die Schülerzahl der Jahrgänge (Anm.: hier fehlt eine ganze Zeile!)


 
Klasseneinteilung nach Ostern 1943

Klasseneinteilung nach Ostern 1943

Klasse

Schuljahr

Lehrperson

I.

1.

Lehrerin Hages

II.

2.

Lehrer Hölzenbein

III.

3. + 4.

Lehrerin Günter

IV.

5., 6.,7., 8.

Lehrer Mons


220
Kinderlandverschickung.

7 Knaben des 5. und 6. Schuljahres wurden am 3. Mai in ein K.L.V.-Lager bei Krakau entsendet.


 
Fremdvölkische
20.5.1943

Die Erfordernisse der Kriegswirtschaft haben es notwendig gemacht, fremdvölkische Arbeitskräfte nach dem Reich zu bringen. Auch in Mülhofen sind augenblicklich zahlreiche fremdvölkische tätig. Außer französischer und russischer Kriegsgefangener, die in den Betrieben (Concordiahütte und Frankfurter Bimsverwertung) eingesetzt sind, sind belgische und französische Zivilarbeiter und Ostarbeiterinnen in der Nähe der Concordiahütte und am Rheinwerft in Barackenlagern untergebracht. Bei den Landwirten Scherer, Lahr und Schmengler arbeiten Zivilpolen und eine Polin. Ein Gasthaus, August Fasel, hat eine Ukrainerin als Haushaltsgehilfin.


 
Tod einer Schülerin
16.6.1943

Die Schülerin Erna Schengar, geboren am 23.11.1931, starb am 16.6.1943 an einer Gehirnshautentzündung und wurde am 20.6.1943 unter Beteiligung der Lehrkräfte und Schulkinder zur letzten Ruhe getragen.


 
1944
18. 8. 1944
Wechsel der Lehrkräfte.

Am 1. August schied die Lehrerin Frau Hages aus Engers aus dem Schuldienst aus. Herr Konrektor Langenbach, bisher an der Volksschule in Bendorf, und Herr Lehrer Doetsch, bisher an der Volksschule in Engers wurden nach Mülhofen abgeordnet.

Die Klassen wurden wie folgt eingeteilt:

Klasse

Schuljahr

Lehrperson

I.

1. + 2. Schj. : Mädchen

Lehrerin Günter

II.

2. Schj.: Jungen + 3. Schj.

Lehrer Langenbach

III.

4. + 5.

Lehrer Doetsch

IV.

6.,7. + 8. Schj.

Lehrer Mons


221
1.9.1944
Notdienstverpflichtung.

Hauptlehrer Berlin, Lehrer Mons und Lehrer Doetsch wurden notdienstverpflichtet. (Ausbaus des Westerwalles)
Herr Langenbach und Fräulein Günter übernahmen die Vertretung in den Klassen III. und IV.


 
 

(Anm.: an dieser Stelle brechen die Aufzeichnungen des Hauptlehrers Berlin ab.
Kriegsende und Zusammenbruch des Deutschen Reiches.
Neuanfang.
Die nächsten Einträge sind von Lehrer Kastello)


 
1945
Schul Aufnahme

Am 1.10.1945 wurden aufgenommen; 41 Kinder, davon 22 Knaben 19 Mädchen


 
1.10.1945
Wiedereröffnung der Schule.

Am 1.10.1945 wurde der Unterricht zu hiesiger Schule wieder aufgenommen. Schulleiter: Herr Rektor Allar von der katholischen Volksschule Bendorf-Stadt. Als Lehrkräfte arbeiten an hiesiger Schule wie bisher Fräulein Günter, außerdem Fräulein Sperber, bisher in Koblenz, Thielenschule und Lehrer Johann Kastello, bisher Bendorf-Stadt. Das Schulgebäude, Hüttenstraße 120, ist durch die Kriegs- und Zusammenbruchsereignisse arg mitgenommen. Es fehlen alle Fensterscheiben, alle Lehr- und Lernmittel, selbst Kleinigkeiten wie Schwamm und Kreide. Die Wiedereröffnung der Schule wird von Eltern und Kindern begrüßt. Drei Schulsäle stehen zur Verfügung.


222
1.11.1945
Brennmaterial.

Da es in Bendorf-Stadt an dem nötigen Brand fehlt, kann dort nur Kurzunterricht gehalten werden. Deshalb wurden für die Zeit der Unterrichtskürzung Herr Lehrer Falkowski und Fräulein Lehrerin Marga Schumacher (vor dem Zusammenbruch beide in Vallendar tätig) zu Dienstleistungen von Bendorf Stadt nach hier überwiesen. Durch das Entgegenkommen des Herren Joseph Kalb, Schwemmsteinfabrikant von hier, fehlt es der hiesigen Schule nicht an Brennholz. Er hat mit mehreren hiesigen Bürgern eine Holzfällerkolonne zusammengestellt und auch die Schule versorgt.


 
12. 11. 1945.
Fensterglas

Auf meine Bitte hin überließ der Herr Direktor der Concordiahütte Hollmann der Schule etwas...........


 
 

Fortsetzung:
...............Fensterglas, das beim Abbruch eines Schuppens war gewonnen worden. Ein Drittel der Belichtungfläche konnte mit Glas versehen werden; der Rest wurde mit Pappkartons geschlossen. Ein Kind brachte einige elektrische Birnen, so dass auch an dunklen Tagen die Säle notdürftig erhellt sind. Kreide besorgen die Eltern der Kinder von den Industriewerken. Als Lesebuch wird die biblische Geschichte benutzt.


223
10.3.1946

An diesem Tage konnte ich meine Familie von Trechtingshausen, Kreis St. Goar, in die von einem Berufsfremden inzwischen geräumte Dienstwohnung, Hüttenstraße 120 rechts, einziehen lassen. Es fehlt jegliches Glas. In der Küche und meinem Arbeitszimmer wurde je eine Scheibe undurchsichtiges Glas, das aus einer Türfüllung genommen wurde, eingesetzt, die anderen Fenster sind mit Pappe geschlossen.


 
 

( Anm.: An dieser Stelle brechen die Einträge des Hauptlehrers Kastello abrupt ab.

Die folgenden Einträge wurden erst im Jahre 1949 von dem Stellvertretenden Schulleiter, Lehrer Mons nachgetragen.)


 
Nachträge
Kindergarten.

Der Kindergarten wird seit 1945 von den Schönstätter Marien-Schwestern betreut, geleitet von der Schwesteroberin Reinarde, der noch zwei weitere Schwestern zur Seite stehen. Etwa 50 Kinder besuchen den Kindergarten. Der über dem Kindergarten gelegene Schulsaal wurde als Schwesternwohnung eingerichtet. Neben der Betreuung des Kindergartens haben die Schwestern auch die Krankenpflege, Küsterei und Caritas übernommen.


 
Schulentlassung 1946

Am 14.8.1946 kamen zur Entlassung 22 Kinder, davon 10 Knaben.


 
1946.
Schulaufnahme 1946.

Am 17.9.1946 wurden aufgenommen 33 Kinder, davon 17 Knaben und 16 Mädchen.


224
Änderung im Lehrerpersonal.

Zum 17.11.1946 wurde die Lehramtsanwärterin Fräulein Helene Mons aus Weis, vorgebildet am Pädagogium in Andernach an die hiesige Schule berufen.


1947
Tod der Gemahlin des Schulleiters.

Am 7.3.1947 starb nach einem langen und schweren Leiden die Gemahlin des Schulleiters, Frau Katharina Kastello, geborene Jakob. Die Verstorbene war in Lampaden, Hunsrück, geboren und wirkte vor ihrer Verheiratung als Lehrerin Müllenbach, Kreis Kochem und....?.., Kreis Adenau.


 
Änderung im Lehrpersonal.

Wegen Erkrankung erfolgte am 10.3.47 die Beurlaubung von Fräulein Lehrerin Günter, welche am ....?.......1947 in den Ruhestand versetzt wurde. Fräulein Günter hat...?.. Jahre als Lehrerin an der hiesigen Schule gewirkt.

Auch Fräulein Lehrerin Sperber musste wegen Erkrankung ihre Arbeit in der Schule einstellen; ihre Pensionierung erfolgte zum...?.... Fräulein Lehrerin Sperber war seit 1945 in Mülhofen tätig.

Für die erkrankte und später in den Ruhestand versetzte Lehrerin Fräulein Sperber wurde Lehrer Matthias Haupt aus Güls nach hier berufen.


 
1947
Schulentlassung 1947.

Zur Entlassung kamen am 12.8.1947 - 17 Kinder, davon 10 Knaben und 7 Mädchen.


225
Schulaufnahme 1947.

Aufgenommen wurden am 10.9.1947 - 39 Kinder, davon 24 Knaben und 15 Mädchen.


 
Änderungen im Lehrpersonal.

Zum 1.9. 1947 wurde Fräulein Mons an die Volksschule in Sayn, Lehrer Haupt an die Volksschule in Arzheim Kreis Koblenz Land versetzt.

An deren Stelle traten am 1.9.1947 Lehrer Peter Mons aus Heimbach und am 15. 9. 47 Lehrer Alfons Kipping aus Neuwied.

Zum 1.11.1947 erfolgte die Rückversetzung von Fräulein Mons in Sayn nach Mülhofen. Nach ihrer Verheiratung am 8.1.1948 schied sie auf eigenen Wunsch am 1.4.1948 aus dem Schuldienst.

An ihre Stelle trat ab 1.4.1948 die Lehramtsanwärterin Fräulein André von der katholischen Schule in Bendorf. Wegen Verheiratung am 11. 11. 48 wurde sie auf Antrag am 1.2.1949 aus dem Schuldienst entlassen.

Zum 1.9. 1948 wurde die Lehramtsanwärterin Fräulein Magda Moog aus Neuenahr, ausgebildet am Pädagogium Neuenahr, an die hiesige Schule berufen.


 
1947.
Einführung des neuen Pastors.

Herr Vikar Mohr wurde zum 1.7.1947 als Religionslehrer an das Gymnasium in Bernkastel /Mosel berufen und als sein Nachfolger der bisherige Kaplan in der Nachbarpfarrei Heimbach-Weis Herr Pastor Hermann Scherer am 7.9.1947 in sein neues Amt eingeführt. Herr Pastor Scherer ist am 19. 2.1911 in Braunshausen, Kreis St. Wendel, geboren. 7 Jahre war er als Kaplan in Heimbach-Weis tätig. Die Einführung erfolgte durch die Herren Pfarrer Krause in Engers und Definitor Salz in Heimbach, bei der ersterer die Festansprache hielt. Die Feier wurde verschönt durch gesangliche Darbietungen des Kirchenchores und der Jugend.


226
1947
Weihnachtsfeier und Elternabend.

Am Montag den 10. Dezember 1947 fand im Beisein des Herrn Schulrats Dr. Jäger, Vertretern des Jugendamtes, des Herrn Pastors, vieler Eltern und der ganzen Kolleginnen in dem großen Speisesaal der Concordiahütte eine Weihnachtsfeier statt, die zugleich auch als Elternabend gedacht war. Im Mittelpunkt der Feier stand eine längere Ansprache des Herrn Schulrats, der in seinen Ausführungen die Wichtigkeit der Schularbeit insbesondere in erzieherischer Hinsicht behandelte und die Bedeutung der Mitarbeit der Elternschaft bei der Schularbeit hervorhob. Ein Lustspiel, dargeboten durch die Schulkinder, (Knaben und Mädchen aus Ia und Ib) bereitete den Anwesenden viel Freude. Die Feier war umrahmt von mehrstimmigen Liedern und turnerischen Vorführung.


 
1948
Mülhofen erhält eine Kapelle.

Während des letzten Krieges erlebte Mülhofen, daß kirchlich zu Pfarrei Engers gehörte, die Umwandlung in eine Vikarie, betreut von dem Herrn Vikar Mohr. Der Gottesdienst wurde in einem Betsaal an der Bendorferstraße (Haus Scherer) abgehalten. Im Jahre 1945 überließ der Turnverein Mülhofen seine Turnhalle am Schuldenberg der Vikarie zur Abhaltung des Gottesdienstes. Eifrig wurde an der Ausgestaltung der Halle gearbeitet. Schon zwei Jahre später konnte die Erweiterung der Kapelle in Angriff genommen werden, sie war für die hiesigen Verhältnisse - Mülhofen zählt etwa 1500 Katholiken - viel zu klein. An der Westseite der Turnhalle wurde das Chor angebaut. Herr Pastor Scherer, seit 7.9.1947 in Mülhofen tätig, trieb die Bauarbeiten rüstig vorwärts. Bereits im Frühjahr 1948 wurde das Chor an der Westseite sowie die an diese angebaute Sakristei fertig gestellt, und nachdem der Durchbruch zwischen Halle und Chor vollzogen war und eine Kommunionbank eingebaut war, konnte die Heilige Messe am Osterfest 1948 am Hochaltar im neuen Chor gefeiert werden. In den folgenden Wochen erhielten die Kapelle wie auch die acht Fenster einen schönen, gefälligen und sinnvollem Anstrich, so dass Pfingsten 1948 die Kapelle in ihrem neuen Kleide prangte. Am Christ-Königsfest 1948 wurde der erste Seitenaltar aufgestellt, Christus König, Priester und Herz-Jesu darstellend, gearbeitet von den Mülhofener Holzschnitzer Herrn Anton Schreiber, Am Schuldenberg, welchem im Frühjahr 1949 der linke Seitenaltar - die Mutter Gottes als Königin und Mutter......


227
 

Fortsetzung:
......... ebenfalls geschaffen von Herrn Schreiber, folgte. Im Herbst 1948 wurde der Hochaltar mit einem feuer- und diebessicheren Tabernakel versehen. Zu Weihnachten 1948 erhielt die Kapelle die erste Krippe. 13 wunderschön gearbeitete Holzfiguren, welche auch Herr Schreiber hergestellt hat, zieren sie.


228
Schulentlassung 1948.

Es kamen am 27.7.1948 zur Entlassung: 29 Kinder, davon 19 Knaben und 10 Mädchen.


 
Schulaufnahme 1948.

Es wurden aufgenommen am 1,9.1948 - 20 Kinder, davon 10 Knaben und 10 Mädchen


 
1949
Verglasung der Schulsäle und Dienstwohnungen.

Im Verlauf des Winters 1948/49 wurde die Verglasung der Schulsäle und Dienstwohnungen weiter vorangetrieben und im Mai 1949 zu Ende geführt.
Auch wurde die Küche in der Dienstwohnungen der Lehrerin (jetziger Inhaber Lehrer Hölzenbein) renoviert.


 
Neuer Schulhof.

Im Winter 1948/49 ging der Schulhof am Schuldenberg, der von dem Eigentümer Fürst von Sayn-Wittgenstein gepachtet war, durch Kauf in den Besitz des Schwemmsteinfabrikanten Herrn Gräf über, der im Sommer 1949 auf diesem Grundstück ein Wohnhaus erstellte. Seitdem wird der große Platz vor dem Schulhause an der..................


 
 

Fortsetzung:
................ Hüttenstraße als Schulhof in Benutz genommen, bisher gemieden, wegen des starken Autoverkehrs auf der genannten Straße. Im Mai 1949 erhielt er einen hohen Drahtzaun. Der Schulhof an der Hüttenstraße wird von dem Knaben, der Schulhof zwischen den beiden Schulhäusern von den Mädchen benutzt.


229
1949
Schulspeisung.

Ab 10.5.1949 kommt auch in unserer Schule die Kinderspeisung zur Durchführung. Sämtliche Kinder erhalten an den Schultagen außer Samstag in der großen Pause ein Frühstück, dessen Bezahlung (0,10 DM pro Tag) freisteht. Die notwendigen Lebensmittel werden monatlich angeliefert und sind von den USA gespendet. Wöchentlich erhält jedes Kind unter anderem eine Tafel Schokolade (50 g), was besonders begrüßt wurde, da die Kinder jahrelang jede Süßigkeit entbehren mussten. Die Zubereitung des Essens erfolgt in der Menage der Concordiahütte durch Herrn Bruchmann. Frauen der örtlichen Caritas bringen das Essen zur Schule und geben es aus.


 
Tod des Lehrers Alfons Kipping.

Am Tage vor Beginn der Pfingstferien, Mittwoch, dem 2.6.1949 mußte Lehrer Kipping wegen Erkrankung die Arbeit an der Schule unterbrechen. Pfingstsonntag, dem 5.6.1949 vormittags ½ 10:00 Uhr gab er seine Seele in die Hand seines Schöpfers zurück. Fast zwei Jahre hat er an der katholischen Volksschule Mülhofen gewirkt. Unter großer Beteiligung der Lehrerschaft des Amtes Bendorf.............


 
 

Fortsetzung:
........... und des Kreises Neuwied - über 20 Jahre war er als Lehrer in Neuwied tätig - sowie vieler Schulkinder aus Mülhofen fand am Donnerstag, den 10.6.1949 auf dem Friedhof in Neuwied die Beisetzung statt. Nach einem warmen Nachruf des Herrn Dechanten Heß in Neuwied nahm der Schulleiterlehrer Kastello in ergreifenden Worten Abschied von unserem lieben Freund und Kollegen. Stadtoberinspektor Herr Günster in Bendorf legte im Auftrage des Herrn Amtsbürgermeisters Bauer für die Stadt Bendorf einen Kranz nieder. Kinder der Schule Mülhofen sangen ein Grablied, ein Kind seiner Klasse nahm mit einem Gedicht Abschied von seinem Lehrer.

Foto: Totenzettel für den Lehrer Alfons Kipping.


230
1949
Änderungen im Lehrpersonal.


Änderung Infolge Erkrankung des Schulleiters Lehrer Kastello.

Lehrer Julius Hölzenbein von der evangelischen Schule Bendorf übernahm ab 14.6.49 die Klasse des verstorbenen Lehrers Alfons Kipping.

Für den seit dem 20.6.49 schwer erkrankten Schulleiter Lehrer Kastello erhielt die Schule Mülhofen Ersatz in der Person des Lehrers Josef Gieres von der katholischen Schule in Bendorf ab 27.6..
Die Schulleitung übertrug Herr Rektor Allar in Bendorf dem Lehrer Mons.


231
Tod des Schulleiters Lehrer Kastello.

Zehn Tage nach der Beerdigung des Kollegen Kipping erkrankte plötzlich in der Nacht vom 19.6.49 zum 20.6. der Schulleiter Lehrer Kastello. Der Arzt stellte Herzmuskelentzündung fest und bezeichnete den Zustand des Kranken für bedenklich. Am Donnerstag, den 24.6. wurde Lehrer Castello in das St. Josef Krankenhaus in Ehrenbreitstein eingeliefert. Hatte sich heute seinen Zustand gebessert, so schien es morgens bedenklicher als vorher. Am Abend des 8. Juli verschied er plötzlich und unerwartet. Zweimal innerhalb vier Wochen hatte der Tod aus der Kollegenschaft der Schule Mülhofen sein Opfer genommen. R. I. P.

Unter großer Beteiligung der Lehrerschaft aus nah und fern, der Schuljugend und der Bevölkerung wurde Lehrer Kastello am 12.7.49 auf dem Friedhof im Mülhofen beigesetzt, nach seinem Wunsche in dem Grabe seiner Gemahlin, die ihm 2 ½ Jahre im Tode vorangegangen war............


 
 

Fortsetzung:
..............Herr Pastor Scherer ehrte den Toten in der der Beerdigung vorausgegangenen Seelenmesse als vorbildlichen Erzieher und Kollegen. Lehrer Gieres als Vertreter des erkrankten Schulleiters (Anm.: Lehrer Mons) widmete ihm am Grabe einen warmen Nachruf und legte für das Kollegium einen Kranz nieder. Ferner ehrten den Toten durch Niederlegung eines Kranzes: Rektor Allar, Bendorf für die Lehrerschaft des Amtes Bendorf, Amtsbürgermeister Bauer für die Stadt Bendorf, Herr Klein, Vorsitzender des Elternbeirates, für den Elternbeirat der Schule Mülhofen, die Kinder der Schule Mülhofen u.v.a. Kinder der Klassen 1a) und Ib) sangen ein Grablied.

In die Chronik ist der Totenzettel zum Gedenken an Lehrer Johann Kastello eingeklebt.


232
Abordnung des Lehrers Falkowski nach Mülhofen.

Während in der Erkrankung des (stellvertretende) Schulleiters Lehrer Mons wurde Lehrer Falkowski von der Schule Sayn ab dem 16.7.49 bis zu den Ferien abgeordnet.


 
Schulentlassungsfeier 1949.

Für die Entlaßschüler fand am letzten Schultage, dem 27.7. eine Entlassungsfeier statt. Zum ersten Mal in der Geschichte der Schule Mülhofen war der Amtsbürgermeister der Stadt Bendorf, Herrn Bauer, erschienen. Außerdem konnte der (stellvertretende) Schulleiter unter den Anwesenden den Herrn Pastor Scherer und 4 Mitglieder des Elternbeirates (Herrn Klein, Herrn Fr. Sander, Frau Nilges und Frau Klapper) begrüßen. Nachdem der (stellvertretende) Schulleiter der toten Kollegen Kastello und Kipping gedacht hatte, begrüßte er im Namen der Lehrerschaft und Schuljugend die erschienenen Gäste. Ein Kanon leitete zur Feier über. Während der Feier richteten der Herr Pastor, der Herr Amtsbürger-meister und der Vorsitzende des Elternbeirates Herr Klein mahnende Worte an die scheidende Jugend. Der Amtsbürgermeister überreichte dem besten Entlaßschüler Dieter Trennheuser ein Buchgeschenk als Anerkennung. Lehrer Gieres als Lehrer der Entlaßschüler, nahm in warmen Worten zugleich auch für die Lehrerschaft der Schule Abschied von den Kindern. Die Feier war umrahmt von Gedichten und Liedern.


233
Entlassungen 1949.

Am 27.7.49 wurden entlassen: 28 Kinder, davon 13 Knaben und 15 Mädchen.


 
Wahl zum ersten Bundestag.
15. 8. 49
(Anm.: ab hier gehen die Eintragungen in chronologischer Folge weiter)

Die Wahl zum ersten Bundestag am 14. Aug. 49 hatte in Mülhofen folgendes Ergebnis:

Parteien:

Stimmen:

CDU

446

SPD

268

FDP

69

KPD

82

und hier das Ergebnis für Bdf - Stadt

Wahlberechtigt:

7371

abgegebene:

6312

davon gültig:

5910

Es erhielten:

 

CDU

2790

SPD

1906

FDP

649

KPD

565


234
Statistische Angaben
26. 8. 49

Statistische Angaben über (Groß) - Bendorf.

Flächengröße des Gemeindebezirks /Groß) - Bendorf

2.232 ha

Einwohnerzahl nach der letzen Volkszählung (1946)

1.0447 Einw.

" " " " " (1940)

1.0291 "

Zahl der Schulkinder am 15.11.48

1.608

Zahl der Schulstellen (Anm.: = Planstellen)

33

davon katl.

28

.......... evgl.

5


 
Aufnahmeprüfung für die Selekta.
26. 8. 49

Nach vierjährigem Besuch der Grundschule haben 2 Knaben und 1 Mädchen die Aufnahmeprüfung für die Selekta (Anm.: = Vorklasse zum Gymnasium) bestanden.


 
Auszug aus den Schuletats
28. 8. 49

Auszug aus den Schuletats der Jahre 1947/48/49

 

Ansatz in

DM: 1949

Ansatz in

DM: 1948

Ist in

RM: 1947

Lehr- u. Lernmittel

400,00

25,00

-

Turn- u. Sportgeräte

100,00

40,00

-

Schülerbücherei

150,00

25,00

-

Lehrerbücherei

80,00

40,00

10,00

Unterhaltung u. Neubeschaffung des Inventars

350,00

150,00

-

Lehrmittel für bedürftige Kinder

120,00

15,00

-

Verwaltung, Porto, Papier usw.

200,00

80,00

59,97

Unfallversicherung der Kinder

100,00

50,00

140,00


 
Neuer Schulleiter

(Anm.: Hier enden die Eintragungen des stellvertretenden Schulleiters Lehrer Mons und es beginnen die Eintragungen des neu ernannten Hauptlehrers Oerter )


 
Änderung am Lehrkörper

Am 1. September 1949 wurde Lehrer Oerter aus Engers an die Volksschule Bendorf-Mülhofen versetzt. Er ist sogleich Schulleiter. Der Lehrkörper zählt 3 Lehrpersonen.

Am 1. Oktober 1949 wurde der Lehrer Theodor Stammel von Bendorf, nach vierjähriger Unterbrechung, vertretungsweise an die hiesige Volksschule versetzt.

Als 5. Lehrkraft kam von Bubenheim / Koblenz-Land Herr Lehrer Walter Bartsch an die hiesige Schule. Er übernimmt auch den Organistendienst in der Kapelle.


 
Martinszug.

Wie üblich fand auch in diesem Jahre ein Fackelzug mit anschließender Verlosung statt. Zwölf Preise standen durch Stiftung zur Verfügung. Außerdem ein Dauerbrandofen von der Concordiahütte. Die Schlußkundgebung fand auf dem hell erleuchteten Schulhof statt. Die fünf besten Fackeln wurden prämiert. Die Preisträger waren: (Namen ausgelassen)


 
Evangelische Schule in Bendorf.

Am 1. September wurde in Bendorf eine evangelische Schule eingerichtet. Die evangelischen Kinder von Mülhofen werden dort eingeschult. 16 Kinder der Grundschule verblieben in Mülhofen.


236
Schulaufnahme.

Laut ministerieller Verfügung wurden nur die Kinder eingeschult, die im letzten Quartal 1942 geboren waren, und zwar 1 Knabe (evgl.) und 2 Mädchen (1 katl. u. 1 evgl.)

Klassenstand 1. September 1949

Knaben

Mädchen

Klasse

kath.

evgl.

Ges.

kath.

evgl.

Ges.

Sa.

I ab

-

1

1

1

2

3

4

II ab

10

5

15

9

2

11

26

III ab

33

2

35

27

4

31

66

IV a

58

-

58

-

-

-

58

IV b

-

-

-

43

-

43

43

     

109

   

88

197


 
Glockenweihe am 18. Dezember 49

Die katholische Kirchengemeinde Mülhofen erhielt zwei neue Glocken. Die Kirche in Engers hatte während des Krieges eine Glocke behalten, und da sie zum neuen Geläute nicht paßte, übergab man sie der Kirchengemeinde Mülhofen. Die Firma Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher (Westfalen) nahm die Umschmelzung vor. Die größere Glocke (180 kg) schwer wurde auf den Namen Hermann Josef und die kleinere (100 kg) auf den Namen Norbert getauft. Die Weihe nahm Herr Dechant Heß, Neuwied unter Assistenz des Herren Pfarrers von Gladbach und des Herrn Kaplan von Engers vor am 4. Adventssonntag. Am Silvesterabend läuteten sie zum ersten Male beim Te Deum. Mögen sie zum Ruhme Gottes erschallen!


 
Goldene Hochzeit.

Am 10. Februar 1950 feierten die Eheleute Peter Kuhnen und Gertrud geborene Dott das Fest der goldenen Hochzeit, bei bester Gesundheit. Die Nachbarschaft nahm lebhaften Anteil.


237
Elternabend, am 1.3.1950

Sittliche Zustände machten eine Elternbesprechung unbedingt notwendig. Unten folgende Zeitungsausschnitte geben von dem wohlgelungenen Abend Kenntnis.


 
 

Bericht in der Bendorfer Zeitung:

Elternabend in Mülhofen.
Die katholische Volksschule in Bendorf-Mülhofen veranstaltete eine Ausspracheabend mit den Eltern, zu dem neben den Eltern auch Bürgermeister Bauer, Vertreter der Geistlichkeit, des Kreisjugendamtes und des Staatlichen Gesundheitsamtes erschienen waren. Nach der Begrüßung durch den Lehrer Oerter sprach zunächst Pastor Scherer. "Eltern, die Augen auf ! " war seine Forderung mit der er die Elternschaft bat, darauf zu achten, wie und mit wem das Kind seine Freizeit verbringt. Das Versagen der Elternschaft sei stets der Hauptgrund für die Vernachlässigung der Jugend.
Als Hauptredner des Abends behandelte dann Kreisjugendfürsorger Simonis aus dem reichen Erleben und Wissen seiner täglichen Erfahrung Jugendfragen. Das Jugendproblem sei heute besonders brennend geworden. Unsere Jugend ist modern und hat eine andere Denkart als die früheren Generationen. Der sittliche und moralische Niedergang unserer Jugend sei weniger eine Schuld der Jugend, als ein Versagen der Elternschaft, die es meist versäumt, in den entscheidenden Jahren des jungen Menschen (zwischen 14 und 18 Jahren), dessen Vertrauen zu erwerben. In der frühen Jugend sei zwar eine straffe Erziehungsweise angebracht, später müßten diese aber mehr zu einem Vertrauensverhältnis umgewandelt werden. Wichtig erscheine eine frühzeitige Aufklärung der Kinder, welches alleiniges Recht der Eltern und nicht der "Straße" sei.
In der Folge entwickelte sich eine lebhafte und tiefgehende Aussprache, die sich mit dem Problem "Wie sag ich es meinem Kinde" befaßte. Nachdem noch Medizinalrat Dr. Kreuz vom Gesundheitsamt über die Wichtigkeit der Tbc.-Schutzimpfung gesprochen hatte, erbat Lehrer Oerter zum Schluß die Mitarbeit der Elternschaft und richtete ihr Augenmerk auf einige dringende schulische Fragen. Bürgermeister Bauer versicherte der Lehrer- und Elternschaft seine volle Unterstützung. Der anregende Abend war ein voller Erfolg und hat dazu verholfen, das Band zwischen Schule und Elternschaft fester zu knüpfen.
Der anregende Abend war ein voller Erfolg und hat dazu verholfen, das Band zwischen Schule und Elternschaft fester zu knüpfen.


 
 

Bericht in der Rhein Zeitung:

Elternversammlung im Mülhofen.

Mülhofen. Im Saale des Gasthauses "Zum Onkel Hermann" fand eine Elternversammlung statt, in der ein Bild der Zustände und Verhältnisse bei der heranwachsenden Jugend geboten und Richtlinien gegeben wurden, die Gefahren abzuwenden. Hauptreferent des Abends war Herr Simonis vom Kreisjugendamt Koblenz, der bemerkte, noch selten eine so starke Zuhörerschaft gefunden zu haben. Als Seelsorger sprach Pastor Scherer von Mülhofen. Seine Ansprache stand unter dem Motto: "Eltern, Augen auf !" Er gliederte sie in die Fragen:
1. "weißt du, was dein Kind heute erlebt hat?,
2. "weißt du, mit wem Dein Kind verkehrt?,
3. "weißt du was Dein Kind in der Freizeit treibt ?" -
worüber er sich dann eingehend verbreitete.
Dann sprach der Vertreter des Kreisjugendamtes Simonis. Seine Darlegungen, geschöpft aus reicher Praxis, machten auf die Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck. Er bat die Eltern, den Kindern unter 14 Jahren Erzieher, den Jugendlichen bis zu achtzehn Jahren Vater und Mutter und den Erwachsenen Freund und Freundin zu sein. Zu Kindern, unter 14 Jahren, gehöre eine straffe Hand. Bei Jugendlichen, die sich in den Entwicklungsjahren befinden, gelte es, Vertrauen zu erwerben. Und bei den erwachsenen Kindern sei das Ziel, daß diese erkennen, daß die Eltern ihre besten und uneigennützigsten Freunde sind und bleiben. Wie eine gute oder schlechte Erziehung sich auswirkt, belegt der Redner an Beispielen aus seiner Praxis. Das Zitat eines namhaften Pädagogen führte er an, daß wir eigentlich in kein Problem der Jugend haben, sondern ein Problem der Erwachsenen, weil sie bei der Erziehung versagen. Erschreckend war dann das Bild, das er an der Hand einer Statistik über Geschlechtskrankheiten und die der unehelichen Kinder zeichnete. Betrübend ist es, daß die meisten unehelichen Kinder von Mädchen zwischen 17 und 20 Jahren geboren werden. Schuld daran tragen mangelhafte Aufklärung, schlechte Zeitschriften, Bücher, Besuch anstößiger Filmvorführungen, zu früher Besuch des Tanzbodens.

Eine lebhafte Aussprache mit den Eltern schloß sich an diese Darlegung en an und brachte die Erkenntnis, daß das Elternhaus an erster Stelle berufen ist, Schutz gegen diese Gefahren zu bieten. Dann könne auch, nach dieser Voraussetzung, die Behörde ein- und durchgreifen. Durch Vorträge in Müttervereinen und dergleichen soll den Müttern, als den bedeutendsten Erziehern, das Rüstzeug geboten werden, richtige Aufklärungsarbeit bei ihren Kindern zu leisten. Ein Vertreter des Staatlichen Gesundheitsamtes sprach anschließend über die zurzeit stattfindende Tbc.-Schutzimpfung, klärte die Eltern auf und bat, zur Vermeidung des Umsichgreifens dieser furchtbaren Volkseuche, ihre Kinder impfen zu lassen. In Folge der fortgeschrittenen Zeit konnte der Schulleiter, Hauptlehrer Oerter, nur noch ganz kurz erzieherische und schulische Maßnahmen die jetzt angebracht sind, bekanntgeben.


 
Ende der Chronik

Mit diesen beiden oben angeführten Zeitungsartikel enden die Eintragungen in der Schulchronik der Volksschule Mülhofen. Angefangen wurde sie 1875 und endet mit dem 1. März 1950


 
 

Anmerkung in eigener Sache: Ich habe diese Chronik nach bestem Wissen und Gewissen von dem Original abgeschrieben. Einige leichte Fehler habe ich dabei versucht auszumerzen und dabei den Sinn der Aufzeichnungen nicht zu verändern.
Bendorf, im Dezember 2010
W. Kutsche